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Milchfluss nach Mecklenburg

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Die erste Milchanlieferung am Meierei-Standort im mecklenburgischen Upahl geschah im September 1994. Im Jahr 2011 stieg dann dort die Arla-Genossenschaft ein und baute die Produktion kontinuierlich aus. Heute verarbeitet das Werk rund 500 Mio. kg Milch pro Jahr –zwei Drittel davon kommen aus Schleswig-Holstein. In einer Feierstunde am Donnerstag vergangener Woche (5. September) lobte Arla-Geschäftsführer (CEO) Peder Tuborgh die Standortentwicklung und schilderte die Vorhaben des Meierei-Konzerns für die Zukunft.

„Das Werk steckt voller Geschichten und ist eng mit der deutschen Wiedervereinigung verbunden“, betonte Tuborgh. Heute sei Upahl ein hochmoderner Produktionsstandort für Frischmilch- und fermentierte Milchprodukte. Zu den bekannten Markennamen zählten Hansano, Arla Skyr und Arla Bio. Der CEO berichtete: „Wir wollen investieren, um eine noch bessere Klimabilanz zu erreichen, unter anderem mit 100 Prozent Ökostrom im nächsten Jahr.“ Insgesamt seien in den kommenden drei Jahren Investitionen in Höhe von 30 Mio. € für neue Produktionsanlagen und Nachhaltigkeitsprojekte am Standort vorgesehen. Arla verfolge europaweit das Ziel, bis 2030 die CO2-Emissionen aus dem Produktionsbereich um 63 % zu reduzieren (Referenzjahr: 2015).

Peder Tuborgh

Neben der Reduzierung der Treibhausgasemissionen werde die Steigerung des Tierwohls ebenfalls an Bedeutung gewinnen, schätzt Tuborgh. Mit Blick auf die wachsende Weltbevölkerung warnte er aber davor, die Produktionsmengen zu reduzieren. Er unterstrich: „Wir brauchen tierisches Protein.“ Zielführend sei es vielmehr, die Effizienz der Produktion zu steigern.

Politik ist für Menschen, nicht für Ideologie

Als Ehrengast nahm Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus (SPD) an dem Festakt teil. In seiner Ansprache betonte er die Bedeutung des Arla-Werks für die Region und begrüßte die geplanten Investitionen. „Zahlreiche Ereignisse der vergangenen Jahre wie etwa die Corona-Pandemie haben gezeigt, wie wichtig eine funktionierende heimische Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion für uns alle sind.“ Es sei sein dringender Wunsch, dass eine starke Landwirtschaft erhalten bleibe.

Dr. Till Backhaus

Aus den Wahlergebnissen in Thüringen und Sachsen liest er den Wunsch nach Führung und die Sehnsucht nach Sicherheit und Frieden. Backhaus erklärte: „Wir sind in einer Vertrauens- und Identitätskrise.“ Allerdings gehe es den Menschen in Deutschland nach wie vor relativ gut. Es gebe weiterhin wirtschaftlichen Erfolg, der die Grundlage für Wohlstand bilde. Auf den eigenen Berufsstand blickte Backhaus selbstkritisch: „Wir Politiker müssen für die Menschen da sein und nicht für Ideologie.“ Aus seiner Sicht sei die Lebensmittelerzeugung systemrelevant und gehöre ins Grundgesetz. Das müsse in Berlin noch besser verstanden werden.

Gute Betreuung als Pluspunkt

Aus Schleswig-Holstein waren die Praktiker Klaus Peter Dau (Arla-Beirat der Region Nord) und Klaus-Peter Lucht (Vorsitzender der Milcherzeugergemeinschaft Schleswig-Holstein) vor Ort. Dau berichtete: „Viele Mitglieder von Arla kommen aus Schleswig-Holstein beziehungsweise aus den Meiereien, die mit Arla fusionierten, zum Beispiel die Rendsburger Milchzentrale oder Kieler Milchzentrale.“ Er sei damals bei Arla geblieben, weil ihn das Konzept von Arla überzeugt habe. Man habe in den ersten Jahren „aber auch bluten müssen“. Denen, die geblieben seien, gebe der jetzige Auszahlungspreis allerdings recht. „Wir liegen in den vergangenen Jahren einige Cent über dem Durchschnittsauszahlungspreis der schleswig-holsteinischen Meiereien und auch dieses Jahr werden wir zu den Spitzenreitern gehören“, schilderte Dau. Er begrüße die Zuschläge für Nachhaltigkeitsleistungen und die jährliche Nachzahlung, „was auch ganz wichtig ist“.

