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Dichte, Zusammensetzung und Vitalität der Grasnarbe

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Die Weidehaltung rückt in der Milchproduktion aus unterschiedlichen Gründen wieder stärker in den Fokus des Interesses. Die Narbenqualität der intensiv geführten Weide ist dabei von zentraler Bedeutung für die Leistungsfähigkeit und Nachhaltigkeit von Weidesystemen in der Milchviehhaltung. Sie beschreibt die Dichte, Zusammensetzung und Vitalität der Grasnarbe und steht damit in direktem Zusammenhang mit dem Futterertrag und der Futterqualität. Eine intakte Grasnarbe sichert nicht nur eine effiziente Weidenutzung, sondern auch die Tiergesundheit und den wirtschaftlichen Erfolg.

Kennzeichnend für eine gute Narbenqualität ist ein Anteil an wertvollen Futtergräsern von über 80 %. Hier sind bezüglich der Weide das Deutsche Weidelgras und die Wiesenrispe hervorzuheben, weil sie aufgrund ihres hohen Futterwertes und ihrer guten Narbenbildung besonders geeignet sind. Außerdem sind sie im Gegensatz zu vielen anderen Grasarten gut an regelmäßigen intensiven Verbiss angepasst.

Zusammensetzung der Narbe

Unterschiede gibt es in der Jugendentwicklung der beiden Gräser. Das Deutsche Weidelgras keimt und läuft schnell auf. Im Gegensatz dazu weist die Wiesenrispe eine sehr langsame Jugendentwicklung auf, hier kann der Nachsaaterfolg durchaus erst nach Jahren sichtbar werden. Diploide Weidelgrassorten sind gegenüber den tetraploiden hinsichtlich der Fähigkeit zur Narbenbildung im Vorteil. Ergänzt wird der ideale Weideaufwuchs durch 10 bis 15 % Leguminosen und 5 bis 10 % Kräuter. Die jeweiligen Anteile können entsprechend der Nutzungsintensität variieren. Der Weißklee weist unter den Leguminosen aufgrund seiner Anpassung an den Verbiss und seine Fähigkeit zur Narbenbildung mit Abstand die beste Weideeignung auf. Insbesondere auf Ökobetrieben werden auch höhere Weißkleeanteile als 15 % angestrebt. Jedoch sollte der Kleeanteil nicht über 30 % liegen, weil das Blährisiko sonst deutlich ansteigt.

Weitere Grasarten kommen für den Weideeinsatz nur bedingt unter besonderen Standortbedingungen infrage. Das Wiesenlieschgras ist schmackhaft und besitzt eine hohe Ausdauer. Im Vergleich zum Deutschen Weidelgras ist es jedoch deutlich trittempfindlicher und regeneriert langsamer. Ähnliches gilt für das Knaulgras, das ein Spezialist für trockene Standorte ist. Zudem verholzen die Pflanzenstängel des Knaulgrases relativ schnell, wodurch seine Schmackhaftigkeit früher als bei anderen Grasarten abnimmt. Daher ist hier gegebenenfalls eine frühe Nutzung anzustreben. Späte und niedrig wachsende Knaulgrassorten sind für Weidezwecke besser geeignet. Als weitere weidefähige Grasart ist der Wiesenschwingel zu nennen, da er schmackhaft, langlebig und ertragreich ist. Im Gegensatz dazu sind der Rot- und der Rohrschwingel grundsätzlich wenig weidegeeignet. Allerdings können sie Vorteile bei der Besiedlung schwieriger Standorte haben. Die Stärke des Rotschwingels liegt in der Bildung von Ausläufern, die gut mit Extremstandorten zurechtkommen. Ansonsten ist der Einsatz wegen seines niedrigen Futterwertes aber begrenzt. Aufgrund seiner Eignung für sowohl nasse als auch trockene Standorte ist der Rohrschwingel in Anbetracht des Klimawandels von großem pflanzenbaulichen Interesse. Bei älteren Sorten sorgten kleine Widerhaken an den Blatträndern für raue, grobe Blätter, die die verminderte Schmackhaftigkeit des Rohrschwingels begründen. Diese Problematik wurde in den letzten Jahren züchterisch bearbeitet und es wurden sogenannte sanftblättrige Rohrschwingelsorten entwickelt, deren Schmackhaftigkeit sich deutlich verbessert hat. Die in diesem Abschnitt aufgeführten Grasarten sind nur begrenzt für intensive Weidesysteme geeignet und in entsprechenden Gräsermischungen daher höchstens zu geringen Anteilen enthalten. Sie finden ihren Einsatz eher auf Standorten mit besonderen Anforderungen oder in kombinierten Systemen wie Mähweiden.

