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Krieg frisst Landwirtschaft

Anbau von Sommerungen in der Ukraine wird um die Hälfte zurückgehen
Von age
Der Hauptanbau von Sonnenblumen in der Ukraine liegt in den umkämpften Gebieten im Osten des Landes. Foto: Agrar-Press

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine wird absehbar drastische Folgen für die diesjährige Aussaat in dem Land nach sich ziehen. Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters erklärte der kurz darauf zurückgetretene ukrainische Landwirtschaftsminister Roman Leschtschenko am Dienstag voriger Woche, dass die Aussaatfläche der Sommersaaten zur Ernte 2022 voraussichtlich gerade einmal bei rund 7 Mio. ha liegen könnte, nach etwa 15 Mio. ha in den Jahren zuvor.

Durch die kleinere Aussaatfläche ist schon jetzt klar, dass auch die Exportmöglichkeiten der Ukraine, unabhängig vom weiteren Kriegsverlauf, wesentlich kleiner ausfallen werden. Die Abwicklung der Ausfuhren wäre wegen der überwiegend zerstörten Seehäfen ohnehin deutlich erschwert. Leschtschenko zufolge dürfte die Maisanbaufläche nach 5,4 Mio. ha im Vorjahr nun bei 3,3 Mio. ha liegen. Der Minister zeigte sich zudem skeptisch, ob die im normalen Umfang bestellten Wintersaaten wegen des Krieges alle geerntet werden können. Derzeit gehe man beispielsweise davon aus, dass von den etwa 6,5 Mio. ha Winterweizen nur 4 Mio. ha gedroschen würden, so Leschtschenko Reuters gegenüber.

Die Feldarbeiten in der Ukraine werden von erheblichen Engpässen bei Treibstoff, Dünger und Saatgut behindert. Die ukrainische Regierung hatte deshalb vergangene Woche die Liste der kritischen Importgüter erweitert, bei denen die Einfuhr deutlich erleichtert ist. Dies betrifft nun auch landwirtschaftliche Maschinen, Ersatzteile und weitere Ausrüstungsgüter für landwirtschaftliche Arbeiten. Vor dem Landwirtschaftsausschuss des Europaparlaments hatte der damalige ukrainische Agrarminister die Europäische Union um Unterstützung in Form von Treibstoff und Saatgut und vor allem Pflanzenschutzmitteln gebeten.

Der Krieg in der Ukraine bedroht die dortigen Feldarbeiten nicht nur durch den damit verbundenen Mangel an Betriebsmitteln. Nach Angaben des Vorsitzenden des ukrainischen Agrarrats, Andriy Dykun, werden Landwirte in den von Russland besetzten Gebieten mitunter sogar aktiv beschossen. Im Internet kursieren auch Videos von Schleppern, die auf Minen aufgefahren sind und vollständig zerstört wurden. Entlang der rund 500 km langen Frontlinie sorgten die Kampfhandlungen aber auch ohne direkte Aggressionen der russischen Armee dafür, dass die Frühjahrskampagne dort praktisch nicht durchgeführt werden könne, weil die Feldarbeit einfach zu riskant sei, berichtete Dykun. Derartige Einschränkungen bestehen nach seinen Angaben in den zehn besetzten ukrainischen Teilregionen. Hinzu kommt laut dem Verbandsvorsitzenden, dass das Banksystem in den von der Invasion erfassten Gebieten gesperrt ist. Agrarbetriebe hätten damit keine Möglichkeit zum Tanken, sofern überhaupt Diesel vorhanden sei. Dieser wird Dykun zufolge im ganzen Land immer knapper. Die Ukraine habe zu Friedenszeiten 60 % ihres Dieselbedarfs aus Russland und Weißrussland importiert. Seit Kriegsbeginn habe es von dort natürlich keinen Nachschub mehr gegeben. Die Eigenproduktion liege gerade einmal bei 15 % des Bedarfs, wobei der Großteil dessen vom Militär einbehalten werde. 

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