Wenn der Januar beginnt, ist das der Startschuss für Christa Krohn, rund ums Ei kreativ zu werden. In ihrer Malwerkstatt entstehen
bis in den April hinein etwa 70 neue Werke in filigraner Handarbeit. Ihre Dekorationen präsentiert die Hobbykünstlerin anschließend beim Internationalen Ostereiermarkt im Tönninger Packhaus. Erstmals war sie in diesem Jahr auch als Ausstellerin beim traditionellen Ostereiermarkt „Rund ums Ei“ im Heikendorfer Künstlermuseum mit dabei.
„Es bereitet mir viel Freude, wenn ich sehe, dass auch andere Leute meine Eier mögen, ihnen Beachtung und Wertschätzung schenken“, meint die 73-Jährige, während sie in ihrer Malwerkstatt am Schreibtisch sitzt, um sich der Acrylmalerei auf dem Ei zu widmen, genauer gesagt, dem Gänseei. Das ist ihr nämlich von allen das liebste. „Es liegt so wunderbar in der Hand. Dagegen ist ein Hühnerei winzig“, schmunzelt sie.
Foto: Silke Bromm-Krieger
Ansonsten verziere sie gern Straußeneier oder Doppeldottergänseeier. Hühnereier bemale sie eher selten, meist nur, wenn sie ein schönes Geschenk oder Mitbringsel für einen lieben Menschen brauche. „Ich war schon immer kreativ und fing früh mit dem Zeichnen und Malen an. Als Kind erkrankte ich an Asthma und verbrachte deshalb viel Zeit im Bett. Da war das eine willkommene Abwechslung und Beschäftigung“, blickt sie zurück. Später als Erwachsene besuchte sie Volkshochschulkurse zur Bauernmalerei, bildete sich in diesem Bereich fort, gab sogar selbst Kurse und ging mit ihren Kreationen auf regionale Ausstellungen. Nach einer längeren Pause knüpfte die Mutter eines erwachsenen Sohnes mit dem Eintritt in den Ruhestand im Jahr 2018 an vergangene kreative Zeiten an. „Irgendwann kam ich dabei auch aufs Ei und wurde auf die liebevoll-nostalgischen Illustrationen aus der bekannten ‚Häschenschule‘ aufmerksam. Diese bannte ich als Erstes aufs Oval“, erinnert sich die gelernte Einzelhandelskauffrau.
Als sie feststellte, dass es bereits mehrere Eierkünstlerinnen gab, die sich diesen Motiven aus dem Bilderbuchklassiker von Fritz Koch-Gotha und Albert Sixtus verschrieben hatten, erweiterte sie den Horizont und schwenkte um. Originalgetreue zarte Motive aus Flora und Fauna sowie maritime Motive nach eigenen Entwürfen sind heute das Markenzeichen ihrer Unikate.
Ob Schneeglöckchen, Krokus oder Stiefmütterchen, ob Pferd, Schmetterling oder Eisvogel, ob Leuchtturm oder Segelschiff, Christa Krohn verewigt sie alle. „Dabei möchte ich auf meinen Eiern, die ich immer rundherum von vorn und von hinten bemale, eine kleine Geschichte erzählen“, sagt sie und holt ein kunstvolles Straußenei aus einem Karton hervor. Auf ihm hat sie einen roten Leuchtturm und zwei Möwen am Meer gemalt – eine maritime Idylle pur, mit Akkuratesse und Detailliebe gestaltet.
„Einmal konnte eine Besucherin auf dem Ostereiermarkt kaum glauben, dass ich meine Eier tatsächlich selbst von Hand bemale. Sie vermutete, ich würde die Serviettentechnik anwenden, bei der man die oberste, dünne Schicht einer bedruckten Serviette mit Leim auf einen Gegenstand klebt.“ Mittlerweile schreibe sie unten auf ihre Exponate „handgemalt Christa Krohn“.