Was macht eine gute Weidenarbe aus?

Wenn ein Pflanzenbestand in der angestrebten Zusammensetzung auf der Weide etabliert ist, sorgt dies durch eine gute Bodenbedeckung für einen geringen Lückenanteil von deutlich unter 10 %. Ein gleichmäßiger und dichter Bewuchs verhindert zudem das Eindringen unerwünschter Gräser und Kräuter und die Wurzelmasse des Pflanzenbestandes gewährleistet eine gute Trittfestigkeit. Außerdem werden Futterverschmutzungen minimiert. Ein geeigneter Indikator für die Narbenqualität ist die Triebdichte. Während diese in schnittgenutzten Pflanzenbeständen in einer Größenordnung von 8.000 bis 12.000 Trieben je Quadratmeter liegt, kann sie auf intensiv beweideten Flächen über 30.000 Triebe erreichen. Weidegras sollte bevorzugt im Dreiblattstadium genutzt werden. Dies gilt als optimales Pflanzenstadium für eine intensive Beweidung. Dadurch werden selektives Fressen der Tiere bei überaltertem Pflanzenbestand und Futtermangel bei zu niedrigem Bewuchs verhindert. Ein Vorteil des niedrigen Pflanzenbestandes auf Intensivweiden ist der erhöhte Lichteinfall am Triebgrund der Graspflanzen. Hierdurch wird eine vermehrte Bildung von Seitentrieben im Vergleich zur Schnittnutzung ausgelöst und die Narbenbildung gefördert. Zudem birgt ein kurz geführter Pflanzenbestand auf der Weide einen wesentlichen weiteren Vorteil: Er gewährleistet die kontinuierliche Versorgung der Tiere mit hochverdaulichem, protein- und energiereichen Futter.

Tiefer Verbiss fördert die Bildung von Seitentrieben.

Die Entwicklung der Pflanzenbestände und damit auch der Narbendichte auf der Weide wird maßgeblich durch die Nutzungsform beeinflusst. Folglich stellt das Weidesystem einen zentralen Faktor dar. Wenn es um die Beweidung arrondierter Flächen in Hofnähe zur Milchproduktion geht, gibt es eine Vielzahl an möglichen Abstufungen von Jogging- bis Vollweide in Abhängigkeit von den betriebsindividuellen Gegebenheiten. Auf der Joggingweide können Kühe ihrem Bedürfnis nach Bewegung unter natürlichen Lichtverhältnissen nachkommen, aber eine Futteraufnahme findet hier nicht in nennenswertem Umfang statt. Umtriebs- und Portionsweiden ermöglichen durch Ruhephasen für die einzelnen Flächen eine bessere Regeneration des Pflanzenbestandes und damit folglich auch höhere Aufwuchsqualitäten. Allerdings können hier die den Tieren zugeteilten Futterqualitäten schwanken, wenn der Pflanzenbestand bei Zuweisung neuer Flächen beziehungsweise Portionen unterschiedlich alt ist. Die Kurzrasenweide als Form der Standweide mit einer rasenähnlichen, niedrigen Grasnarbe ermöglicht die Bereitstellung von Grünfutter in konstanter Qualität über nahezu die gesamte Vegetationsphase. Hier ist es wichtig, das Management auf die Aufwuchsleistung abzustimmen, also die Tierzahl oder die Flächengröße anzupassen. Sonst droht die Gefahr, dass die Aufwuchsqualität durch Unter- oder Überweidung reduziert wird. Diese kurze Beschreibung dient der Einordnung der wichtigsten intensiven Weidesysteme aus pflanzenbaulicher Sicht; in Bezug auf Tiergesundheit, Arbeitsaufwand, Management oder Flächenbedarf unterscheiden sich die Systeme ebenfalls.

