Planungssicherheit, Praxisnähe und Perspektiven für die Betriebe – Präsidentin Ute Volquardsen blickt im Interview auf ein bewegtes Jahr zurück und beschreibt, welche Schwerpunkte die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein (LKSH) 2026 setzt.
Frau Volquardsen, 2025 war von zahlreichen Projekten und Entwicklungen geprägt. Worauf blicken Sie persönlich mit der größten Zufriedenheit zurück?
Ute Volquardsen: 2025 war ein arbeitsreiches Jahr, in dem viel gleichzeitig in Bewegung war. Besonders zufrieden blicke ich darauf zurück, dass es uns gelungen ist, die Landwirtschaftskammer in einer Phase großer Unsicherheiten als verlässlichen Partner für die Betriebe zu positionieren. Ob in der Beratung, in der Bildung oder im Versuchswesen – wir haben konsequent daran gearbeitet, praxisnah zu bleiben und Orientierung zu geben. Gleichzeitig haben wir wichtige strukturelle Weichen gestellt, etwa mit Blick auf langfristige Planungssicherheit und die Weiterentwicklung unserer Angebote. Dieses Zusammenspiel aus Stabilität und Weiterentwicklung ist für mich ein starkes Signal. Gesundheit ist unser höchstes Gut. Auch in meiner Familie und auf unserem Hof haben wir in den vergangenen Jahren erlebt, wie schnell sich vermeintliche Sicherheiten verändern können. Das schärft den Blick für das Wesentliche – im Privaten wie im beruflichen Handeln.
Die neue Zielvereinbarung mit dem Land gibt der Kammer und den Betrieben mehr Planbarkeit. Was bedeutet dieses Signal konkret für Beratung und Bildung?
Die neue Zielvereinbarung ist ein starkes und wichtiges Signal des Landes an die Landwirtschaft und an die Kammer. Sie schafft Vertrauen und vor allem Planungssicherheit – sowohl für unsere Organisation als auch für die Betriebe. Im Alltag bedeutet das spürbare Entlastung, weil wir Beratung und Bildungsangebote langfristiger planen, Schwerpunkte gezielter setzen und unsere Mitarbeitenden verlässlich einsetzen können. Das kommt letztlich direkt bei den Betrieben an: durch kontinuierliche Ansprechpartner, stabile Angebote und mehr Fokus auf Inhalte statt auf kurzfristige Rahmenbedingungen. Besonders wichtig ist dabei, dass wir im Rahmen der Zielvereinbarung keine Kürzungen hinnehmen mussten.
Wenn Sie auf das kommende Jahr blicken: Welche Prioritäten setzen Sie 2026 für die Kammer – und wo liegen die größten Herausforderungen für die Landwirtschaft in Schleswig-Holstein?
2026 wird für die Kammer ganz klar im Zeichen von Verlässlichkeit, Praxisnähe und Zukunftsfähigkeit stehen. Unsere Priorität ist es, die Betriebe noch gezielter dabei zu unterstützen, wirtschaftlich tragfähig zu bleiben und gleichzeitig die steigenden Anforderungen zu bewältigen. Die größten Herausforderungen sehe ich weiterhin im Spannungsfeld zwischen ökonomischem Druck, politischen Vorgaben, gesellschaftlichen Erwartungen und den aktuellen Preisentwicklungen. Hinzu kommen der Fachkräftemangel und die Frage, wie wir junge Menschen dauerhaft für die Landwirtschaft gewinnen. Genau hier kommt der Kammer eine wichtige Rolle zu – als Brücke zwischen Politik, Praxis und Gesellschaft. 2026 steht zudem ein Wechsel in der Geschäftsführung an. Herr Dr. Klaus Drescher hatte von Beginn an deutlich gemacht, dass er für eine begrenzte Amtszeit zur Verfügung steht. Diesem Wunsch sind wir nachgekommen und haben im Sommer auf der Hauptversammlung Frau Stephanie Wetekam zur neuen Geschäftsführerin bestellt. Mit ihr gewinnen wir eine sehr erfahrene Führungspersönlichkeit, die Theorie, Praxis und Management in besonderer Weise verbindet.
Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein begleitet die Betriebe mit Beratung, Bildung und Versuchswesen. In welchen Bereichen möchten Sie 2026 Impulse setzen, die für die Betriebe konkret spürbar werden?
Mir ist wichtig, dass die Betriebe unsere Arbeit ganz konkret im Alltag spüren. Im Versuchswesen haben wir unsere bestehenden Beiräte neu aufgestellt, damit Fragestellungen in der Praxis zeitnah umgesetzt werden können. 2026 möchten wir Impulse in den Bereichen betriebswirtschaftliche Beratung, Klimaanpassung, Digitalisierung und Tierwohl setzen, genauso wie in den Bereichen der Führung und Kommunikation.
