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Neue App für effiziente und umweltgerechte Bewirtschaftung

Im Märzen der Bauer das Grünland bestellt
Von Malin Bockwoldt, Tammo Peters, Isa-Maria Kuhn, Landwirtschaftskammer SH
Kammerpräsidentin Ute Volquardsen mit den Entwicklern der App Tammo Peters, Malin Bockwoldt (beide LKSH), Prof. Conrad Wiermann (FH Kiel), Niklas Möller (Projektmanager der Software bei north.i.o GmbH) und Landwirt Ingwer Feddersen (v. li.) bei der Vorstellung des Grünlandportals in Wanderup. Foto: Isa-Maria Kuhn

Unter gruenlandportal-sh.de wird seit vergangener Woche erstmalig eine umfassende und innovative Plattform zu allen Themen des Grünlands in Schleswig-Holstein geboten, auf der Informationen aus Wissenschaft, Beratung und Praxis zusammengeführt werden.

Verschiedene Sektionen des Portals liefern Empfehlungen für die unterschiedlichen Grünlandregionen im Land und bieten Landwirtinnen und Landwirten Anregungen für betriebs- und standortindividuelle Optimierungsansätze. Das neu entwickelte und deutschlandweit einzigartige Beratungstool soll bei einer standortangepassten und umweltgerechten Grünlandbewirtschaftung unterstützen. Die App ist kostenlos und eine wertvolle Hilfe für die 4.000 Milchviehbetriebe.

Ende März wurde die App auf dem Hof der Familie Feddersen in Wanderup (SLFL) offiziell vorgestellt und veröffentlicht. Die Präsidentin der Landwirtschaftskammer, Ute Volquardsen, betonte in ihrer Begrüßung die Wichtigkeit der Digitalisierung in der Landwirtschaft. Sie freute sich, dass mit dem „Grünlandportal“ den Grünlandwirtinnen und -landwirten ein Angebot gemacht werden könne, sich noch fitter zu machen für eine nachhaltige, effiziente und zukunftstaugliche Grünlandbewirtschaftung in Schleswig-Holstein. Die Grünland-App wurde vom Entwicklerteam vorgestellt. Dazu gehören Tammo Peters und Malin Bockwoldt von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein (LKSH) und Arne Poyda (ehemals an der Kieler Universität). Weiterhin informierte Prof. Conrad Wiermann (Fachbereich Agrarwirtschaft, Fachhochschule Kiel) bei einem Pressetermin am 25. März über die Hintergründe und die Notwendigkeit der App.

Wunsch der Betriebe umgesetzt

In Projekten, in denen die Institutionen mit Landwirtinnen und Landwirten zusammenarbeiteten, wurde oft der Wunsch nach solch einer App geäußert. Landwirt Ingwer Feddersen ist begeistert, dass er nun direkt mit dem Handy gebündelt so viele Informationen zum schleswig-holsteinischen Grünland schnell und einfach abrufen kann.

Eine hohe Grundfutterqualität auf dem Futtertisch, das ist es, was das Milchvieh benötigt“. Foto: Isa-Maria Kuhn

Der Betrieb Feddersen besteht in der vierten Generation und bewirtschaftet 165 ha. Die Familie hat einen klassischen Milchviehbetrieb und hält 180 Schwarzbunte Kühe. Betriebsleiter Ingwer Feddersen macht sich die Digitalisierung künftig auch beim Melken und Füttern zunutze und wird die neue App nutzen. „Unsere Kühe benötigen viel gesundes Futter, eine hohe Qualität der Silage. Da will ich nichts dem Zufall überlassen“, sagte er. Der Betrieb hat sich deshalb auch bei der Entwicklung der App gern mit eingebracht.

Grünland rückt in den Fokus

In Schleswig-Holstein stellt das Grünland mit mehr als einem Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche ein prägendes Landschaftselement dar. Gut 317.000 ha werden als Dauergrünland genutzt, wovon der größte Anteil den Milchvieh-Futterbaubetrieben sowie Pferde und Schafe haltenden Betrieben als wesentliche Futtergrundlage dient. Doch auch als Lebensraum für eine vielfältige Flora und Fauna sowie als Kohlenstoffspeicher in Böden erfüllt das Grünland wichtige Ökosystemleistungen. Und diese sind besonders wichtig in Zeiten des schnell voranschreitenden Klimawandels und Biodiversitätsverlustes in der Agrarlandschaft.

Das Grünland ist aufgrund einer Vielzahl von Managementpraktiken sowie variierender Standorteigenschaften und Artenzusammensetzungen extrem divers. Es ist ein hohes Maß an Wissen erforderlich, um die Flächen standortangepasst und in Abhängigkeit vom Bewirtschaftungsziel optimal zu bewirtschaften und folglich der Multifunktionalität des Grünlands gerecht zu werden.