Narbenschäden vorbeugen

Trotz aller Bemühungen um eine gepflegte Weidenarbe kann die Narbenqualität bei intensiver Weidenutzung in der Praxis schnell in Mitleidenschaft gezogen werden. Überweidung, ungenügende Nachsaat oder unpassende Trittbelastungen können zu Lücken, Bodenverdichtung und einer Vermehrung unerwünschter Arten wie der Gemeinen Rispe oder des Stumpfblättrigen Ampfers führen. Langfristig können dadurch Ertrag und Futterqualität reduziert werden.

Zur Förderung der Narbenqualität sind verschiedene Maßnahmen möglich. Zunächst gilt es, die optimale Aufwuchshöhe zu beachten. Sie kann mit einfachen Hilfsmittel wie einem Zollstock gemessen werden. Aber auch die Bestimmung mit technischen Hilfsmitteln ist möglich, sodass die Daten direkt für die Anwendung in einem Weidemanagementprogramm zur Verfügung stehen. Ideal ist beim Auftrieb eine Wuchshöhe von 10 bis 15 cm, damit die Pflanzen nicht überaltert sind und gut gefressen werden. Umgekehrt sollte nicht tiefer als 6 cm beweidet werden, weil die Pflanzen sonst zu tief verbissen werden. Wenn Letzteres häufiger passiert, ist das Regenerationsvermögen der Pflanzen durch die wiederkehrenden Stressereignisse vermindert. Die reduzierte Widerstandsfähigkeit der Futterpflanzen bewirkt dann, dass unerwünschte Pflanzen leichter im Bestand Fuß fassen können. Daher müssen bei intensiver Weidenutzung Weidepausen eingehalten werden, damit sich gute Gräser und Kräuter regenerieren können und nicht aus der Narbe verdrängt werden. Die Dauer der benötigten Weidepause ist dabei von dem Weidesystem und den Wachstumsbedingungen abhängig. Zwar vermehren sich das Deutsche Weidelgras und die Wiesenrispe auch vegetativ über Seitentriebe, aber je niedriger die Grasnarbe eingestellt ist, desto weniger Ähren bilden die Gräser aus. Daher sollte eine regelmäßige Nachsaat nicht vernachlässigt werden. Die Bedeutung der Nachsaat wird durch folgende Zahlen unterstrichen: Auf intensiv geführten Weiden bilden bei einer Wuchshöhe von 6 cm 31 % der Triebe Ähren aus, bei einer Wuchshöhe von 12 cm sind es 60 %. Weitere Pflegemaßnahmen wie Schleppen, Striegeln oder Walzen sollten ebenfalls bei geeigneten Bedingungen durchgeführt werden. Außerdem sind Bodenverdichtungen unbedingt zu vermeiden. Dafür sind die Schonung der Weide bei Nässe, die Befestigung der Tränken und das Anlegen von Treibewegen hilfreich. Eine weitere Form von Pflegemaßnahme stellt die Vorweide zu Saisonbeginn dar. Hierbei beweiden die Kühe großflächig und nur stundenweise vor den üblichen Pflegemaßnahmen die Weideflächen. Dadurch werden früh schossende Gräser zurückgedrängt und die Bestockung der Pflanzen angeregt. In der Regel bilden sich in intensiven Weidesystemen kaum Geilstellen. Passiert dies trotzdem, sollten sie vor dem Aussamen der unerwünschten Pflanzen gemulcht oder gemäht werden. Ferner ist die Tierzahl oder die Flächengröße entsprechend anzupassen.

Fazit

Eine hochwertige und dichte Grasnarbe ist die Grundlage für nachhaltige und leistungsstarke Weidesysteme in der Milchviehhaltung. Entscheidend sind dabei eine angepasste Gräsermischung, ein durchdachtes Weidemanagement sowie regelmäßige Pflegemaßnahmen wie Nachsaat und Weidepausen. Nur so lassen sich Futterqualität, Tiergesundheit und Ertrag langfristig sichern.

