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Rindermast in verschiedenen Haltungssystemen

Rinder aktuell: „InnoRind“ – AG Mast
Von Dr. Imme Dittrich, Landwirtschaftskammer SH
Deutsch-Holstein-Ochsen zur Mast auf der Weide zeigten gute Zunahmen mit guter Fleischqualität. Foto: Thünen-Institut

Trotz der derzeit hohen Rindfleischpreise und vergleichsweise guter Wirtschaftlichkeit steht die Rindermast weiterhin vor ­Herausforderungen. Das Innovationsnetzwerk „InnoRind“ hat unterschiedliche Mast- und Haltungssysteme unter Praxisbedingungen untersucht und bewertet – mit Blick auf Tierwohl, Umweltwirkungen, Wirtschaftlichkeit und gesellschaftliche ­Akzeptanz.

Die gesellschaftliche Debatte um Haltung, Eingriffe am Tier und Umweltwirkungen wächst. „InnoRind“ setzt hier an: Ziel ist es, Lösungen zu entwickeln, die Betrieben wirtschaftliche Perspektiven bieten und gleichzeitig die Erwartungen von Verbrauchern erfüllen.

Weide und Außenklima überzeugen

Die Befragungen im Projekt zeigen ein klares Bild: Systeme mit Weidegang werden besonders positiv bewertet. 86 % der Befragten finden Weide im Sommer und Stall im Winter akzeptabel, 60 % wären bereit, dafür mehr zu bezahlen. Außenbuchten mit Stroh und Auslauf gelten für viele als eine gute Kompromisslösung zwischen Weide und intensiver Stallmast. Dagegen wird geschlossene Stallhaltung auf Spaltenböden – selbst mit Verbesserungen wie Gummimatten – gesellschaftlich deutlich kritischer gesehen.

Das Angebot von Futterhecken wurde durch die Tiere ausgiebig angenommen. Foto: Thünen-Institut

Weidebasierte Ochsenmast

Am Thünen-Institut für ökologischen Landbau in Trenthorst wurde die weidebasierte Ochsenmast mit Deutschen Holsteins erprobt. Die Tiere wurden mit etwa vier Monaten unter Betäubung kastriert und durchliefen zwei Sommerweideperioden mit einer dazwischenliegenden Winterstallhaltung auf Stroh. Die mittleren täglichen Zunahmen lagen im Mittel bei 900 g und das Schlachtalter zwischen 19 und 22 Monaten. Vorteil des Systems: Weidehaltung ist stark akzeptiert, nutzt Dauergrünland und bietet Vermarktungschancen über Qualitäts- und Regionalprogramme. Wichtig sind jedoch ein gutes Parasitenmanagement und ausreichende Weideflächen.

Die Uckermärker nutzen die Zweiflächenbucht gut aus. Foto: ATB Potsdam

Mehr Tierwohl mit Außenklimareiz

In Groß Kreutz wurde durch LVAT (Lehr- und Versuchsanstalt für Tierzucht und Tierhaltung e. V.) und ATB (Leibniz-Innovationshof für nachhaltige Bioökonomie) ein Außenbuchtsystem als Zweiflächenbucht getestet: ein planbefestigter Fress- und Laufbereich, kombiniert mit einem eingestreuten Liegebereich. Der Außenklimareiz wirkte sich positiv auf die Tiergesundheit aus – unter anderem traten in der Außenbucht weniger Atemwegserkrankungen auf. Gleichzeitig lagen Zunahmen und Schlachtleistungen auf dem Niveau konventioneller Stallhaltung. Die Akzeptanz in der Bevölkerung ist hoch (75 % bewerten das System als akzeptabel). Wirtschaftlich sind zusätzliche Erlöse möglich, wenn das System in höhere Haltungsstufen eingeordnet wird – allerdings steigen Arbeitsaufwand und Kosten für Einstreu, Entmistung und gegebenenfalls Neubau.

Der Strohbereich lädt zum Liegen und zu sozialer Interaktion ein. Foto: ATB Potsdam

Stallhaltung mit Verbesserungen

Im Projekt wurden auch Optimierungen bestehender Spaltenbodenställe untersucht – etwa durch Gummibeläge, Trogtränken oder Ventilatoren. Technisch können solche Maßnahmen das Tierwohl verbessern: weniger Integumentschäden, bessere Wasseraufnahme und geringere Hitzebelastung. Gleichzeitig bleibt die gesellschaftliche Akzeptanz niedrig: In den Befragungen fanden nur 13 % dieses System akzeptabel, und nur 5 % würden dafür mehr bezahlen. Wer in diesem Bereich investiert, sollte daher die Kommunikation über Verbesserungen des Tierwohls und realistische Preiswirkungen aktiv mitdenken.

Fazit

Der „InnoRind“-Leitfaden macht deutlich, dass zukunftsfähige Mastrindersysteme möglich sind – besonders dort, wo Tierwohl sichtbar verbessert wird und Systeme nachvollziehbar kommuniziert werden. Weidebasierte Ochsenmast und Außenbuchten schneiden in der Akzeptanz wie in der Praxis gut ab. Für viele Betriebe dürfte die Außenbucht ein praxistauglicher Zwischenschritt sein, wenn Weideflächen fehlen. Entscheidend bleibt: Haltungssystem und Management müssen zusammenpassen – und das System muss sich auch vermarkten lassen.


Erfolgsfaktoren bei der Umstellung

Akzeptanz und Vermarktung früh mitdenken: Weide- und Außenklimasysteme bieten die besten Chancen für Mehrerlöse.

• Arbeitswirtschaft realistisch kalkulieren: Außenbuchten können Aufwand für Einstreu, Entmistung und Fütterung erhöhen.

• Tiergesundheit absichern: Parasitenmanagement auf der Weide, Stallklima im Sommer und trockene Liegeflächen im Winter kontrollieren

• Sicherheit gewährleisten: Bei Weidehaltung sind Handling und Zaunsysteme entscheidend – insbesondere für Bullen; Ochsenmast reduziert Risiken.

• Investitionen gezielt planen: Umbauten können oft in vorhandene Stallstrukturen integriert werden, Neubauten treiben die Kosten.


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