Bezüglich dieser Herausforderungen in der Grünlandbewirtschaftung liefern die LKSH, die Fachhochschule Kiel (FH Kiel) und die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU Kiel) seit vielen Jahren qualifizierte Forschung, Lehre und Beratung. Die App „Grünlandportal Schleswig-Holstein“ wurde in Kooperationsarbeit durch diese Institutionen entwickelt. In der App gibt es verschiedene, teils interaktive Bereiche, in die unter anderem Informationen zu Themenkomplexen wie effizienter Grünlandnutzung, Bodenschutz, Weidewirtschaft, Klimaschutz, Biodiversität, Düngung und Grünlandbewirtschaftung im Moor einfließen. Die dynamische Anpassung der Inhalte ermöglicht die Bereitstellung von Informationen zu den aktuellsten Grünlandthemen. Dies kann einen entscheidenden Beitrag für eine optimale Futterproduktion bei gleichzeitiger Sicherung wichtiger Ökosystemdienstleistungen des Grünlands liefern.

Und so funktioniert die App

Das Grünlandportal SH ist in vier Kategorien gegliedert, die über das Hauptmenü zu erreichen sind:

Thematische Informationen
In dieser Sektion sind thematische Informationen rund um das Grünland gesammelt. Über aufrufbare Themenfelder können Auskünfte zu verschiedenen Fachbereichen erlangt werden, die mit der Grünlandbewirtschaftung assoziiert sind. Diese Sektion wird stets erweitert und aktualisiert.

Reifeprüfung Grünland
Als weiterer Baustein des Portals wurde die „Reifeprüfung Grünland erster Schnitt“ implementiert. Sie ist seit Jahrzehnten ein gefragtes Beratungsinstrument, das nun umfassend digitalisiert wurde und den Anwenderinnen und Anwendern jetzt auf innovative Weise zur Verfügung steht. Dieses Beratungstool zeigt, bei wöchentlicher Aktualisierung und Visualisierung, landschaftsraumspezifische Prognosen zum Graswachstum und der Futterqualitätsentwicklung im Frühjahr für die Ermittlung des optimalen ersten Erntezeitpunktes.

Vegetationsbeginn Dauergrünland
Hier können Informationen zum Vegetationsbeginn von Dauergrünland in Schleswig-Holstein tagesaktuell und standortspezifisch eingesehen werden. Ab diesem Zeitpunkt können Nährstoffe effizient und fortlaufend von der Pflanze genutzt werden. So kann der Zeitpunkt der organischen und mineralischen Düngung am jeweiligen Standort optimiert und damit die Nährstoff-Nutzungseffizienz erhöht werden. Gerade Betriebe, die ihr Grünland auf leichten Standorten bewirtschaften, können die Anwendung für eine effizientere Düngung im Frühjahr nutzen.

Grünlandtest „Standortgefährdung“
Als weitere Rubrik gibt es einen interaktiven Test, bei dem über einen Fragenkatalog ermittelt werden kann, wie gefährdet eine spezielle Grünlandfläche für Stickstoffverluste, die Einwanderung unerwünschter Pflanzenarten sowie Bodenschadverdichtungen ist. Anhand der Fragen wird nicht nur eine Einschätzung für dieses Gefährdungspotenzial generiert, sondern darüber hinaus angepasste Hinweise auf einzelne Themenfelder aus den thematischen Informationen gegeben. Auf diese Weise kann nicht nur ein mögliches Problem ermittelt werden, sondern den Anwenderinnen und Anwendern werden darüber hinaus unmittelbar passende Lösungsansätze geliefert.

Und das sind die Förderer

Die Desktopversion sowie die mobile App für iOS wurden mit Mitteln aus den Projekten „Nährstoffeffiziente Flächenkonzepte für Grünlandstandorte“ und „Gemeine Rispe“ entwickelt, die im Rahmen der Europäischen Innovationspartnerschaft (EIP agri) gefördert wurden. Für die mobile App für Android wurden Mittel durch die Stiftung Schleswig-Holsteinische Landschaft bereitgestellt. Hosting und Support der Anwendungen werden durch Eigenleistungen der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein getragen.

Fazit

Mit dem „Grünlandportal Schleswig-Holstein“ ist es gelungen, eine digitale Plattform zu schaffen, die Informationen rund um das Grünland auf innovative Weise zusammenführt. Die Desktopversion ist unter gruenlandportal-sh.de zu finden. Die mobile App kann in den gängigen App-Stores kostenlos heruntergeladen werden. 



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