Die Einzelkornsaat von Getreide verfolgt das Ziel, die Nachteile der herkömmlichen Drillsaat zu überwinden, indem jedes Korn präzise und gleichmäßig im Boden platziert wird. Dadurch wird die Konkurrenz um Wasser, Licht und Nährstoffe reduziert, was zu homogeneren Beständen, besserer Durchlüftung und potenziell geringerem Krankheitsdruck führt. Versuche zeigen leichte Ertragsvorteile (2 bis 5 %) gegenüber der Drillsaat sowie die Möglichkeit, die Saatmenge deutlich zu reduzieren, ohne Ertragseinbußen zu riskieren.
Weitere positive Effekte sind eine schnellere Bodenbedeckung und damit stärkere Unkrautunterdrückung sowie ein günstigeres Mikroklima im Bestand. Die Gleichstandsaat im Dreieckverband wird als nächste Entwicklungsstufe diskutiert, ist aber technisch bei hohen Aussaatstärken im Getreide noch nicht umsetzbar.
Die Aussaat ist neben dem Pflanzenschutz und der Bodenbearbeitung einer der wesentlichsten Prozesse im Produktionssystem Getreideanbau. Mit der Aussaat wird die Ausgangssituation für die Bestandesdichte und -entwicklung gesetzt. Neben der Wahl der Aussaatmenge spielen die technischen Anforderungen der Aussaattechnik eine bedeutende Rolle. Hier steht die gleichmäßige Kornverteilung über die Fläche (Längs- und Querverteilung) bei gleichzeitig exakter Tiefenablage im Vordergrund. Diese Parameter bestimmen die Konkurrenz der Einzelpflanzen maßgeblich, die neben weiteren Parametern – zum Teil in Wechselbeziehungen mit der Saat – den möglichen Pflanzenertrag beeinflussen.
Universaldrillmaschinen können sowohl auf fertigem, abgesetztem Saatbett als auch in Kombination mit der Bodenbearbeitung in einem Arbeitsgang eingesetzt werden. Eine Universal-Drillmaschine soll vielseitig einsetzbar sein, das heißt sie muss zum einen eine definierte und gleichmäßige Ablage in ein Saatbett mit Ernterückständen (zum Beispiel Mulchsaat) der Vorfrucht gewährleisten. Dies setzt auf bestimmten Standorten einen gewissen Schardruck voraus. Der Schardruck ist bei neueren Maschinen vom Fahrersitz aus einstellbar. Sie muss auch bei einem hohen Aufkommen an Ernterückständen verstopfungsfrei arbeiten. Zum anderen muss die Maschine auch auf Flächen eingesetzt werden können, auf denen eine Bodenbearbeitung nach Pflugfurche vorausgegangen ist. Sie darf in jedem Fall die Saat nicht zu tief ablegen, was eine genaue Scharführung erfordert. Da die Saatbettbereitung und die Aussaat nach Möglichkeit in einem Arbeitsgang erfolgen, müssen die eingesetzten Werkzeugkombinationen neben der präzisen Saatgutablage ein Saatbett schaffen, das ausreichend gekrümelt und rückverfestigt ist.
Die Frage nach dem Saatreihenabstand gewinnt zunehmend, insbesondere bei Neuanschaffungen, an Bedeutung. Ältere Veröffentlichungen erklärten, dass mit 12,5 cm die optimale Ertragsentwicklung gewährleistet sei. Neuere Veröffentlichungen zeigen, dass vor allem bei größeren Reihenabständen deutlich höhere Fahrgeschwindigkeiten gefahren werden können – bei stabilen Erträgen.
In Versuchen der Fachhochschule Kiel gemeinsam mit Väderstad konnte in den Jahren 2009 bis 2011 eine deutlich höhere Anzahl von Ähren tragenden Halmen und produktiver Biomasse bei einem Saatreihenabstand von 16,7 cm gemessen werden. Ein weiterer Reihenabstand bietet zudem Vorteile in der Benetzung der Pflanzen. Vor allem die Benetzung unterer Blattetagen kann unter Umständen von weiteren Reihenabständen profitieren.
