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Ein echter Gewinn für die Gemeinde

Kirsten Clausen ist Dorfkümmerin in Sarlhusen mit viel Herz, Liebe und Leidenschaft
Von Iris Jaeger
Jeden letzten Donnerstag im Monat findet im Dorfhaus „Ole School“ ein Klönschnacknachmittag statt, bei dem Kirsten Clausen (2. v. r.) dafür sorgt, dass es allen gut geht und sich alle wohlfühlen. Foto: Iris Jaeger

Sie erledigen Einkäufe, übernehmen Fahrten zu Arztterminen, organisieren Treffen und Veranstaltungen, helfen bei Behördengängen, beim Ausfüllen von Formularen oder Fragen rund um PC und Internet. Sie verwalten das Gemeindehaus, holen Menschen aus der Einsamkeit, sind Bindeglied zwischen Bürgern, Verwaltung, Gemeinderat und Ehrenamt und sorgen auf diese Weise in Dörfern für Zusammenhalt, Gemeinschaft und Austausch. Dorfkümmerinnen und Dorfkümmerer in Schleswig-Holstein sind zu einem unverzichtbaren Bestandteil ländlicher Daseinsvorsorge geworden. In einer neuen Serie stellt das Bauernblatt einige von ihnen und ihre vielfältigen Aufgabenbereiche vor.

Den Anfang dieser Serie macht Dorfkümmerin Kirsten Clausen aus Sarlhusen bei Aukrug, Kreis Steinburg. Wir treffen sie an einem nieseligen, trübkalten Novembernachmittag im Dorfhaus „Ole School“. Immer am letzten Donnerstag im Monat öffnet das Haus für alle Sarlhusener Bürgerinnen und Bürger, es gibt Kaffee und Kuchen, es wird geklönt, man spielt Karten und isst gemeinsam zu Abend.

Besonders für die älteren Einwohner ist es eine willkommene Abwechslung und Gelegenheit, aus den eigenen vier Wänden herauszukommen, andere Dorfbewohner zu treffen und für ein paar Stunden gesellig beieinander zu sein. Aber auch Jüngere nutzen das Angebot und so entsteht ein reger Austausch. Kirsten Clausen sorgt dafür, dass es allen gut geht, sie sich wohlfühlen und versorgt sind: „Das ist eine Leidenschaft von mir, alle Leute zufriedenzustellen“, sagt sie. Eine Leidenschaft, die sie mitgebracht hat und die ihr bei ihrer Funktion als Dorfkümmerin hilft.

Ebenso wie ihre herzliche und fürsorgliche Art, die bei den Sarlhusener gut ankommt. „Sie ist ein echter Gewinn für unsere Gemeinde, sie geht auf die Menschen zu und hat viele Ideen“, lobt Sarlhusens Bürgermeister Ernst Scheel das Engagement der Dorfkümmerin, deren Aufgaben breit gefächert sind.

Neben dem Organisieren der monatlichen Klönschnacks im Dorfhaus ist sie vor allem dann unterstützend zur Stelle, wenn vorübergehende außergewöhnliche Lebenssituationen der Dorfbewohner es verlangen, weil Verwandte, Angehörige oder Freunde kurzfristig nicht zur Verfügung stehen. Dann übernimmt sie Fahrten zu Arztterminen oder anderen medizinischen Einrichtungen, besorgt Medikamente oder entsprechende Rezepte, fährt einkaufen oder tätigt Behördengänge. Dafür nutzt sie das gemeindeeigene Dörpsmobil.

Im Frühjahr 2022 hat die Gemeindevertretung Sarlhusen die Dorfkümmerin etabliert, um „Bürgerinnen und Bürgern in außergewöhnlichen Situationen mit Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit eine Unterstützung zu bieten“, lautet die Erklärung in einem dafür angefertigten Infoflyer. Darüber hinaus ist Kirsten Clausen Anlaufstelle und Impulsgeberin zur Stärkung der Dorfgemeinschaft sowie eine Vermittlerin von Freizeitangeboten.

Eine Aufgabenbeschreibung, die sie mit Leben und Leidenschaft füllt, zum Beispiel wenn sie an einem Tag in der Woche zum Sport treiben oder auch mal zu einer Suppenverkostung ins Dorfhaus einlädt. Bislang wurde noch jede ihrer Ideen von den Dorfbewohnern gut angenommen.

„Dorfkümmerer“ ist eine Funktion und keine Berufsbezeichung und kann je nach Gemeinde ganz unterschiedliche Aufgabenbereiche umfassen. Der Gemeinde Sarlhusen war es wichtig, mit der Teilzeitbeschäftigung von Dorfkümmerin Kirsten Clausen eine Voraussetzung dafür zu schaffen, dass die Lebensqualität im ländlichen Raum auch im hohen Alter und trotz des demografischen Wandels erhalten bleibt. „Es geht uns darum, es zu gewährleisten, das jeder so lange wie möglich in seinem Zuhause bleiben kann“, erklärt Bürgermeister Ernst Scheel.

Kirsten Clausen hat sich auch schon vor der Dorfkümmerinnenstelle ehrenamtlich unter anderem im Kinderfestverein engagiert, hat bei Festen und Veranstaltungen hinter dem Tresen mit ausgeholfen und gekellnert und hilft auch sonst, wo sie kann. „Wem willst du denn Nein sagen?“, so Clausen.

Nur wenn es um längerfristige Hilfe im Alltag geht, um pflegerische oder medizinische Tätigkeiten, dann vermittelt sie weiter an die Nachbarschaftshilfe oder ans DRK, zu denen sie ebenfalls einen guten Draht hat. Haushaltsnahe Dienstleistungen gehören nicht zu ihren Aufgaben. „Gardinen hänge ich nicht auf“, sagt Clausen, die in allem, was sie macht, von ihrer Familie unterstützt wird. Und auch der Bürgermeister sowie der Gemeinderat stehen hinter ihr und ermöglichen es ihr auf diese Weise, sich mit viel Spaß und Liebe ihren Aufgaben zu widmen.

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