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Hightech im Kuhstall und namhafte Sportpferde

Landwirtschaftskammer zeichnet beispielhafte Tierhalter aus
Von Isa-Maria Kuhn, Claus-Peter Boyens , Landwirtschaftskammer SH
Ein Stall so imposant wie eine Kathedrale. Luft, Licht, viel Platz, Hochboxen und die Suche nach der optimalen Einstreu sowie Fütterungsroboter und Melkroboter sorgen für Kuhkomfort und hohe Leistungen. Fotos: Isa-Maria Kuhn

Stolze Mienen bei den Ausgezeichneten und anerkennende Blicke bei Freunden, Berufskollegen und Nachbarn: Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein hat in der vergangenen Woche zwei ganz besondere Tierhalter ausgezeichnet. Die diesjährigen Preishalter vereint, dass sie Wirtschaftlichkeit mit ­einem hohen Maß an Tierwohl kombinieren. Kammerpräsidentin Ute Volquardsen verlieh die Preise für ­beispielhafte Innovationen in der Tierhaltung 2026 an Inken und Andreas Hansen sowie ihre Kinder Melf und Friederike in ­Jardelund, Kreis Schleswig-Flensburg, und an Antonia Döllner in Nübbel, Kreis Rendsburg-­Eckernförde.

Bei den Feierlichkeiten auf den Betrieben sagte Volquardsen: „Es ist mir eine große Freude, auch in diesem Jahr zwei Betriebe auszeichnen zu dürfen, die auf ganz unterschiedliche Weise zeigen, was erfolgreiche Tierhaltung ausmacht: Fachwissen, Offenheit für Neues, Verantwortungsbewusstsein und vor allem sehr viel Leidenschaft für die eigenen Tiere. Wenn wir in den vergangenen Jahren über die Zukunft der Tierhaltung gesprochen haben, standen häufig Begriffe wie Tierwohl, Nachhaltigkeit, gesellschaftliche Akzeptanz oder der Umbau der Tierhaltung im Mittelpunkt. All diese Themen haben nichts von ihrer Bedeutung verloren.“

In diesem Jahr setzte die Kammer bei der Auswahl jedoch einen anderen Schwerpunkt, und zwar eine veränderte Arbeitswelt mit Digitalisierung, Sensorik, Automatisierung und zunehmend auch Künstlicher Intelligenz. Im Milchviehstall können mittlerweile zahlreiche Daten zu Milchleistung, Wiederkauaktivität, Bewegung oder Tiergesundheit erfasst und ausgewertet werden. Automatische Melksysteme und moderne Herdenmanagementprogramme sind auf vielen Betrieben längst Alltag. Auch in der Pferdehaltung und Pferdezucht spielen insbesondere moderne Diagnostik, aktuelle Biotechnologien sowie die digitale Erfassung von Leistungsdaten eine immer größere Rolle.

Aber bei aller Technik dürfe man eines nicht vergessen, so die Präsidentin: Am Ende stehe immer das einzelne Tier. Kein Computer und keine App ersetzten das geschulte Auge eines guten Tierhalters. Technik könne zwar Hinweise geben, Veränderungen früher sichtbar machen, Arbeitsabläufe erleichtern und Entscheidungen unterstützen. Aber erkennen, einordnen und richtig handeln müsse am Ende immer noch der Mensch. Vielleicht liegt genau darin eine der großen Aufgaben für die Tierhaltung der Zukunft: das Beste aus zwei Welten miteinander zu verbinden.

Ideen für andere Betriebe liefern

Volquardsen weiter: „Manchmal sind es gerade die vermeintlich kleinen Veränderungen, die einen großen Unterschied machen: ein besserer Stallbereich, ein veränderter Arbeitsablauf, eine konsequentere Tierbeobachtung, eine neue Lösung für Fütterung oder Haltung oder einfach die Bereitschaft, etwas auszuprobieren und anschließend ehrlich zu bewerten, ob es funktioniert.“

Genau deshalb ist der Kammer der Ehrenpreis wichtig. Sie will nicht den größten oder den modernsten Betrieb auszeichnen. Die Kammer möchte Betriebe in den Mittelpunkt stellen, die beispielhafte Lösungen für ihre Tiere und für ihren eigenen Betrieb entwickeln – Lösungen, die auch anderen Tierhalterinnen und Tierhaltern Anregungen geben können. Eines ist dabei auch klar: Es ist immer eine ganze Familie mit ihrem Team, die ausgezeichnet wird. Im internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft freute sich Volquardsen, dass Betriebsleiterinnen unter den Ausgezeichneten sind.

