Lahmheiten, Euterentzündungen, Stoffwechselstörungen oder Kälberdurchfall: Produktionskrankheiten sind in vielen Rinderbetrieben Alltag – und sie kosten Geld, Zeit und Nerven. Gleichzeitig rücken Tierwohl und Eigenkontrolle durch Gesetzgebung und Marktanforderungen stärker in den Fokus. Der neue Ratgeber „Tierwohlplanung“ des Thünen-Instituts bündelt wissenschaftliche Empfehlungen und Praxiserfahrungen und zeigt, wie Betriebe mit einem klaren, wiederholbaren Vorgehen Tierwohlprobleme frühzeitig erkennen und gezielt reduzieren können.
Tierwohl ist mehr als Gesundheit. Tierwohl beschreibt, wie es den Tieren geht und ob ihre Bedürfnisse erfüllt sind. Im Ratgeber wird Tierwohl als mehrdimensionales Konzept dargestellt, das die drei Aspekte Gesundheit, Verhalten und Emotionen umfasst. Eine gute Tierwohlsituation liegt vor, wenn Tiere gesund sind, sie von Schmerzen, Angst und Stress möglichst frei bleiben, tiergerecht gehalten und bedarfsgerecht gefüttert werden und ihre arteigenen Verhaltensweisen ausleben können.
Warum sich Tierwohlplanung lohnt
Mehr Tierwohl bringt gleich mehrere Vorteile: weniger Gesundheitsstörungen, geringeren Arzneimitteleinsatz, weniger Leistungseinbußen und damit oft auch geringere Kosten. Der Ratgeber nennt beispielhafte Kosten je Erkrankungsfall: Euterentzündungen schlagen mit rund 220 € zu Buche, Klauen- und Gliedmaßenerkrankungen mit etwa 100 bis 150 €. Für einen Betrieb mit 100 Kühen kann sich – je nach Lahmheitsniveau – ein Schaden im fünfstelligen Bereich pro Jahr ergeben. Proaktives Management zahlt sich also aus – und steigert nebenbei auch die Arbeitszufriedenheit, weil der Umgang mit gesunden Tieren schlicht mehr Freude macht.
Das Konzept: Sehen – Verstehen – Verbessern
Herzstück der Tierwohlplanung ist ein kontinuierlicher Kreislauf aus drei Schritten, der regelmäßig wiederholt wird:
1. Sehen: Tierwohl messen und Ergebnisse einordnen. Dafür werden geeignete Indikatoren regelmäßig erhoben – möglichst direkt am Tier (zum Beispiel Lahmheit, Körperkondition, Verschmutzung). Auch Herdendaten aus HIT oder Q-Check können genutzt werden. Wichtig ist, die Erhebung immer nach derselben Methode durchzuführen und Ergebnisse auf Herdenebene auszuwerten.
2. Verstehen: Ursachen und Risikofaktoren analysieren. Welche Schwachstellen gibt es im Betrieb? Hier hilft ein objektiver Blick – oft gemeinsam mit Tierarzt und Beratung. Je gründlicher die Analyse, desto klarer werden die Stellschrauben für wirksame Maßnahmen.
3. Verbessern: Managementanpassungen planen und umsetzen. Betriebe setzen konkrete, überprüfbare Ziele und wählen praktikable Maßnahmen aus. Verantwortlichkeiten, Termine und Erfolgskontrollen werden festgelegt. Nach einer gewissen Zeit werden die Indikatoren erneut erhoben – und der Kreislauf beginnt von vorn.
So gelingt der Einstieg
Im Team arbeiten: Herdenmanager plus zwei bis drei Mitarbeitende – Tierarzt und Beratung einbinden. Zeitfenster planen: Indikatoren mindestens jährlich erheben, besser im Sommer- und Winterhalbjahr; Auswertung und Teamtermin fest einplanen.
• SMARTe Ziele setzen: spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert – lieber schrittweise verbessern als im Hauruckverfahren
• Monitoring praktikabel halten: nur Daten erheben, die auch für Entscheidungen genutzt werden (Nicht genutzte Daten sind überflüssig.)
• Biosicherheit mitdenken: Hygiene- und Sicherheitspläne helfen, Übertragungs- und Einschleppungsrisiken zu senken.
• Zwischendurch-Checks einbauen: Läuft die Dokumentation zuverlässig? Werden Auffälligkeiten rechtzeitig erkannt?
Hier geht’s zum Ratgeber Tierwohlplanung des Thünen-Instituts: https://www.tierwohlplanung.de/ratgeber
Fazit
Tierwohlplanung ist ein praxisnahes Werkzeug für proaktives Herdenmanagement. Wer systematisch misst, Ursachen versteht und Maßnahmen konsequent umsetzt, kann Tierwohlprobleme reduzieren – und damit Kosten, Arbeitsaufwand und Frust. Der Ratgeber, der kostenlos bestellt oder als PDF heruntergeladen werden kann, bietet neben dem Konzept auch praktische Tipps und verweist auf kostenlose Tools unter www.tierwohlplanung.de
* Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von KI erstellt.




