Der Kurpark in Bad Oldesloe war wichtiger Bestandteil des 1813 gegründeten Sole-, Moor- und Schwefelbades, das die Geschichte der Stadt maßgeblich mit beeinflusste. Heute gibt es keine Kuranlagen mehr. Lediglich einige wenige Relikte wie der Kurpark, ein wild-romantisches, waldreiches Areal in einer Schleife des Flusses Beste, ein Salzteich und ein Salzpfad erinnern noch an die Zeiten als Heilbad.
Die Geschichte des Bades in Oldesloe begann in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, nachdem der Salineninspektor Dr. Friedrich August Lorentzen bei Bohrungen auf eine schwefelhaltige Quelle gestoßen war und als Apotheker und Arzt sogleich die Heilmöglichkeiten erkannte. 1813 wurde das Sol-, Moor- und Schwefelbad mit Lorentzen als Badedirektor gegründet. Ein Badepavillon, dem bald ein zweiter folgte, wurde ebenso eingerichtet wie Parkanlagen, ein Kurhaus und ein Logierhaus. Das mondäne Bad erfreute sich großer Beliebtheit bei Lübecker und Hamburger Bürgern sowie beim holsteinischen Adel. Selbst der Landesherr König Friedrich VI. begab sich zur Kur nach Oldesloe.
Um 1830 verlor das Kurbad allerdings durch die Gründung der Seebäder in Travemünde, Helgoland, Wyk auf Föhr und an anderen Orten an Anziehungskraft. Es begann ein allmählicher Rückgang der Gästezahlen, auch wenn durch Spielcasino, Pferderennbahn und andere Attraktionen versucht wurde, die Attraktivität zu steigern. In der Zeit von 1840 bis 1898 betrieb eine Aktiengesellschaft das Bad, das auf niedrigerem Niveau weiterbetrieben wurde.
Zweite Blüte
Eine zweite Blüte erlebte das Bad, als der finanzkräftige Fabrikant Nikolaus Dürkopp es übernahm und mit dem Neubau des Kurhauses, einem eigenen Kurorchester, Badekabinen am Salzteich und Neuanlage und Neupflanzungen im Kurpark und anderen Maßnahmen die Badegäste anzulocken versuchte. Oldesloe sollte laut Dürkopp „wieder zu den ersten Bädern Deutschlands zählen“. Ab 1910 durfte Oldesloe in der Tat auch den Namenszusatz „Bad“, den es bis heute beibehalten hat, tragen. Allerdings wurde das kaum Gewinn abwerfende Badegeschehen mit dem Ersten Weltkrieg endgültig unrentabel und die Stadt kaufte das Bad, um dessen endgültige Auflösung zu verhindern.
Nach einigen Besitzerwechseln kaufte die Holländerin Nelly Victorine Samuels das Bad und setzte ihren Bruder, den Arzt Dr. Jules Samuels, als Direktor ein. Wie mit jedem neuen Besitzer und Investor waren die Hoffnungen auf einen Aufschwung des Bades in Bad Oldesloe wieder groß. Samuels investierte auch und engagierte sich, allerdings fehlte in der Stadtverwaltung vor allem durch den damaligen Bürgermeister die Unterstützung. Es gab sogar heftigen Widerstand gegen seine Planungen.
