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Meilensteine beim Maisanbau in Norddeutschland aus verfahrenstechnischer Sicht

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Die Frage, was wirkliche Meilensteine in der technischen Entwicklung sind, die das Themengebiet Mais umfasst, ist nicht so einfach zu beantworten. Aus diesem Grund soll hier zunächst der Fokus auf die gesellschaftlichen Ziele aus heutiger Sicht gelegt werden und dann die Bewertung von technischen Lösungsansätzen aus ihrer Notwendigkeit ­heraus erfolgen.

Mit einer Erntemenge in Höhe von zirka 1,15 Mrd. t im Jahr 2019 nimmt Mais den größten Anteil an der Weltgetreideproduktion ein. Die Verwertung ist vielfältig. Der größte Anteil des Maises (58 %) wird als Futtermittel eingesetzt. Mais ist somit das mengenmäßig bedeutendste Futtermittel weltweit. Weitere 16 % werden zu Ethanol verarbeitet und haben mit 60 % den größten Anteil an der Bioethanolproduktion zur Verwendung als Kraftstoff. Der Humanernährung dienen zirka 12 % des Maises. In Entwicklungsländern ist vor allem Weißmais noch heute ein wichtiges Grundnahrungsmittel und liefert in Subsahara-Afrika zirka ein Viertel der Kalorienzufuhr. Diese Angaben stammen aus Quellen der Welternährungsorganisation (FAO) und der OECD.

Geringhoff Horizon Star* III Razor im Körnermais in Süddeutschland, unten Arbeitsbild des Horizon Star* III Razor. Fotos: Ramm/Reckleben

Die landwirtschaftliche Motivation, qualitativ hochwertige Nahrungs- und Futtermittel zu erzeugen ist seit jeher eines der wichtigsten Themen. Die Notwendigkeit zur kontinuierlichen Abstimmung auf die sich bietenden Rahmenbedingungen ist ebenfalls von großer Bedeutung. Die kontinuierliche Anpassung an sich ändernde Umwelt- und Rahmenbedingungen bedeutet auch eine ressourcenschonende Bewirtschaftung. Dabei bietet die Technik das Werkzeug zur Umsetzung, jedoch werden die Anforderungen an diese Technik erst bei ihrer Nutzung durch den Landwirt völlig klar. Daher sollen hier drei Beispiele betrachtet werden.

Mais hat mit seiner hohen Biomasseproduktivität und damit seinem großen CO2-Bindungspotenzial zum einen als Futterpflanze (Silomais) und zum anderen als Stärkelieferant (Körnermais) eine große Bedeutung für die deutsche Landwirtschaft und die weiterverarbeitende Industrie.

Standraum und Nährstoffausnutzung

In der Literatur findet man verschiedene Ergebnisse zum Thema Reihenweite beim Mais. In erster Linie geht es um eine bestmögliche Standraumverteilung für die Einzelpflanze, um hohe Trockenmasseerträge zu erzielen, wie Abbildung 1 veranschaulicht. Die veränderten Standräume erfordern einen wirklichen Meilenstein in der Landtechnik – den reihenunabhängigen Erntevorsatz am Feldhäcksler. Daraus ergeben sich die folgenden neuen technischen Ansätze.

Je gleichmäßiger die Einzelpflanzenverteilung in der Fläche ist, desto gleichmäßiger ist die Raumzuteilung für die ­individuelle Kulturpflanze und damit die Lichtausnutzung, die Durchwurzelung und die Nährstoffausnutzung. Höhere Erträge bei engeren Saatreihenabständen konnten auf allen Standorten nachgewiesen werden. Es zeigten sich ebenfalls geringere Restnitratgehalte im Boden, was auf eine verbesserte Nährstoffausnutzung hinweist.

Feldhygiene und Stoppelmanagement

Steigende Erträge im Ackerbau erfordern angepasste Intensitäten in allen Bereichen – auch bei der Stoppelbearbeitung und Feldhygiene. Mit steigenden Erträgen nehmen auch die auf dem Feld belassenen Ernterückstände zu, die es schnell zu bearbeiten gilt. So können die Rotte gefördert und das Risiko von Infektionen der Folgefrucht deutlich reduziert werden. Eine intensive Produktion, eine große Feldhygiene und die Erosion stellen zunehmende Ansprüche an die Maisanbauer. Denn nachhaltig hohe Erträge sind die Zwänge für unsere Landwirte, die durch die Verknappung der Fläche umso größer werden.

