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Lager vermeiden

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Im Vergleich zum Vorjahr werden den landwirtschaftlichen Kulturen insgesamt günstigere Startbedingungen in die neue Vegetationsperiode geboten. Der Bestandesführung (Düngung, Einsatz von Wachstumsregulatoren) wird daher nach aktuellem Kenntnisstand im Vergleich zu den Vorjahren nicht ganz so viel Fingerspitzengefühl abverlangt. Bei derartigen Prognosen ist aber Vorsicht geboten. Die Monate März und April, für die die Wetteraussichten bei Abfassung dieses Artikels noch absolut offen waren, könnten sich entscheidend auf die zukünftige Bestandesentwicklung auswirken. Aus diesem Grund sind auch keine Prognosen zu möglichen Herausforderungen in der diesjährigen Absicherung der Standfestigkeit der Getreidekulturen möglich.

Die Niederschlagsintensität der zurückliegenden Herbst- und Wintermonate ist mit der des Vorjahres nicht vergleichbar. Insbesondere der Monat Februar sticht mit einer geringen Niederschlagsmenge hervor. Die nutzbare Feldkapazität (% nFK) liegt dadurch auf den meisten Böden zu Vegetationsbeginn weit unter der Wassersättigung. Des Weiteren bescherte eine ausgeprägte Frostphase im Februar dem Oberboden eine deutlich bessere Gare. Der Luftaustausch und das Bodenleben werden gefördert und die Böden erwärmen sich bei einem nachhaltigen Temperaturanstieg insgesamt schneller. Dadurch werden auch Nährstoffe aus organischen und mineralischen Düngemitteln schneller umgesetzt. Auf erste N-Gaben zu Vegetationsbeginn haben die Pflanzen zügig mit Wachstum reagiert.

Die beschriebenen Rahmenbedingungen werden sich in den meisten Fällen positiv auf die Entwicklung der Getreidebestände im Frühjahr auswirken und dann womöglich eine gute Bestockung begünstigen. Insgesamt scheint die Entwicklung der Getreidebestände, in Abhängigkeit von Saattermin und Bestellbedingungen, weitaus homogener. Mastige Getreidebestände mit einer zu üppigen Vorwinterentwicklung sind genauso die Ausnahme wie Getreidebestände mit einer zu schwachen Vorwinterentwicklung.

Die Notwendigkeit von Einkürzungsmaßnahmen durch Wachstumsregulatoren im Winterge-treide lässt sich nicht pauschalisieren. Als Praktiker ist man stets gewillt notwendige Maß-nahmen abzuwägen beziehungsweise die notwendige Wachstumsreglerintensität der Lager-gefahr des Bestandes anzupassen. In einem Winterroggen mit extrem dünner Bestandes-dichte, vorrangig verursacht durch eine lang anhaltende Trockenphase und später N-Düngung, sind Einkürzungsmaßnahmen zur Wahrung der Standfestigkeit nicht notwendig. Bei anhaltender Trockenheit und beginnendem Trockenstress der Kultur kann der Einsatz von Wachstumsreglern auch zu Ertragsminderungen führen.
Foto: Ludger Lüders
Die Notwendigkeit von Einkürzungsmaßnahmen durch Wachstumsregulatoren im Wintergetreide lässt sich nicht pauschalisieren. Als Praktiker ist man stets gewillt, notwendige Maßnahmen abzuwägen beziehungsweise die notwendige Wachstumsreglerintensität der Lagergefahr des Bestandes anzupassen. In einem Winterroggen mit extrem geringer Bestandesdichte, vorrangig verursacht durch eine lang anhaltende Trockenphase und späte N-Düngung, sind Einkürzungsmaßnahmen zur Wahrung der Standfestigkeit nicht notwendig. Bei anhaltender Trockenheit und beginnendem Trockenstress der Kultur kann der Einsatz von Wachstumsreglern auch zu Ertragsminderungen führen.

Lagergefahr richtig einschätzen

In den allgemeinen Empfehlungen zur Absicherung der Standfestigkeit der Getreidekulturen und der damit verbundenen Mittelwahl haben sich im Vergleich zu den Vorjahren keine relevanten Änderungen ergeben:

Die diesjährigen allgemeinen Empfehlungen zum Einsatz von Wachstumsregulatoren können den Abbildungen 1 bis 3 entnommen werden. Die dargestellten Strategien in der jeweiligen Getreidekultur sind nach Intensitäten gestaffelt. Daher steht man als praktizierender Ackerbauer weiter vor der Herausforderung, die Lagergefahr richtig einzuschätzen und die Strategie an die jahresspezifischen Rahmenbedingungen (zum Beispiel Witterung, N-Versorgung, Bestandesdichte) anzupassen.

