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Tierwohl-Maßnahmen im Rinderbereich

Rinder aktuell: Verbundprojekt „InnoRind“ geht in die Umsetzung
Von Nadine Schnipkoweit, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

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Nach mehreren Monaten Vorarbeit geht das deutschlandweite Verbundprojekt „InnoRind“ unter Leitung der Universität Kiel in die Umsetzungsphase. Es verfolgt das Ziel, das Tierwohl von Kälbern, Milch- und Mastrindern mit innovativen Haltungsformen und Management-Maßnahmen zu verbessern. Diese werden auf Versuchsbetrieben umgesetzt. Dazu gehört zum Beispiel die Erprobung neuer Absetzverfahren in der muttergebundenen Kälberhaltung. Im Anschluss werden die Ergebnisse in die landwirtschaftliche Praxis transferiert.

Das Innovationsnetzwerk Rind – kurz „InnoRind“ – bündelt die Kompetenzen der Rinderhaltung in Deutschland (Projektpartner siehe Abbildung) und wird von Prof. Georg Thaller und Nadine Schnipkoweit von der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel koordiniert. In der ersten Förderphase hat sich das Netzwerk aus neun Partnerinstitutionen damit beschäftigt, den Status quo der deutschen Rinderhaltung zu ermitteln und Verbesserungspotenziale im Bereich Tierwohl zu identifizieren. Daraus wurden Forschungsansätze und darauf basierende Strategien zur Umsetzung in die landwirtschaftliche Praxis entwickelt.

Ergänzend dazu wurde von der Georg-August-Universität Göttingen eine Verbraucherumfrage zur gesellschaftlichen Akzeptanz der aktuellen Rinderhaltung durchgeführt. Aus dieser Umfrage geht hervor, dass zirka 80 % der deutschen Verbraucher und Verbraucherinnen für eine Verbesserung der Haltungsbedingungen sowohl der Milchkühe als auch der Mastrinder plädieren. Die Ergebnisse aus der Umfrage sind maßgeblich in die Erarbeitung der Tierwohl-Maßnahmen eingeflossen.

Umsetzung auf Versuchsbetrieben

Seit August dieses Jahres befindet sich das Projekt in der zweiten Förderphase, und es kann mit den Forschungsarbeiten auf den neun teilnehmenden Versuchsbetrieben begonnen werden. Diese repräsentieren weitgehend die Hauptregionen der Rinderhaltung in Deutschland. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat dem Netzwerk hierfür rund 5 Mio. € für eine Projektzeit von drei Jahren zur Verfügung gestellt. Hiervon werden die bestehenden Rinderställe umgebaut sowie Technik und Einrichtungsgegenstände angeschafft, die das Tierwohl verbessern sollen.

So werden zum Beispiel im Bullenmaststall auf den Bayerischen Staatsgütern Ausläufe an die bereits bestehenden Buchten angebaut, um den Tieren ein größeres Platzangebot und bessere Außenklimabedingungen (Sonne, Regen) anbieten zu können. In der Lehr- und Versuchsanstalt für Tierzucht und Tierhaltung in Groß Kreutz wird untersucht, wie das Tierwohl von Mastbullen, beispielsweise durch den Hitzestress reduzierende Maßnahmen, verbessert werden kann.

Im Kälberbereich werden mehrere Projekte durchgeführt. Unter anderem werden auf dem Versuchsbetrieb des Thünen-Instituts für Ökologischen Landbau in Trenthorst neue Wege zum Absetzen und Separieren in der muttergebundenen Kälberaufzucht getestet. Auf drei norddeutschen Versuchsbetrieben (Karkendamm, Futterkamp und Gut Dummerstorf) werden Kälber wenige Tage nach der Geburt nicht mehr in Einzelhaltung, sondern in Gruppen beziehungsweise paarweise gehalten. Es wird untersucht, welchen Einfluss diese Art der Haltung auf Tiergesundheit, Tierwohl und Hygiene hat. Auch neue Möglichkeiten der Vermarktung männlicher Reinzuchtkälber stehen auf der Agenda. Die seit Jahren sehr geringen Erlöse für diese Kälber decken die Aufzuchtkosten nicht.

In der Milchviehhaltung liegt der Fokus im Abkalbebereich. Auf drei Betrieben werden die Abkalbeställe zu Gruppenbuchten mit Separees umgebaut. Das soll den Kühen die Möglichkeit geben, sich zur Geburt zurückzuziehen, so wie es die Tiere in der Natur gewöhnlich auch tun.

Umweltwirkungen und Gesellschaft

Nach der jeweiligen Umbauphase wird untersucht, inwiefern sich das Tierwohl verbessert hat. Dies wird unter anderem mittels der bereits erprobten und überwiegend direkt am Tier zu erhebenden Indikatoren des Thünen-Instituts umgesetzt, die eine anerkannte Methode zur Tierwohl-Beurteilung in Praxisbetrieben darstellen. Zusätzlich werden Aspekte wie Umweltwirkungen, Hygiene, Umsetzbarkeit auf dem Betrieb und ökonomischer Aufwand betrachtet und ausgewertet. Aufgrund der Durchführung der Tierwohl-Maßnahmen auf jeweils mehreren Versuchsbetrieben sind betriebsübergreifende Auswertungen möglich. Dies wird sich am Ende des Projektes positiv darauf auswirken, welche Rückschlüsse für die Umsetzbarkeit der Maßnahmen auf Praxisbetrieben gezogen werden können.

Parallel wird während der drei Projektjahre von der Uni Göttingen mittels eines Bürgerbeteiligungsverfahrens abgeschätzt, welche Maßnahmen für den Verbraucher und die Verbraucherinnen wichtig sind. Zugleich können Interessierte hier auch Informationen zu den Zusammenhängen in den jeweiligen landwirtschaftlichen Themen abrufen.

Stärke des „InnoRind“-Netzwerkes

Damit wird eine der Stärken des Innovationsnetzwerkes deutlich: Die teilnehmenden neun Partnerinstitutionen decken mit ihrem Know-how alle relevanten Teilbereiche der Rinderhaltung ab. So wird es möglich sein, eine umfassende Aus- und Bewertung aller Tierwohl-Maßnahmen durchzuführen, welche in einzelnen Forschungsprojekten kaum umsetzbar wäre. Zusätzlich sind die an „InnoRind“ teilnehmenden neun Versuchsbetriebe unterschiedlich ausgerichtet und können alle relevanten Bereiche der Kälber-, Milchvieh- und Masthaltung abdecken. Im Anschluss an die Versuchsphase werden Interessierte die Tierwohl-Maßnahmen auf den Versuchsbetrieben besichtigen können. In den nächsten Monaten wird unter anderem auf der Homepage des Netzwerkes über die aktuelle Projektumsetzung auf den Versuchsbetrieben berichtet (innorind.uni-kiel.de).

Die Förderung des Projektes erfolgt aus Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Die Projektträgerschaft erfolgt über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) im Rahmen des Programms zur Innovationsförderung.

Kühe auf dem Uni-Versuchsbetrieb Karkendamm. Foto: Nadine Schnipkoweit
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