Klaus-Peter Lucht (li.) und Klaus Peter Dau vertraten beim Festakt in Upahl die schleswig-holsteinische Milchwirtschaft. Foto: rq (3)

Für die Umsetzung der Nachhaltigkeitsprogramme würden Milcherzeuger bei Arla sehr gut betreut. „Wir haben den sogenannten Member Service. Da können wir jeden Tag anrufen und fragen, wenn irgendwas nicht klappt“, beschrieb Dau. Der bürokratische Mehraufwand beispielsweise für den KlimaCheck halte sich in Grenzen. „Dafür brauche ich abends in der Küche höchstens eine halbe Stunde“, so Dau.

Die Vorreiterrolle in Sachen Nachhaltigkeit könne aus seiner Sicht für junge Milchbauern ein Faktor sein, sich für diese Meierei zu entscheiden. Andere Meiereien hätten sich aber auch auf den Weg gemacht, mehr Nachhaltigkeit zu erreichen.

Milchproduktion bleibt wichtig

Lucht bezeichnete den Standort Upahl als großen Gewinn, weil viele Bauern ihre Milch hierherlieferten. Mit Nachhaltigkeitsprogrammen schaffe die Milchwirtschaft ein wichtiges Gegengewicht zu den ständigen Angriffen der Nichtregierungsorganisationen, die nicht müde würden, intensive Milchproduktion und Grünlandnutzung zu kritisieren. „Wir müssen die Vorteile, die wir in der Wirtschaft haben, herausstellen.“ Lobend nannte Lucht in diesem Zusammenhang die Initiative Milch.

Laut Arla ist Hansano die Nummer eins unter den Markenprodukten in der Kategorie Sahne und Quark in Norddeutschland.

Arla sei aktuell Vorreiter, was Nachhaltigkeit und CO2-Reduktion angehe. „Die anderen Meiereien ziehen hier nach“, so Lucht. In der Konkurrenz der Meiereien untereinander gehe es letztlich immer um die beste Vermarktung und den besten Auszahlungspreis.

Sorgen bereitet dem MEV-Vorsitzenden der fortschreitende Strukturwandel. Er unterstrich: „Wir verlieren jedes Jahr vier Prozent der Milchviehbetriebe in Schleswig-Holstein.“ Das liege weniger am Markt, sondern eher an den bürokratischen Hürden. Hier brauche es unbedingt eine Verschlankung. Er zeigte sich aber überzeugt, dass Grünland weiterhin größtenteils durch Rinderhalter bewirtschaftet werde. Der Naturschutz allein könne das nicht leisten. „Wir brauchen für die ländliche Region die Milchproduktion“, stellte Lucht klar.

Entwicklung des Werks in Upahl:

1993/94: Bau und Inbetriebnahme des Werks (durch die damalige Hansa Milch-Genossenschaft)

September 1994: erste Milchannahme und Start der Produktion

2003: Gründung der Hansa Milch AG

2005: Fusion mit der Meiereigenossenschaft Karstädt (Brandenburg)

2011: Fusion mit der skandinavischen Genossenschaft Arla Foods

ab 2013: Transformation zum Werk für Frischmilchprodukte und Arla-Kompetenzzentrum für fermentierte Milchprodukte wie Quark, Joghurt und Skyr

2015: Start der Skyr-Produktion und Markteinführung in Deutschland

2019: Inbetriebnahme einer Pilotanlage zur Entwicklung von fermentierten Milchprodukten

2021: Verlagerung der Produktion vom Werk Karstädt in das Arla-Werk in Upahl

2023: Inbetriebnahme neuer Produktionslinien für Trinkjoghurts in Pouch-Beutel-Verpackungen