Dabei geht es nicht um abstrakte Konzepte, sondern um umsetzbare Lösungen: Wie können Betriebe ihre Produktionsverfahren weiterentwickeln? Wo lassen sich Ressourcen effizienter nutzen? Und wie können Innovationen aus dem Versuchswesen schneller in die Praxis gelangen? Wie schaffe ich es, Mitarbeitenden zu gewinnen und zu halten? Genau hier wollen wir noch enger mit den Betrieben zusammenarbeiten.
Die Ausbildung bleibt ein zentrales Fundament der Kammerarbeit. Was ist Ihnen mit Blick auf die jungen Menschen, die 2026 in die Landwirtschaft starten, besonders wichtig?
Die Ausbildung ist und bleibt ein zentrales Fundament unserer Kammerarbeit. Mir ist besonders wichtig, dass junge Menschen, die 2026 in die Landwirtschaft starten, echte Perspektiven sehen – fachlich, wirtschaftlich und persönlich. Sie sollen erleben, dass Landwirtschaft ein moderner, vielseitiger und zukunftsfähiger Beruf ist. Dazu gehören gute Ausbildungsbedingungen, engagierte Ausbilderinnen und Ausbilder sowie eine enge Begleitung durch die Kammer. Ein gutes Beispiel dafür ist die Einweihung unseres AgriSkill Lab in Futterkamp. Dort ermöglichen moderne Trainingsmodelle in der überbetrieblichen Ausbildung, theoretisches Wissen direkt praktisch anzuwenden. Auszubildende – ebenso wie Praktikerinnen und Praktiker – können ihre Handgriffe vertiefen und gewinnen dadurch zusätzliche Sicherheit und Kompetenz.
Und wie möchten Sie Betriebe und Nachwuchs künftig noch enger zusammenbringen?
Wir möchten Betriebe und Nachwuchs noch stärker miteinander vernetzen – durch praxisnahe Bildungsangebote, moderne Kommunikationsformate und vor allem durch den direkten Austausch. Betriebspraktika, Mentoring-Ansätze und der persönliche Kontakt zwischen Auszubildenden, jungen Fachkräften und erfahrenen Betriebsleiterinnen und Betriebsleitern spielen dabei eine zentrale Rolle. Ziel ist es, Verständnis füreinander zu fördern und junge Menschen frühzeitig mitzunehmen – damit sie erleben, wie vielfältig und verantwortungsvoll Landwirtschaft ist und sich bewusst und mit Überzeugung für diesen Beruf entscheiden.
2026 ist das „Jahr der Bäuerin“. Was verbindet die Kammer mit diesem Schwerpunktjahr?
Das „Jahr der Bäuerin“ ist eine große Chance, die Vielfalt und Bedeutung der Frauen in der Landwirtschaft sichtbar zu machen. Bäuerinnen leisten tagtäglich einen entscheidenden Beitrag – im Betrieb, in der Familie, in der Ausbildung und oft auch in der Öffentlichkeitsarbeit. Für die Kammer ist dieses Jahr Anlass, diese Leistungen stärker hervorzuheben, Netzwerke zu fördern und Frauen gezielt zu unterstützen. Es geht um Anerkennung, Sichtbarkeit und darum, Vorbilder zu zeigen. Gemeinsam mit unterschiedlichen Interessengruppen sind wir bereits im Gespräch, um bundesweit verschiedene Formate auf den Weg zu bringen.
Wenn Sie an die Kammer, die Betriebe und die Menschen denken, mit denen Sie täglich arbeiten: Was wünschen Sie sich persönlich für die Betriebe und für die Kammer im Jahr 2026?
Ich wünsche mir für die Betriebe, dass sie 2026 mit mehr Zuversicht und Planungssicherheit in die Zukunft blicken können – und dass ihre Leistungen weiterhin Anerkennung finden und ein auskömmliches Einkommen ermöglichen. Für die Kammer wünsche ich mir, dass wir auch künftig als starke Fachexpertise wahrgenommen werden: engagiert, fachlich kompetent und nah an den Menschen. Dazu gehört, unsere guten Netzwerke weiter zu pflegen und gezielt auszubauen sowie bei politischen Entscheidungen als fachlicher Ansprechpartner gefragt zu sein. Wenn wir diesen Weg gemeinsam weitergehen, bin ich überzeugt, dass wir die Herausforderungen des kommenden Jahres gut meistern.




