Schäden in unseren Wäldern und der menschengemachte Klimawandel erfordern einen kontinuierlichen Umbau des Waldes zu einem stabilen, zukunftsfähigen Lebens- und Wirtschaftsraum. Dies stellt die Waldbesitzenden und Waldbewirtschafter vor große Herausforderungen, da erhebliche Investitionen in eine leider unsichere Zukunft getätigt werden müssen. Dieser Problematik widmete sich das Waldbauseminar im September 2025 in Bad Segeberg.
Unter der bewährten fachlichen Leitung der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NWFVA) fand an der Lehranstalt für Forstwirtschaft der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein und nachmittags im Revier Daldorf der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten die diesjährige landesweite Waldbaufortbildung statt. Vier Vorträge und eine Exkursion beleuchteten das Thema, wie Waldbesitzende und Forstleute den Herausforderungen begegnen sollten, die sich aus dem Umbau nicht mehr klimastabiler, oft schon geschädigter Wälder ergeben. Ein wichtiges Grundprinzip dabei ist es, dass Baumarten der natürlichen Waldgesellschaft, die sogenannten standortheimischen Arten, als stabiles ökologisches Grundgerüst an der neuen Waldgeneration beteiligt sind. Daher sieht die aktuelle Förderrichtlinie zur finanziellen Unterstützung des Waldumbaus im Privat- und Kommunalwald auch einen Mindestanteil von 51 % standortheimischer Baumarten im neu geschaffenen Waldbestand vor. Wie wissenschaftlich begründet wird, ob eine Baumart standortheimisch ist, erläuterte Marcus Schmidt in seinem Vortrag und stellte die für Schleswig-Holstein verbindliche Liste der betreffenden Arten vor. Dabei traten auch einige kleine Überraschungen auf: So ist beispielsweise die Eibe als heimische Art der „freien Wildbahn“ strittig, während unter anderem die Elsbeere, eine Baumart der wärmeren Klimate, in unserem Bundesland schon als heimisch anerkannt wird.
Alternative Baumarten
Hier klingt bereits ein Grundproblem der standortheimischen Arten durch: Diese etablierten sich unter den klimatischen Bedingungen der Vergangenheit. Wie sich dieser für Pflanzengesellschaften entscheidende Rahmen aber in Zukunft ändern wird, ist extrem ungewiss. Daher war ein zweiter Vortrag auch dem Stand des Wissens über „alternative“ Baumarten gewidmet. Stefan Lieven stellte dar, wie die NWFVA anhand vorhandener Anbauversuche, Auswertung von Anbauten der forstlichen Praxis und einer umfangreichen Literaturrecherche Steckbriefe für eine ganze Zahl von Baumarten entwickelt hat, die weder heimisch noch seit über 100 Jahren in unseren Wäldern bewährt sind. Diese Kurzvorstellungen wichtiger alternativer Baumarten enthalten als Resultat immer eine Beurteilung, ob diese unter den passenden Boden- und Lagebedingungen anbauwürdig erscheinen oder nicht. Auch wenn eine einigermaßen sichere Beurteilung dieser Frage erst langfristig erfolgen kann, geben diese Steckbriefe doch schon einige hilfreiche Hinweise.
Erfreulicherweise scheinen viele Baumarten als Beimischungen in kleinen Trupps oder Gruppen geeignet. Allerdings wird unter anderem die derzeit sehr gern gepflanzte Esskastanie nur als „bedingt anbauwürdig“ beurteilt. Sie ist zwar wüchsig mit guter Streuzersetzung, aber auch krankheitsanfällig und neigt extrem zu einer holzentwertenden Ringschäle. Ausdrücklich abgeraten wird durch die Forstliche Versuchsanstalt vom Anbau der Westlichen Hemlocktanne. Diese hat ein großes Potenzial, invasiv zu werden, und könnte damit heimische Arten gefährden. Für alle Interessierten stehen die Steckbriefe als Download zur Verfügung, wie der Pressemitteilung der NWFVA zu entnehmen ist.