Eine Übersicht der wichtigsten Einflussgrößen auf die Lagergefahr beziehungsweise die daraus resultierende Wachstumsreglerintensität zeigt Abbildung 4. Auf die wichtigsten Einflussgrößen wird im Folgenden wie bereits im Vorjahr kurz eingegangen.

Die Mittel- und Wirkstoffauswahl hat sich ebenfalls nicht verändert. So sind es auch weiterhin die Wirkstoffe Chlormequat-chlorid (zum Beispiel CCC 720, Regulator 720), Trinexapac-ethyl (zum Beispiel Moddus), Mepiquat-chlorid (zum Beispiel Medax Top), Prohexadion (zum Beispiel Prodax) und Ethephon (zum Beispiel Cerone 660), die einzeln oder geschickt kombiniert zur Einkürzung der Getreidebestände zum Einsatz kommen können. Eine Übersicht der zugelassenen Wachstumsregler (Stand: 19. Januar 2024) ist auf der Homepage der Landwirtschaftskammer (www.lksh.de) einsehbar. Im Laufe des Jahres wird sie vermutlich auch aktualisiert.

Im Landessortenversuch der Wintergerste auf der Versuchsstation im Sönke-Nissen-Koog zeigten sich im vergangenen Versuchsjahr die zum Teil großen Unterschiede in der Halmstabilität der Gerstensorten. Die agronomischen Eigenschaften wie Halm- und Ährenknicken sollten bei der Sortenwahl keinesfalls unberücksichtigt bleiben. Im schlimmsten Fall, wenn Wetterkapriolen keine zeitige Ernte einer druschreifen Gerste ermöglichen, gelangen zu viele Ähren und Körner auf den Boden und nicht wie gewünscht in den Korntank des Mähdreschers.

Versuchsergebnisse zur Wintergerste

Aufgrund letztjähriger Versuchsergebnisse ergaben sich lediglich kleinere Änderungen in der Empfehlung für die Wintergerste. Am Standort Kastorf wurde in der Sorte ‚SU Midnight‘ zu einem frühen Behandlungstermin im Stadium 31 (10. April 2024) ein Wachstumsregler-Mittelvergleich verschiedener Wirkstoffkombination durchgeführt. Die Ergebnisse sind in Abbildung 5 dargestellt. Die Behandlung erfolgte in einer warmen, wüchsigen Witterungsphase, die mit Einschränkung bis zum 18. April anhielt. Dieser schloss sich eine sehr kühle Phase mit Durchschnittstemperaturen von 5 °C vom 18. bis 26. April an. Am 29. April im Stadium 37 erfolgte eine einheitliche Behandlung aller Versuchsvarianten inklusive der unbehandelten Kontrolle. Eine erste Wuchshöhenbonitur 14 Tage nach der Behandlung zeigte gute Einkürzungsleistungen aller Präparate beziehungsweise Wirkstoffkombinationen und geringe Unterschiede zwischen den Behandlungen. Lediglich die Kombination der Produkte Regulator 720 und Prodax stach positiv hervor.

Auch die Ergebnisse der zweiten Wuchshöhenbonitur am 30. April waren im Schwerpunkt noch auf den Behandlungsvergleich im Stadium 31 zurückzuführen. Dabei zeigten die Produktkombinationen, die drei Wirkstoffe enthielten, eine auffällig höhere Wirksamkeit. Dieser Wirkungsunterschied war in der letzten Bonitur am 16. Mai sogar noch deutlicher. Dabei war die Zusammensetzung der Wirkstoffe weniger entscheidend. Leichte Vorteile in der Wirkung zeigte jedoch weiterhin die Kombination der Produkte Regulator 720 plus Prodax. Der kombinierte Einsatz von drei Wirkstoffen ermöglichte eine nachhaltigere und längere Wirkung. Positive Effekte auf die Halmstabilität der Wintergerste sind vornehmlich bei ungünstigen Witterungskonstellationen (fehlende Wüchsigkeit, längere Streckungsphase) zu erwarten. Die gewonnenen Erkenntnisse werden in der diesjährigen Empfehlung für etwas lageranfälligere Bestände berücksichtigt.