Interview mit der künftigen Kammergeschäftsführerin

Stephanie Wetekam wurde von den Deputierten der Hauptversammlung zur neuen Geschäftsführerin der Landwirtschaftskammer ab 2026 für die kommenden fünf Jahre bestellt. Erstmals hat dieses Hauptamt mit Verantwortung für über 380 Mitarbeitende für die Landwirtschaftskammer mit Hauptsitz in Rendsburg und vier weiteren großen Zentren (Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp, Gartenbauzentrum Schleswig-Holstein in Ellerhoop, Forstzentrum Bad Segeberg, Lehr- und Versuchszentrum für Milchwirtschaft in Bad Malente) sowie
mehr als ein Dutzend Beratungs-  und Versuchsstandorte eine Frau inne. Daniela Rixen sprach für das Bauernblatt mit der künftigen Kammergeschäftsführerin.

Liebe Frau Wetekam, herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Bestellung! Sie schreiben damit Kammergeschichte als erste Frau in der über 125-jährigen Geschichte der Kammer. Welche Akzente wollen Sie als neue Geschäftsführerin setzen?

Stephanie Wetekam: Zunächst einmal werde ich Augen und Ohren offen halten. Eine Landwirtschaftskammer hat keinen Selbstzweck, sondern ist Dienstleisterin für ihre Umlage zahlenden Betriebe. Deshalb ist es aus meiner Sicht sehr wichtig, genau zu schauen, in welchen fachlichen Bereichen die landwirtschaftlichen, gartenbaulichen, forstwirtschaftlichen und fischereiwirtschaftlichen Betriebe Bedarfe haben. Ein wichtiger Bestandteil meiner Aufgaben wird daher der Austausch mit den Betrieben sein – sei es über den Vorstand, die Fachausschüsse oder ganz direkt im persönlichen Gespräch.

Stephanie Wetekam. Foto: Feldle

Ein zweiter, ebenso bedeutender Punkt ist der Austausch mit den Beschäftigten. Ich komme aus einem anderen Bundesland und muss die Strukturen in Schleswig-Holstein erst kennenlernen. Es ist mir wichtig, offen zu kommunizieren und von den erfahrenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kammer zu lernen, um dann fundierte Entscheidungen treffen zu können. Gerade in der Anfangszeit wird dies – neben dem Tagesgeschäft, das stets anfällt – einen wesentlichen Teil meiner Tätigkeit ausmachen. Ich freue mich auf einen guten Austausch, das gegenseitige Kennenlernen sowie die gemeinsame Weiterentwicklung, bei der ich sicher auch meine Erfahrungen aus anderen Bereichen einbringen kann.

Darüber hinaus ist der Dialog mit Politik und Gesellschaft ein zentraler Bestandteil meiner Arbeit – er war es schon immer und wird es auch bleiben. Die Aufgaben der Kammer werden unter anderem durch hoheitliche Aufgaben bestimmt. Hier gilt es, diesen öffentlichen Auftrag zu erfüllen.

Insgesamt wünsche ich mir einen intensiven Austausch mit allen Beteiligten. Im besten Fall greifen alle Tätigkeitsbereiche der Kammer ineinander: Die Beratung bringt Praxisfragen ein, das Versuchswesen bearbeitet diese, und in der Aus- und Weiterbildung werden Erfahrungen und Wissen weitergegeben – sowohl innerhalb des internen Netzwerks der Kammer als auch gemeinsam mit externen Partnern aus Berufsstand, Wissenschaft, Gesellschaft und Politik. Es ist eine große Aufgabe, der ich mit Respekt, aber vor allem mit großer Freude entgegenblicke.

Warum die Kammer Schleswig-Holstein?

Der Tätigkeitsbereich in der Landwirtschaftskammer vereint aus meiner Sicht ideal alle beruflichen Erfahrungen und Kenntnisse, die ich in den letzten 20 Jahren sammeln konnte. Nach meinem Studium war ich acht Jahre in der hessischen Agrarverwaltung im Bereich Beratung tätig und durfte das hessische Beratungsteam für Nutztierhaltung und -fütterung sechs Jahre lang leiten. Anschließend zog es mich zum Bauernverband, wo ich zehn Jahre lang politische und gesellschaftliche Berufsstandsarbeit auf allen Ebenen kennenlernen durfte – ebenfalls verbunden mit Führungsverantwortung.

Anschließend übernahm ich die Leitung der Abteilung Bildung beim Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen. Dazu gehörten unter anderem die Fachschulen sowie die überbetriebliche Ausbildung. Im letzten Jahr übernahm ich kommissarisch die Leitung des gesamten Landesbetriebs.

