Das Budget des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMLEH) soll 2026 um rund 100 Mio. € auf 6,986 Mrd. € vergrößert werden. Dies geht aus dem Haushaltsentwurf für das kommende Jahr hervor, den das Bundeskabinett am vergangenen Mittwoch beschlossen hat. Zusätzlich soll das Ressort auf 255 Mio. € aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) sowie dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität zugreifen können; das wären 50 Mio. € mehr als 2025.
Das geplante Wachstum des Agrarhaushalts resultiert unter anderem aus einer Erhöhung des Budgets für das Bundesprogramm Umbau der Tierhaltung, für das 2026 insgesamt 278 Mio. € und damit 78 Mio. € mehr als 2025 zur Verfügung stehen sollen. Daneben sollen die Mittel für das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) um 22,5 Mio. € auf 159,1 Mio. € angehoben werden. Schließlich ist beim größte Posten des Agrarhaushalts, der Landwirtschaftlichen Sozialpolitik, eine weitere Aufstockung des Budgets auf insgesamt 4,16 Mrd. € vorgesehen, nach 4,09 Mrd. € im laufenden Jahr und 3,93 Mrd. € im Jahr 2024.
Bei Unfallversicherung Rotstift angesetzt
Für die Landwirtschaftliche Altershilfe werden mit 2,42 Mrd. € 2026 etwa 30 Mio. € mehr veranschlagt als 2025. Die Gelder für die Landwirtschaftliche Krankenversicherung sollen um 56 Mio. € auf knapp 1,56 Mrd. € aufgestockt werden. Dagegen wird beim Budget der Landwirtschaftlichen Unfallversicherung der Rotstift angesetzt. Es soll auf 100 Mio. € und damit wieder auf das Niveau von 2024 sinken. Im laufenden Jahr waren wegen der Anerkennung von Parkinson als Berufskrankheit 20 Mio. € mehr eingeplant worden. Die Mittel werden aus der Landwirtschaftlichen Krankenversicherung umgeschichtet.
Das Budget für die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) soll im kommenden Jahr mit 907 Mio. € gegenüber 2025 unverändert bleiben. Zusammen mit der Kofinanzierung der Bundesländer können für die GAK-Maßnahmen laut dem Haushaltsplan Fördermittel von insgesamt 1,5 Mrd. € mobilisiert werden.
Etat für Zusammenarbeit mit FAO fast halbiert
Deutlich zurückgenommen werden sollen die Mittel für das Kapitel „Nachhaltigkeit, Forschung und Innovation“, und zwar um 43,4 Mio. € auf 335,2 Mio. €. So sind für die „zukunftsfähige, umwelt- und ressourcenschonende Landwirtschaft und den ökologischen Landbau“, worunter unter anderem das Bundesprogramm ökologischer Landbau (BÖL) und das Chancenprogramm Höfe zusammengefasst sind, 2026 noch 54,4 Mio. € vorgesehen, nach 73 Mio. € im laufenden Jahr.
Die Mittel für die Digitalisierung in der Landwirtschaft werden laut dem Kabinettsbeschluss um 13,4 Mio. € auf 14,1 Mio. € eingedampft, die Gelder für das Förderprogramm Nachwachsende Rohstoffe um 9,3 Mio. € auf 70,9 Mio. € und die Gelder für das Bundesprogramm Nutztierhaltung um 5,8 Mio. € auf 10 Mio. €. Dagegen soll das Budget für die Entwicklung und Markteinführung einer verpflichtenden Tierhaltungskennzeichnung um 900.000 € auf 3,8 Mio. € zulegen.
Schließlich will das Bundeskabinett für die Zusammenarbeit mit der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) 2026 nur noch 4,8 Mio. € bereitstellen, nach 8,8 Mio. € im laufenden Jahr und 10,4 Mio. € 2024. Die Gelder für die Verstärkung der Außenhandelsbeziehungen und für die bilaterale technische Zusammenarbeit sollen hingegen um jeweils 1 Mio. € auf 3 Mio. € beziehungsweise 21 Mio. € aufgestockt werden.
Koalition weitgehend zufrieden
Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer hat den vom Bundeskabinett abgesegneten Haushalt 2026 als ein „starkes Signal an die Land- und Forstwirtschaft“ gewertet. Es werde deutlich, dass die Branche „keine Randnotiz“, sondern ein „strategischer Wirtschaftsfaktor für unser Land“ sei, betonte der CSU-Politiker am in Berlin. Das Förderniveau bleibe verlässlich und Familienbetriebe würden gezielt entlastet. Das schaffe Planungssicherheit und stärke die Wettbewerbsfähigkeit der Höfe.
Gleichzeitig werde mit der GAK weiterhin in starke ländliche Räume und eine zukunftsfähige Landwirtschaft investiert, erklärte Rainer. Schließlich sorge die Bundesregierung dafür, dass Landwirtschaft ‚made in Germany‘ erfolgreich auf den Weltmarkt exportiert werde. Das stärke die Landwirte und die Lebensmittelhersteller in Deutschland.
