Stickstoffeinträge in das Grundwasser sowie Phosphoreinträge in Fließ- und Oberflächengewässer aus der Landwirtschaft stellen in Schleswig-Holstein ein anhaltendes Problem dar und verdeutlichen den fortbestehenden Handlungsbedarf. Bei der Grünlandbewirtschaftung von Milchviehbetrieben gibt es oftmals Potenziale zur Steigerung der Nährstoffeffizienz. Ein entscheidender Faktor hierfür ist die Kenntnis über die tatsächlich realisierten Erträge.
Für eine bedarfsangepasste Nährstoffzufuhr und die Ermittlung realistischer Flächenbilanzen ist die exakte Bezifferung der Nährstoffabfuhr von der Fläche erforderlich. Diese als Ernteertrag bezeichnete Menge resultiert aus dem Bruttoertrag der Fläche abzüglich der Feldverluste. In der Beratung der norddeutschen Landwirtschaftskammern werden zur Schätzung der Grünlanderträge zumeist Verfahren wie das Vermessen von Einlagerungsmengen, Handschnittmethoden oder Rückrechnungen über die Futteraufnahme herangezogen. Diese Methoden bieten zwar Richtwerte, sind jedoch mit erheblichen Unsicherheiten behaftet. Von den Versuchsstationen der Kammern liegen diverse Ertragsdaten aus Exaktversuchen vor, die jedoch unter idealisierten Bedingungen entstehen, da praxisübliche Einflüsse wie etwa Bodenverdichtung durch Überfahrten oder höhere Futterverluste ausbleiben. Ernteertragsdaten aus der Praxis auf Schlagebene sind hingegen bislang nur in sehr geringem Umfang verfügbar.
Erfassung von Praxiserträgen im Grünland
Daher war es Ziel einer fünfjährigen Untersuchung, die Ernteerträge auf intensiv genutzten Grünlandschlägen in Norddeutschland systematisch zu erfassen. Im Rahmen der Projekte der Europäischen Innovationspartnerschaft (EIP) „Nährstoffmanagement im Grünland“ und „Flächenkonzepte Grünland“ (www.eip-agrar-sh.de) wurden sechs intensiv wirtschaftende Milchviehbetriebe anhand ihrer räumlichen Lage ausgewählt, um für die relevanten Naturräume im Land annähernd repräsentative Ertragsdaten zu ermitteln. 
Die Untersuchungen wurden von 2016 bis 2020 auf jeweils zwei Dauergrünlandflächen je Milchviehbetrieb durchgeführt. Die Standortdaten sowie die Ergebnisse sind in der Tabelle dargestellt.
Die Niederschläge liegen im Durchschnitt der Standorte im langjährigen Mittel (1991 bis 2020) bei 854,0 mm (DWD, 2026). In den fünf Untersuchungsjahren betrug der Mittelwert 842,2 mm, wobei eine sehr hohe jährliche Variabilität festgestellt wurde (zum Beispiel 2018: Wilstermarsch 539,1 mm; 2017: Bredstedt-Husumer Geest 1.144,7 mm). Die Lufttemperatur lag im langjährigen Mittel (1991 bis 2020) zwischen 8,9 und 9,4 °C und war in den Untersuchungsjahren mit durchschnittlich 9,9 °C leicht erhöht (DWD, 2026).
Die untersuchten Flächen wurden vorwiegend für reine Schnittnutzung und in einem Fall als Mähweide genutzt. Die durchschnittliche Schlaggröße belief sich auf 3,25 ha und schwankte zwischen 1,92 und 7,00 ha. Die Flächen wurden im Jahr zwei- bis fünfmal genutzt. Das Mittel lag bei 3,67 Nutzungen. Insgesamt wurden auf den zwölf Schlägen 209 Einzelertragswerte erfasst.
Auf allen Flächen wurde jedes Jahr unmittelbar vor dem ersten Schnitt eine Ertragsanteilschätzung nach Klapp und Stählin (Vogtländer und Voss, 1979) durchgeführt. Die Erträge wurden per Fuhrwerkswaage oder mobiler Achslastwaage erfasst. Dabei wurde das Leergewicht der Fahrzeuge mehrfach bestimmt und gemittelt, um eine möglichst präzise Erhebung der Erntemasse zu gewährleisten.
Für die Ermittlung der Futterqualität wurden für jeden Schlag und Schnitt während des Ernteprozesses beim Abladen vier Teilproben des Häckselgutes für eine Mischprobe gezogen. Die Analyse wurde an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Kiel per NIRS und die Energieberechnung nach Formeln der GfE (1998) durchgeführt. Darüber hinaus wurde die Trockensubstanz zur Ermittlung des Trockenmasseertrages bestimmt.
Grünland ist nicht gleich Grünland
Die vorliegenden Untersuchungen zeigen, dass die beteiligten Betriebe im Durchschnitt sehr hohe Trockenmasse-Ernteerträge und Energiedichten vom Grünlandland realisieren konnten. Allerdings wird auch deutlich, dass es große Schwankungen zwischen den erzielten Trockenmasseerträgen gibt. Innerhalb der Dreischnittnutzungen schwanken die Erträge zwischen den Flächen und Jahren von 75 dt TM/ha bis 135 dt TM/ha. Bei den Vierschnittnutzungen liegen sie zwischen 79 dt TM/ha und 147 dt TM/ha, und für die Fünfschnittnutzungen rangieren die Trockenmasseerträge zwischen 92 dt TM/ha und 171 dt TM/ha. Diese Spannweiten verdeutlichen, dass pauschale Schätzwerte für unterschiedliche Standorte nicht ausreichend belastbar sind.
Die Höhen der Rohprotein- und Phosphorgehalte im Erntegut weisen teilweise darauf hin, dass die Nährstoffzufuhr und die tatsächlich realisierte Nährstoffabfuhr nicht immer übereinstimmen. Daraus lassen sich potenzielle Nährstoffverluste ableiten. Weitere Möglichkeiten zur Ertragserfassung mittels Feldhäcksler und Abfahrwagen sowie die Relevanz der Kenntnis des realisierten Ertrages für den adäquaten Einsatz von Siliermitteln wurden bereits im Bauernblatt 15/2026 erläutert.
Fazit
Die enge Zusammenarbeit zwischen angewandter Forschung, Beratung und Praxis im Rahmen der Projekte verdeutlicht, dass eine Sensibilisierung für den Parameter Trockenmasseertrag und eine realistische Beurteilung der betriebseigenen Grünlanderträge dringend nötig sind. Nur dann ist es möglich, eine wirklich bedarfsgerechte Düngung durchzuführen, die tatsächlichen Nährstoffabfuhren von der Fläche zu ermitteln und Stickstoff- und Phosphorverluste zu reduzieren.