Dass er Jude und Niederländer (und damit Ausländer) war, spielte neben den persönlichen Animositäten mit dem Bürgermeister wohl eine Rolle. Auch ein neuer Pächter konnte nicht mehr viel erreichen. Weitere Bemühungen, einen Kurbetrieb zu etablieren, scheiterten. 1928 wurde der Kurbetrieb endgültig eingestellt. Die Stadt kaufte das Areal abermals und bis 1938 wurden alle inzwischen verfallenen Gebäude abgerissen; als Letztes folgte im Jahr 1950 der Abriss der Ruine des Großen Logierhauses. Insgesamt war die Entwicklung des Bades in Bad Oldesloe mit ihren vielen Höhen und Tiefen im 19. und dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts prägend für die Stadtgeschichte, wie es auch die ehemalige Stadtarchivarin Sylvina Zander in ihrem Buch „Oldesloe und sein Bad 1813-1938“ treffend zusammenfasst: „Oldesloe und sein Bad: Das ist eine Geschichte von unternehmerischer Tatkraft und visionärer Begeisterung, von Verfall und Resignation, aber vor allem von nicht nachlassender Hoffnung.“
Geblieben ist von den eindrucksvollen Kurgebäuden und dem Aussichtsturm im Kurpark und am Salzteich nichts. Der Kurpark weist zwar noch Reste alter Eichen- und Lindenalleen und einiger Solitäre entlang der Wege auf, aber ansonsten ist das heutige, etwa 3 ha große Kurparkareal als Wald- und Wildnisareal weitgehend sich selbst überlassen – mit natürlich schönen Möglichkeiten für erholsame und ruhige Spaziergänge abseits vom Verkehrslärm der Stadt.
Es ist ein Forst und Landschaftsschutzgebiet. Ein vielfältiges Wegenetz durchzieht den heutigen Kurpark, der durch die Mäander und Steilufer in einer Flussschleife der Beste begrenzt wird. In dieser kleinen, etwas verwilderten, naturnahen grünen Oase der Stadt finden sich ausgedehnte Waldareale, Vernässungsbereiche mit Schilfröhricht, Hochstaudenfluren, Schwarzerlen- und Weidengebüschen, Salzwiesen, einem Salzmoor und einem Salzteich. Das kleine Moor im Kurpark wird noch heute durch eine salzhaltige Quelle gespeist und salzliebende Pflanzen wie Salzbunge, Strand-Dreizack, Salzschuppenmiere, Salzaster, Strandsimse und Milchkraut konnten im Gebiet nachgewiesen werden, ebenso auch andere gefährdete Pflanzenarten wie die Breitblättrige Glockenblume, der Sumpf-Pippau, der Gold-Hahnenfuß und die Hohe Primel.
Im Eingangsbereich des Kurparks prägen Einzelbäume und Liegewiesenbereiche die Grünanlage. Zwei Gedenksteine zum 100-jährigen Bestehen des Kurbades von 1913 und zum 200-jährigen im Jahr 2013 stehen auf der Grünfläche. Hinzu kommen ein Grillpavillon, ein Spielplatz, ein Areal mit Outdoor-Trainingsgeräten und Bänken sowie einigen Tennisplätzen im Übergangsbereich zur Beste-Schleife. Im Jahr 2005 wurde eine Freilichtbühne für bis zu 400 Zuschauer errichtet. Alljährlich finden das Kurparkfest und eine Osterveranstaltung im Kurpark statt.
Eine denkmalgeschützte Granit-Solebadewanne aus einem der beiden Badepavillons der Anfangszeit des Sol-, Moor- und Schwefelbades ist auf dem Eingangsgrün aufgestellt. In einer solchen soll auch König Friedrich VI. sein Bad in Bad Oldesloe genommen haben.
Der Salzpfad
Salz spielt in der Geschichte Oldesloes eine wichtige Rolle. Die Stadt lag im Mittelalter an einer wichtigen Handelsroute zwischen Hamburg und Lübeck, auf der auch Salz gehandelt wurde. Zudem besaß die Stadt selbst eine Saline, in der das Salz aus salzhaltigen Quellen gewonnen wurde. Im 18. Jahrhundert prägte die Saline das Stadtbild und beschäftigte viele Menschen. Sie war damit der größte frühindustrielle Betrieb in Oldesloe. Zudem waren die salz- und schwefelhaltigen Quellen bedeutsam für die Einrichtung des Heilbades. So ist es nicht erstaunlich, dass die Stadt einen Salzpfad angelegt hat, auf dessen Spuren man nicht nur den Kurpark, sondern auch die Geschichte der Stadt erkunden kann. Fünf der sieben Stationen liegen im Kurparkbereich, zwei befinden sich in der Innenstadt.