Inspirationen aus der Natur
Anregungen für Motive findet die begeisterte Hobbykünstlerin in Zeitschriften, Büchern, Kalendern, auf Postkarten und bei Spaziergängen in der Natur. „Mit meinem Mann fahre ich oft nach Dänemark. Dort genieße ich Strand und Meer und hole mir Inspirationen, die ich vor Ort gleich mit der Kamera festhalte“, verrät sie. Zu Hause setze sie die gesammelten Ideen für die Eiergestaltung dann in die Tat um. „Eigentlich kann ich aber gar nicht all meine Ideen umsetzen. Es sind einfach zu viele“, bemerkt sie mit einem Lächeln.
Foto: Silke Bromm-Krieger
Welche einzelnen Arbeitsschritte sich hinter der Eikunst verbergen, möchte sie jetzt an dem „halbfertigen“ Ei demonstrieren, das gerade vor ihr liegt. Auf ihm hat sie bereits einen blauen Himmel und eine grüne Wiese mit lila Krokussen gemalt. Nun will sie einen Osterhasen als Hauptmotiv ergänzen.
Zunächst schildert sie anschaulich, wie viele Vorarbeiten bis zu diesem aktuellen Arbeitsschritt nötig waren. „Zuerst reinigte ich den Rohling und vergrößerte die vom Händler gebohrten Ausblaslöcher, damit ich dort später als Aufhänger ein Schleifenband durchziehen kann. Anschließend trug ich eine Grundierung in der Farbe Weiß auf. Als diese getrocknet war, bearbeitete ich die Oberfläche noch mit einer feinen Schleifmatte“, zählt sie auf. Danach fing sie mit dem Erstellen des Hintergrunds an, den sie mit einem dünnen Bleistift vorskizzierte. Für das Hauptmotiv zeichnete sie auf Transparentpapier einen Hasen vor, dessen Konturen sie mit einer Blaupause aufs Ei übertrug.
Nun soll es also mit dem Schaffensprozess weitergehen. Christa Krohn wählt dafür aus einer Vielzahl von Pinseln ein weiches Exemplar aus Rotmarderhaar aus. Sie mischt sich aus dem reichen Fundus ein wenig hellbraune Acrylfarbe in einem Deckel an, tunkt den Pinsel hinein und malt auf dem Ei mit ruhiger Hand einen niedlichen Osterhasen. Dabei fällt auf, wie hauchdünn und fein der Pinsel ist, mit dem sie Meister Lampe Schritt für Schritt zum Leben erweckt.
Foto: Silke Bromm-Krieger
Um genau und exakt arbeiten zu können, nutzt sie eine Holzschiene als Malhilfe, auf der sie das rechte Handgelenk etwas erhöht ablegen und stabilisieren kann. Da sie es während des Bauernblattbesuchs nicht mehr schaffen wird, das Ei gänzlich fertig zu gestalten, steckt sie es nach einer Weile schließlich zum Trocknen auf einen Holzspieß. „Wenn das Ei fertig gemalt und getrocknet sein wird, werde ich abschließend Schutzlack auftragen und ein farblich passendes Schleifenband sowie eine Holzperle anbringen“, beschreibt sie die noch folgenden, letzten Handgriffe.
„Ich vergesse Zeit und Raum“
Wie lange sie insgesamt an einem Ei arbeite? Christa Krohn schaut aus dem Fenster, denkt kurz nach und meint: „Das kann ich gar nicht beantworten. Wenn ich am Nachmittag oder frühen Abend zum Eierbemalen in meine Werkstatt gehe, mir Musik anmache und anfange zu arbeiten, denke ich gar nicht an die Uhr. Ich vergesse Zeit und Raum, fokussiere mich auf das Ei, komme dabei herrlich zur Ruhe und schalte komplett ab.“ Manchmal sei es schon vorgekommen, dass es zwei Uhr nachts wurde, bis sie wieder auf die Uhr schaute.
Weitere Infos und Anfragen: christa.r.krohn@gmail.com