Inken, Friederike, Andreas und Melf Hansen nehmen den Kammerehrenpreis für beispielhafte Innovationen in der Tierhaltung von Präsidentin Ute Volquardsen entgegen (v. li.).

Der Milchviehbetrieb Hansen Freiheit GbR

Vorausschauendes Denken präge die Entwicklung des Betriebes Hansen, hieß es in der Begründung für den Ehrenpreis. So wurde die Güllelagune rund 130 m vom „neuen“ Kuhstall entfernt gebaut. Das galt als weite Entfernung. Doch mit zwei Stallanbauten innerhalb einer Generation ist der Betrieb an der Lagune angekommen. „Manchmal braucht es eben Vorstellungskraft“, so Ute Volquardsen. Diese Haltung ziehe sich durch die gesamte Betriebsentwicklung. Bereits 2011 beteiligte sich der Betrieb am Aufbau einer Gesellschaft zur Verlegung von Glasfaser. Heute wissen wir: Moderne Ställe mit Melkrobotern, Sensorik und vernetzter Technik funktionieren ohne eine leistungsfähige Internetverbindung kaum noch. Auch bei der Vermarktung wollte der Hof das Heft des Handelns selbst in die Hand nehmen. Gemeinsam mit anderen Betrieben wurde die Milcherzeugergemeinschaft Ladelund gegründet, deren Geschäftsführer Andreas Hansen bis heute ist. Ziel war und ist es, gemeinsam flexibler am Markt agieren zu können. Heute werden große Teile der Milch mit besonderen Qualitäts- und Tierwohlstandards vermarktet.

Der Laufhof wird auch bei Nieselregen und Wind wie am Tag der Ehrung gut angenommen.

Stillstand ist Rückschritt – diese Haltung merkt man dem Betrieb an. Nahezu jeder größere technische Entwicklungsschritt hat auch die Leistung des Betriebes weiter vorangebracht – vom Einstieg in das automatische Melken über die Weiterentwicklung der Stalltechnik bis hin zum neuen Futtermischwagen. Heute liegt die Milchleistung bei mehr als 12.700 kg je Kuh (9.763 kg sind es im Schnitt in Schleswig-Holstein). 330 Milchkühe plus Nachzucht und Mast zählt der Betrieb. Dabei ist Technik nie Selbstzweck. Sie muss zu den Tieren und zum Betrieb passen und einen konkreten Nutzen bringen. Genau darin liegt eine der Stärken: Neues ausprobieren, die Ergebnisse beobachten und dann konsequent weiterentwickeln.

Besonders bemerkenswert sei laut Ute Volquardsen, wie der Übergang in die nächste Generation gestaltet werde: „Mit der Gründung der Hansen Freiheit GbR und dem Einstieg Ihrer Kinder haben Sie frühzeitig die Weichen gestellt. Dabei geht es Ihnen nicht darum, den nächsten Entwicklungsschritt allein vorzugeben. Ihre Kinder sollen und dürfen die Zukunft des Betriebes selbst mitgestalten. Dass dabei unterschiedliche Vorstellungen aufeinandertreffen, ist völlig normal. Sie haben dafür eine ganz einfache, aber wirkungsvolle Routine gefunden: Sie setzen sich als Familie regelmäßig zum Frühstück zusammen und besprechen in Ruhe die nächsten strategischen Entscheidungen. Gerade bei Hofübergaben erleben wir als Landwirtschaftskammer immer wieder, wie herausfordernd der Übergang zwischen den Generationen sein kann. Umso mehr gefällt mir Ihre Haltung: Einen Hof bekommt man anvertraut. Man besitzt ihn eine Zeit lang, um ihn schließlich an die nächste Generation weiterzugeben.“

Familie Döllner mit Ute Volquardsen (3. v. r.) und dem geschäftsführenden Vorstand des Trakehnerverbandes, Lars Derlin (Mitte)