Immer den Sortentyp beachten

Bereits die Sortenwahl hat einen entscheidenden Einfluss auf die Standfestigkeit der Getreidebestände und die daraus resultierend notwendige Wachstumsreglerintensität im Frühjahr. Zweizeilige Wintergerste (etwa ‚Bordeaux‘, ‚SU Laubella‘) und einige mehrzeilige Sorten (etwa ‚Viola‘, ‚SU Midnight‘) reagieren intensiver auf Wachstumsregler. Großrahmige Sorten (etwa ‚Avantasia‘, ‚KWS Morris‘, ‚SU Jule‘) und Hybridgersten (‚SY Galileoo‘, ‚SY Loona‘, ‚SY Dakoota‘) vertragen wiederum robuste Aufwandmengen. Die agronomischen Eigenschaften der Sorten, wie Standfestigkeit oder bei der Wintergerste auch die Neigung zum Halm- und Ährenknicken, sollten bei der Wachstumsreglerstrategie keinesfalls unberücksichtigt bleiben. In der Beschreibenden Sortenliste des Bundessortenamtes wird jede Sorte nach ihrer Lageranfälligkeit und agronomischen Eigenschaften benotet. Die Bonituren der letztjährigen Landessortenversuche Winterweizen (Abbildung 6) und Wintergerste (Abbildung 7) erlauben zudem Rückschlüsse auf die Wuchshöhe (mit Wachstumsreglern behandelt/unbehandelt) respektive darauf, wie intensiv die Sorten auf Wachstumsregler reagieren.

Im Weizen, Triticale und Roggen haben sich Maßnahmen ab ES 30-31 (li.) und ES 31-32 (Mitte) unter günstigen Witterungsbedingungen bewährt, um eine stabile Halmbasis zu erlangen. Erfolgt der erste Einsatz eines Wachstumsreglers in der späteren Entwicklung des Wintergetreides (zum Beispiel in ES 32-33, r.) ist der erste Halmabschnitt bereits sehr lang geworden und lässt sich auch mit Wachstumsregulatoren noch eingeschränkt stabilisieren.

Getreide braucht ein stabiles Fundament

Im Wintergetreide entscheidet hauptsächlich eine an die Witterung angepasste Wachstumsreglerstrategie über Erfolg und Misserfolg standfester Bestände. Erste Wachstumsreglermaßnahmen sind ideal in ES 31 bis ES 31/32 platziert, um die unteren Halmabschnitte ausreichend zu stabilisieren. Bei späteren Einsätzen ab ES 32 wird oftmals kein ausreichender Einkürzungseffekt auf den untersten Halmabschnitt erzielt. Unter günstigen Anwendungsbedingungen, das heißt bei intensivem Pflanzenwachstum mit Tagestemperaturen über 15 °C und hoher Sonneneinstrahlung, können die Wachstumsregler ihre Wirkung optimal entfalten. Bei ungünstiger Witterungslage (zum Beispiel kühle und strahlungsarme Witterung) sind robustere Aufwandmengen zu wählen, um ausreichende Stabilisierungseffekte zu erzielen.

Auch auf leichteren Standorten ist es erfahrungsgemäß sinnvoll, in der frühen Schossphase etwas robustere Aufwandmengen einzusetzen. In den vergangenen Jahren war zu diesem Zeitpunkt stets eine ausreichende Wasserversorgung der Kulturen gewährleistet, sodass mögliche Schäden durch überzogene Wachstumsreglereinsätze ausblieben.

Bestände mit hoher Lagergefahr

In Beständen mit hoher Lagergefahr (zum Beispiel üppige Bestandesdichte, lageranfällige Sorte) hat sich oftmals ein zweimaliger Einsatz von Wachstumsreglern in der frühen Schossphase bewährt. Dabei erfolgt ein erster Wachstumsreglereinsatz mit angepassten Aufwandmengen zu ES 30 bis 31, eine weitere Maßnahme folgt zu ES 31/32 der Kultur. Durch diese Vorgehensweise werden die untersten Halmabschnitte gleichmäßiger eingekürzt und stabilisiert sowie das Risiko ungünstiger Witterungsbedingungen für Wachstumsregler auf zwei Termine verteilt.

Folgebehandlungen in ES 33/37 bis ES 45 haben das Ziel einer möglichst starken Reduzierung der Pflanzenlänge. Je früher die Maßnahme erfolgt, desto größer sind die Effekte beziehungsweise Einkürzungen sich noch streckender Halmabschnitte. Dies bestätigen auch Versuchsergebnisse, in denen Maßnahmen in ES 33 bis 37 stärkere Einkürzungen ermöglicht haben als Maßnahmen in ES 39 bis 45. In Beständen mit erhöhter Lagergefahr kann dies das Zünglein an der Waage sein, auch wenn eine extra Durchfahrt in Kauf genommen werden muss.

Vorsicht vor Stickstoff-Schüben

Allgemein ist bei der Gestaltung der Wachstumsreglerstrategie auch die Wasser- und Nährstoffversorgung der Bestände stets zu berücksichtigen. Bei hohem Angebot von Nitratstickstoff oder hoher N-Nachlieferung (zum Beispiel Gülle-Standort) während der Streckungsphase sind robuste Aufwandmengen zu wählen. In diesem Zusammenhang sind Wachstumsregler auch oft gut terminiert, wenn nach längerer Trockenheit größere Regenereignisse viel Stickstoff im Boden freisetzen und dadurch mit größeren Entwicklungsschüben zu rechnen ist. Bei anhaltender Trockenheit während der Schossphase wird das Längenwachstum wiederum ausgebremst, insbesondere auf leichten Standorten ist ein sehr vorsichtiger Einsatz von Wachstumsregulatoren angeraten.

