Während der Holsteiner Hengsttage wird traditionell auch der Züchter des Jahres geehrt. In diesem Jahr ging die Auszeichnung an Timm Peters. Gemeinsam mit seiner Frau Nicole Peters hat der Dithmarscher schon viele Erfolgspferde gezüchtet. Zurzeit ist es der Uriko-Sohn Bull Run’s Jireh, der den Namen Peters aus Bargenstedt in die ganze Welt trägt.
„Schon als Kind war mir klar, dass ich den Hof und die Pferdezucht übernehmen wollte“, erinnert sich Timm Peters. Sein Vater Otto Peters hatte in Bargenstedt einen Hof. Unter anderem hielt er Milchvieh, baute Kohl an, und wie viele damals züchtete er Holsteiner. Reiten war allerdings nicht die erste Wahl des ambitionierten Sohns. Der wollte lieber Fußball spielen. „Mit dem Erfolg kam dann auch der Spaß“, sagt Timm Peters heute.
Im Jahr 2000 übernahm er den Hof des Vaters und stellte komplett auf Pferdezucht um. Neben seinen eigenen Stuten bietet er auch Platz für fremde Stuten und Jungpferde. So leben zurzeit etwa 60 Pferde bei Timm und Nicole Peters. Letztere kennt das mit den Pferden auch schon aus der Kindheit, denn sie ist eine geborene Pahl. In Dägeling, Kreis Steinburg, züchten ihre Eltern noch immer Holsteiner.
Die beiden Fachleute bieten heute von der Besamung bis zur Stuten- oder Hengstvorstellung das ganze Programm der Aufzucht an. Doch ihre große Leidenschaft ist nach wie vor die eigene Zucht. Etwa zehn Fohlen kommen jedes Jahr aus der Zucht von Familie Peters, und das aus vielen verschiedenen Stämmen. „Wir kaufen immer mal ein Stutfohlen dazu, wenn es interessant ist“, erklärt Timm Peters und fügt hinzu: „Wir wollen uns für die Zukunft weiter positionieren.“
Eine dieser Stuten kaufte Peters vor Jahren bei Elfriede Bornholdt in Moorrege, Kreis Pinneberg. „Uns war gleich klar, dass Conella eine ganz besondere Stute ist“, erinnert er sich. Und richtig, die Stute sollte seine Zucht nachhaltig beeinflussen.
Nachzucht aus einer besonderen Stute
Wiederholt paarte er die Braune von Colman-Contender aus dem Stamm 890 mit Uriko an. Das stellte sich als eine sehr gute Entscheidung heraus. Gleich im ersten Jahr kam ein Hengstfohlen zur Welt, das heute zu den besten Springpferden der Welt zählt: Bull Run’s Jireh, der unter der US-Amerikanerin Kristen Vanderveen von Erfolg zu Erfolg springt. Das Paar qualifizierte sich in diesem Jahr für das Weltcupfinale und reiste nach Basel, ist siegreich in Konkurrenzen bis 1,60 m und rangiert bei der World Breeding Federation for Sport Horses (WBFSH) in diesem Jahr auf einem hervorragenden zweiten Platz. Damit trägt der elfjährige Wallach einen erheblichen Teil zu Holsteins Spitzenposition bei der WBFSH bei.
Neben Jireh ist unter anderem sein Vollbruder Uno I, einstiger Reservesieger der Holsteiner Körung und Beschäler im Landgestüt Marbach, ein außergewöhnliches Pferd. Außerdem schenkte Conella Timm Peters unter anderem den gekörten und über 1,50 m erfolgreichen Quabri von Quibery sowie die beiden dreijährigen gekörten Hengste Bambam du Rouet von Baloubet du Rouet und Here I am von Heartbreaker.
Darüber hinaus tragen Töchter von Cornet Obolensky und Heartbreaker Conellas Gene in der Peters‘schen Zucht in die nächsten Generationen. Denn die Stute selbst ging vor einigen Jahren ein. „Das war ein harter Schlag“, sagt Peters, und man kann hören, dass ihn der Verlust noch heute schmerzt. Die weiblichen Nachkommen trösten ihn ein wenig über den Verlust hinweg. Vor allem die Tochter des Cornet Obolensky, die auch schon Siegerfohlen war, „wird sicher ihren züchterischen Weg gehen“.
Züchterischer Durchbruch mit Quick Nick
Doch in Bargenstedt wird nicht nur der Stamm 890 gepflegt. Denn Timm Peters‘ großer züchterischer Durchbruch gelang ihm eigentlich mit einem Vertreter des Stamms 390. Quick Nick I von Quinar-Concerto II sorgte auf der Holsteiner Körung 2003 für Furore. Der Prämienhengst begeisterte im Freispringen die Körkommission und das Publikum gleichermaßen und wurde anschließend in der Auktion für die bis dahin nie da gewesene Summe von 400.000 € zugeschlagen.
Aus dieser Stutenfamilie, die Peters einst von seinem Vater übernommen hatte, entspringen ebenfalls zahlreiche Spitzenpferde. Soccero von Singulord Joter (Janne Friederike Meyer-Zimmermann/Khaled Al-Mobty) und Davis von Diarado (Rolf-Göran Bengtsson) sind nur zwei Beispiele. Ganz aktuell sorgte der siebenjährige Mané P von Million Dollar anlässlich der Jungpferdeweltmeisterschaft in Lanaken mit Bart van der Maat für Aufmerksamkeit.
Timm Peters und seine Familie haben eine Springpferdezucht gepflegt und entwickelt, die den modernen Holsteiner Verband spiegelt. Aus bewährten und durchgezüchteten Mutterstämmen gehen mithilfe durchdachter Anpaarungen Pferde hervor, die das Zuchtgeschehen in Holstein und weit darüber hinaus prägen. Das wird hoffentlich auch in der dritten Generation weitergehen, denn Sohn Luca interessiert sich zwar mehr für Trecker, hilft aber bei landwirtschaftlichen Arbeiten auf dem Hof, und Tochter Mia reitet und ist sehr pferdebegeistert. pm




