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75. VR Classics in Neumünster

Siege für die Niederlande und Belgien
Von Lena Höfer
Die 20-jährige Romy Rosalie Tietje aus Osterby wurde beste Deutsche im Großen Preis. Foto: Stefan Lafrentz

Rund 46.000 Besucher erlebten bei der 75. Ausgabe der VR Classics in Neumünster an vier Veranstaltungstagen Spitzensport und Unterhaltung. Bereits zum Auftakt hatte die große Jubiläumsshow am Mittwochabend mehr als 2.000 Gäste in die Holstenhallen gezogen.

„Unglaublich, die Halle war nach jeder Runde am Beben“, schwärmte Romy Rosalie Tietje. Die 20-Jährige aus Osterby, Kreis Rendsburg-Eckernförde, kennt die Holstenhallen, denn unter anderem wurde sie hier vor sechs Jahren Pony-Championesse. Doch in diesem Jahr gab es eine Premiere: Am Sonnabend ritt sie ihr erstes Springen über 1,55 Meter. Mit dem Holsteiner Wallach Cascadino qualifizierte sie sich dabei für den Großen Preis am Sonntag.

„Ich hätte nie gedacht, dass wir in den zweiten Umlauf kommen. Dass es dann gleich zweimal so gut klappt, war wirklich toll“, sagte sie und schwärmte über ihr Pferd: „Der hat noch nie was falsch gemacht, ich kann mich immer zu 110 Prozent auf ihn verlassen. Er ist wahnsinnig vorsichtig und mit viel Mut ausgestattet. Das bringt bei der Höhe richtig Spaß, sodass man auch angreifen kann.“ Mit einem tollen Ritt flogen sie und ihr Cartani-Sohn durch den zweiten Umlauf und holten nicht nur das beste Ergebnis für Schleswig-Holstein (38,01 s), sondern waren auf Platz vier auch die besten Deutschen im Großen Preis. Von den zehn für den zweiten Umlauf qualifizierten Reitern kamen sechs aus Schleswig-Holstein.

Den Sieg holte sich der niederländische Olympiareiter Willem Greve. Die Uhr stoppte bei 34,7 s. Greve galt als bestplatzierter Reiter der Weltrangliste bereits im Vorfeld als Favorit. Für die großen Springen hatte er die Stute Candy Luck Z mitgebracht. Sie gehört der US-Amerikanerin Alessandra Volpi, die zurzeit verletzungsbedingt pausieren muss. Greve hält das hochtalentierte Pferd in dieser Zeit im Sporteinsatz, bevor es in den kommenden Monaten zu seiner Besitzerin zurückkehrt.

Der Niederländer Willem Greve holte mit Candy Luck Z den Sieg im Großen Preis von Neumünster. Foto: Thomas Hellmann

Hektik vor dem Start

Für den Niederländer war es der erste Sieg im Großen Preis, nachdem er zuvor bereits einmal Zweiter gewesen war. „Ich bin hier aber auch schon einmal mit Notruf und Erster Hilfe aus dem Parcours getragen worden. Umso schöner ist es, jetzt hier zu gewinnen”, sagte er. Greves Startposition im zweiten Umlauf sorgte kurz für Hektik: „Ich dachte, wir starten in umgekehrter Reihenfolge zum ersten Umlauf und war ganz entspannt am Schrittreiten. Plötzlich war ich schon als dritter Reiter dran. Da musste ich mich etwas beeilen. Aber ich bin meine Runde wie geplant geritten. Zum Glück hat es gereicht.“

Hinter ihm reihte sich Christoph Könemann ein. Er hatte den Hannoveraner Coredo gesattelt, der seit fünf Jahren bei ihm im Stall ist. Der zweite Platz war der bisher größte Erfolg des Carridam-Nachkommen. „Mein Pferd braucht es, dass das Publikum mitgeht, und das war hier der Fall“, freute sich der Schweizer.

Dritter wurde der Kolumbianer Marco A. Peixoto Ferreira Filho im Sattel von Everest v‘t Hof V Eversem Z. „Ich hatte Angst, dass ich die Nerven verliere“, verriet er. Denn auch er war am Tag zuvor sein erstes Springen über 1,55 m geritten. „Ich bin einfach überglücklich über dieses Ergebnis“, sagte der 23-Jährige, der in den Niederlanden trainiert.

Das Springen, in dem Tietje und Filho ihre Premieren feierten, war das Championat von Neumünster, das als Weltranglistenspringen ausgeschrieben war. Neun Paare hatten sich nach fehlerfreien Umläufen für den zweiten Umlauf qualifiziert. Am Ende setzte sich der belgische Championatsreiter Koen Vereecke durch.

Platz zwei ging an Hannes Ahlmann aus Reher, Kreis Steinburg. Nach zwei Siegen mit den Holsteinerinnen Cimarosa und Tokyo hatte er hier den KWPN-Hengst Madness gesattelt. „Ich bin unheimlich stolz auf mein Pferd. Madness ist erst neun Jahre alt. Ich habe heute einmal versucht, ihn einen Schritt weiterzubringen. Er hat im letzten Jahr einen Megajob gemacht, war Vize bei der Deutschen Meisterschaft der U25-Reiter. Aber das hier in der Halle ist noch einmal eine andere Nummer“, erklärte Ahlmann.