Fazit

Die von Jahr zu Jahr sehr unterschiedlichen Rahmenbedingungen verlangen angepasste Strategien in der Intensität und Terminierung von Wachstumsreglermaßnahmen. Auch die Mittelwahl nimmt Einfluss auf den Erfolg und Misserfolg standfester Getreidebestände. Sehr viel größere Bedeutung haben aber präventive ­Maßnahmen (zum Beispiel Anbau standfester Sorten und Vermeidung zu früher Saattermine) sowie eine optimale Terminierung der Wachstumsreglermaßnahmen unter Berücksichtigung der Witterungsbedingungen, Wasser- und Nährstoffversorgung und den Entwicklungsstadien der Getreidekultur.

Der Nährstoff-Kompass Schleswig-Holstein

Wie viel Stickstoff steht den Pflanzen aktuell zur Verfügung? Ist der Boden ausreichend warm oder feucht? Antworten auf diese und viele weitere Fragen können Landwirte in Schleswig-­Holstein jetzt im neuen Online-­Portal „Nährstoff-Kompass Schleswig-Holstein“ finden.

Seit Oktober 2024 ist das Portal aktiv und liefert seitdem tagesaktuelle Daten zur Stickstoffverfügbarkeit im Boden, Bodenfeuchte, zu Bodentemperaturen und der N- Aufnahme der Pflanzenbestände. Interessierte Landwirte und Berater können frei zugänglich und kostenfrei auf diese Informationen zugreifen und sie in ihre betrieblichen Planungen integrieren. Die zur Verfügung gestellten Daten stammen von 30 repräsentativen Praxisflächen und konzentrieren sich zurzeit auf die Anbaufrüchte Winterweizen, Winterraps und Silomais.

Messungen für eine fundierte Bewirtschaftung

Die Datengrundlage stammt von den teilnehmenden Projektbetrieben, die ihre Bewirtschaftungsdaten dafür zur Verfügung stellen. Während der Vegetationsperiode werden mithilfe von Bodensonden, Boden- und Pflanzenproben sowie externen Wetterstationen des Deutschen Wetterdienstes kontinuierlich Daten erfasst und verarbeitet. Im Ergebnis können die Nutzer stundenaktuelle Messwerte für Bodenwassergehalte und -temperaturen in 10-cm-Schichten bis in eine Tiefe von 90 cm einsehen. Zusätzlich werden auch Daten zur N- Aufnahme der Pflanzenbestände zur Verfügung gestellt. Diese werden zusammen mit den Stickstoffgehalten im Boden im Zwei-Wochen-Rhythmus beprobt und sind ebenfalls online abrufbar. Während der gesamten Vegetationsperiode können diese Daten auf die eigenen Flächen übertragen werden und so dabei unterstützen, Dünge- oder Pflanzenschutzmaßnahmen gezielt anzupassen oder optimale Bedingungen für die Aussaat zu ermitteln.

Ein Gewinn für die betriebliche Praxis

Mit dem Nährstoff-Kompass erhalten Landwirte ein Werkzeug, das nicht nur die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben erleichtert, sondern auch hilft, Ressourcen effizient einzusetzen. Eine angepasste Düngung spart Kosten, erhöht die Erträge und trägt zum Schutz der Umwelt bei. Gerade im Hinblick auf sich verändernde Witterungsbedingungen und strengere Auflagen im Düngerecht bietet das Portal eine wertvolle Hilfestellung.

Das Projekt „Nährstoff-Kompass Schleswig-Holstein“ wird im Rahmen der Europäischen Innovationspartnerschaft (EIP Agri) Schleswig-Holstein durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (Eler) gefördert. Die Europäische Innovationspartnerschaft fördert seit 2014 praxistaugliche Innovationen in zukunftsrelevanten Bereichen der Agrarbranche. Insgesamt zwölf landwirtschaftliche Betriebe sind an der Entwicklung dieses Projektes beteiligt und bringen ihre Praxiserfahrungen mit ein, um die Anwendbarkeit und den Nutzen für die Landwirtschaft zu optimieren.