Steckbrief

Fakten zum Arla-Milchwerk in Upahl (2023):

verarbeitete Milchmenge:
zirka 500 Mio. kg

produzierte Einheiten: 440 Millionen

Exportanteil: 25 % (Märkte: EU und UK)

Mitarbeitende: 430

produzierte Marken: Hansano, Arla Bio, Arla Skyr, Arla Lactofree, Arla Buko (und Handelsmarken)

Spezialisierung auf Frischmilchprodukte

Kompetenzzentrum für Bio-Produkte und fermentierte Milchprodukte wie Quark, Joghurt und Skyr

330 Arla-Landwirte beliefern das Werk. Die meisten Höfe liegen in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, weitere Betriebe in Brandenburg und Sachsen-Anhalt.

Rund 25 % der in Upahl angelieferten Milch werden ökologisch erzeugt. 

Eine gute Vorbereitung zahlt sich aus

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Die Vegetationsperiode schreitet voran, und plötzlich ist es schon wieder Zeit für die Silomaisernte. Eine gute Vorbereitung minimiert den Stress und hilft bei der Vermeidung von Fehlern, die sich nachträglich nicht korrigieren lassen.

Zum optimalen Erntezeitpunkt liegt der Trockenmassegehalt (TM-Gehalt) der Ganzpflanze in einem Bereich von 30 bis 38 %. Zum Ende des Stadiums der Teigreife ist der Korninhalt wachsartig-krümelig bei TM-Gehalten von etwa 50 %, der TM-Gehalt der Gesamtpflanze liegt bei etwa 32 %. Zur Druschreife ist die Stärkeeinlagerung in die Körner abgeschlossen, am Korngrund ist ein schwarzer Punkt, der sogenannte black layer zu erkennen.

Eine zu frühe Ernte bei TM-Gehalten unter 30 % (bei großen Stapelhöhen unter 32 %) erhöht das Risiko von Sickersaftbildung und Nährstoffverlusten, zudem ist die Stärkeeinlagerung noch nicht abgeschlossen. Eine verspätete Ernte hat zur Folge, dass sich das Häckselgut schlecht verdichten lässt und bei der Entnahme zu Nacherwärmung und Schimmelbildung neigt. Deshalb ist es ratsam, das Abreifeverhalten der eigenen Bestände im Blick zu behalten.

Dafür werden zum Beispiel pro Schlag drei Pflanzen zufällig entnommen, die Kolben in der Mitte gebrochen und auf die Merkmalsausprägungen überprüft (Tabelle). Alternativ werden die Pflanzen mithilfe eines Gartenhäckslers zerkleinert und anschließend zur TM-Bestimmung in der Heißluftfritteuse, in der Mikrowelle oder im Ofen getrocknet. Zusätzliche Unterstützung bieten sowohl die Reifeprüfung der Landwirtschaftskammer als auch Prognosemodelle wie „Maisprog“.

In anderen Regionen Deutschlands wird zur Beschwerung vollständig auf Reifen und Reifenscheiben verzichtet. Stattdessen werden alle 5 m Querbarrieren aus sich überlappenden Kiessäcken gelegt. Das spart Zeit beim Verschließen und vor allem beim Öffnen des Silos. Zudem werden Nagetiere ihrer Deckung vor Greifvögeln beraubt.

Abdeck- und Beschwerungsmaterial

Zur Vorbereitung des Silos gehört einerseits dessen Reinigung, um eine Kontamination des Ernteguts durch Silagereste zu vermeiden. Andererseits lohnt sich ein Blick auf das Abdeck- und Beschwerungsmaterial. Ist genügend Wand-, Unterzieh- und Silofolie vorhanden? Oder stellt eine mehrschichtige Sauerstoffbarrierefolie eine Alternative zur klassischen Siloabdeckung dar, um Arbeitszeit einzusparen? Lohnt sich das Vorhalten von Folien auf dem eigenen Betrieb, um unabhängiger von den lokalen Angeboten des Landhandels zu sein?