Erfolg für Thiesen

Für eine kleine Sensation sorgte Tomma Thiesen. Mit Django Riff zeigte die Fehmaranerin als erste Starterin im Stechen eine fehlerfreie Runde und setzte mit 35,72 s direkt eine starke Bestmarke. Am Ende wurde es Rang drei. Für die 20-Jährige war das der größte Erfolg ihrer noch jungen Karriere. Entsprechend emotional fiel ihr Fazit aus: „Das war das erste Mal für uns beide, auf diesem Niveau zu reiten. Ich bin einfach nur begeistert, wie Django Riff gesprungen ist und für mich gekämpft hat. Das ist hier mit der Atmosphäre nicht ganz leicht für ihn, aber er ist so toll bei mir geblieben. Es war einfach eine supergleichmäßige, flüssige Runde.“

Schon am Freitag stand das Championat der Pferdestadt Neumünster auf dem Programm. Die nationale Springprüfung der Klasse S* bot ebenso viel Spannung wie ein internationales Springen. Sechs Paare qualifizierten sich für das Stechen über 1,40 m. Am Ende setzte sich der Reiter mit der größten Erfahrung durch: Rolf-Göran Bengtsson, der sein Land bereits bei sechs Olympischen Spielen, vier Weltmeisterschaften und 13 Europameisterschaften vertreten hat, siegte mit Mastermind B in 33,57 s.

Die Elmshornerin Janine Rijkens und Mattie belegten mit 35,40 s Rang zwei vor Paula de Boer-Schwarz und Zandona (36,08 s). Einen Abend zuvor hatte die Hamburgerin das Indoor-Eventing gewonnen – ein emotionaler Moment für das Multitalent. „Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet“, sprudelte es aus der überglücklichen Siegerin heraus. „Ich wollte unbedingt mitreiten, weil diese Prüfung so viel Spaß macht und die Stimmung einfach immer großartig ist. Semian war jetzt zum dritten Mal hier am Start und macht das jedes Jahr super. Er hat einen riesigen Galopp, aber dass er hier so schnell sein kann, hätte ich wirklich nicht gedacht.“

Die Indoor-Vielseitigkeit konnte erstmals Paula de Boer-Schwarz mit Semian für sich entscheiden. Foto: Thomas Hellmann

Das Championat der Ponyreiter entschied Emil Krüger von der Reitsportgemeinschaft Groß Buchwald, Kreis Rendsburg-Eckernförde, für sich. In dem A**-Springen zeigte er mit Grisu eine tolle Runde, die mit einer 9,0 bewertet wurde. Neue Championesse der Junioren und Jungen Reiter wurde die Schwedin Minna Sophia Sanny, die für den Reit- und Fahrverein Kropp, Kreis Schleswig-Flensburg, reitet.

Stimmungsvolles Jubiläum

Außer den Springreitern waren auch die Dressurreiter nach Neumünster gekommen. Die Hamburgerin Juliane Brunkhorst und ihr Diamante Negro gewannen den CDN Grand Prix Special am Sonntagmorgen und sicherten sich damit auch die Siegerschärpe im Championat der Pferdestadt Neumünster der Dressurreiter. Am Freitag hatte das Paar schon den Grand Prix für sich entschieden. Platz zwei ging wie in der Qualifikation an Nicole Wego-Engelmeyer und DiCaprio. Die Schweizerin Delia Eggenberger komplettierte mit Santa Maria das Podium.

Juliane Brunkhorst und Diamante Negro bekamen die Siegerschärpe im Championat der Pferdestadt Neumünster der Dressurreiter. Foto: Stefan Lafrentz

Gleich zwei Dressurreiter aus Belgien dominierten am Sonnabendmorgen den FEI Dressage World Cup Grand Prix. Vor ausverkauften Rängen wurde der Weltranglistenerste und amtierende Doppeleuropameister Justin Verboomen eindrucksvoll seiner Favoritenrolle gerecht. Der 38-Jährige sicherte sich im Sattel seines elfjährigen Djembé de Hus mit 76,826 % den klaren Sieg. Platz zwei ging mit 74,196 % an seine EM-Teamkollegin und Landsfrau Larissa Pauluis auf dem 16-jährigen Flambeau. Das Podium komplettierte der deutsche Weltcupführende Raphael Netz mit Great Escape Camelot (73,587 %).

Belgien behielt auch in der Kür die Führung in der Weltcupqualifikation, allerdings mit vertauschten Rollen gegenüber dem Grand Prix. Hier siegte Larissa Pauluis mit Flambeau vor ihrem Teamkollegen Justin Verboomen auf Djembé de Hus. Rang drei ging an den Portugiesen João Pedro Moreira mit Drosa Fürst Kennedy. Bester Deutscher wurde Raphael Netz auf Platz vier.

Die Belgier hatten den Dressurweltcup fest in ihrer Hand. In der Kür zeigten Larissa Pauluis und Flambeau eine persönliche Bestleistung. Fotos: Stefan Lafrentz

Pauluis und der 16-jährige Ampère-Sohn Flambeau lieferten eine ausdrucksstarke, technisch anspruchsvolle Kür ab. Die Richter honorierten die Vorstellung mit 84,015 % – eine persönliche Bestleistung für das Paar. „Er war während der gesamten Prüfung ganz bei mir“, sagte Pauluis. „Besonders die Piaffe-Passage-Tour war heute sehr ausdrucksstark. Es war ein großes Vergnügen, ihn zu reiten.“

Mit einer stimmungsvollen Jubiläumsshow waren die VR Classics zum ersten Mal schon am Mittwochabend in ihre Turnierwoche gestartet. Als Zeichen der besonderen Wertschätzung gegenüber Partnern, Unterstützern und dem treuen Publikum war der Abend bewusst als Hommage an jene Menschen konzipiert worden, die das internationale Reitturnier über 75 Jahre hinweg begleitet und geprägt haben. Rund 2.000 Besucher verfolgten die Jubiläumsshow in den ausverkauften Holstenhallen.
pm

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