Darüber hinaus war ich durch unseren familieneigenen Betrieb mit Ackerbau, Biogas, Nahwärmenetz und Pensionspferdehaltung in Nordhessen stets auch in der Praxis verwurzelt.

Als Geschäftsführerin der Landwirtschaftskammer ab dem 1. Januar für die nächsten fünf Jahre benötige ich all diese Erfahrungen – und kann sie hier sinnvoll zusammenführen.

Ich war ein Jahr lang auf einer Milchviehfarm in Neuseeland, direkt an der Küste. Das Leben in Meeresnähe finde ich sehr reizvoll – es wird nicht nur für mich, sondern auch für meine Familie neue Lebenserfahrungen mit sich bringen. Ich habe bereits einige Menschen aus Schleswig-Holstein kennengelernt, die mir durchweg sehr aufgeschlossen und freundlich begegnet sind. Zudem haben hier die Sektoren Landwirtschaft, Gartenbau, Forstwirtschaft und Fischerei einen sehr hohen Stellenwert. Insgesamt freue ich mich sehr auf die Menschen, die Tätigkeit und das Land Schleswig-Holstein – mit all den neuen Begegnungen und Erfahrungen.

Was ist Ihnen wichtig innerhalb der ersten 100 Tage?

Die ersten 100 Tage dienen aus meiner Sicht der Orientierung. Ich werde möglichst viele Menschen innerhalb und außerhalb der Landwirtschaftskammer, möglichst viele Standorte und Themenfelder kennenlernen. Ich möchte mir ein umfassendes Bild verschaffen.

Bei uns sagt man: „Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance.“ Das nehme ich mit in alle Termine. Ich wünsche mir, dass erste Begegnungen zu vertieftem Austausch und weiteren Gesprächen führen. Für eine gute Zusammenarbeit ist es aus meiner Sicht sehr wichtig, ein vertrauensvolles Miteinander zu schaffen. Diese gute Zusammenarbeit sollte dann der Weiterentwicklung der Themen und der gesamten Kammer dienen. Ich lade alle Interessierten herzlich ein, daran mitzuwirken.

Die Landwirtschaft steht vor großen Herausforderungen. Welches Signal möchten Sie an Landwirtinnen und Landwirte hinsichtlich der Kernaufgaben der Landwirtschaftskammer senden?

Die Landwirtschaft sowie die gesamte Grüne Branche haben sich stets weiterentwickelt, sich neuen Rahmenbedingungen angepasst und den Wandel aktiv mitgestaltet. Aus meiner Sicht haben die Themen Wertschöpfung, Produktion und Ernährungssicherung in den letzten Jahren – politisch betrachtet – eine zu geringe Rolle gespielt.

Landwirtschaftliche Betriebe können und müssen sehr viel leisten – auch im Kontext von Naturschutz, Tierwohl und Klimaschutz. Das gelingt jedoch nur, wenn die wirtschaftliche Grundlage gesichert ist. Dann macht es auch Freude, Neues zu erproben oder sich auf veränderte Bewirtschaftungsformen einzulassen. Viele, oft auch unsachliche Diskussionen haben in land- und forstwirtschaftlichen, gartenbaulichen und fischereiwirtschaftlichen Unternehmen zu Verunsicherung und Widerstand geführt. Ich habe den Eindruck, dass viele bereits aufhorchen oder sich abwenden, wenn das Wort „Transformation“ fällt – weil es zum einen oft wenig greifbar ist und zum anderen kaum mit den alltäglichen Herausforderungen der Betriebe zu tun hat.

Die Landwirtschaftskammer sollte hier eine zentrale Rolle einnehmen. Sie kann, im besten Fall, die Lücke zwischen Theorie und Praxis schließen. Im Versuchswesen wird unter anderem überprüft, wie Düngung, Pflanzenschutz oder Fütterung angepasst werden können, idealerweise bei gleichzeitiger Effizienzsteigerung – ohne dass einzelne Betriebe das wirtschaftliche Risiko allein tragen müssen. In der Beratung müssen sich neueste wissenschaftliche Erkenntnisse widerspiegeln oder der Erfahrungsaustausch zwischen Praktikern ermöglicht werden. Und das duale Ausbildungssystem – für mich das beste der Welt – schafft kompetente Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter, die den Herausforderungen der Zukunft gewachsen sind, sowie auch gut ausgebildete Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Hinzu kommen die Herausforderungen der Digitalisierung, die zunächst häufig mit Mehraufwand und zusätzlichen Kosten verbunden ist.

