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Maschinen gestohlen und Lager geplündert

Kiew wirft Russland Getreidediebstahl im großen Umfang vor
Von Mechthilde Becker-Weigel
220505 Direktsaat Mais auf einem Familienbetrieb in der Nordwest-Ukraine in der Nähe von Lutsk; Foto: privat

Die ukrainische Regierung bestätigt den Abtransport von Getreide aus besetzten Gebieten. Laut dem stellvertretenden Agrarminister Taras Vysotsky nehmen die russischen Besatzer damit im Osten des Landes Knappheiten bis hin zu Hungersnöten in Kauf. Die Agrarausfuhren der Ukraine auf dem Landweg sind im April deutlich gestiegen, die Exportkapazitäten der blockierten Schwarzmeerhäfen können dennoch nicht kompensiert werden. Im Osten der Ukraine hat russisches Militär die Maschinen von den den Höfen abtransportiert.

Die russischen Attacken auf die ukrainische Landwirtschaft wurden vonseiten der Bundesregierung scharf verurteilt. Präsident Wladimir Putin bediene sich skrupellos an den Weizenreserven der Ukraine, sagte Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) der Deutschen Presse-Agentur. Landwirte müssten Reserven zwangsweise zu lächerlichen Preisen verkaufen, oder Putins Soldateska nehme sich die Vorräte einfach. „Dafür gibt es im Rechtsstaat übrigens drei Wörter: Erpressung, Diebstahl und Raub.“ Özdemir sagte, ihn erreichten beunruhigende Berichte aus dem Osten der Ukraine, die Putins imperialistische Pläne offenlegten. „In den besetzten Gebieten werden wirtschaftliche Strukturen offenbar zunehmend an russische Regelungen angepasst.“ Landwirte müssten demnach Erklärungen über ihren Besitz abgeben und würden gezwungen, sich nach russischem Recht zu registrieren. Gleichzeitig lasse Putin gezielt Eisenbahnanlagen Richtung Westen bombardieren, um ukrainische Getreidelieferungen endgültig von den Weltmärkten abzuklemmen. Die ukrainische Regierung wirft Russland den massenhaften Diebstahl von Getreide in den besetzten Landesteilen vor. Landwirtschaftsminister Mykola Solskij und der Ständige Vertreter der Ukraine bei den Vereinten Nationen (UN), Serhij Kyslytsya, bestätigten Berichte, wonach bereits mehrere Hunderttausend Tonnen Getreide gegen den Willen der Besitzer aus den Oblasten Luhansk, Donezk, Cherson und Saporischschja in Richtung Osten abtransportiert worden seien. Laut dem stellvertretenden Agrarminister Taras Vysotsky lagern in den betroffenen Gebieten noch rund 1,5 Mio. t Getreide in den Lagern der Landwirtschaft, die teils für die Aussaat, überwiegend aber für die Versorgung der dortigen Mühlen und Bäckereien gedacht gewesen seien. 

Korridor für Getreide 

In den von Kiew kontrollierten Gebieten drohen laut Vysotsky keine Versorgungsengpässe, da man noch über Getreidevorräte aus der alten Ernte verfüge. Überschüsse und einen großen Teil der neuen Ernte werde man für Exporte nutzen können. Das sei jedoch maßgeblich von der Aufhebung der russischen Blockade ukrainischer Seehäfen abhängig. Die Ukrainische Union der Industriellen und Unternehmer (USPP) hat deshalb vorgeschlagen, dass sich die Ukraine an internationale Organisationen und neutrale Länder wenden solle, damit diese in Absprache mit Russland einen Korridor für Getreidetransporte auf dem Schwarzen Meer absicherten. Die ukrainische Regierung hat in der vorigen Woche offiziell die vorläufige Schließung der Schwarzmeerhäfen von Berdjansk, Mariupol, Skadowsk und Cherson beschlossen, da die Sicherheit der Frachtschiffe nicht gewährleistet werden könne. Wegen der ausgefallenen Exporte kommen auf die Ukraine Probleme mit der Lagerung der kommenden Ernte zu. Wegen der russischen Blockade der ukrainischen Schwarzmeerhäfen dürften sich am Ende des Wirtschaftsjahres 2021/22 abzüglich des Inlandsverbrauchs noch gut 21 Mio. t Getreide und Ölsaaten der Vorjahresernte in den Lagern befinden. Das wäre mehr als vier Mal so viel wie in anderen Jahren. Die Gesamtkapazität der ukrainischen Lagereinrichtungen lag nach Angaben des Nationalen Statistikamtes zum 1. Januar 2022 bei 75 Mio. t, davon 30,5 Mio. t bei Handel und Verarbeitung sowie 44,5 Mio. t direkt in der Landwirtschaft. Zieht man die Lager in den von Russland besetzten Gebieten ab, verbleibt noch eine Kapazität von 60,9 Mio. t. Damit würde das Land mit einem Füllstand von etwa 35 % der gesamten verfügbaren Lagerkapazität in die neue Ernte gehen.

220505 Direktsaat Mais auf einem Familienbetrieb in der Nordwest-Ukraine in der Nähe von Lutsk; Foto: privat

Geklaute Maschinen geortet

Russische Truppen haben im Südosten in der ukrainischen Stadt Melitopol Landmaschinen im Wert von fast 5 Mio. US-$ von einem John-Deere-Händler gestohlen. Einige Mähdrescher seien über beinahe 1.000 km nach Tschetschenien transportiert worden, berichtete der US-Sender CNN. Der Hersteller John Deere machte den Dieben aber einen Strich durch die Rechnung. Das US-Unternehmen ortete die Maschinen und legte sie ferngesteuert komplett still. mbw/age

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