Weitere Informationen und den Zugang zum Portal finden sich unter: naehrstoff-kompass-sh.de

Deutlicher Rückgang inländischer Stromeinspeisung

Die Bedeutung von Strom aus Erneuerbaren Quellen hat 2024 weiter zugenommen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilte, wurden im vergangenen Jahr in Deutschland nach vorläufigen Zahlen 431,5 Mrd. kWh Strom ins Netz eingespeist, das waren 3,6 % weniger als 2023. Der Anteil der Erneuerbaren Energiequellen belief sich auf 59,4 % und lag damit um 3,4 Prozentpunkte über dem Vorjahresniveau. Die nachhaltige Stromerzeugung legte um 2,3 % auf den neuen Höchstwert von 256,4 Mrd. kWh zu.

Ein neues Maximum erreichte auch die Photovoltaik. Laut Destatis wurden aus Sonnenenergie 59,5 Mrd. kWh eingespeist; das waren 10,4 % mehr als im Vorjahr. An der gesamten Stromproduktion erreichten die Solaranlagen damit einen Anteil von 13,8 %, was der höchste Wert seit Beginn der Erhebung 2018 ist. Spürbar mehr Strom wurde zudem aus Wasserkraft gewonnen. Hier legte die Einspeisung um 10,3 % auf 20,4 Mrd. kWh zu. Bezogen auf die Gesamterzeugung lieferte die Wasserkraft 4,7 %.

Leicht zurückgegangen ist die durch Windkraft erzeugte Strommenge. Laut Bundesamt wurden aus dieser Quelle 136 Mrd. kWh und damit 1,4 % weniger ins Netz geleitet. Der Anteil der Windkraft an der Gesamterzeugung legte dessen ungeachtet von 30,8 % auf zuletzt 31,5 % zu. Damit waren die Windräder auch 2024 die wichtigste Energiequelle der inländischen Stromerzeugung.

Weiter an Bedeutung verloren hat die Kohle. Der Anteil des Kohlestroms an der Gesamterzeugung ging 2024 auf den neuen Tiefststand von 22,5 % zurück. Mit 97,2 Mrd. kWh wurden 16 % weniger Strom aus Kohle eingespeist als noch 2023. Ausgeweitet wurde hingegen die Verstromung von Erdgas. Laut Destatis wurden von den Gaskraftwerken 64,1 Mrd. kWh geliefert; das entsprach einem Plus von 4,6 %. An der Gesamtproduktion machte der Gasstrom 14,9 % aus. Nicht mehr an der Stromeinspeisung beteiligt war 2024 die Kernkraft. Ihr Anteil hatte sich bereits 2023 auf nur noch 1,5 % belaufen.

Deutlich ausgeweitet wurde Destatis zufolge der Import von Strom. Im Vorjahresvergleich legte die im Ausland bezogene Strommenge 2024 um 17,9 % auf 81,7 Mrd. kWh zu. Zugleich verringerten sich die Exporte um 7,8 % auf 55,4 Mrd. kWh. Laut den Statistikern hat Deutschland somit im zweiten Jahr in Folge mehr Strom importiert als exportiert; der Importüberschuss legte dabei von 9,2 Mrd. kWh auf 26,3 Mrd. kWh zu.

Nach Angaben des Bundesamtes ist seit 2018 ein deutlicher Rückgang der inländischen Stromeinspeisung von mehr als 23 % zu beobachten. Bis 2022 hat ein Exportüberschuss bestanden.

Möglichkeiten der Reduktion kritisch beurteilen

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Deutschland verfolgt in seinem Klimaschutzgesetz das Ziel, bis 2045 Treibhausgasneutralität zu erreichen. Dafür müssen die Emissionen aller Bereiche bis 2030 um 65 % gegenüber 1990 reduziert werden. Der Weltklimarat der Vereinigten Nationen (IPCC) stellt regelmäßig die weltweiten Treibhausgasemissionen zusammen. Aktuell werden aus dem Bereich Land- und Forstwirtschaft (inklusive verbundener Landnutzungsänderungen) netto 23 % Kohlenstoffdioxid-Äquivalente aller anthropogenen Treibhausgase freigesetzt (12 Gt CO2eq).

In einem Interview von „top agrar“ mit dem QS-Chef Dr. Alexander Hinrichs am 14. Januar erwähnte dieser, dass Landwirte um den CO2-Fußabdruck ihres Betriebes nicht herumkämen, da große Unternehmen der Agrar- und Ernährungswirtschaft, zum Beispiel die Meiereiindustrie oder die Schlachtunternehmen, entsprechend regulatorischen Vorgaben zu ihren Klimaleistungen berichten müssen. Die CO2-Emissionen von landwirtschaftlichen Betrieben sind ein wichtiger Bestandteil dessen.

Obwohl die weltweiten Rinderbestände von zum Beispiel 1,098 Milliarden im Jahr 1990 auf 944 Millionen im Jahr 2024 gesunken sind (Statista 2024) und der gleiche Trend auch in Deutschland zu verzeichnen ist, kombiniert mit einer gestiegenen Produktivität, bleibt als große globale Aufgabe, die Treibhausgasemissionen zu senken.

