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Marktkommentar, Marktlage und Markttendenz KW 4422

Zu hohe Dieselpreise
Von Karsten Hoeck, LK-Markt
Foto: Pixabay

Der Dieselpreis an den Tankstellen lag bis Anfang des Jahres deutlich unter dem von Benzin. Doch seit dem Kriegsbeginn in der Ukraine ist plötzlich Benzin günstiger als der Dieseltreibstoff. Zuerst hatte man nur eine vorübergehende Entwicklung erwartet, die durch die spontan erhöhte Heizölnachfrage erklärt wurde. Doch auch Anfang November bleibt Benzin der günstigere Treibstoff. Da Diesel in der Landwirtschaft ein wichtiges Betriebsmittel ist, sorgt diese Entwicklung auch hier für hohe Kosten. In der Herstellung ist Diesel tatsächlich etwas teurer als Benzin, da der Energieaufwand für die Destillation höher ist. Dies macht jedoch nur wenige Cent je Liter aus. Viel wichtiger ist, dass die Mineralölsteuer für Diesel um mehr als 20 ct/l geringer ausfällt als bei Benzin. Aktuell ist Diesel an den Tankstellen 23 ct teurer als Super E10. In diesem Herbst gaben die Rohölpreise bereits deutlich nach, doch nur die Benzinpreise folgten dieser Entwicklung. Wieder wurde eine erhöhte Heizölnachfrage als Grund für den relativ hohen Dieselpreis angeführt. Ein weiterer Grund soll der Streik in den Raffinerien in Frankreich sein, der jedoch mittlerweile fast überall beendet wurde. Die Rohöllieferungen aus Russland wurden dagegen bislang nur geringfügig gedrosselt.

Die Preisaufschläge für Diesel haben viele Ursachen. Vor allem die hohe Nachfrage nach Heizöl als Gasersatz ist dabei zu nennen. Doch auch Preisnotierungen können einen großen Anteil an dieser Entwicklung haben. Im Großhandelsgeschäft werden Geschäfte oftmals auf Basis von sogenannten Preisindizes abgeschlossen, um sich gegen Preisschwankungen abzusichern. Nach einer Recherche des NDR hat eine Preisinformationsagentur mit Sitz in London großen Einfluss auf die Preisentwicklung an den Tankstellen. Diese veröffentlicht einen Index, nach dem sich die Branche in ganz Nordwesteuropa richtet. Dabei wurden im Sommer russische Öl- und Dieselimporte aus diesem Preismodell herausgerechnet. Dies verknappte virtuell das Angebot, obwohl der russische Diesel tatsächlich noch im Markt vorhanden war und auch bis heute ist. Durch diese Praxis wurde offenbar der starke Anstieg des Dieselpreises unterstützt. Dies könnte auch die hohen Gewinne vieler Mineralölkonzerne erklären, die mit Verweis auf den Index Preisaufschläge am Markt durchsetzen konnten.

Die Abhängigkeit der Dieselpreise vom Rohölmarkt hat abgenommen. Im Juni lagen die Rohölpreise in New York noch bei 120 US-$/ bbl. Der Dieselpreis an der Tankstelle lag da bei zirka 2,05 €/l. Derzeit ist der Rohölpreis auf 89 US-$/bbl gefallen, die Dieselpreise haben sich dagegen kaum verändert. Auch wenn staatliche Eingriffe wie die Änderung der Besteuerung hier als Grund angeführt werden können, ist jedoch viel Spielraum für eine Anpassung der Spritpreise nach unten. Trotz weltweit vieler Bemühungen, den Verbrauch fossiler Energien zu senken, wird in den kommenden Jahren mit einer vorerst noch steigenden Nachfrage gerechnet. Die weitere Ölpreisentwicklung ist abhängig von vielen Parametern wie zum Beispiel dem Ölangebot und der Angst vor einer weltweiten Rezession.

