Die jüngsten Züchtungserfolge im Raps und Züchtungsmethoden standen beim Rapool-Pressegespräch in der Zuchtstation Salzkotten-Thüle des Rapool-Gesellschafters Deutsche Saatveredelung (DSV) vergangene Woche im Vordergrund.
Mit Blick auf die bisherige Vegetationsperiode erklärte DSV-Vorstand Dr. Eike Hupe: „Wir hatten eine Rekord-Frühjahrstrockenheit.“ Neben Klimaextremen forderten aber auch Einschränkungen im Pflanzenschutz und ein verändertes Krankheits- und Erregeraufkommen den Rapsanbau heraus.
Raps macht Spaß
Die Zulassungssituation bei Pflanzenschutzmitteln sei „extrem schwierig“. Die Fachlichkeit werde in der neuen Bundesregierung aber wieder nach vorn gehen, so Hupe. Sie habe mehr Verständnis für die Belange der Landwirtschaft. Auch in der EU seien die Entwicklungen positiv. EU-Agrarkommissar Christophe Hansen komme vom Hof und werde die Landwirtschaft voranbringen. Zudem verfolge neben der polnischen auch die folgende dänische Ratspräsidentschaft in Sachen Neuer Züchtungstechniken einen pragmatischen Ansatz, schätzt der DSV-Vorstand.
Nach seinen Angaben sind dir Marktausichten für Rapsanbauer gut. Die Ernteprognosen in Kanada, Australien und der Ukraine seien etwas gedämpfter als zuvor. Die Preise würden daher stabil bleiben oder sich sogar ein wenig nach oben bewegen. „Das aktuelle Preisverhältnis von Raps zu Weizen von 2,3 bis 2,4 ist gut. Raps macht den Bauern Spaß“, so Hupe. Er fügte hinzu: „Der Bedarf in Russland an europäischem Saatgut ist weiter hoch. Aber es gibt Exportquoten.“
Komplexes Genom
Rapszüchter Dr. Carsten Oertel gab Einblicke in die Arbeit am Standort Thüle. Er erklärte: „ Mit der markergestützen Selektion können wir bereits im Keimlingsstadium erkennen, ob Resistenzen vorhanden sind.“ Sobald entsprechende Resistenz-Gene identifiziert seien, beschleunige das die Züchtungsarbeit sehr. Toleranzen seien hingegen „schwieriger zu greifen“. Der Züchtungsfortschritt beträgt laut Oertel derzeit im Schnitt 1,3 % pro Jahr, ohne dass die Kurve abflache. Das Ertragspotenzial von Raps zeige der Anbau in Chile auf vulkanischen Böden mit viel Wasser, wo 9 t/ha eingefahren würden.
Besorgt blickt der Züchter auf die Ausbreitung der Schilfglasflügelzikade. Der Schädlung könne grundsätzlich auch Raps befallen „Darauf müssen wir uns vorbereiten“, so Oertel. Wenn es immer weniger Pflanzenschutzmittel gebe, sei Zuchtfortschritt eine Lösung. Die hohe Komplexität der Rapszüchtung veranschauliche beispielsweise die Zahl von rund 101.000 Genen im Raps-Genom, während der Mensch mit lediglich 23.000 Genen auskomme.