Der agrarpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Johannes Steiniger, begrüßte, dass 2026 erneut 907 Mio. € für die GAK bereitstehen sollen. Damit werde das klare Signal gesendet, dass die Bundesregierung „zu unseren landwirtschaftlichen Betrieben, zu unserer Kulturlandschaft und zur regionalen Lebensmittelversorgung“ stehe.
Nach Einschätzung des zuständigen Berichterstatters für die Union im Haushaltsausschuss, Dr. Oliver Vogt, gelingt es auch unter den aktuellen Haushaltsvorgaben, die Landwirtschaft in Deutschland gezielt zu stärken und zukunftsfähig aufzustellen. Dass der Agrarhaushalt 2026 um rund 100 Mio. € wachse, sei ein „starkes Zeichen der Verlässlichkeit“. Zudem würden die Gelder für den Umbau der Tierhaltung deutlich aufgestockt. Die Erhöhung des Etats für das Friedrich-Loeffler-Institut sei eine entscheidende Maßnahme, um Tierhalter in der aktuellen Seuchenlage wissenschaftlich fundiert zu unterstützen.
„Basis, auf der man arbeiten kann“
Schließlich verwies Vogt auf den Aufwuchs in der landwirtschaftlichen Sozialpolitik und der Exportförderung. Mit gestärkten Messeprogrammen und internationalen Kooperationen würden die Landwirte beim Zugang zu globalen Märkten unterstützt. Für SPD-Agrarsprecherin Dr. Franziska Kersten ist der Regierungsentwurf für den Haushalt 2026 „ein guter erster Aufschlag und auch angesichts der eher knappen Haushaltslage eine Basis, auf der man arbeiten kann“. Als besonders positiv wertete auch Kersten die Konstanz in der Ausstattung der GAK. Außerdem seien 60 % der zusätzlichen rund 100 Mio. €, um die der Agrarhaushalt gegenüber 2025 zulegen soll, für Investitionen vorgesehen.
Ein weiteres wichtiges Signal sei die Erhöhung der Gelder für das Bundesprogramm zur Förderung des Umbaus der Tierhaltung, so Kersten. Sie räumte indes ein, dass es auch Punkte gebe, an denen man nachbessern könne. Für die SPD seien der Verbraucherschutz, die Förderung einer nachhaltigen Ernährung und der Ökolandbau besonders wichtige Anliegen.
Kritik am Kabinettsbeschluss
Der Deutsche Bauernverband (DBV) ist unzufrieden mit den Planungen der Bundesregierung für den Agrarhaushalt des kommenden Jahres. „Der deutliche Zuwachs im gesamten Bundeshaushalt 2026 findet sich im Einzelplan 10 nicht wirklich wieder“, kritisierte DBV-Präsident Joachim Rukwied.
Die vorgesehenen Mittel für den Umbau der Tierhaltung stiegen zwar an, blieben aber hinter den Erwartungen zurück und seien bei Weitem nicht ausreichend, um die anstehenden Herausforderungen zu bewältigen, betonte Rukwied. In der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) seien keine zusätzlichen Mittel für die ländliche Entwicklung vorgesehen, obwohl dies im Koalitionsvertrag klar vereinbart worden sei. Damit komme die GAK als das prädestinierte Programm für den ländlichen Raum und für die ländliche Infrastruktur deutlich zu kurz. Auch die Reduzierung des Bundeszuschusses in der Unfallversicherung bei steigenden Kosten werde der Situation nicht gerecht, erklärte der DBV-Präsident. Nun seien die Parlamentarier gefordert, die Weichen für eine „echte Investitionsoffensive“ zu stellen.
Auch der Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV), Franz-Josef Holzenkamp, hofft auf Nachbesserungen im parlamentarischen Verfahren. Bisher seien „keine nennenswerten Reformen des Bundeshaushalts erkennbar“, die auf das von der Bundesregierung gesetzte Ziel „Investieren – Reformieren – Konsolidieren“ einzahlten. Drängende Fragen etwa nach dem Stellenwert von Ernährungssicherung in einer fragilen Weltsituation und nach der Realisierbarkeit eines Umbaus der Tierhaltung blieben bislang unbeantwortet.
Heftige Kritik kam vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). Die Haushaltspläne seien ein „Schlag ins Gesicht der ökologisch wirtschaftenden Höfe und Unternehmen in Deutschland“. Die Idee, ausgerechnet das bewährte und weltweit als Leuchtturm anerkannte Bundesprogramm Ökologischer Landbau in einen „Gemischtwarenladen“ mit anderen Programmen zu werfen, habe schon zwischen 2011 und 2021 die Öko-Forschung zurückgeworfen und vor allem zu mehr Bürokratie in der Verwaltung geführt, warnte BÖLW-Vorstandsvorsitzende Tina Andres. Zudem würde bei einer Umsetzung der Pläne das laufende Wachstum des Biomarktes ausgebremst.