Auch hier spielt die Kammer mit ihren verschiedenen Standorten und ihrer umfangreichen Erfahrung in Bereichen wie Pflanzenbau, Pflanzenschutz, Tierhaltung und vielen weiteren Themen eine wichtige Rolle und ist Ansprechpartner.

Ich möchte den Landwirtinnen und Landwirten signalisieren: Es ist Ihre Kammer. Sie können und sollen sie mitgestalten, fordern und fördern. Ich persönlich möchte allen die Hand reichen und das Gespräch anbieten, um die Kammer gemeinsam bestmöglich weiterzuentwickeln.


Beruflicher Werdegang

Stephanie Wetekam hatte zuletzt die kommissarische Leitung des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen, Kassel.

Davor war sie Leiterin der Abteilung Bildung des Landesbetriebs von Dezember 2023 bis Juli 2024 sowie von Januar 2010 bis Dezember 2023 Geschäftsführerin der Wetekam Energie GmbH und Co. KG, Diemelsee. Zudem war sie von April bis Dezember 2023 Agrarreferentin im Kreisbauernverband Kassel und davor von Januar 2020 bis Juni 2022 Referentin für Öffentlichkeitsarbeit und Verbandskommunikation beim Hessischen Bauernverband, Friedrichsdorf.

Geschäftsführerin Kreisbauernverband Waldeck e. V., Korbach: Oktober 2013-Juli 2022

Geschäftsführerin Hessischer Waldbesitzerverband, Kreisgruppe Waldeck-Frankenberg, Korbach: Oktober 2013-Juli 2022

Geschäftsführerin Verband der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer Waldeck e. V. (VJE), Korbach: Oktober 2013-Juli 2022

Leiterin des Fachgebiets Beratung Nutztierhaltung und -fütterung, Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen, Kassel: 2008-2013

Beraterin Nutztierhaltung und -fütterung, Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen, Gelnhausen, Friedberg, Kassel und Eschwege: 2005-2013

Ausbildung:

Studium der Berufs- und Arbeitspädagogik, Justus-Liebig-Universität, Gießen, Abschluss 1. Staatsexamen: 2006-2007

Studium der Agrarwissenschaften, Georg-August-Universität, Göttingen, Abschluss M.Sc. agr., Schwerpunkt Nutztierwissenschaften: 2001-2005

Ausbildung zur Fachangestellten in steuer- und wirtschaftsberatenden Berufen, Steuerberatungsbüro Geist, Birstein: 1997-1999


Ein Goldschakal auf der Anklagebank

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Es gibt Geschehnisse, die die Anfälligkeiten hiesiger Rechtsprechung und die Wohlstandsdebatten eines Industrielandes wie unter einem Brennglas zur Schau stellen. So verhält es sich auch im Fall des Goldschakals auf Sylt, der seit Wochen der Gesellschaft den Spiegel vorhält und Ministerien, Gerichte und Verwaltungen im Land in Zugzwang bringt. Das Gezerre um Abschuss oder Nichtabschuss hat sich inzwischen zu einem grotesken Schauspiel zweifelhafter Art entwickelt. Doch von vorn: Ein Goldschakal, ein nach Anhang V der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie gelistetes und nach Bundesartenschutzverordnung sowie Bundesnaturschutzgesetz besonders geschütztes Tier, hat im Mai auf der Nordseeinsel Sylt um die 80 Schafe gerissen. Dafür muss er sich nun vor Gericht verantworten.

Unter Verweis auf die Insellage Sylts teilte das Kieler Umweltministerium mit, eine „dauerhafte Anwesenheit des Goldschakals“ werde „absehbar zu großen Schäden in der Schafhaltung führen, die insbesondere für den Küstenschutz und die Deichsicherheit bedeutsam ist. Außerdem schwächt der Goldschakal den Schutz von Bodenbrütern.“ Zügig wurde eine Ausnahmegenehmigung zur Entnahme durch das Landesamt für Umwelt erteilt – nicht ohne die hiesigen Naturschutzverbände angehört zu haben. Die Genehmigung trat kurz darauf in Kraft – doch wer glaubte, von nun an würden die Dinge zweckmäßig und rechtssicher voranschreiten und dem wilden Treiben des Goldschakals ein offiziell abgesegnetes Ende bereitet werden können, der wurde eines Besseren belehrt.

