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Ein turbulentes Getreidemarktjahr

Marktkommentar
Von Caroline Hertell, LK-Markt
Foto: Imago

Das Kalenderjahr geht zu Ende und damit die erste Hälfte der Vermarktungssaison. Der Löwenanteil der Ernte 2022 hat sich vom Erzeuger in die Hände von Verwertern und Händlern bewegt. Seit einigen Wochen ist es sehr ruhig am hiesigen Getreidemarkt. Landwirte haben ihre geplanten Verkäufe längst getätigt und wohl so manche zusätzliche Tonnage aus Preisgründen verkauft. Trotz jüngster Rückgänge bleibt das Preisniveau bemerkenswert. Brotweizen kostet derzeit „nur“ 18 €/t mehr als im Dezember des Vorjahres, aber immer noch 112 €/t mehr als im Schnitt der Jahre 2013 bis 2020. Das Jahresende bedeutet in nördlichen Breitengraden Winterruhe. Es besteht kein Verkaufsdruck, die Ernteergebnisse stehen fest. Man kann sich entweder näher mit den Geschehnissen des endenden Jahres beschäftigen oder davon Abstand nehmen. Auf der südlichen Hemisphäre hingegen ist jetzt Erntezeit und damit Hochbetrieb im Agrarsektor. Wie so oft in diesem Jahr türmen sich auch hier die Superlative: die kleinste argentinische Weizenernte seit Jahren, die größte brasilianische Sojaernte jemals, die erneute Rekordgetreideernte in Australien.

Preisvolatilität ist Alltag

Flüchtige Kurse am Getreidemarkt sind in diesem Jahr zur Normalität geworden. Man könnte „volatile Preise“ quasi zum Marktbegriff des Jahres wählen, nachdem „Zeitenwende“ schon das Wort des Jahres wurde. Die täglichen Schwankungen der Kurse waren groß, ein Blick auf die Börse ist fast jedes Mal überraschend. Waren die Kurse im Aufwind, konnte nicht wie in friedlichen Jahren die allgemeine Entwicklung abgewartet werden. Stattdessen lohnte sich in diesem Jahr manchmal ein flotter Anruf beim Landhändler, der richtige Verkaufszeitpunkt war teilweise eine Frage von Stunden. Einige Händler passten die Preislisten mehrmals täglich an. So mancher Preisspitze folgte in den vergangenen Monaten ein ebenso steiler Preisrückgang. Die Vermarktung der Ernte ähnelte damit eher dem (risikoreichen) Handel direkt an der Terminbörse als dem am lokalen Markt. Man brauchte Nervenstärke und auch Glück. Die Preiskapriolen ließen manche Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter mutiger werden, zum Beispiel um einen preislichen Aufschwung auszusitzen. Die Chance, unerwarteten Profit zu machen, ließ in manchen Phasen einen möglichen Preisrückgang verblassen. Das schon bestehende Plus zu Vorjahrespreisen rückte in der subjektiven Wahrnehmung in den Hintergrund. Hingegen beobachten Handelsunternehmen aber eine deutliche Zurückhaltung beim Thema Vorkontrakte. Solche Erzeuger, die mit Vorverkäufen von 2021 weit unter den möglichen Höchstpreisen bei Getreide und vor allem Raps lagen, lassen jetzt die Finger von Kontrakten. Fragt man derzeit nach Prognosen für das kommende Jahr, so rechnen die einen mit einem preisstarken Frühjahr, sicherlich geprägt von Schwankungen. Die anderen begnügen sich mit der vorsichtigen Prognose einer generell weiter festen Preistendenz.

Spannende Aussicht

Wie geht es jetzt tatsächlich weiter? Auf der Südhalbkugel hat die Sommer- und Erntesaison begonnen. In Australien läuft die Getreideernte und man rechnet mit einer Rekorderntemenge an Weizen und Raps zum dritten Mal in Folge. Dies trägt zum derzeitigen Kursrückgang dieser Ackerfrüchte bei. Jedoch haben frühere Starkregenereignisse und jetzige Überschwemmungen Einfluss auf die Qualität des Erntegutes. In Argentinien reduziert sich der Weizenertrag aufgrund von Dürre um fast die Hälfte von 22 Mio. t im Vorjahr auf 12,5 Mio. t. Diese beiden Länder und die weiteren großen Exportregionen EU, USA, Russland und Ukraine liefern sich vermutlich weiterhin ein Exportwettrennen rund um die Wechselkurse. Mit unvorhersehbaren Störungen des Marktgeschehens und politischer Steuerung von Teilmärkten muss 2023 gerechnet werden. Entsprechend spannend könnte die Preisentwicklung werden. Aber wie sagte der Komiker Karl Valentin einst: „Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.“

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