Wie intakt sind die Vogelschutznetze? Da insbesondere Krähen Löcher problemlos finden und mit ihren Krallen und Schnäbeln die Folien beschädigen, ist auf den Schutz vor Vögeln besonderes Augenmerk zu legen.

Auch die Kiessäcke verdienen einen kritischen Blick. Wenn der Inhalt bereits herausrieselt oder bei falscher Befüllung mit Sand bereits das Unkraut darauf wächst, macht deren Verwendung wenig Freude. Im Agrarhandel sind auch bereits gefüllte Kiessäcke erhältlich, ebenso wie Gurt- oder Schlauchsysteme, die diese beim Verlegen an Siloflanken am Abrutschen hindern. Kiessäcke sind auch als Beschwerung der Schutznetze vollkommen ausreichend, wenn sie als durchgängige Querbarrieren in Abständen von 5 m verlegt werden. Dann kann auf Reifen oder Reifenscheiben, deren Verlegung und Entfernung vor dem Aufdecken unnötig viel Kraft und Zeit kosten, komplett verzichtet werden.

Schadhafte Kiessäcke, deren Inhalt bereits herausrieselt, kosten Zeit und Nerven bei der Verlegung. Wenn sie mit Sand statt mit Kies befüllt sind, erobern schnell Pflanzen diesen Lebensraum und zerstören das Gewebe.

Siliermittel gegen aeroben Verderb

Silomais gehört zu den leicht vergärbaren Futterpflanzen, da ausreichend leicht umsetzbare Kohlenhydrate enthalten sind. Allerdings steigt dadurch auch das Risiko für aeroben Verderb nach der Siloöffnung. Hauptverursacher sind die Hefen, die Zucker und Milchsäure umsetzen, was mit Wärmebildung einhergeht. Durch den Milchsäureabbau steigt der pH-Wert der Silage an, und andere Schadkeime werden wieder aktiv. Da im Nachhinein keine wirksamen Maßnahmen getroffen werden können, gilt es, mit möglichst geringen Keimgehalten im Erntegut zu starten und die Hefen von Anfang an zu unterdrücken.

Eine Möglichkeit, sowohl die Gärung in Richtung der gewünschten Qualität zu steuern als auch die Hefen zu hemmen, bietet der Einsatz biologischer Siliermittel der Wirkungsrichtung 2 auf Basis heterofermentativer Milchsäurebakterien (MSB). Bei der Gärung bilden diese neben der Milchsäure auch Essigsäure, die hemmend auf Hefen wirkt. Je höher die Essigsäurekonzentration ist beziehungsweise je schneller deren Bildung erfolgt, umso größer ist der Effekt. Essigsäuregehalte zwischen 2 und 3 % in der Trockenmasse sind wünschenswert. Um den MSB die nötige Zeit zu geben, ausreichend Essigsäure zu bilden, ist eine gasdichte Lagerung über acht Wochen erforderlich. Für Silagen, die schon früher geöffnet werden sollen, gibt es spezielle Siliermittel.

Da das Siliermittel zur Situation auf dem Betrieb, insbesondere zur Silogeometrie, zur Lagerdauer und zum Vorschub passen muss, bietet das Entscheidungsschema der DLG eine gute Unterstützung bei der Auswahl (https://siliermittel.dlg.org/).

Mit einer größeren Wirkungssicherheit überzeugen chemische Siliermittel. Dabei handelt es sich entweder um organische Säuren, die in gepufferter Form vorliegen können, oder um Salzlösungen. Allerdings erfordern diese Präparate eine höhere Dosierung. Unterdosierungen sind aufgrund einer möglichen selektiven Hemmung unbedingt zu vermeiden. Deshalb ist bereits vor der Siliermittelbestellung Rücksprache mit dem Lohnunternehmen zu den Applikationsmöglichkeiten zu halten.

Absprachen mit dem Lohnunternehmen

Je mehr Klarheit bezüglich der Kundenwünsche besteht, desto reibungsloser kann die Ernte laufen. Dazu gehören einerseits Fragen zur Schnitthöhe (normal oder Hochschnitt) und Häcksellänge. Für die Rinderfütterung stellen 4 bis 8 mm den Kompromiss zwischen den Anforderungen zur Verdichtbarkeit, Futteraufnahme und Strukturwirkung dar. Für die Nutzung in Biogasanlagen kann auch kürzer gehäckselt werden (4 bis 6 mm).