Baumartenwahl und Flächenvorbereitung
Das komplexe Thema der Wahl geeigneter Baumarten wurde in einem Vortrag von Nikolas von Lübke vertieft. Dabei wurde deutlich, dass neben dem Anspruch, einen auch in Zukunft stabilen Wald zu schaffen, natürlich noch viele andere Faktoren die Wahl der neu begründeten Baumarten beeinflussen. Um ein zielgerichtetes Handeln zu ermöglichen, bietet es sich an, ein gewichtetes Entscheidungsschema zur Baumartenwahl auf Basis von Zahlen, Daten und Fakten anzuwenden. Hierbei werden neben den individuellen örtlichen Standortbedingungen und Klimaprognosen zum Beispiel auch die finanziellen Rahmenbedingungen des Betriebs, die Verfügbarkeit bestimmter Baumarten und -sortimente, eine Gewichtung ökologischer, ökonomischer und sozialer Ansprüche an den Wald und andere, eigentümerspezifische Einflussfaktoren berücksichtigt. Der Kern dieser Entscheidung bleibt aber immer, die existenziell wichtige Frage der zukünftigen Baumarten eines Waldes nicht „aus dem Bauch heraus“ zu treffen. Baumartenwahl bedeutet Zukunftsvorsorge. Dies trifft natürlich auch auf die Frage zu, wie sich bestimmte Arten der Vorbereitung von Waldflächen für einen Umbau auswirken. Dies verdeutlichte Ulrike Talkner im letzten Vortrag des Tages anhand der Vorstellung von drei Versuchen zu unterschiedlichen Bodenvorbereitungsverfahren. Diese Versuche bestätigten im Wesentlichen, dass einerseits der Erhalt der Bodenstruktur, andererseits aber auch der Verbleib der Biomasse auf der Fläche für ein zukunftsfähiges Waldwachstum sehr wichtig sind. Flächiges Räumen von Schlagabraum, Begleitvegetation und Streuauflage führen insbesondere auf armen Sanden zu langfristigen Nährstoffverlusten und sollten möglichst vermieden werden. Ein flächiges Mulchen hingegen belastet den Boden je nach eingesetzter Maschine, Bodenart und Witterung so stark, dass die notwendige Bodenporenstruktur dauerhaft zerstört werden kann. Zudem werden dadurch vorhandene Naturverjüngung, Kleinhabitate und die Lebensgemeinschaft der bodennahen Totholzbewohner flächig vernichtet. Als Resultat des Vortrags muss festgestellt werden, dass die Bestandesvorbereitung so schonend und kleinflächig wie möglich ausfallen sollte. Kurzfristige Bewirtschaftungserleichterungen durch „schiere“ Flächen dürfen nicht mit einem langfristigen Schaden am Ökosystem Waldboden erkauft werden. Streifenweises Mulchen, am besten mit einem Mulchkopf von der Rückegasse aus, oder Bagger-Pflanzstreifen bieten hier mögliche Lösungsansätze. Und auf vielen noch überschirmten Flächen ist eine Bodenvorbereitung einfach überflüssig, stört das Ökosystem und kostet zudem noch Geld.
Mehrere Praxisbeispiele
Nach dem Mittagessen wurden drei Exkursionspunkte rund um Daldorf besichtigt. Ralf-Volker Nagel, der Direktor der Forstlichen Versuchsanstalt, stellte mit Unterstützung einiger junger Wissenschaftler der NWFVA und dem zuständigen Revierleiter der Landesforsten, Thomas Jacobi, Bestandesbilder zum Waldumbau vor. Zunächst wurde ein gut zehnjähriger Voranbau unter lichten Fichten und Lärchen vorgestellt. Hier wurden in recht großer Stückzahl Douglasien und Buchen truppweise in Bagger-Kratzstreifen gepflanzt. Hinzu kamen noch etliche Baumarten aus Naturverjüngung, zum Beispiel Birke, Lärche, Fichte, Eberesche, Kiefer und Eiche. Insgesamt steht der Folgebestand artenreich und gut gemischt da. Die Buche ist trotz des recht nährstoffarmen und nur mäßig frischen Bodens bemerkenswert vital, was neben ihrem geringen Alter auch daran liegen kann, dass sie mit großen Containerballen gepflanzt wurde, die eine Trockenheit nach der Pflanzung besser ausgleichen können. Die Douglasie leidet sichtlich unter verschiedenen Stressfaktoren, vor allem den pilzlichen Erkrankungen Diplodia und Schütte. Angesichts der Einschätzung der Douglasie als „extrem zukunftsfähig“ ist dies eine ernüchternde Erkenntnis. Es zeigt sich, dass man nie auf nur eine Baumart setzen sollte. Insbesondere durch die üppige und artenreiche Naturverjüngung stellt sich im Nachhinein die Frage, ob die Zahl gepflanzter Bäume auch geringer hätte sein können. Durch mehr unbepflanzte Bereiche in stärker beschatteten Bestandesteilen wäre auch eine stärkere vertikale Strukturierung des Folgebestandes entstanden. Alles in allem kamen die Teilnehmer aber zum Ergebnis, dass der Folgebestand sehr gut aussieht und alle Möglichkeiten einer zukunftsfähigen Weiterentwicklung bietet.
