Die Kreisverbände der LandFrauen (KLFV) sind das Bindeglied zwischen dem Landesverband und den Ortsvereinen (OV). Was aber ist das Besondere der LandFrauen im jeweiligen Kreis, wie zeigt sich das Gesicht der Kreisverbände? In dieser Bauernblattserie werden alle zwölf Kreisverbände und der OV Lübeck vorgestellt – heute: der KLFV Nordfriesland.
Auf ihren jährlichen Kunsttag und ihren Literaturtag sind die nordfriesischen LandFrauen besonders stolz. Im vergangenen Jahr lud der Kreisverband in Kooperation mit dem Kunstknotenpunkt Nordwest nach Tondern in Dänemark ein, der Geburtsstadt des Möbeldesigners Hans J. Wegner (1914-2007), auch „Meister der Stühle“ genannt. Der Literaturtag, der immer in der NordseeAkademie Leck stattfindet, widmete sich 2025 der Schriftstellerin Helga Schubert (geboren 1940) und ihrem autobiografischen Werk „Vom Aufstehen“, in dem sie die Zwänge des DDR-Regimes verarbeitet. „Die Literaturtage sind nicht nur Lesungen, wir beschäftigen uns auch mit der Biografie der Autorin“, erklärt die Kreisvorsitzende Magret Albrecht. In diesem Oktober soll es um Simone de Beauvoir gehen. Der Kunsttag soll ein Jahr pausieren und ein neues Format entwickelt werden.
Vor allem mit aktuellen Themen im Gesundheitswesen beschäftigt sich der Kreisverband, ist beteiligt am Tag der offenen Tür in Kliniken. Im vergangenen September lud er zu einem Dialogabend zum Gesundheitsnotstand nach Mildstedt ein. Teilgenommen haben die Chefärztin des Klinikums Husum, Lena Jessen, sowie Bundes- und Landtagsabgeordnete. Von der Podiumsdiskussion gemeinsam mit dem KLFV Dithmarschen zur drohenden Schließung des Perinatalzentrums in Heide wurde bereits berichtet (siehe BB 19/2026). „Wir dürfen nicht zulassen, dass zentrale Versorgungsstandorte an der Westküste geschlossen werden!“, ist der Appell. Gesellschaftlich wirken die LandFrauen auch durch ihre Teilnahme am Kreisfrauenforum und ihren Sitz in den drei AktivRegionen im Kreis. „Wir stärken die Demokratie durch unseren Zusammenhalt und unser regionales Engagement“, findet Albrecht.
Ex-MP und Omas zu Gast
Mit 22 Ortsvereinen und knapp 5.000 Mitgliedern gehört der KLFV Nordfriesland zu den größten in Schleswig-Holstein, erstreckt sich von Ladelund bis Friedrichstadt, fünf Ortsvereine zählen über 300 Mitglieder. Auch die Inseln und Halligen gehören zum Einzugsbereich. Zwar haben nur Föhr und Pellworm einen eigenen Ortsverein, doch „Bewohnerinnen der anderen Inseln sind mitunter Mitglied in Festlands-OV, es werden wechselseitig Veranstaltungen besucht“, weiß Albrecht.
Die Veranstaltungen auf Ortsebene sind vielfältig, mitunter schließen sich einige OV dazu zusammen. So lädt der OV Ostenfeld im September zu einer Lesung mit Daniel Schmidt vom Hamburger Kiez in Mildstedt ein. In Langenhorn trat der „Geschichtenmensch“ Enno Kalisch auf. Auf Nordstrand findet regelmäßig ein Mittsommerfest unter Beteiligung der ganzen Gemeinde und der Landjugend statt. In Dunsum auf Föhr gibt es Whisky-Tasting. Mildstedt hatte bereits sowohl den früheren Ministerpräsidenten Peter-Harry Carstensen (CDU) als auch die Omas gegen Rechts zu Gast. Kochen mit Köchen, Basteln, Spiele, Ausflüge und vieles mehr – all das könnte man hier gar nicht abbilden.
Niemand zu alt für die JLF
Sehr aktiv sind in Nordfriesland auch die Jungen LandFrauen (JLF). Wichtigstes Standbein ist ihr monatlicher Stammtisch, der wechselnd im ganzen Kreis stattfindet. „Da kommen zu 30 % auch Nichtmitglieder“, freut sich Jessica Jessen von den JLF, so könne man viel erklären und aufklären. Darunter sind Frauen aus allen Altersgruppen, der Durchschnitt könne bei 40 Jahren liegen.
„Vielleicht ist die Hemmschwelle bei uns niedriger, manche glauben vielleicht, sie seien zu jung für den Ortsverein“, mutmaßt Jessen. Ansonsten bieten die JLF Grünpflanzenschulung an, Töpfern, Kniffelturnier, Stricken oder Pole-
Dance.
Sorgen bereitet dem Vorstand, wenn Ortsvereine aufgelöst werden wie jüngst der OV Eiderstedt. In Ohrstedt bestehe diese Gefahr, Niebüll sei hingegen nach einer Durststrecke auf einem guten Weg. Umgekehrt verzeichnen manche OV starken Zuwachs wie Risum-Lindholm mit 34 Neumitgliedern allein im vergangenen Jahr.
„Das Problem ist meist, die Vorstände zu besetzen“, weiß Albrecht. „Man muss dafür nicht perfekt sein“, betont sie, „wir sind da alle mal reingeschubst worden.“ Und sie appelliert: „Ladet uns ein, wenn ihr Probleme habt, wir helfen gern!“