In den letzten Jahren hat auch eine Anpassung der Saatmenge an die Bodenbedingungen zunehmend an Bedeutung gewonnen. Das Ziel ist, je nach Standort eine mögliche Einsparung von Saatgut zu erreichen oder gleichmäßigere Bestände zu etablieren. Auch Ton- und Lehmkuppen sollen mit einer ausreichenden Pflanzenzahl je Quadratmeter in den Winter geschickt werden.
Die optimale Saatstärke für Winterweizen liegt zwischen 180 und 400 Körnern je Quadratmeter (K./ m2) und wird vor allem durch den Saattermin beeinflusst. Als Faustregel gilt eine Saatstärke von 300 bis 330 keimfähigen K./ m2. Bei früher Saat können bereits 180 K./ m2 ausgesät werden. Auf leichten Böden fördert eine Aussaatmenge von 280 bis 300 K./ m2 die Kornausbildung und mindert die Folgen von Wassermangel. Saatstärken von mehr als 400 K./ m2 steigern hingegen die Krankheitsgefahr und sie verschlechtern auch die Kornqualität.
Eine schlagkräftige Sätechnik ermöglicht eine kostengünstige und zeitsparende Saat, um für jede Kultur den gewünschten Saattermin einzuhalten und optimale Bestandsentwicklungen für die Wintersaaten bis zum Frost zu erreichen. Winterraps zum Beispiel benötigt von der Aussaat bis zum Auflaufen eine Temperatursumme von zirka 80 °C, für eine gute Vorwinterentwicklung bis zum Acht-Blatt-Stadium werden weitere 680 °C in Summe benötigt. Das sind für Schleswig-Holstein etwa 100 Tage für eine ordentliche Vorwinterentwicklung. Die Ablagequalität von Sämaschinen beeinflusst die Bestandesentwicklung, indem sie – angepasst an Klima, Boden und Saatzeit – maßgeblich die Keim- und Wachstumsbedingungen prägt. Ein wichtiges Kriterium zur Bewertung der Ablagequalität ist neben der Güte der Tiefenablage die Gleichmäßigkeit der Kornabstände in der Reihe, nämlich die Längsverteilung. Diese hat bei den heute üblichen Reihensaaten einen direkten Einfluss auf die Flächenverteilung der Körner.
Je nach standardmäßig mit der Drillsaat verwendetem Säsystem gewinnen Drillsaatsysteme mit Vereinzelung und auch Einzelkornsaatsysteme an Bedeutung. Jedes System hat unterschiedliche Ablagegenauigkeiten in der Längsverteilung. Während die Einzelkornsaat immer exakt die Körner vereinzelt und ablegt, kommt es aufgrund der Volumendosierung bei den Drillsaatsystemen zu Doppel- oder Mehrfachbelegungen in der Saatreihe. Allerdings bieten die Drillsaatsysteme aufgrund der einfacheren Tiefenführung der Schare die Möglichkeit, Saatreihenabstände von 10 cm bis 75 cm zu realisieren und höhere Geschwindigkeiten (mehr als 12 km/h) bei der Aussaat zu erreichen. Die meisten Einzelkornsaatreihenabstände stoßen bei 22,5 cm bereits an ihre Grenzen. Die Doppel- oder Mehrfachbelegungen bei der Volumendosierung führen zu schlechteren Platzverhältnissen für die Einzelpflanze, was sich im Ertrag auswirkt. Die schwankende Ablagegenauigkeit wird mithilfe des Variationskoeffizienten (VK) bewertet (siehe Abbildung).
Ziel sollte es sein, stets die höchste Exaktheit anzustreben und den Variationskoeffizienten für die Längsverteilung so gering wie möglich zu halten – also bei Einzelkornsaatmaschinen unter 10 % und bei Drillsaatsystemen unter 100 %. Drillsaatsysteme mit zusätzlicher Vereinzelung kommen hier auf Werte von 50 bis 60 % VK.
