In den vergangenen Jahrzehnten baute die Familie Fromberger das Gut Osterrade in Bovenau, Kreis Rendsburg-Eckernförde, von einem privaten Stall zu einer hochmodernen Reitanlage mit EU-Besamungsstation aus. Jan-Pierre und seine Ehefrau Matilda Fromberger betreiben hier die Fromberger Zucht- und Sportpferde GmbH.
Als Heinz Fromberger 1993 das Gut Osterrade kaufte, war es nicht sein Ziel, aus der Anlage einen Pferdebetrieb zu machen. „Meine Eltern waren zwar pferdeaffin, aber nicht sportlich ambitioniert“, erzählt Jan-Pierre Fromberger, der damals zehn Jahre alt war. Es waren vor allem seine älteren Geschwister, die dafür sorgten, dass Pferde auf dem Hof einzogen und die Infrastruktur fürs Reiten geschaffen wurde.
„Mein Bruder war sportlich sehr ehrgeizig“, erinnert sich Fromberger. Für ihn kauften die Eltern über den damals noch bei Paul Schockemöhle angestellten Otto Becker einen russischen Hengst namens Long Deal. Im Sattel des braunen Springtalents erritt Jochen Fromberger sein Goldenes Reitabzeichen und wurde Landesmeister. Der Hengst hatte lediglich einen Nummernbrand und über seine Herkunft war wenig bekannt. Reimer Hennings, der in Bendorf, Kreis Rendsburg-Eckernförde, eine Holsteiner Zucht betreibt, fand dann heraus, dass es sich bei Long Deal um einen Trakehner handelte.
Zu dem Zeitpunkt hatten die Frombergers schon mehrere abgekörte Hengste für den Sport gekauft. „Dann kamen meine Eltern 1997 plötzlich mit einem Reservesieger von den Trakehner Hengsttagen zurück“, erinnert sich Jan-Pierre Fromberger. Der Fuchs Sky Dancer von Beg xx war als bester Springhengst ausgezeichnet worden und startete nicht nur bei den Bundeschampionaten, sondern später auch erfolgreich in S-Springen. „Es kamen dann vermehrt Anfragen für die züchterische Nutzung der beiden Hengste. Das war Neuland für uns“, berichtet der Sohn der Züchter.
Erst vermarktete die Familie die Hengste über das Gestüt Tasdorf, dann arbeitete sie mit Gerard Geling zusammen, der bis zum vergangenen Jahr in Dannau, Kreis Plön, eine Hengststation betrieb. Schließlich kam der Entschluss, eine eigene Station aufzumachen. „Wenn wir was machen, dann richtig“, lacht Fromberger. So wurde 2005 die familieneigene EU-Hengst- und Besamungsstation eröffnet. Damals begann auch eine Zusammenarbeit mit der niederländischen Familie van de Lageweg, die mit dem VDL Stud eine der weltweit größten Hengststationen betreibt. „So konnten wir schnell Fuß fassen“, erklärt Fromberger, der inzwischen seit 20 Jahren mit dem VDL Stud zusammenarbeitet.
Später Einstieg
Als die Hengststation eröffnet wurde, war auch der heutige Chef des Guts Osterrade in den Sport eingestiegen. „Ich war etwas spät dran“, erinnert er sich heute. Allerdings habe er sich schon immer für die Zucht interessiert. Seine sportliche Karriere startete er Ende der 1990er Jahre unter anderem mit dem Holsteiner Lexis, den sein Bruder bis zur Klasse S vorgestellt hatte. Erst einmal angefangen, ging es schnell aufwärts. Mit 17 Jahren gewann Fromberger sein erstes M-Springen, mit Anfang 20 kamen dann die ersten Erfolge in Klasse S. Es folgten Platzierungen in internationalen Prüfungen, darunter Große Preise und das Hamburger Derby.
Doch hauptsächlich widmete sich der Träger des Goldenen Reitabzeichens der Jungpferdeausbildung, denn der Turnier- und Ausbildungsstall stand lange im Mittelpunkt seiner Arbeit. Erst in den vergangenen Jahren brachte er „mehr Schwung“ in die Hengststation. Aus drei bis sechs Hengsten wurden im vergangenen Jahr 14. In diesem Jahr sind es sogar 16 Vererber, die über das Gut Osterrade vermarktet werden.
Vor einigen Jahren ist auch seine Ehefrau Matilda Fromberger in das Unternehmen eingestiegen. Die 37-jährige Schwedin ist ebenfalls eine leidenschaftliche Springreiterin und ging unter anderem mit Sky Dancer an den Start. Inzwischen kümmert sie sich aber neben den drei Kindern vor allem um das Administrative, und da ist immer etwas zu tun.
Hauptsächlich standen und stehen Holsteiner, Oldenburger, Belgier und Franzosen bei ihnen im Stall. Wichtig sei vor allem das Springtalent und weniger der Brand. Mit den französischen Pferden war die Familie anfangs in Schleswig-Holstein noch relativ allein. „Wir waren immer für Fremdblut. Mit den Franzosen sind wir anfangs aber gegen Türen gerannt. Das hat sich heute geändert“, macht Jan-Pierre Fromberger klar. Aufgestellt waren beispielsweise die Selle-Français-Hengste Quick Orion d‘Elle und Nouma d’auzax, mit denen der 42-Jährige selbst in Klasse S startete und viele Erfolge erritt.