Andererseits ist es von großer Bedeutung, dass die Leistung und Geschwindigkeit der Häckselkette auf die Walzarbeit abgestimmt ist. Der Einsatz immer größerer und leistungsstärkerer Feldhäcksler führt zu einer Zunahme der Bergeleistung. Um trotzdem eine gute Walzarbeit zu ermöglichen, kann es erforderlich sein, die Zahl der Walzschlepper zu erhöhen oder mehrere Silos parallel zu befüllen. Geringe Schichtdicken (< 20 cm), langsames, mindestens dreimaliges Überfahren mit hohem Gewicht und Reifendruck sind für eine gute Verdichtung essenziell. Je kleiner die Poren zwischen den Partikeln sind, desto geringer ist die Eindringtiefe der Luft am Siloanschnitt.

Feldhäcksler, die mit Ertragserfassung und NIRS-Technik ausgestattet sind, erfassen nicht nur viele Daten während der Ernte schlagspezifisch, sie ermöglichen auch, auf Änderungen im Bestand zu reagieren. Ändert sich zum Beispiel der TM-Gehalt, kann die Häcksellänge bei feuchterem Material vergrößert und bei trockenem Erntegut verringert werden.

Normale Schnitthöhe oder Hochschnitt?

Das Verhältnis von Kolben zur Restpflanze wird über die Schnitthöhe beeinflusst, bei Erhöhung steigt der Kolbenanteil. Dabei nehmen der TM-Gehalt der Ganzpflanze je 10 cm um 1 % und der Energiegehalt um 0,15 MJ NEL /kg TM zu. Zudem sind sowohl der Erd­anhang als auch die Keimbelastung der unteren Stängelbereiche in der Regel höher, sodass sich ein Heraufsetzen der Stoppellänge auch positiv auf die Siliereigenschaften auswirkt. Allerdings sinkt der Ertrag parallel um 5 %, insofern ist Hochschnitt nur bei hohen Flächenerträgen eine Alternative.

Überprüfen der Häckselqualität

Für die Stärkeverdaulichkeit hat der Kornaufschluss eine große Bedeutung. Ganze oder nicht ausreichend zerkleinerte Maiskörner werden unverdaut ausgeschieden. Die Körner sollten mindestens geviertelt, am besten komplett zerschlagen sein. Da nachträglich keine Abhilfe mehr geschaffen werden kann, ist ein Überprüfen der Häckselqualität unabdingbar. Verantwortlich sind sowohl das Lohnunternehmen als auch der Landwirt. Dazu wird 1 l frisches Häckselgut in einem Eimer mit Wasser gut durchmischt. Schwere Partikel wie Körner sinken ab, leichtere Grobbestandteile schwimmen auf und können mit einem Sieb abgefischt werden. Nach dem Abkippen des Wassers bleiben die Kornteile und einige grobfasrige Bestandteile am Boden. Bei Wiederholung dieser Prozedur schwimmt nur noch wenig Material auf. Anschließend wird der Bodensatz durch das leere Sieb gegossen und auf einem Tablett oder Ähnlichem ausgekippt, um die Zerkleinerung der Kornteile zu überprüfen. Eine regelmäßige Wiederholung ist sinnvoll, insbesondere bei Schlag- oder Sortenwechsel. Bei Bedarf sind die Crackereinstellungen zu korrigieren.

Die Silogeometrie und die Vorgehensweise bei der Befüllung beeinflussen die Größe der Fläche, die dem Sauerstoff ausgesetzt ist, die Befülldauer kommt als Zeitfaktor dazu. In diesen Bereichen können sich Hefen und Schimmelpilze bereits vor der Silierung stark vermehren und insbesondere nach Siloöffnung aeroben Verderb verursachen. Links: Das Silo besitzt Wände und wird mittels Durchfahrt befüllt. Nur die oberen Silageschichten sind in Kontakt mit Sauerstoff, während es in den unteren Schichten schon anaerob werden kann. Rechts: Das Silo besitzt zwar Wände, wird aber mittels Anschieben über mehrere Tage stark überfüllt. Bereits fertige Silobereiche oberhalb der Mauerkante und die Flanken sind ständig im Kontakt mit Sauerstoff.

