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Alternativrouten schnell verbessern

Russlands Kehrtwenden beim Getreideabkommen verunsichern den Markt
Von Dr. Robert Quakernack
Getreidetransporte per Schiene können bislang nur einen Teil der Schiffstransporte auffangen und sollen ausgebaut werden. Foto: Imago

Russland unterstützt nun wieder den humanitären Korridor für den Export von Getreide aus der Ukraine über das Schwarze Meer. Dies hat das russische Verteidigungsministerium vergangene Woche Mittwoch in Moskau mitgeteilt.

Die Ukraine habe im Rahmen von Vermittlungen durch die Vereinten Nationen (UN) und die Türkei schriftlich zugesichert, dass der Seekorridor nur im Einklang mit den Bestimmungen der Schwarzmeerinitiative und der entsprechenden Verordnung des Koordinationszentrums in Istanbul genutzt wird, nicht aber für militärische Operationen gegen die Russische Föderation.

Verlängerung fraglich

Laut dem Präsidenten der Türkei, Recep Tayyip Erdogan, sollten die Getreideexporte über den Korridor im Schwarzen Meer ab sofort fortgesetzt werden. Vier Tage zuvor, am vorvergangenen Sonnabend, hatte Moskau seine Beteiligung am Getreideabkommen überraschend ausgesetzt und als Grund einen „terroristischen Angriff“ der Ukraine auf seine Schwarzmeerflotte und zivile Schiffe angeführt. Allerdings hatten während Russlands vorübergehendem Rückzug aus dem Abkommen mehrere Getreidefrachter die Route über das Schwarze Meer genommen.

Derweil ist weiterhin unsicher, ob das Abkommen, das am 19. November ausläuft, verlängert wird. Der Kreml betonte Ende vergangener Woche, er habe sich nicht verpflichtet, die Vereinbarung über das vereinbarte Auslaufdatum hinaus einzuhalten. Vor diesem Hintergrund dürften die betreffenden Verhandlungen mit den Vereinten Nationen fortgesetzt werden.

Das Leid der Ärmsten

Unterdessen warf der Geschäftsführer des Verbandes Der Agrarhandel (DAH), Martin Courbier, Russland wegen des vorübergehenden Ausstiegs aus dem Abkommen über den humanitären Exportkorridor für ukrainisches Getreide die „Instrumentalisierung von Nahrungsmitteln und Hungersnot als Druckmittel für Kriegsinteressen“ vor. „Dies ist nicht hinnehmbar“, betonte Courbier. Die Leidtragenden einer kalkulierten Destabilisierung der Getreidemärkte seien schließlich die ärmsten Menschen dieser Welt.

Der DAH-Geschäftsführer drängte zugleich darauf, die Lage schnell und unbürokratisch zu verbessern. Dazu seien dringend die vorhandenen Alternativrouten über den Landweg zu erhalten und deren Effizienz weiter zu steigern. Getreidetransporte per Schiene sollten in Deutschland und der Europäischen Union priorisiert werden, denn die Wartezeit der Schiffe – auf jeder Seite des Bosporus – betrage derzeit zwölf bis 15 Tage.

Zuladung für Lkw gefordert

Indes stellte DAH-Geschäftsführer Christof Buchholz fest, dass sich die Situation an der polnischen Grenze zwar etwas verbessert habe. Dort lägen die Wartezeiten für Lkw jetzt bei etwa zwei bis drei Tagen und nicht mehr bei mehr als einer Woche. „Aber insgesamt verläuft die Abwicklung zu schleppend“, stellte Buchholz klar. Der Verband bekräftigte seine Forderung an die Bundesregierung, alternative Transportwege zu stärken und effizienter zu gestalten. Angesichts der angespannten Lage sei es nicht verständlich, dass in Deutschland Lkw-Getreidetransporte weiterhin mit nur bis zu 40 t Gesamtgewicht erlaubt seien. Die Zuladung von 4 t Getreide würde in Kombination mit den Bahn- und Schiffstransporten einen Effizienzgewinn von unter dem Strich 15 % einbringen.

Begrüßt wurde vom DAH die Initiative der EU-Kommission, das Schienennetz in der EU und insbesondere den Transport per Zug aus der Ukraine auszubauen und zu restrukturieren. Gunststandorte für den Getreideanbau hätten eine Verantwortung gegenüber der Weltgemeinschaft und insbesondere gegenüber Ländern, die aufgrund von Standortnachteilen auf die Versorgung mit importierten Nahrungs- und Futtermitteln angewiesen seien. age

Deutsches Angebot knapp

Eierangebot zur Weihnachtszeit

Das Eierangebot aus deutscher Erzeugung in den Supermärkten wird zunehmend knapper. Für die nachfragestarke Weihnachtszeit sei die Versorgung mit Eiern deutscher Herkunft nicht mehr gewährleistet, warnte jüngst der Vorsitzende des Bundesverbandes Ei (BVEi), Henner Schönecke. Damit erfülle sich die Befürchtung, die der Verband bereits im März dieses Jahres mit einem „Weckruf“ formuliert habe. Drastisch gestiegene Warenbeschaffungskosten zwängen die Branche in die Knie und hätten massive Kurzarbeit in der Eiproduktion und Versorgungsengpässe im Lebensmitteleinzelhandel zur Folge, berichtete Schönecke.

Das bestätigte kürzlich auch die Eiervertriebsgesellschaft der Deutschen Eierunion (DEU). Nach ihren Angaben sind freie Eierpartien mittlerweile eine Rarität, für die teilweise horrende Summen aufgerufen werden. Eine dermaßen angespannte Lage beim Grundnahrungsmittel Ei habe es noch nicht gegeben, so die DEU.

Durch die Geflügelpest, die nun durch den Vogelzug an Fahrt aufnimmt, spitzt sich laut BVEi die bereits sehr enge Versorgungslage weiter zu. Das habe Auswirkungen auf die gesamte Wertschöpfungskette, die durch die vorsorglichen und unabdingbaren Restriktionsmaßnahmen in den betroffenen Gebieten komplett aus den Fugen gerate. Der Verband erneuerte mit Blick auf die sich abzeichnende Krise die Forderung, Vertragslaufzeiten anzupassen, um flexibler auf Preisschwankungen reagieren zu können. Die Eierwirtschaft sprach sich zudem geschlossen dafür aus, unter anderem eine sogenannte Gleitklausel zwischen Eierpreis und Futterpreis einzuführen. age

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