Der Hamburger Stadtteil Rothenburgsort besitzt mit der Wasserkunst Kaltehofe und dem Elbpark Entenwerder zwei hübsche und interessante Grünanlagen, die der Erholung der Hamburger Bevölkerung und ihrer Besucher dienen. Zudem ist das Areal in Kaltehofe eine denkmalgeschützte historisch-technische Anlage, und in Entenwerder lockt die gastronomische Einrichtung Entenwerder 1 viele Besucher an.
Die über einen Deich und eine Brücke mit dem Festland verbundene, etwa 60 ha große Elbinsel Kaltehofe wurde ab 1848 für die Wasserversorgung der Stadt Hamburg genutzt. Die Stadtwasserkunst Rothenburgsort, wie sie damals hieß, versorgte die Bewohnerinnen und Bewohner Hamburgs mit Elbwasser, das allerdings nur in Absetztbecken von Trübstoffen befreit, aber nicht gefiltert wurde. Erst 1890 wurde mit dem Bau einer Filteranlage begonnen, die allerdings im warmen Sommer des Jahres 1892 nicht fertig war. So konnte es zu der letzten großen Cholera-Epidemie mit mehreren Tausend Toten in Hamburg kommen. Dann ging es plötzlich sehr schnell mit dem Ausbau der Filteranlagen, und bereits im Jahr nach der Epidemie wurden die Hamburger mit gefiltertem Elbwasser versorgt. Ab 1964 wurde wegen der schlechten Qualität des Wassers in der Elbe auf dessen Nutzung verzichtet, und es wurde nur noch Grundwasser in Kaltehofe gefiltert. 1990 wurde die Anlage endgültig stillgelegt, und es wurde viel über die weitere Nutzung der Flächen auf Kaltehofe diskutiert.
Entwicklung nach Stilllegung der Anlage
Es gab natürlich für dieses inmitten Hamburgs gelegene Elbinselchen zahlreiche Begehrlichkeiten und Nutzungsideen. Letztlich hat man sich dazu entschieden, die historische Anlage mit den Gebäuden und den sogenannten Schieberhäuschen und den Filterbecken unter Denkmalschutz zu stellen. Außerdem wurden weite Bereiche der Insel der Natur überlassen. Seither entwickeln sich die elb- und stadtnahen Naturschutzbereiche weitgehend unberührt. Ein Teil des Areals mit dem Villengebäude und einigen anliegenden Becken, Häuschen und Grünflächen wurden zu einem Erlebnis-, Bildungs-, Erholungs- und Naturererkundungsraum. Dieser Teil wurde ab dem Jahre 2011 für die Öffentlichkeit geöffnet und wird von der Stiftung Wasserkunst Elbinsel Kaltehofe betrieben, deren Stiftungsgeber die Wasserwerke Hamburgs und die Freie und Hansestadt Hamburg sind.
So finden wir heute neben den unzugänglichen Natur- und Wildnisarealen mit den Wasserbecken und den alten, runden Klinkerbauten der Schieberhäuschen, durch die an jedem Becken der Zu- und Abfluss des Wasser geregelt werden konnte, den für die Besucher zugänglichen parkähnlichen Grünflächen- und Naturbereich mit zahlreichen Erlebnismöglichkeiten, Beobachtungsstationen, Attraktionen und Besonderheiten. Es gibt Liege- und Picknickwiesen, dazu Schmetterlings-, Wildkräuter- und Wildblumenwiesen. Dort finden sich Bienenstöcke, Insektennisthilfestationen, eine Vogelbeobachtungsplattform, ein Barfußpfad, mehrere Klangschalen, Liegestühle, ein Disc-Golf-Parcours für Frisbees und ein Naturerlebnispfad mit 25 Stationen. Interaktive Tafeln informieren zu dem Leben unter Wasser, zum Trinkwasser im Klimawandel, zur Pflanzenkläranlage und zur Trinkwassergewinnung früherer Zeiten mit Erklärung der Funktion der Schieberhäuschen. Aber auch Biotope wie Gehölze und Feuchtareale oder die Tiere in und an den Filterbecken werden behandelt. Auch werden einzelne Tiergruppen wie die Säugetiere allgemein und die Fledermäuse im Besonderen auf Kaltehofe vorgestellt, zudem einzelne Arten wie die Honigbiene, der Biber in Hamburg, der Schwarze Holunder, die Silberpappel, die Salweide oder die Hängebirke.
Informationen zum Gelände und zur Geschichte gibt es in der Ausstellung „Altes Labor“ im Erdgeschoss der Villa Kaltehofe, die aus dem Jahre 1894 stammt und ehemals als Außenstelle des Hygienischen Instituts der Stadt dazu diente, die Wasserqualität vor Ort zu überwachen. In dem anliegenden wasserumspülten, quaderförmigen Gebäude hinter der Villa befindet sich eine weitere Ausstellung mit dem Thema „Stadt, Wasser, Kunst“, in der es um die Trinkwasserversorgung in Hamburg geht. Aber auch viele Brunnen und Wasserspiele der Stadt werden im Rahmen von Führungen gezeigt.
Elbpark Entenwerder
Nicht weit von Kaltehofe über den Kaltehofe-Hauptdeich und das Sperrwerk Billwerder Bucht erreicht man den sich anschließenden Elbpark Entenwerder. Gleich am Zugang zur Halbinsel passiert man das ehemalige Gebäude der Wasserschutzpolizei, in dem sich seit 2021 am östlichen Zugang zum Park das Hamburger Angelzentrum befindet. Es ist die Anlauf- und Informationsstelle für die Hamburger Angler und für Besucher der Stadt, die gern einmal die Angel in der Elbe auswerfen möchten. Gleichzeitig befindet sich hier eine Infoausstellung zur Fischwelt der Elbe, unter anderem mit einem 1.650 l fassenden Aquarium.
Kurz darauf, bevor man den eigentlichen Parkbereich betritt, passiert man das Entenwerder Fährhaus, das bereits seit 1872 als Gaststätte betrieben wird und einen historisch-nostalgischen Eindruck vermittelt. Diese alte gastronomische Einrichtung steht im strengen Gegensatz zur nun folgenden Restauration, die man am Parkplatz über eine historische Stahlbrücke erreicht: Entenwerder 1. Die Gaststätte befindet sich auf einem 11 m langen und 16 m hohen Schwimmponton in der Norderelbe. Auffällig ist der Goldene Pavillon mit seinen kupfernen, goldfarbenen Lochblechen, der für eine Ausstellung im Jahr 2015 in Münster als Skulptur konzipiert und danach zu dem besagten Schwimm-Restaurant mit drei Ebenen ausgebaut wurde.
Auf der Halbinsel Entenwerder befand sich früher die Zollstation für Binnenschiffe, und bis in die 1990er Jahre war dies ein Abstellort für Schaustellerfahrzeuge. 1997 erfolgte die Umwandlung in eine öffentliche Parkanlage. Zunächst fristete der 16 ha große Park mit großen Rasen- und Wiesenfreiflächen sowie einigen Gehölzen und naturnah entwickelten Bereichen ein gewisses Dornröschendasein. Das änderte sich erst mit der Einrichtung der erwähnten Gastronomie auf dem Elbstrom, die Entenwerder zu einem angesagten Ausflugsziel für die Hamburger machte. An der Halbinselspitze befindet sich ein charakteristisches Rondell mit hochgewachsenen Pyramidenpappeln. Man kann den Blick auf die Elbbrücken und die Hafencity mit der aktuellen Bauruine des Elbtowers genießen und den auf der Norderelbe vorbeischippernden Binnenschiffen nachblicken.