Heute, 20 Jahre nach der Eröffnung der Hengststation, sind dort auch wieder drei Trakehner stationiert, die in Kooperation mit Gerard Geling den Züchtern zur Verfügung stehen. „Mit ihm haben wir die ganzen Jahre gut zusammengearbeitet“, berichtet Fromberger.
Sport und Zucht
Neben dem Sport- und Ausbildungsstall und der Hengststation, die über Tiefgefriersperma inzwischen weltweit agiert, ist die Zucht das dritte Standbein der Frombergers. „Wir züchten gerne. Wenn man die Stute im Sport selbst geritten ist und Hengste im Stall hat, von denen man überzeugt ist, dann ist das ein schlüssiges Prozedere“, findet Fromberger. Einige gute Sportpferde haben auf Gut Osterrade das Licht der Welt erblickt, so beispielsweise Check me Out, ein Oldenburger von Contendro II, der achtjährig schon über 1,55 m startete.
In diesem Jahr erwartet die Familie fünf Fohlen, darunter zwei aus sportlich sehr aktiven Stuten und selbst ausgebildeten Hengsten. Besonders gespannt sind sie auf den ersten Fohlenjahrgang ihres im vergangenen Jahr gekauften Prämienhengstes Chalou. Der Youngster gehört zu einer Riege von jungen Hengsten, die auf Gut Osterrade stationiert sind. „Unser Kerngeschäft ist es, junge Hengste zu finden, auszubilden und gleichzeitig für die Zucht nutzbar zu machen“, erklärt Fromberger.
Ein Erfolgsmodell aus diesem Geschäft ist beispielsweise das Oldenburger Springpferd Asterix de Couleur, abstammend von dem Belgier Aganix du Seigneur. Den heute international über 1,50 m erfolgreichen Hengst aus der Zucht von Hartwig Schoof entdeckte Fromberger und bildete ihn aus, bevor er zu seinen Besitzern nach Schweden wechselte.
Ein weiteres gutes Beispiel ist der aktuell aufgestellte Hengst Creativ von der Söhr. Der Fünfjährige gab im vergangenen Jahr sein Turnierdebüt und wurde Dritter im Landeschampionat der vierjährigen Springpferde sowie bester Hengst seines Jahrgangs. Auch der nun sechsjährige Heat von Halifax van het Kluizebos-Connor wurde auf Gut Osterrade ausgebildet. Er war der einzige Hengst, der den Sporttest in Verden mit dem Urteil „sehr gut“ beendete. Der dunkelbraune Oldenburger bekam die gewichtete Endnote 9,03 und hatte damit bundesweit das beste Ergebnis. In diesem Jahr geht der Hengst für Irland seine ersten internationalen Turniere.
Bei der Suche nach Hengsten hat Fromberger keine bestimmte Zielgruppe. „Wir gucken gern auch nach zweijährigen Hengsten oder gehen Kooperationen mit Züchtern ein“, erklärt er.
Veranstaltung zu Ostern
Vermehrt engagiert sich die Familie auch im Training und Management von Reitern. Sehr aktiv unterstützt Fromberger das Holsteiner Schaufenster. Während der Turnierserie betreut er gemeinsam mit seinem Freund Carl-Christian Rahlf aus Neustadt, Kreis Ostholstein, etwa 40 Reiter auf den Turnieren und während mehrerer Lehrgänge.
In diesem Jahr richtet er erneut die erste Station bei sich zu Hause aus. Am Montag, 21. April, geht es los: Dann starten die A-, L- und M-Tour ins Punktesammeln. Auch die Teilnehmer der Horst-Gebers-Ponytour bekommen einen Ort für ihre Qualifikationen. Sie gehen schon einen Tag früher auf Gut Osterrade an den Start, am Sonntag, 20. April.
An den Ostertagen wird dort noch mehr geboten. Los geht es am Sonnabend, 19. April, mit einem Tag der offenen Tür und einer Hengstpräsentation. „Mit so vielen Hengsten lohnt sich eine eigene Präsentation“, findet der Chef. Am Ostersonntag sind dann auch die ganz kleinen Reiter gefragt. Im Rahmen von Theo‘s Kids Club können sie erste Erfahrungen im Parcours sammeln. Die Stangen liegen auf dem Boden oder sind höchstens 60 cm hoch. Hier kann jedes Kind starten, egal ob im Trab, im Galopp oder geführt. Im Ausland gebe es schon sehr viele solcher Prüfungen, die Familie Fromberger nun auch hier etablieren möchte. Im vergangenen Jahr gab es das Angebot zum ersten Mal und wurde sehr gut angenommen.
Auslöser für das Interesse an Prüfungen für die ganz jungen Reiter war Theodor Fromberger. Er ist der mittlere der drei Söhne, die Jan-Pierre und Matilda Fromberger inzwischen haben. Nachwuchshoffnungen gibt es also nicht nur im Stall.