Methanbildung beim Wiederkäuer

Die Hauptnahrung von Wiederkäuern ist pflanzliches Material, das zum größten Teil aus Gerüstsubstanzen, vor allem Hemizellulose und Zellulose, besteht. Bei der bakteriellen Fermentation dieser Kohlenhydrate im Pansen entstehen vor allem die kurzkettigen Fettsäuren Essig-, Propion- und Buttersäure. Den Hauptanteil der gesamten Menge an Fettsäuren bildet Essigsäure.

Während die Essigsäuresynthese Wasserstoff freisetzende Reaktionsschritte umfasst, sind die Propionsäure- und Buttersäuresynthese von Wasserstoff verbrauchenden Reaktionsschritten gekennzeichnet. Das bedeutet: Je mehr Essigsäure entsteht, desto mehr entsteht auch Wasserstoff. Mit größerer Wasserstoffkonzentration würde der Partialdruck im Pansen ansteigen und damit das Gasvolumen zu groß werden. Daher muss der Wiederkäuer zur Aufrechterhaltung der Verdauungsprozesse den gebildeten Wasserstoff aus dem Pansen entfernen.

Dies geschieht vor allem über Wasserstoff konsumierende Bakterien, die methanogenen Archaeen, die aus Wasserstoff (H2) und Kohlenstoffdioxid (CO2) oder aus Wasserstoff, Methanol oder Methyl­aminen letztlich Methan (CH4) bilden (Methanogenese: CO2 + 4 H2 CH4 + 2 H2O und 1 H2 + Methanol oder Methylamine CH4).

Methan ist also ein natürliches, von den Methanogenen hergestelltes Nebenprodukt, vor allem beim Abbau von Kohlenhydraten. Daher geht der größte Einfluss auf die Methanbildung von den Kohlenhydraten aus und hier hauptsächlich von den Hemizellulosen. Indem der Wiederkäuer (hemi-)zellulosereiche Nahrung verdauen und veredeln kann, stellt er hiermit keine Nahrungskonkurrenz zum Monogastrier, also auch dem Menschen, dar. Diesem Vorteil steht als Nachteil gegenüber, dass eben diese (hemi-)zellulosereiche Nahrung zu einer Methanbildung führt. Das verdeutlicht einen großen Zielkonflikt.

Der Einsatz von 3-NOP hat in zahlreichen Fütterungsversuchen mit Rindern zu einer verringerten Methanemission geführt.

Reduzierung von Methan

Methan bleibt etwa zwölf Jahre in der Atmosphäre. Obgleich die Lebensdauer von CH4 deutlich kürzer als die von CO2 ist, ist sein Treibhauspotenzial größer. Daher erproben internationale und nationale Wissenschaftler verschiedene Strategien, um die Methanproduktion von Wiederkäuern zu senken.

Der Stand der verfügbaren Strategien zur Verringerung des CH4-Ausstoßes und deren Chancen und Hindernisse beziehungsweise Risiken werden in zwei Übersichtsartikeln von Beauchemin et al. (2022) und Lileikis et al. (2023) gut beschrieben.

Ein großer Effekt geht von leistungs- und effizienzsteigernden Maßnahmen aus, da hiermit die notwendige Tierzahl verringert werden kann und demnach neben einer Methanreduzierung je Produkteinheit auch eine grundsätzliche Methanmengenreduzierung verbunden ist. Letzteres gilt auch, wenn aufgrund längerer Nutzungsdauer der Tiere weniger Jungrinder gehalten werden müssen.

Neben diesen Aspekten werden unter anderem Möglichkeiten der Rationsgestaltung (Grobfutter: Kraftfutterverhältnis, Futterart und -qualität, Fettzusätze, sekundäre Pflanzeninhaltstoffe), der Einsatz von Algen, ätherischen Ölen, Probiotika, Nitraten und 3-Nitro­oxypropanol (3-NOP) beschrieben, die ein mehr oder weniger großes Methanreduktionspotenzial darstellen. Gerade auf dem Einsatz von 3-NOP zur Methanreduzierung liegen große Hoffnungen.

3-Nitrooxypropanol (3-NOP)

3-NOP ist eine synthetische organische Verbindung, die von Duval und Kindermann entwickelt und im Jahr 2012 als potenter Methanhemmer patentiert wurde. Seit April 2022 ist 3-NOP in der EU zugelassen. Seine molekulare Struktur ähnelt der von methyliertem Coenzym M (Methyl-CoM). Das Coenzym M hat eine große Bedeutung im letzten Schritt der Methanbildung. Die letzte Reaktion im Methanogeneseweg, nämlich die Übertragung von Wasserstoff auf Methyl, wird durch das Enzym Methyl-CoM-Reduktase (MCR) katalysiert. Genau hier wirkt 3-NOP, indem es die Methyl-Coenzym-M-Reduktase inaktiviert. Das geschieht durch molekulares Andocken von 3-NOP an der Bindungsstelle von Methyl-Coenzym M (Duin et al. 2016).

