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„Rollendes Kulturerbe“

Schnupperkurs im Tandemfahren in Fockbek, Kreis Rendsburg-Eckernförde
Von Lena Höfer
Tandem wurde früher vor allem zur Jagd gefahren. Das Vorderpferd musste nicht ziehen und konnte dann vor Ort noch geritten werden. Foto: Lynn Kretschmer

In Fockbek fand ein Schnupperkurs im Tandemfahren statt. Bei dieser historischen Anspannungsart laufen zwei Pferde hintereinander statt klassisch nebeneinander. Für die Durchführung dieses Kurses hatten sich drei erfahrene Fahrer zusammengeschlossen. Sie möchten das „rollende Kulturerbe“ gerne weitergeben.

Während eines verkaufsoffenen Sonntags in Rendsburg boten Klaus Peper, Lynn Kretschmer und Jürgen Thomas gemeinsam Kutschfahrten an. In den gemeinsamen Stunden auf dem Kutschbock kam den Fahrern die Idee, einen Schnupperkurs im Tandemfahren anzubieten. Zusammen bilden sie ein perfektes Team: „Jürgen ist passionierter Fahrer von besonderen Anspannungen, Klaus hat die Schulungsanlage und das passende Vorderpferd und ich den Trainerschein“, erzählt Lynn Kretschmer.Die FN-Trainerin B Fahren hatte schon öfter Anzeigen für einen Tandemkurs in Süddeutschland gelesen, der regelmäßig ausgebucht war. Im Norden hatte sie ein solches Angebot bislang nicht gefunden. Zur klassischen Ausbildung gehören die regulären Ein-, Zwei- und Vierspänner. Die übrigen Anspannungsarten werden nur selten gelehrt. Neben Tandem, bei dem zwei Pferde hintereinander laufen, kann als Königsklasse der Fahrkunst auch ein Random angespannt werden, bei dem drei Pferde hintereinander laufen. Eine weitere besondere Anspannungsart ist das sogenannte Einhorn. Hierbei läuft vor einem Zweispänner noch ein drittes Pferd.Historische Anspannung zur JagdVor allem das Tandemfahren hat einen historischen Hintergrund, denn so ist man früher oft zur Jagd gefahren. „Das sogenannte Gabelpferd, also das hintere, zog den Wagen mit dem Fahrer, den Jagdhunden und einer Wanne für das Wildbret. Das Vorderpferd hingegen war gesattelt und lief nur mit“, erzählt die leidenschaftliche Fahrerin. So musste am Treffpunkt der Reitjagd das vordere Pferd nur noch ausgespannt werden. „Das Vorderpferd war dann aufgewärmt, aber noch frisch, weil es den Wagen nicht ziehen musste. So konnte es zur Jagd geritten werden.“ Im Gegensatz zum Zweispänner gibt es hier also keine Arbeitsteilung – zumindest nicht während der Fahrt.Früher hat man auch für besonders schmale Wege oder die Bearbeitung der Felder am Feldrand im Tandem angespannt. Dann allerdings zogen doch wieder beide Pferde. „Das Tandem ist ein rollendes Kulturerbe und ich finde es schön, das Wissen darum zu erhalten und weiterzugeben“, begründet Kretschmer ihr besonderes Interesse.Der Schnupperkurs war vor allem für erfahrene Fahrer gedacht. Die Plätze waren schnell besetzt, auch weil das Trio nur vier Plätze angeboten hatte. „Wir wollten, dass jeder Teilnehmer mindestens eine halbe Stunde zum Fahren kommt. Man muss schließlich die Gelegenheit haben, sich in Ruhe in das Gespann hineinzufühlen“, so Lynn Kretschmer. Eine Trainerkollegin, ein Hufschmied sowie zwei engagierte Freizeitfahrer hatten sich als Erste angemeldet und waren begeistert von dem Angebot.Ein paar Geschirrteile werden extra benötigtDer Vormittag begann mit einer kurzen Einführung in die besondere Anspannungsart. „Man braucht nur einige Geschirrteile extra“, erklärt die Fahrlehrerin. Das Gabelpferd könne mit einem normalen Einspännergeschirr laufen, allerdings brauche es zwei Tandemleinenschlüssel. Die Leine für das Vorderpferd werde dann durch den oberen Ring geführt. Der sogenannte Wiener Haken werde auf die Strangschnalle des Gabelpferdes aufgeschoben, an dem dann die Stränge des Vorderpferdes befestigt würden. Neben einer Tandemleine und längeren Strängen für das Vorderpferd benötige man sonst noch Leinenführungsringe, die am Kopfstück des Gabelpferdes eingeschnallt würden. „Das war es dann auch schon“, sagt Lynn Kretschmer.Beim Fahren gilt es, das Vorderpferd nicht in den Zug kommen zu lassen. „Am besten hängen die Stränge leicht durch“, erklärt die Fahrlehrerin, die vor dem Kurs selbst erst viermal in dieser Anspannung geübt hat.Als Gabelpferd setzte das Trio Kretschmers Rheinisch-Deutsches Kaltblut Eric ein. Das sensible Lehrpferd machte seinen Job sehr zuverlässig und harmonierte schon von der ersten gemeinsamen Fahrt an hervorragend mit Pepers Friesen Ulrik. Der Friese hat nicht nur Erfahrung als Vorderpferd im Tandem, sondern ist auch schon mal im Random ganz vorne gelaufen. „Die Vorderpferde müssen gehorsam den Hilfen folgen und vor allem gut auf die Stimme hören“, rät Kretschmer.Nun sind alle so gut eingespielt, dass ein weiterer Kurs angeboten werden soll. Am Sonnabend, 5. März, werden die Pferde erneut als Tandem angespannt. Noch sind Plätze frei.

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