In der Praxis zeigt sich folgendes Bild auf Betrieben, die langjährig Körnermais in der Fruchtfolge haben: Je nach Erntevorsatz wird so tief wie möglich geschnitten und dann in den klassischen Körnermaisregionen zusätzlich noch gemulcht, um die Auffaserung der Reststoppel zu erreichen und so eine schnelle Rotte zu begünstigen. Solche Beobachtungen werden mittlerweile auch im Silomaisanbau zum Alltag, da auch hier die Stoppelreste Fusarien und Maiszünsler begünstigen und bei intensiver Zerkleinerung diese Gefahr deutlich minimiert werden kann. Das einzige Problem sind durch die Erntefahrzeuge platt gefahrene Stoppeln, denn hier stoßen die Mulcher (Sichel und Schlegelmulcher) an ihre Grenzen.

Aufgefaserte Stoppeln bieten keinen Unterschlupf für die Maiszünslerlarven. Foto: Reckleben

Die Ergebnisse der von Sebastian Ramm et al. 2022 in Schleswig-Holstein bis Baden-Württemberg durchgeführten Versuche zeigen, dass das kombinierte Verfahren mit dem Horizon Star* III Razor unter guten Bedingungen mehr als 85 % aller Maisstoppeln bis zum Wurzelansatz auffasern kann. In Bereichen ohne Fahrspureinfluss lagen die in der Referenzvariante eingesetzten Schlegelmulcher gleichauf. Im Durchschnitt über die Wiederholungen und Standorte hinterließen beide Versuchsvarianten nicht mehr als 4 bis 11 % der Maisstoppeln mit einem intakten Internodium. Dort, wo die Reifen oder Bandlaufwerke des Mähdreschers die Stoppelreihen niederdrücken, zeigen sich hingegen erhebliche Unterschiede. 2019 blieben beispielsweise an einem niedersächsischen Versuchsstandort im Bereich der Mähdrescherfahrspur durchschnittlich 56,5 % der Maisstoppeln nach dem Mulchen (Schlegelmulcher, Front-Heck-Kombination) mit einem intakten Segment zurück. Die Stoppeln wurden beim Überfahren zu tief in den weichen, feuchten Boden gedrückt, sodass sie nachträglich durch die Schlegel nicht erfasst werden konnten. Die übrigen Stoppeln wurden deutlich verletzt, aber nur 11,5 % der Maisstoppeln waren vollständig aufgefasert.

Im Gegensatz zum Silomais, bei dem der Großteil der Pflanze mit der Ernte vom Feld abgefahren wird, ist der Körnermais mit Korn-Stroh-Verhältnissen von 1:1,3 eine Frucht, von der bei etwa 7 t Kornertrag rund 9 t Stroh auf dem Acker verbleiben. Der Anteil von Körnermais ist in ganz Deutschland, aber vor allem in Norddeutschland mit zunehmendem Anbauumfang in der Fruchtfolge vertreten. Besonders hier hat sich der 2019 auf der Agritechnica von der Neuheitenkommission prämierte Erntevorsatz aus Dreiwalzenpflücksystem und Unterflurhäcksler der Firma Geringhoff (Horizon Star* III Razor) etabliert, der von vielen Lohnunternehmern in Schleswig-Holstein eingesetzt wird. Die Vorzüge sind keine platt gefahrenen Stoppeln und damit auf mehr als 90 % der Fläche optimal zerkleinerte Erntereste und ein geringerer Energieaufwand je Hektar als bei vergleichbaren Erntesystemen mit Mulcher.

Die Ernte und das Stoppelmanagement bei Silo- und Körnermais sind zukünftig das A und O, denn nur so lassen sich besonders im Mais die Pflanzenschutzaufwendungen weiter reduzieren. Aus diesem Grund sollten zunehmend auch in den norddeutschen Regionen die Arbeiten direkt in den Ernteprozess beim Lohnunternehmen mit integriert werden. So können die Vorzüge von Schlagkraft und Termin optimal aufeinander abgestimmt ­werden.

Vorteile des Unterflurhäckslers am Körnermaisgebiss Horizon Star* III Razor: Alles ist fertig, bevor der Mähdrescher darüberfährt. Foto: Werkbild

Schwerpunkt Ferkelaufzucht

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Kürzlich fand die vierte Veranstaltung der Seminarreihe zur Magen-Darm-Gesundheit beim Schwein in Futterkamp statt. Die Seminarreihe, die im Rahmen der AG Schwein des Runden Tisches „Tierschutz in der Nutztierhaltung“ initiiert wurde, hatte zu ihrem vorletzten Termin für Berater den Schwerpunkt auf der Ferkelaufzucht. Sie wurde durch die Firma J. Stöfen gefördert.

