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Wasserverfügbarkeit im Forst

Verbesserung des Wald-Mikroklimas durch Kühlungseffekte vor allem im Sommer
Von Christiane Herty, Landesamt für Umwelt Flintbek
Verschneite Ansicht des Waldbilds am Exkursionstag Foto: Hans Jacobs

Die zunehmende Unvorhersehbarkeit der Wasserverfügbarkeit im Wald – insbesondere in der Vegetationszeit – stellt viele Forst­betriebe vor Herausforderungen. Neben den waldbaulichen Möglichkeiten der Baumartenwahl steht bei entsprechenden Ge­ländebedingungen und Bodenvoraussetzungen auch der Was­serrückhalt als Methode zur Verfügung. Ein Ziel dieser meist klein­räumigen Maßnahmen ist die Verbesserung des Wald-Mikroklimas durch Kühlungseffekte, insbesondere in den Sommermonaten.

Die Wasserrückhaltung der Winterniederschläge kann in trockeneren Frühjahren einen Puffer in der Wasserverfügbarkeit für den Laubaustrieb darstellen. Dabei spielt die dezentrale Wasserrückhaltung zunehmend eine größere Rolle.

Zur Veranschaulichung der praktischen Umsetzung von Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserverfügbarkeit im Wirtschaftswald haben das Landesamt für Umwelt – Dezernat 51 – und die Kreisforsten Herzogtum Lauenburg kürzlich zur Nachmittagsexkursion eingeladen. Zusammen mit der Integrierten Station Lauenburgische Landschaften mit Sitz in Mölln konnten die Kreisforsten in den letzten Jahren an verschiedenen Forstorten bereits Wasserrückhaltemaßnahem in unterschiedlichem Umfang realisieren. Die interessierten Teilnehmer deckten ein breites Spektrum des Waldbesitzes ab und folgten der Exkursionsleitung gern zu den drei Waldbildern im Forstort Bälau in den letzten verschneiten Wintertagen.

Die durch den Revierleiter Jan Staecker vorgestellten Waldbilder boten das gesamte Portfolio an Herausforderungen, die in diesem Thema stecken.

Wiedervernässter Buchenstandort

Eindruck des Vernässungsstandes im Spätsommer 2025 Foto: Christiane Herty

Am ersten Waldbild wurden die Möglichkeiten für einen noch nicht wiedervernässten Bruchwaldstandort diskutiert. An dieser Stelle grenzt der Wald an eine landwirtschaftliche Fläche, sodass die Frage der Wasserrückhaltung auch eine Frage der nachbarschaftlichen und gewässerrechtlichen Situation ist.

Die Waldbilder zwei und drei liegen innerhalb des Waldes im Eigentum der Kreisforsten, sodass diese Fragen einer Umsetzung nicht im Wege standen. Beide Waldbilder zeichnen sich durch Geländesenken aus, die in unterschiedlichem Maße durch die Anlage von Lehmstauen zum Wasserrückhalt beitragen. Eine Überlaufrinne sorgt an beiden Stellen dafür, dass das Wasser die Lehmdämme bei einem Überangebot an Wasser umlaufen kann. Die Einstellung der für die jeweilige Situation idealen Stauhöhe führt durch gute Planung und unter Zuhilfenahme eines Höhenmodells sowie der vorliegenden Standortkartierung zum Erfolg.

Die Teilnehmer erhielten zahlreiche praktische Informationen zum Ablauf des Projektes von der Planung bis zur Umsetzung. Malte Festersen von der Integrierten Station zeigte die in Bälau verwendeten Gerätschaften, unter anderem einen selbst entworfenen Schlitten sowie das schwedische Eiserne Pferd. Dieses kleine, motorbetriebene Hilfsmittel sorgt mit Ketten und geringem Bodendruck für den Transport des Lehms zu seinem Bestimmungsort und erleichtert die Maßnahmenumsetzung sehr. Auch andere Gelände- und Standortsituationen wurden für die Umsetzung besprochen.

Die Maßnahmen in Bälau wurden vor gut einem Jahr umgesetzt. Revierleiter Jan Staecker zeigte sich mit den neu entstandenen Situationen sehr zufrieden und vermutet einen Gewinn für die Vitalität des angrenzenden Buchenbestandes. Dies bleibt für die Zukunft weiter zu beobachten.

Verschiebung von Lebensraumtypen

Eisernes Pferd im Einsatz Foto: Jeanine Wagner

In waldgeprägten Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Gebieten ist die Wiederherstellung des natürlichen Wasserhaushalts in der Regel ein Ziel des Managementplans. Die Umsetzung kann zu kleinräumigen Verschiebungen der Lebensraumtypen (LRT) führen, zum Beispiel wenn sich ein buchengeprägter Wald-LRT zu einem erlengeprägten LRT entwickeln. Auch wenn die LRT-Anteile innerhalb eines FFH-Gebietes grundsätzlich erhalten bleiben sollen, werden sich dabei möglicherweise langfristig Veränderungen ergeben. Eine kleinräumige Veränderung der LRT im Gebiet kann somit ein Ausdruck eines erreichten Managementziels sein. Sterben Einzelbäume in der Übergangsphase ab, kann sich die Strukturvielfalt durch Biotopbäume und Totholz erhöhen. Sollte das Ausmaß einer möglichen Veränderung größere Flächen oder seltene LRT umfassen, bietet sich die Rücksprache mit der zuständigen Unteren Naturschutzbehörde und dem Landesamt für Umwelt (LfU) im Vorfeld an. Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass die Zuordnung zu den LRT in der Regel über die krautige Vegetation hergestellt wird.

Mit zahlreichen Eindrücken und der einen oder anderen Umsetzungsidee erreichten die Teilnehmer nach drei Stunden wieder den Ausgangspunkt.

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