Der Pferdezuchtbetrieb Antonia Döllner

Die Leidenschaft für Pferde und insbesondere für den Trakehner hat bei Antonia Döllner schon früh begonnen. Als ungefähr 16-Jährige besuchte die Bayerin während eines Ostseeurlaubs mit einer Freundin das Gestüt Panker im Kreis Plön und kaufte sich ein Trakehner Pferd. Sie absolvierte dort später ihre Ausbildung zur Pferdewirtin. Eine zweite Ausbildung mit dem Schwerpunkt Reiten schloss sie mit der Stensbeck-Auszeichnung ab. Die Stensbeck-Plakette ist eine Auszeichnung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) für herausragende Leistungen in der klassischen Reitausbildung von Pferdewirten und Pferdewirtschaftsmeistern. Heute ist Döllner Pferdewirtschaftsmeisterin und bildet selbst Pferdewirte aus.

Familie Döllner mit ihrem bekannten Hengst „Höhenflug“: Max, Antonia, Julie und Sven Döllner (v. li.)

Seit 2007 bewirtschaftet sie Hof Moholz, und von Anfang an hatte sie eine klare Vorstellung: Pferde in Einzelboxen zu halten und ihnen gleichzeitig möglichst viel Bewegung, Auslauf und Weidegang zu ermöglichen. Heute finden hier bis zu 45 Pferde Platz. Die Philosophie: Nicht jedes Pferd muss sich dem System anpassen – das System muss sich an das jeweilige Pferd anpassen. Die Tiere kommen täglich mehrere Stunden auf die Weide oder in den Auslauf. Einstreu und Betreuung werden individuell angepasst, Heu steht möglichst zur freien Verfügung. Döllner wagt etwas und probiert aus. So sind im Sommer wegen des Insektendrucks die Pferde nachts auf der Weide und tagsüber im Stall, eine für Sportpferde eher ungewöhnliche, aber effektive Maßnahme. Zwei Galoppbahnen schaffen zusätzliche Bewegungs- und Trainingsmöglichkeiten, und es gibt einen Schwimmteich für die Tiere. Alles zusammengenommen ist das pferdegerecht, aber auch zeitintensiv.

Trakehner sind elegante, typvolle Pferde mit einer bewegenden Geschichte. Die Vorfahren von Stute „Herzflimmern“, hier mit Hengstfohlen „Handschlag“, begleiteten die Flüchtlinge und Vertriebenen aus den ehemaligen deutschen Gebieten im Osten in ihre neue Heimat.

Darüber hinaus ist Antonia Döllner Mitglied im Trakehner Verband, Zuchtrichterin und seit 2017 Vorsitzende des Zuchtbezirks Schleswig-Holstein/Hamburg. Sie engagiert sich im Gesamtvorstand und im Zuchtausschuss.

Züchterisch geht sie bewusst eigene Wege. In diesem Jahr wurden zwei Fohlen aus Anpaarungen mit Anglo-Araber-Hengsten geboren. Das Ziel ist es, Vielseitigkeitspferde zu züchten. Das ist mutig, denn solche Pferde sind als Fohlen nicht immer einfach zu vermarkten. Im Zweifel zieht der Betrieb sie selbst auf, übernimmt die Grundausbildung und sucht später einen passenden Reiter.

Antonia Döllner hat ein gutes Auge für die Zucht. Besonders hervorzuheben ist das Pferd „Höhenflug TSF“, das mit Vielseitigkeitsreiter Andreas Ostholt (zweimaliger Gewinner des Deutschen Meistertitels, 2011 und 2015, sowie Neunter bei den Weltreiterspielen in Caen 2014) bis in internationale Vier-Sterne-Prüfungen erfolgreich war. 2021 erhielt sie als seine Züchterin die Dr.-Fritz-Schilke-Gedächtnisplakette für das erfolgreichste Trakehner Vielseitigkeitspferd des Jahres.

Fazit

Die Landwirtschaftskammer hat auch in diesem Jahr wieder zwei beispielhafte Tierhaltungen ausgezeichnet und damit den Fokus auf die Menschen gelenkt, die von und mit ihren Tieren leben. In einer oft sehr emotionalen Debatte über die Tierhaltung zeigen sie, wie tiergerechte Haltung im Alltag gelingt. Mit Fachwissen, Engagement und einem aufmerksamen Blick für ihre Tiere geben sie wertvolle Impulse für die Praxis.

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