Hendrik Bielfeldt, Landwirt aus Bünsdorf, stellte seinen Betrieb vor. Auf dem Betrieb von Katharina und Hendrik Bielfeldt werden 630 Sauen im Drei-Wochen-Rhythmus gehalten. Es gibt 4.450 Ferkelaufzuchtplätze mit eigener Jungsauenaufzucht und Mast für die Direktvermarktung „Glücksstück“ in Haltungsstufe 4. Der Betriebsleiter hat gute Erfahrung mit dem Langschwanz bei seinen Tieren gemacht. Er betont die hohe Zufriedenheit mit der eigenen Futterherstellung. Bei den Sauen werden gequetschter Hafer und Toxinbinder in der Futterration eingesetzt. Zur Beschäftigung und als Rohfaserquelle wird Haferstroh per Bodenfütterung den Tieren zur Verfügung gestellt.

Hendrik Bielfeldt stellte die These in den Raum: „Gesunder Sauendarm gleich gesunder Ferkeldarm?!“ Für ihn liegt auf der Hand, dass beides eng miteinander zusammenhängt. Das Absetzgewicht seiner Ferkel liegt bei zirka 7 bis 8 kg. Nach der Abferkelung wird darauf geachtet, dass jedes Ferkel eine Zitze an der Sau hat. In den ersten drei Tagen wird über die Nutrix von Weda Wasser angeboten. Ab dem dritten Tag wird Ferkelmilch mit einem Anteil von 10 % fermentierter Milch eingesetzt, das Ferment ist bis zum Absetzen Teil der Ration. Die Sauen verlassen zuerst den Abferkelstall, die Ferkel verbleiben noch bis zu zwei Tage dort. Im Anschluss werden sie sanft, ohne Stress in die Ferkelaufzucht umgetrieben. Der Landwirt betonte, dass die Stressvermeidung bei der Verladung ein wichtiger Punkt für die Magen- und Darmgesundheit sei.

In der Ferkelaufzucht werden den Ferkeln drei Wochen lang Wasser in Schalen, gequetschter Hafer sowie Wühltröge mit Stroh angeboten, um Rangkämpfe bei der Fütterung zu vermeiden und den Tieren eine Rohfaserquelle anzubieten, die sie nach Bedarf zu sich nehmen können. Außerdem können sie im Wühltrog dem natürlichen Wühlinstinkt nachgehen. Dadurch sind die Tiere deutlich ausgeglichener und entspannter. Der Landwirt betonte, dass ein gesunder Darm auch Langschwänze möglich mache.

Verdauungsphysiologische Aspekte

Tierärztin Dr. Maria Mester gab Einblicke in die Verdauungsphysiologie und Auswirkungen pathogener Veränderungen sowie die Auswirkung des Futters auf die Magen- und Darmgesundheit der Ferkel.

Wo entstehen pathogene Veränderungen? Um zu verstehen, wo die pathogenen Veränderungen beim Ferkel entstehen können, erörterte Dr. Mester die bakteriellen Infektionen des Magen-Darm-Trakts beim Schwein. Coli-Infektionen entstehen im vorderen Magen-Darm-Bereich, meist im Dünndarm, aber zum Teil auch schon im Magen. PIA (Lawsonien) tritt vor allem im hinteren Dünndarmabschnitt durch eine Veränderung und Schädigung der Darmschleimhaut auf. Dysenterie hingegen ist eine Erkrankung des Blinddarms sowie des Dickdarms und Clostridien sind eine Erkrankung aus dem Dickdarm heraus. Das Wissen darüber, wo der Ferkeldurchfall lokalisiert ist, ist entscheidend für Tierärzte und Berater, um dann mit geeigneten Maßnahmen gegenzusteuern. Mester betonte, dass nicht alle Durchfallprobleme damit behoben werden könnten, wenn mehr Rohfaser und ein gröberer Vermahlungsgrad des Futters angestrebt würden.