Abbildung: Variationskoeffizient als Kennzahl der Gleichmäßigkeit der Längsverteilung bei der Saatgutablage
Technisch ist die Einzelkornsaat anspruchsvoll: Sie erfordert präzise Vereinzelung, gleichmäßige Ablagetiefe und eine hohe Arbeitsgeschwindigkeit, was die Maschinen komplex und kostenintensiv macht. Aktuelle Systeme wie Väderstad Proceed oder Monosem arbeiten mit elektrisch angetriebenen Vereinzelungsscheiben, während andere Hersteller wie Horsch Zusatzkomponenten zur Kornvereinzelung anbieten.
Herausforderungen bestehen in der Saatgutkalibrierung, dem erhöhten Wartungsaufwand und den Investitionskosten, die durch Mehrerträge und Einsparungen bei Saatgut und Pflanzenschutzmitteln kompensiert werden müssen. Die Gesamtbewertung der Einzelkornsaat unter technischen, pflanzenbaulichen und ökonomischen Gesichtspunkten steht noch aus; zukünftige Entwicklungen wie autonome Feldrobotik könnten die Präzision und Wirtschaftlichkeit weiter verbessern.
Wer eine mechanische Pflege durchführt, kann unter Umständen auf Herbizide verzichten. Dazu gehören Walzen nach der Saat zur Keim- und Aufgangsförderung, bei Verkrustung das Striegeln und Eggen zur Belüftung des Bodens. Sommergerste hat hohe Ansprüche an die Kalkversorgung. pH-Werte unter 6,5 auf Lehmböden und unter 6 auf Sandböden haben laut Versuchsergebnissen aus NRW eine negative Wirkung auf Erträge. Sollte der pH-Wert darunter liegen, ist eine direkte Kalkung ratsam.
Fazit
Die Sätechnik ist heute leistungsstärker und schlagkräftiger als noch vor Jahren. Die Anforderungen der Anwender haben außerdem dazu geführt, dass eine elektronische Saatmengenverstellung weitere Möglichkeiten zur Verbesserung der Bestandesentwicklung/Bestandesdichte mit sich bringt. Für eine effiziente, erfolgsbetonte und kostengünstige Bestellung kommt es auf die richtige Technik an. Die Standortbedingungen und die Erfordernisse der Zukunft, Wachstum und Witterung, bestimmen bereits heute die Technikausstattung.
Es ist notwendig, über zukünftige Betriebsabläufe nachzudenken, besonders bei der Investition in neue Sätechnik. Weitere Saatreihenabstände bei Saatsystemen bedeuten weniger Aggregate, höhere Fahrgeschwindigkeiten und Vorteile beim Pflanzenschutz. Bei Einzelkornsaat, vor allem von Mais, geht der Trend hin zu engeren Saatreihenabständen. Das bedeutet mehr Aggregate je Meter Arbeitsbreite. Die Vorteile von engeren Saatreihenabständen bei der Einzelkornsaat sind unter anderem eine bessere Standraumverteilung und Durchwurzelung, ein geringeres Erosionsrisiko und geringere Restnitratgehalte nach der Ernte. Die Erfahrungen der Praxis zeigen, dass bei Getreide die Präzision der Einzelkornsaat noch nicht ausreicht, um den Mehraufwand zu decken. Die Agritechnica hat verschiedene Ansätze gezeigt, die zum Ziel eines gleichmäßigen Feldaufganges als Bewertungskriterium führen können.
Neben der einfachen Bedienung sind eine gleichmäßige Saatbettbereitung und vor allem eine gleichmäßige Tiefenablage des Saatgutes entscheidend. Im Nachgang zum DLG-Praxisspot „Innovative Sätechnik“ in Bernburg am 14. Oktober und als wesentliches Ergebnis des DLG-Merkblattes 501 „Einzelkornsaat von Getreide“ bleibt festzuhalten, dass die Präzision der Ablagetiefe vor der Ablagegenauigkeit kommt. Insgesamt bieten sich bei der Sätechnik verschiedene Möglichkeiten zur weiteren Verbesserung, die sich in Bezug auf Produktivität und Nachhaltigkeit positiv auswirken.