Vorgehensweise bei der Silobefüllung

Je nach Gestaltung der Siloanlage erfolgt das Abladen bei der Durchfahrt, was eine homogene Verteilung sowie dünne Schichten begünstigt, oder die Wagen laden vor dem Silo ab, und das Erntegut wird angeschoben. Bei Durchfahrt sind befestigte Zufahrten vorteilhaft, bei schwierigen Bodenverhältnissen kann über Anschieben Schmutzeintrag ins Silo vermieden werden. Falls die Befüllung über mehrere Tage erfolgt, ist eine Zwischenabdeckung einzuplanen beziehungsweise sind fertige Silobereiche früher abzudecken, um einer Vermehrung von Hefen und Schimmelpilzen im Vorfeld der Silierung entgegenzuwirken. Dadurch kann das Risiko für aeroben Verderb minimiert werden.

Fazit

Die Zeit bis zum Erreichen des optimalen Erntetermins kann für wichtige Vorarbeiten genutzt werden, damit während der Silomaisernte alles reibungslos funktioniert. Dazu gehören neben den Absprachen mit dem Lohnunternehmen auch die Vorbereitung des Silos und der Abdeckmaterialien sowie die Wahl eines geeigneten Siliermittels. Während des Häckselns ist eine regelmäßige Überprüfung der Häckselqualität und des Kornaufschlusses erforderlich, um bei Bedarf Korrekturen vorzunehmen. Je besser die Verdichtung ist und je schneller der Luftabschluss erfolgt und andauert, desto größer sind die Chancen auf aerob stabile Silagen.

Insektenproteinmehl als Alternative zur Sojabohne

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Bei Themen wie ­Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung ­finden nicht zuletzt die ökologischen Folgen von Eiweißträgerimporten nach Europa Erwähnung. Die Sojaproduktion erfolgt überwiegend in tropischen Regionen der Erde und weniger in nördlichen Gebieten, in denen die größten Tierbestände ­gehalten werden. Sind Insekten eine ­Futteralternative?

Die Sojabohne und ihre Nebenprodukte Sojaproteinkonzentrat (SPC) und Sojaextraktionsschrot (SES) gelten als Hauptproteinquelle in der Tierfütterung. Die inländische Erzeugung kann den Bedarf an Eiweißfuttermitteln in Deutschland nicht decken. In diesem Zusammenhang wird auch von der „Eiweiß­lücke“ gesprochen, die im Wesentlichen durch den Import von Sojaprodukten geschlossen wird.

Die führenden Exportländer von Sojabohnen stellen Brasilien und die USA dar, die 86 % des Sojaimports Deutschlands liefern. Neben der Umwandlung von Regenwäldern oder anderen natürlichen Vegetationen in Agrarland in Südamerika entsteht ein erhöhter Energieverbrauch für Transport- und Verarbeitungsschritte von Sojaprodukten.

Bei der Suche nach einer geeigneten Alternative für Sojaprodukte als Eiweißfuttermittel hat die Forschung nicht nur Raps oder Körnerleguminosen, sondern auch Insekten auf dem Zettel. Denn Futtermittel tierischer Herkunft, und damit auch das Insektenprotein der Schwarzen Soldatenfliege ­(Hermetia illucens), weisen regelmäßig ein nahezu bedarfsgerechtes Aminosäuremuster für Nutztiere bei gleichzeitig hohem Proteingehalt auf.

Um den Einfluss von Insektenprotein der Schwarzen Soldatenfliege auf die Leistung und die Gesundheit in der Ferkelaufzucht sowie die Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit zu untersuchen, hat ein Team des Fachgebiets Tierernährung der Hochschule Osnabrück einen Fütterungsversuch durchgeführt.