Das zweite Bestandesbild zeigte die Vorbereitung für einen Buchen-Voranbau auf Baggerstreifen in einem Küstentannen-Douglasien-Mischbestand. Hier läuft bereits großflächig Küstentannen- Naturverjüngung auf. Um einen einschichtigen Folgebestand ohne Mischbaumarten zu verhindern, ist eine Ergänzung mit Laubbäumen, hier natürlich am besten mit der Schattbaumart Buche, unbedingt sinnvoll. Die Tanne zeigt trotz eines geringen Alters von 48 Jahren bereits Bäume über 70 cm Brusthöhendurchmesser. Dies ist ein Zeichen dafür, dass man sich auf keinen Fall nur auf das Alter eines Vorbestandes verlassen darf, wenn es um die Entscheidung geht, bereits den Folgebestand als klimastabilen Mischbestand zu etablieren. Bei den Baggerstreifen wurde noch einmal darauf hingewiesen, dass die beiseitegezogene Biomasse möglichst im Bestand bleiben sollte, um nicht als ungenutztes Nährstoffdepot auf der Gasse zu verrotten.
Das dritte und letzte Bestandesbild war eine ehemalige Edeltannen-Schnittgrünfläche. Die Tannen sind fast vollständig abgestorben und der Boden ist stark mit Brombeere verwildert. Bei genauer Betrachtung zeigte sich jedoch, dass durch die Brombeere bereits eine erhebliche Menge junger Bergahornpflanzen, über den ganzen Bestand verteilt sogar über zehn weitere Baumarten in einzelnen jungen Bäumen zu finden sind. Anhand dieses Bildes wurde intensiv diskutiert, inwieweit der Bestand oder Teile davon noch geräumt und neu aufgeforstet werden sollten oder ob man die Fläche zumindest teilweise nicht auch einer natürlichen Wiederbewaldung überlassen könnte. Dabei muss bedacht werden, dass forstrechtlich durchaus bereits vom Vorhandensein eines Folgebestandes ausgegangen werden kann, wenn auch sehr verstreut und von geringer Qualität. Um dies zum Beispiel durch flächiges Mulchen wieder rückgängig zu machen, bedürfte es dann einer Kahlschlaggenehmigung, mit der gegebenenfalls auch die mögliche Förderung der Wiederaufforstung um 50 % sinken würde. Als Tenor der Diskussion wurde festgehalten, dass man allenfalls kleine Bereiche räumen, eventuell von den Rückegassen aus oder mit Kleinraupen mulchen und dann gruppen- bis horstweise neu bepflanzen könnte. Dies wäre aber unbestritten ein erheblicher finanzieller Aufwand, der sich durch viele kleine Wildschutzzäune noch erheblich erhöhen würde. Dieses Bestandesbild zeigte sehr deutlich, wie stark auch die Investitionsbereitschaft der Waldbesitzenden Einfluss darauf nimmt, wie die Herausforderung Waldumbau bewältigt werden kann.
Fazit
Die Waldbaufortbildung zeigte von der Baumartenentscheidung bis zur Flächenvorbereitung, wie komplex die Entscheidungen für den richtigen Weg eines Waldumbaus sein können. Dabei spielen die Einschätzung zukünftiger Entwicklungen, vor allem hinsichtlich des Klimas, und die Ziele der Waldbesitzenden eine entscheidende Rolle. Aber auch andere ökologische, ökonomische und soziale Ziele und Rahmenbedingungen bis hin zur Förderung sind zu berücksichtigen. In jedem Fall ist es gut, sich hierzu immer wieder neu zu informieren und den aktuellen Stand des Wissens zu berücksichtigen. Siehe dazu auch den Folgeartikel