Ferkelaufzucht: Kritische Phasen

Bei der Magen- und Darm-Gesundheit spielt das optimale Futter eine zentrale Rolle. Die Futteraufnahme geht bei den abgesetzten Ferkeln in den ersten drei Tagen nach dem Absetzen oft deutlich zurück. Dadurch kommt es zu einer geringeren Enzymaktivität. Wenn die Futteraufnahme vom fünften bis siebten Tag nach dem Absetzen wieder zunimmt, kann dies zu Durchfall führen, weil die Enzyme dann erst wieder in Arbeit kommen müssen und deswegen die Nahrung zu dem Zeitpunkt nur teilweise verdaut wird. Gleichzeitig findet bei der plötzlich steigenden Futteraufnahme oft eine unzureichende Durchsäuerung des Nahrungsbreis statt. Dadurch sind die Nährstoffe für die Ferkel auch schlechter verdaulich. Je weniger durchsäuert die Nahrung für die Ferkel ist, desto höher ist die Gefahr von Schadkeimen, die ebenfalls zu Durchfallerkrankungen bei Ferkeln führen können. Allerdings nimmt die Magensäuerung der Ferkel erst mit dem Altern zu. Am Lebensanfang findet die Magensäuerung durch die aufgenommenen Milchsäurebakterien über die Sauenmilch statt. Durch die Milchsäurebakterien bleibt der pH-Wert niedrig und dadurch kommt es zu weniger aufsteigenden Schadkeimen und weniger Durchfallproblematik.

Ab dem fünften bis zwölften Tag nach Absetzen kann es zur Darmentzündung kommen, die meistens durch Coli-Bakterien verursacht wird. In dieser Phase haben die Ferkel eine niedrige Säurebindungskapazität (SBK). Das heißt, dass hochverdauliche Stoffe im Futter mit wenig SBK eingesetzt werden sollten, da die Ferkel schwer verdauliche Futtermittel durch zu wenig Magensäureproduktion nicht verwerten können.

Eine weitere kritische Phase für die Ferkel ist der zwölfte bis 17. Absetztag. In dieser Phase setzen sich die Ferkel mit vielen Infektionen auseinander. Dr. Mester beschrieb die Situation ähnlich der des Kindergartens, wo sich das Immunsystem erst aufbauen müsse. Deshalb benötigten die Ferkel Eiweiß im Futter. Eiweiß und insbesondere die Aminosäure Phenylalanin werden für die Abwehrfunktion des Immunsystems benötigt, vor allem wenn im Körper viele Entzündungsreaktionen ablaufen. Im Gegensatz dazu wird Lysin vorrangig für den Muskelaufbau – Fleischansatz – benötigt. Wenn der Rohfasergehalt nicht auf die Phase der Ferkel abgestimmt ist, kann es in der Praxis zum Auseinanderwachsen der Ferkel beziehungsweise zu Ferkeln mit spitzen Rücken kommen. Die Darmgesundheit der Ferkel ist durch die Rohfaser zwar oft besser, jedoch sind die Ferkel in kritischen Phasen mit der Infektabwehr beschäftigt und können das Futter für den Muskelaufbau nicht umsetzen.

Durchsäuerung des Magens

Im Magen herrscht durch den Salzsäuregehalt ein sehr niedriger pH-Wert. Damit der Magen sich aufgrund dessen nicht selbst verdaut, ist er mit einer schützenden Schleimhaut ausgestattet. Sie ist jedoch nicht überall gleich stark, so befindet sich am Mageneingang kaum schützende Magenschleimhaut. Dort sollte im Normalfall der pH-Wert über 5 liegen. Wenn das Futter zu fein vermahlen ist oder andere Ursachen einwirken und es zu keiner Magenschichtung kommt, kann der saure Magenbrei an den ungeschützten Mageneingang gelangen und dort zu Läsionen und im Fortlauf zu Magengeschwüren führen. Der pH-Wert im Futter sollte daher nicht unter 5 liegen. Eine Übersäuerung führt bei den Tieren außerdem zu Unwohlsein, Sodbrennen, Fundamentproblemen oder zur Metabolischen Azidose (Übersäuerung des Blutes).

Der Körper braucht einen stabilen pH-Wert, damit alle Körper- und Stoffwechselfunktionen optimal funktionieren. Zu Fundamentproblemen kann es bei Durchfall oder Übersäuerung kommen, weil der Körper versucht, den pH-Wert durch Kalzium aus den Knochen abzupuffern. Rohfasergaben führen zu einer erhöhten Speichelproduktion und damit zur Abgabe von Bicarbonat. Bicarbonat neutralisiert den pH-Wert.

Fazit

Hendrik Bielfeldt sieht in der Praxis, dass der Kupierverzicht durch einen gesunden Darm möglich wird. Dr. Maria Mester verwies auf viele verschiedene Ansatzpunkte für eine ausgewogene Magen- und Darm-Gesundheit. Bei einem guten Zusammenspiel von Management, Fütterung und Gesundheit hat der Langschwanz auch aus ihrer Sicht eine Chance in der Praxis.