Aufbau des Versuchs

384 Ferkel der Abstammung TN70 x Pi-Select wurden in Zwölferbuchten mit 0,41 m² pro Tier in einem ausgewogenen Geschlechterverhältnis aufgestallt. Der Versuch fand in Kooperation mit der Agravis statt. Dementsprechend erhielten die 192 Ferkel der Kontrollgruppe als erstes Ferkelaufzuchtfutter (FAZ 1) OlymPig AlphaStart, als FAZ 2 OlymPig EuroStart und als FAZ 3 OlymPig VincoStart. Bei der Versuchsgruppe wurden das gesamte Sojaproteinkonzentrat im FAZ 1 und 4,6 % SES im FAZ 2 durch das Insektenprotein ausgetauscht. Die Futtermischungen wurden hinsichtlich des Aminosäuremusters und der chemischen Zusammensetzung ausgeglichen (siehe Tabelle 1). In der dritten Aufzuchtphase erhielten Versuchs- und Kontrollgruppe das gleiche Futter.

Bei der Einstallung wogen die Tiere im Mittel 7,26 kg mit einer Spanne von 6,2 bis 8,8 kg. Sie wurden mit unterschiedlich farbigen Ohrmarken gekennzeichnet und zu jedem Phasenwechsel einzeln verwogen. Dabei wurden Läsionen an Schwanz, Ohr und Flanke bonitiert. Futterverbräuche, Auffälligkeiten im Kot und Medikamenteneinsätze wurden täglich dokumentiert. Kurz vor dem abrupten Futterwechsel wurden die Restmengen in den Automaten verwogen, um die einzelnen Fütterungsphasen exakt bewerten zu können.

Auswirkungen auf die Ferkelaufzucht

Nach 49 Tagen in der Aufzucht wogen die Ferkel der Kontrollgruppe 470 g mehr als die der Versuchsgruppe (siehe Tabelle 2). Sie nahmen aber auch 470 g mehr Futter auf, sodass die Futterverwertung beider Varianten 1:1,57 betrug. In der zweiten Versuchsphase vom 20. bis zum 35. Versuchstag waren die Tageszunahmen der Kontrollgruppe um 37 g signifikant höher als die der Versuchsgruppe. Dadurch unterschied sich auch das Lebendgewicht am 35. Versuchstag signifikant.

In der letzten Versuchsphase wurde dieser Unterschied jedoch durch eine signifikant bessere Futterverwertung der Versuchsgruppe wieder ausgeglichen. In der zweiten Versuchsphase konnte ebenso ein tendenzieller Unterschied bei der Futteraufnahme festgestellt werden. Die Kontrollgruppe nahm in der zweiten Versuchsphase 33 g mehr Futter auf als die Versuchsgruppe.

Insgesamt hatten beide Versuchsvarianten sehr ähnliche Tageszunahmen über den gesamten Versuchszeitraum mit 462 g in der Kontrollgruppe und 453 g in der Versuchsgruppe. Die Unterschiede hinsichtlich des Lebendgewichts, der Tageszunahme und der Futteraufnahme sind über den gesamten Versuchszeitraum von Versuchstag 0 bis 49 ebenfalls nicht signifikant.

Die gesammelten Ergebnisse der Leistungsparameter werden noch einmal in der Abbildung zusammengefasst. Für die Futterverwertung wird der Lebendmassezuwachs pro Kilogramm aufgenommener Futtermenge verwendet, damit eine größere Säulenhöhe einheitlich auf eine höhere Leistung hinweist. Die Werte von Versuchs- und Kontrollgruppe, die sich signifikant unterscheiden, sind mit einem grünen Pfeil gekennzeichnet. Die Werte, die sich tendenziell unterscheiden, sind mit einem orangefarbenen Pfeil gekennzeichnet.

Auch hinsichtlich der Gesundheit konnten in dem Versuch keine Unterschiede zwischen den Gruppen ausgemacht werden. Beide waren hinsichtlich der Behandlungshäufigkeit, der Kotkonsistenz und der Bonitur von Verletzungen an den Körperpartien Schwanz, Ohr und Flanke unauffällig. Auch die Verluste waren auf dem gleichen Niveau.

Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit

Aufgrund der hohen Kosten des Insektenproteinmehls von 500 €/dt war das Futter mit Insektenprotein in der ersten Versuchsphase 10,39 €/dt teurer als das Futter mit Sojaproteinkonzentrat (siehe Tabelle 3). Dadurch entstanden in den ersten 19 Tagen 0,64 € Mehrkosten pro Ferkel. In der zweiten Versuchsphase lag die Differenz zwischen den beiden Futtermitteln bei 7,23 €/dt, sodass wiederum Mehrkosten für die Fütterung mit Insektenprotein von 0,60 € pro Ferkel entstanden. In der letzten Versuchsphase wurde das gleiche Futtermittel für beide Varianten verwendet, sodass der Futtermittelpreis gleich war.

Durch die bessere Futterverwertung der Gruppe, die zuvor mit dem Insektenprotein gefüttert worden war, entstand eine Einsparung von 0,08 € pro Ferkel der Versuchsgruppe in der letzten Versuchsphase. Insgesamt betrugen die Futterkosten in der Kontrollgruppe 17,30 € pro Ferkel und in der Versuchsgruppe 18,45 € pro Ferkel.

Neben den Futterkosten beeinflusst aber auch der Erlös pro Ferkel die Wirtschaftlichkeit. Der Erlös bei der Kontrollgruppe betrug 44,90 € und der Erlös der Versuchsgruppe 44,42 € pro Ferkel. Somit ergibt sich ein Erlös abzüglich Futterkosten (IOFC) von 27,60 € in der Kontrollgruppe und von 25,97 € in der Versuchsgruppe. Durch die Fütterung des Insektenproteins wurde der IOFC somit um 1,63 € gemindert.

Für einen wirtschaftlichen Einsatz des Insektenproteinmehls hätten die Kosten dieser Futterkomponente um etwa 80 % geringer sein müssen (100,86 €/dt). Dementsprechend sind neben der Erforschung der ernährungsphysiologischen Wirkung des Insektenproteinmehls auch Möglichkeiten der Reduktion von Produktions- und Verarbeitungskosten zu ermitteln.

Fazit

In der Nutztierhaltung rücken bei der Auswahl von Futterkomponenten neben der Qualität der Futtermittel auch Themen wie Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung in den Fokus. Die Schwarze Soldatenfliege gilt aufgrund der hohen biologischen Wertigkeit des Proteins (über 85 % Verdaulichkeit) und des hohen Proteingehaltes als sehr erfolgversprechende Proteinquelle, die in Deutschland produziert werden kann. Die Mast von Insekten bietet landwirtschaftlichen Betrieben die Möglichkeit, in ein alternatives Betriebskonzept zu investieren, um das eigene Futterprotein herstellen zu können.

Sowohl im Produktions- und Verarbeitungsprozess für eine effiziente Herstellung von Insektenproteinmehl der Schwarzen Soldatenfliege als auch in der Tierernährung hinsichtlich der Auswirkungen von Insektenprotein auf Gesundheit und Wachstum des Schweins besteht noch immer Forschungsbedarf. Insgesamt ließen sich in dem Versuch lediglich für einzelne Versuchsphasen signifikante Unterschiede in den Leistungsparametern von Versuchs- und Kontrollgruppe feststellen, jedoch nicht über den gesamten Versuchszeitraum.

Dementsprechend zeigen die Ergebnisse, dass eine Substitution von SES oder SPC durch das Insektenprotein der Schwarzen Soldatenfliege möglich ist und dass sich das Insektenprotein als alternative Rohproteinquelle in der Ferkelaufzucht eignet. Für einen wirtschaftlichen Einsatz in der Nutztierhaltung müssten die Kosten dieser Futterkomponente reduziert werden. Dementsprechend wird das Insektenprotein aufgrund seiner hypoallergenen Eigenschaften bisher hauptsächlich im Petfoodbereich eingesetzt, wobei der Ausbau verfügbarer Mengen am Markt zu einer Anpassung der preislichen Diskrepanz führen könnte.