Wie sich die Preise an den Tankstellen im kommenden Winter weiterentwickeln, ist sehr unsicher. Die EU will Russlands Einnahmen aus Öllieferungen mit einem Preisdeckel begrenzen. Zwischenzeitlich war sogar von einem kompletten Einfuhrstopp für russisches Öl in die EU die Rede. Dazu gibt es Drohungen aus Moskau, die Lieferungen zu stoppen. Diese unsichere Lage wird die Kurse vorerst hoch halten. Dazu kommt der schwache Eurokurs, der Ölimporte sehr teuer macht. Demzufolge werden vorerst nur begrenzte Preisanpassungen erwartet. Das Niveau wird sehr hoch bleiben.

Die Frage, ob man sich beim Neuwagenkauf für einen Benziner oder Diesel entscheidet, beantworten viele damit, dass sie sich für ein Elektroauto entscheiden. Die haben bislang nur einen Anteil von wenigen Prozent am Gesamtverkehr. Die Zulassungszahlen steigen jedoch stark an. Obwohl Strom auch keine günstige Energieform mehr ist, ist dies ein Weg, sich aus der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu lösen.

Marktlage für die Woche vom 31.10. bis 6.11.2022

Getreide: Russland kündigt das Getreideabkommen für ukrainische Exporte auf, die Terminkurse steigen steil an.

Raps: Die Rapskurse zogen in der Vorwoche spürbar an. Die erhöhte Ernte in Kanada reicht nicht aus, den Bedarf zu decken.

Futtermittel: Die Kurse für ­Soja-, Rapsschrot und Futtergetreide haben nochmals etwas nachgegeben.

Kartoffeln: Die Preiserhöhungen für ausgelagerte Ware können sich durchsetzen. Es kommt auch noch frische Ware ab Feld.

Schlachtrinder: Das knappe Angebot reicht nicht für die ruhige Nachfrage aus. Die Kurse für alle Kategorien haben sich erhöht.

Schlachtschweine/-sauen: In der Vorwoche ist ein weiterer Preisrückgang ausgeblieben. Der Markt hat sich gefangen.

Ferkel: Auch die Ferkelkurse gaben in der Vorwoche deutlich nach. Die Nachfrage ist saisonbedingt ohnehin ruhig.

Milch: In vielen Ländern ist die Milchanlieferung zurückgegangen. Man rechnet mittelfristig mit hohen Auszahlungspreisen.

Schlachtlämmer/-schafe: Eine schleppende Nachfrage trifft auf ein weiterhin umfangreiches Angebot zu unveränderten Preisen.

Markttendenz für die Woche vom 7. bis 13.11.2022

Getreide: Noch laufen die ukrainischen Exporte weiter, die UN und die Türkei halten unter großem Risiko an den Ausfuhren fest.

Raps: Raps ist am Weltmarkt nicht mehr so knapp wie im Vorjahr. Pflanzenöle bleiben auch weiterhin gefragt.

Futtermittel: Die Mischfutterpreise gaben zuletzt etwas nach, nachdem sie vorab angezogen hatten.

Kartoffeln: Das Angebot direkt vom Feld geht zurück. Die Nachfrage im LEH ist nach den Sonderangeboten jetzt geringer.

Schlachtrinder: Die Gebote für Schlachtvieh laufen auseinander, ziehen jedoch zögernd weiter an, vor allem für Jungbullen.

Schlachtschweine/-sauen: Weitere Feiertage in dieser Woche könnten den Angebotsüberhang wieder ausweiten.

Ferkel: Das Angebot an frei gehandelten Ferkeln erhöht sich wieder. Man hofft auf stabile Schlachtschweinenotierungen.

Milch: Weitere Preisaufschläge für Milchprodukte lassen sich schwer durchsetzen. Die Anlieferungsmengen bleiben stabil.

Schlachtlämmer/-schafe: Die Entwicklung der Importpreise bedingen unveränderte bis nachgebende Preise hierzulande.

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