Die Weizenkurse an der Euronext in Paris beendeten die vorige Woche mit einer Preisrallye. Die Schlusskurse notierten nahe der Grenze von 200 €/t. Dieses Niveau wurde zuletzt Anfang November des vorigen Jahres erreicht. In Chicago zeigte sich die Preisrallye noch etwas ausführlicher, hier wurde das Kursniveau von Ende Juli wiedererlangt. Auch auf Großhandelsebene kam es bereits Ende voriger Woche zu leichten Steigerungen. Dadurch befinden sich auch die Erzeugerpreise zu Wochenbeginn in einer Phase des Aufwinds.
Iran-Konflikt treibt die Rohstoffmärkte
Der Grund für diese relativ spontane Preisrallye liegt hauptsächlich in den ebenso sprunghaft angestiegenen Rohstoffmärkten. So notierten die Rohöl-Leitsorten im Durchschnitt erstmals seit Anfang August vorigen Jahres wieder über der Marke von 70 US-$/bbl. Die Rohstoffmärkte reagieren damit auf den sich weiter zuspitzenden Konflikt zwischen den USA und dem Iran. Nachdem in den vergangenen Wochen bereits öfter angenommen wurde, dass ein Militärschlag unmittelbar bevorstehe, scheint diese Gefahr nun akuter denn je. Entsprechend hoch fallen die aufgeschlagenen Risiko- und Ausfallprämien aus. Der Iran hat die Sperrung der für den internationalen Handel enorm wichtigen Straße von Hormus im Rahmen einer Militärübung bereits geprobt. Dieser krisenbedingte Anstieg im Rohstoffbereich hat die Weizenkurse international mit nach oben gerissen. Aber auch die ergebnislosen Friedensverhandlungen im Ukraine-Krieg gaben dem Weizen über den Rohstoffsektor weiteren Rückenwind. Durch die am vorigen Wochenende gestartete Verhandlungsoffensive des Iran gerieten die Weizenkurse dann zu Wochenbeginn wieder etwas unter Druck, konnten sich aber trotzdem auf einem etwas höheren Niveau halten.
Impulse vom Wettermarkt
Erneut zeigt sich aber auch, dass die Weizenkurse nicht nur von internationalen Krisen profitieren, sondern dass die Kursnotierungen sich besonders zu dieser Jahreszeit auch gern durch Wettermeldungen beeinflussen lassen. So war diese Preisrallye nicht nur krisen-, sondern auch wettergestützt. Man befürchtet in den USA, dass sich dort sowohl Trockenheits- als auch Frostschäden in wichtigen Anbauregionen negativ auf die Weizenerträge auswirken könnten. Aber auch die heftigen Niederschläge, die im Westen Frankreichs zu teils starken Überschwemmungen führten, haben dafür gesorgt, dass die Zustandsbewertungen der französischen Getreidebestände deutlich nach unten korrigiert wurden. Allerdings reagierten die Weizenkurse in Chicago deutlich ausgeprägter auf die aktuelle Gemengelage als die Kurse in Paris. Hier wirken sich die aktuelle Zollentscheidung des obersten Gerichtshofs in den USA und die anschließende pauschale „Zollkeule“ des US-Präsidenten Donald Trump nachteilig auf den europäischen Weizen aus.
Dies zeigt zum wiederholten Mal, wie empfänglich die Weizenkurse in dieser Jahreszeit für Impulse aus jeglicher Richtung sind. Es zeigt allerdings auch, wie kurzfristig diese Impulse oft sind und dass sie daher trotz deutlicher Reaktionen an den Warenterminmärkten häufig nicht bis auf die Erzeugerebene durchschlagen. Es ist abzuwarten, ob diese Wettermeldungen Bestand haben und sich somit auch (endlich) einmal negativ auf die globalen Endbestände auswirken. Entscheidend bleiben nach wie vor eine genaue Marktbeobachtung und gegebenenfalls eine schnelle Vermarktungsentscheidung.