Die erste Station an der Liegewiese des Kurparks beschäftigt sich mit den Salzvorkommen in Oldesloe und Umgebung, wo die Salinenbesitzer immer wieder versuchten, ergiebigere Quellen für ihre Salzgewinnung zu finden – ohne großen Erfolg, da alle Bemühungen in diesem Bereich nur zu schwach salzhaltigen Quellen führten. Immerhin war die Entdeckung einer salz- und schwefelhaltigen Quelle der Anstoß zur Einrichtung eines Heilbades. Die Station 5 des Salzpfades erzählt die Geschichte des Kurbades und auch über das Zusammenwirken von Bad und Stadt, wozu auch das von einem Bürgermeister propagierte Leitbild der Oldesloer Villenstadt gehörte, die zum Teil heute noch an der Kurparkallee zu bewundern ist.
Beim Weg in die Beste-Schleife befindet sich die Station 4 mit den Ausführungen zu den mehrere Meter hohen Gradierwerken, die einst das Stadtbild mit prägten. 1750 wurden auf der Oldesloer Saline die ersten eingerichtet, die dazu dienten, durch natürliche Verdunstung die Konzentration der Sole zu erhöhen. Sie bestanden aus einem frei aufgestellten Holzgerüst, das mit Schlehenreisigbündeln (Schwarzdorn) durchsetzt war. Das Wasser rieselte verdunstend herab und zurück blieb einerseits das höher konzentrierte Salzwasser. Gleichzeitig wurden unerwünschte Begleitmaterialien wie Kalk, Gips, Kaliumsalze und anderes entfernt und auf dem Schlehenreisig abgelagert, das deswegen auch gelegentlich ausgewechselt werden musste. Neben der Nutzung des höher konzentrierten Salzes auch in den Badestuben diente das Umfeld der Gradierwerke mit der salzhaltigen Luft zu Kur- und Heilzwecken bei Atemwegserkrankungen als sogenanntes Freiluftinhalorium.
Die Stationen 2 (Salzquelle an der Beste) und 3 mit dem Salzteich finden sich im Zentrum des Kurparkareals in der Flussschleife. Binnenländische Salzquellen sind in Schleswig-Holstein sehr selten. Die Quellen um Bad Oldesloe, die hier an der Oberfläche austreten, kommen aus einer Tiefe von 500 m. Der von der Saline angelegte Salzteich wurde auch frühzeitig vom Oldesloer Bad genutzt, und zwar vor allem für Kaltbäder. Zunächst mit Badekarren und Badefloß versehen, wurden später am Ufer aufgestellte Badekabinen und ein schwimmendes Badehaus eingerichtet. Außerdem gab es einen Aussichtspavillon am Ufer. Heute ist es ein verträumter Waldteich, den man umwandern kann.
In der Innenstadt befinden sich die beiden letzten Stationen mit dem ehemaligen Salinenrad in der Trave (Station 6) und dem Kranhafen (Nummer 7) an der Lübecker Straße. Der Energiebedarf in den Salinen, um das Wasser in den Siedepfannen zu verdunsten, war hoch. Neben dem Holz aus den umliegenden Wäldern war auch der Torf aus den Mooren wichtiges Brennmaterial. Mit der Einrichtung der Gradierwerke nahm der Energiebedarf für das Hinaufpumpen des Wassers nochmals deutlich zu. Neben der Windkraft der drei Windmühlen des Ortes und von Pferden angetriebenen Göpelwerken wurde auch die Wasserkraft genutzt. Zu besichtigen ist ein altes Salinenrad an der ehemaligen Graupenmühle. Früher gab es auch ein zweites Salinenrad, das sich seit 1711 in der Beste befand. Der ehemalige Kranhafen zum Umladen schwerer Lasten befand sich seit dem 17. Jahrhundert an einer breiten Travebucht in der Nähe der nach Lübeck führenden Landstraße. Die Trave war ab hier bis nach Lübeck schiffbar. Salz war ein wichtiges Handelsgut. Die Oldesloer Saline unterhielt sowohl in Lübeck an den Salzspeichern nahe dem Holstentor als auch in Altona Lagerhäuser.