Versuche mit 3-NOP

Eine der ersten mit 3-NOP durchgeführte Studien war die von Wissenschaftlern der PennState University (Hristov et al. 2015). 48 Kühen mit einer Leistung von mehr als 40 kg am Tag wurden über eine Versuchsdauer von zwölf Wochen abwechselnd 0, 40, 60 oder 80 mg 3-NOP/kg Trockenmasse (TM) gegeben. Die ermittelten Methanmengen beliefen sich bei den Kontrolltieren auf 481 g pro Kuh und Tag. Bei der Gabe von 40, 60 oder 80 mg 3-NOP/kg TM verringerten sich die Methanausscheidungen auf 363, 333 beziehungsweise 319 g pro Kuh und Tag, also um 25, 31 beziehungsweise 34 %.

Vor allem in den vergangenen Jahren sind zahlreiche weitere Untersuchungen, wiederholt von Wissenschaftlern derselben Universität, zum Beispiel von Melgar et al. (2020) oder Pitta et al. (2022), aber auch in den Niederlanden (van Gastelen et al. 2020, 2022, 2024), in Deutschland (Schilde et al. 2021) oder Dänemark (Kjeldsen et al. 2023) veröffentlicht worden, um nur einige Studien zur Wirksamkeit von 3-NOP bei Wiederkäuern zu nennen.

Viele dieser Einzelversuche wurden bereits in einigen Metastudien, zum Beispiel von Dijkstra et al. (2018), Kim et al. (2020) und Kebrab et al. (2022), zusammengefasst und damit ein gewisser Trend aufgezeigt. Mit einer 3-NOP-Gabe von zirka 80 mg/kg TM bei Milchkühen und zirka 140 mg/kg TM bei Mastrindern scheint eine um zirka 30 % geringere Methanausscheidung verbunden zu sein.

Jede Fütterungsstrategie zur Reduzierung der Methanogenese kann auch die Symbiose zwischen den einzelnen Mikroben beeinträchtigen.

Wo bleibt der Wasserstoff?

Wie bereits erwähnt, ist die Essigsäurebildung im Pansen eines Wiederkäuers die vorherrschende aller Säuresynthesen. Und hierbei wird Wasserstoff freigesetzt. Eine zu hohe H2-Konzentration in der Pansenflüssigkeit würde das Gasvolumen und damit den Partialdruck im Pansen unphysiologisch erhöhen. Daher muss H2 entfernt werden, und zwar hauptsächlich über Wasserstoff konsumierende Bakterien, die methanogenen Archaeen.

Die Methanogenese ist also für den Wiederkäuer eher ein Mittel zum Zweck. Man könnte auch sagen, dass die Bildung von Methan ein notwendiges Übel ist, ein „Übel“, weil dem Wiederkäuer mit diesem Gärgas auch Energie verloren geht, „notwendig“ aber, um H2 aus dem Pansen zu entfernen.

Wenn nun aber durch die Zugabe von 3-NOP die Methanogenese gehemmt wird, ist die Frage, wo der Wasserstoff abbleibt. Gibt es bisher nicht identifizierte alternative Stoffwechselwege, die den Wasserstoff einfangen können, wenn er von den Methanogenen im Pansen verschont bleibt?

Diesen Fragen ging insbesondere eine Untersuchung von Pitta et al. (2022) nach. Bisherigen Hinweisen von Hristov et al. (2015) und Melgar et al. (2020) zufolge waren zwar während der 3-NOP-Supplementierung von Milchkühen über einen Zeitraum von 15 Wochen die CH4-Emissionen dauerhaft um 26 bis 30 % reduziert, aber sowohl gasförmiger H2, der in Atemproben über GreenFeed-Stationen gemessen wurde, als auch die Konzentration an gelöstem H2 im Pansen stiegen von der Woche eins bis neun progressiv an, um anschließend bis zur 15. Versuchswoche wieder abzufallen. Dies wurde als Hinweis auf eine gewisse H2-Dynamik gewertet.

In der PennState University durchgeführte Untersuchungen von Pitta et al. (2022) gaben dann die Erklärung dafür. Bei der von den Autoren als erste Phase beschriebenen Reduktion der Methanbildung kommt es in den ersten Wochen nach einer 3-NOP-Zufütterung zu einem Konzentrationsanstieg von H2. Dieser wiederum könnte dazu führen, dass mehr wasserstoffsensible Hydrogenasen gebildet werden.

