Hinter der Forstabteilung der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein liegt ein arbeitsreiches Jahr, und auch 2026 steht einiges an. Zeit für einen Ausblick mit dem Leiter der Forstabteilung in Bad Segeberg, Dr. Gerrit Bub.
Ende des Jahres gab es gute Noten für den Wald. Im Waldzustandsbericht hieß es: Die Wälder in Schleswig-Holstein präsentieren sich 2025 insgesamt in einem stabileren Zustand als im Vorjahr. Die mittlere Kronenverlichtung ist auf 22 % gesunken und liegt damit leicht unter dem Vorjahreswert. Der Anteil stark geschädigter Bäume ging auf 2,9 % zurück. Also Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Liegt es nur an der Witterung oder auch an der Bewirtschaftung durch die Waldbesitzer?
Dr. Gerrit Bub: Sicherlich an der Witterung, aber auch an der guten Bewirtschaftung, die langfristig dazu führt, den Wald klimaresilient zu gestalten. Wir dürfen den Klimawandel mit den folgenden Risiken für unsere Waldbestände jedoch nicht aus den Augen verlieren. Gerade jetzt gilt: Waldumbau als Vorsorge und Vermögenserhaltung. Gemischter Wald mit Nadelholzanteilen, strukturiert und vielfältige Baumarten verteilen das Betriebsrisiko deutlich. Boden- und Wasserhaushalt bleiben intakt und stabilisieren die Bewirtschaftung. Gute Waldpflege, Nutzen des wertvollen Holzes fördern zudem den klimastabilen Wald in Schleswig-Holstein.
Wir sind mit 11,5 % Waldanteil nach wie vor das waldärmste Bundesland. Wie kann der Waldanteil langfristig erhöht werden?
Der Wald konkurriert mit rentablen Landnutzungssystemen. Wir helfen als Abteilung der Landwirtschaftskammer den Eigentümerinnen und Eigentümern, durch Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen über den Verkauf von Ökopunkten den Wald- und Knickanteil hier langfristig zu mehren. Anschlussfähige, intelligente und auskömmliche forstpolitische Förderinstrumente helfen ebenfalls weiter. Ziel wäre es, die vielfältigen Ökosystemleistungen des Waldes für die Waldeigentümer in Wert zu setzen. Das wäre ebenfalls ein Anreiz, dem Wald mehr Raum zu geben.
Welche Fördermöglichkeiten können Waldbesitzer in Anspruch nehmen?
Waldeigentümer können Fördermittel für den Umbau instabiler oder geschädigter Waldbestände in klimastabile Mischwälder beantragen. Dabei geht es vor allem darum, in reinen Nadelwaldbeständen durch das Einbringen verschiedener, mindestens zur Hälfte auch standortheimischer Laubbäume zukunftsfähige Waldstrukturen zu schaffen. Auch die Pflege dieser Neukulturen ist für einige Jahre förderfähig. Andere Fördertatbestände wären Erstaufforstungen, die Pflege junger Wälder bis zum Alter von 15 Jahren, Bodenschutzmaßnahmen im Wald, die Wiederherstellung notwendiger Waldwege oder auch die Förderung der forstlichen Zusammenschlüsse auf Grundlage von Waldpflegeverträgen mit deren Mitgliedern. In diese Förderung ist in den beiden vergangenen Jahren sehr viel Geld geflossen, um für die Zukunft möglichst professionelle Zusammenschlüsse vor allen von Waldbesitzenden mit kleinen Waldflächen zu unterstützen.
Es gibt zum ersten Mal bei uns einen Meisterkurs für Förster. War es an der Zeit, um dem Fachkräftemangel zu begegnen?
Ja, unbedingt. Der Kurs ist hochattraktiv für junge Forstwirtinnen und Forstwirte. Die Bewerberzahl übersteigt deutlich das Angebot. Schon jetzt haben wir Nachfragen für den Anschlusskurs. Wir freuen uns auf weitere Anmeldungen für 2027.
Welche Arbeitsschwerpunkte hat die Forstabteilung in diesem Jahr?
Es liegen etliche arbeitsorganisatorische Änderungen vor uns. Ein Arbeitsschwerpunkt für dieses Jahr liegt in der Schaffung einer zusätzlichen Stelle für den Themenkomplex Kohlenstoffzertifikate. Ziel der Besetzung ist die Entwicklung von Vermarktungsmöglichkeiten von Kohlenstoffzertifikaten im Wald und in Waldmooren. Auch wenn das vergangene Jahr witterungsmäßig dem Wald guttat, sind wir gehalten, mit großer Tatkraft und Sorgfalt den Umbau des Wirtschaftswaldes voranzutreiben. Wir stärken unsere Forstbetriebsgemeinschaften. Die forstliche Fördermaßnahme der Waldpflegeverträge hat bereits bei den forstlichen Zusammenschlüssen zu hoffnungsvollen betrieblichen Verbesserungen beigetragen. Das ist genau der richtige Weg, um unsere Strukturen enkelfähig zu gestalten. Denn: Was wir heute nutzen, pflanzten unsere Voreltern, was wir heute sähen, ernten unsere Enkel. Die Lehranstalt führt hocherfolgreich den angesprochenen neuen Meisterkurs durch. Ich freue mich sehr, die Grundkurse in Kooperation mit den anderen Abteilungen der LKSH zu teilen. Unser Förderteam bemüht sich auch in diesem Jahr, die veranschlagten, notwendigen Fördermittel rasch und unbürokratisch den Waldeigentümer zukommen zu lassen. Auch für die letzte Ruhe sind wir vorbereitet: Wir bieten an über 20 Waldstandorten Ruheforste an. Unser Team hört zu, hilft gern und begleitet Familien und Freunde bei der Trauerarbeit. Insgesamt freuen wir uns auch in diesem Jahr wieder, für den Kommunal- und Privatwald in Schleswig-Holstein mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.
Ähnlich wie die Landwirte klagen auch Waldbesitzer über Bürokratie (zum Beispiel EU-Verordnung über entwaldungsfreie Lieferketten). Kann die Forstabteilung helfen, Bürokratie abzubauen?
Ja. Wir werden noch häufiger als bislang bei den Eigentümern vor Ort sein. Unsere Bezirksförster arbeiten hochprofessionell und digital. Neue Planungs- und Inventur-Software beschleunigt Prozesse im Wald und am Schreibtisch. Das Waldeigentum steht im Zentrum all unserer Überlegungen. Wir arbeiten ständig daran, unseren Service für die Waldbesitzenden zu verbessern.