Hydrogenasen sind Enzyme, die in vielen Mikroorganismen vorkommen und eine wichtige Rolle im H2-Stoffwechsel spielen. Werden also aufgrund eines Wasserstoffanstiegs und des damit einhergehenden höheren Partialdrucks im Pansen mehr bestimmte Hydrogenasen gebildet, kann die H2-Konzentration im Pansen wieder sinken. Das wäre die zweite Phase dieser H2-Dynamik.

Die Wissenschaftler fanden ebenfalls heraus, dass die Verschiebung des Partialdrucks mit einem Ethanolanstieg im Vormagen einherging. Das deutet darauf hin, dass die Menge an freigesetztem H2 in Wasserstoff produzierenden Bakterien unter gehemmter Methanogenese tatsächlich reguliert wird. Weiterhin zeigten die Untersuchungen bei der Fütterung von 3-NOP eine Abnahme des Essigsäureanteils und eine Zunahme des Buttersäureanteils in der Pansenflüssigkeit.

Diese Ergebnisse lassen darauf schließen, dass die infolge der Gabe von 3-NOP gehemmte Methanbildung zu mehreren Veränderungen im Laufe der Pansenfermentation führt.

Was ist zu berücksichtigen?

Gerade in jüngerer Zeit sind zahlreiche Studien mit Milchkühen und einige mit Mastrindern durchgeführt worden, um den Einfluss von 3-NOP auf die Methanbildung zu quantifizieren. Bis auf ganz wenige Studien ist hierbei oftmals die kurze Versuchsdauer (mitunter Tage bis wenige Wochen) zu beachten, des Weiteren die vielfach sehr geringe Tierzahl. Auch wurden viele Studien in einem „Cross-over-Design“ durchgeführt. Dies bedeutet, dass in einem ersten Versuchsabschnitt eine Tiergruppe die entsprechende Behandlung erfährt, in diesem Fall also eine 3-NOP-Zugabe. Die andere Tiergruppe dient als Kontrollgruppe und erhält keinen Zusatz beziehungsweise in der Regel ein Placebo.

Nach diesem Versuchsabschnitt gibt es eine Pause, die sogenannte Washout-Periode. Diese wird von den verschiedenen Versuchsanstellern unterschiedlich lang gehandhabt. Auf jeden Fall aber müsste die Zeitdauer dieser Periode sicherstellen, dass im Anschluss daran keine der Behandlungen noch weiterwirkt. Bei einem Wiederkäuer ist diese Einschätzung deutlich schwieriger als bei einem Monogastrier.

Im zweiten Versuchsabschnitt tauschen dann die Tiergruppen die Behandlungen, also die Futterrationen. Die Gruppe, die in der ersten Versuchsphase die Behandlung, also die Ration mit 3-NOP, erhielt, bekommt nun die Kontrollbehandlung, also die Ration ohne den Zusatz, und umgekehrt.

Solch ein Cross-over-Design hat den Vorteil, dass alle teilnehmenden Tiere beide Behandlungen (nacheinander) erhalten und somit als ihre eigenen Kontrollen dienen können. Dadurch wird die Anzahl an auswertbaren Tieren (mathematisch) verdoppelt und die Variabilität zwischen den Versuchstieren reduziert. Ein derartiger Versuchsansatz sollte aber nur dann gewählt werden, wenn sichergestellt ist, dass die Wirkungen einer entsprechenden Behandlung, in diesem Fall mit 3-NOP, schnell abklingen, wenn der Futterzusatz nicht mehr verabreicht wird.

Nicht zuletzt sei darauf hingewiesen, dass bei sehr vielen Versuchen wenig detaillierte Informationen über den Gesundheitszustand der Versuchstiere publiziert wurden.

Fazit

Mittlerweile haben bereits zahlreiche Untersuchungen zum Einsatz von 3-NOP stattgefunden und einen methanmindernden Effekt nachgewiesen. Dennoch bescheinigen selbst Fachleute sich ein begrenztes Wissen über die funktionelle Rolle von Archaeen und über die Wechselwirkungen zwischen Bakterien und Archaeen im Pansen.

Jede Strategie zur Reduzierung der Methanogenese kann jedoch die symbiotische Beziehung zwischen Archaeen und anderen Mikroben stören, was möglicherweise – vielleicht auch erst längerfristig – Auswirkungen auf die Pansenfermentation der Tiere haben könnte.

Daher ist ein besseres Verständnis der Auswirkungen von Methanminderungsstrategien auf die Beziehung des Mikrobioms und deren selektive Hemmung von mikrobiellen Genen/Enzymen, die die Methanerzeugung steuern, notwendig, bevor Futterzusätze in landwirtschaftlichen Betrieben empfohlen werden können.