Der Eilantrag gegen die Ausnahmegenehmigung durch eine Tierschutzinitiative aus Rheinland-Pfalz ließ nicht lange auf sich warten. Fortan hieß es für die ortsansässigen Jäger, dass sie ihre Finger am Abzug vorerst würden gerade lassen müssen. Das Verwaltungsgericht in Schleswig untersagte den Abschuss. Nachdem die Jagd auf den unliebsamen Inselbewohner dann wieder gestattet worden war, sorgte eine abermalige Beschwerde der Initiative aus fernen Landen für einen erneuten Stopp. Nun war das Oberverwaltungsgericht an der Reihe, um über die Rechtmäßigkeit einer Entnahme zu entscheiden.

Ob ein Besuch der Insel und bei den betroffenen Schafhaltern der klagenden Tierschutzinitiative die Augen geöffnet hätte? Der Schutz eines exklusiven Goldschakals ist offenbar, wie beim Wolf, für einige mehr wert als die Unversehrtheit Hunderter Schafe und Bodenbrüter. Ob es der Initiative bei dieser Form des falsch verstandenen Tierschutzes wirklich um das Wohlergehen des Goldschakals geht, kann bezweifelt werden. Vielmehr dürfte der Rechtsweg Ausdruck von ideologischem Aktionismus und einer Form der Blockadehaltung sein, die auch in anderen Bereichen immer ungenierter um sich greift und die bei vielen Bürgern zunehmendes Unverständnis hervorruft. Eine derart offene Flanke in der Rechtsprechung wird jedoch auch künftig zu Widersprüchen von Vereinigungen mit dem gezeigten Selbstverständnis einladen. Während sonst der Föderalismus landesinterne Angelegenheiten vor Einflussnahmen von außen schützt, sind das Land und nicht zuletzt die Schafhalter an dieser Stelle ausgeliefert. Dass eine solche Einmischung von außen überhaupt möglich ist, offenbart eine Schwäche der Gesetzgebung, die für derartige Fälle ganz offensichtlich angepasst werden muss.

So bleibt die Hoffnung, dass sich künftig nicht noch ein Artgenosse des Goldschakals auf die Insel verirrt – nicht nur um den dortigen Schafen und Bodenbrütern, sondern auch allen Beteiligten auf zwei Beinen die Wiederholung einer derartigen Posse zu ersparen.

Das große Potenzial der ländlichen Räume

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Der Startschuss für die Bereisung der Gemeinden im Rahmen des Landeswettbewerbs Unser Dorf hat Zukunft fiel am 20. Juni in Flintbek bei Kiel. Bereits in den frühen Morgenstunden traf sich die Jury zur Abfahrt. Mit dabei war auch Sören Schatt, Vorstandsmitglied des Landjugendverbandes Schleswig-Holstein, der als Vertreter des Verbandes den ersten Veranstaltungstag begleitete. Neben anderen Organisationen und Verbänden ist auch der Landjugendverband Teil der Jury.

Organisiert wird die Veranstaltung von der Akademie für die Ländlichen Räume Schleswig-Holsteins. Der Wettbewerb ist die Vorstufe zum gleichnamigen Bundeswettbewerb und richtet sich an Gemeinden und Ortsteile mit bis zu 3.000 Einwohnern. Bewertet werden unter anderem die nachhaltige Entwicklung, der soziale Zusammenhalt sowie das kulturelle und wirtschaftliche Leben vor Ort. Die siegreiche Gemeinde auf Landesebene qualifiziert sich automatisch für den Bundesentscheid – eine große Ehre und eine Möglichkeit, sich über die Landesgrenzen hinaus zu präsentieren.

Insgesamt vier Dörfer wurden am ersten Tag besucht. Jedes hatte zwei Stunden Zeit, um sich von seiner besten Seite zu zeigen – in völliger Freiheit bei der Gestaltung des Programms. Entstanden ist ein facettenreiches Bild vom ländlichen Raum in Schleswig-Holstein, geprägt von Eigeninitiative, Kreativität und viel Herzblut.

Lebendiger Zusammenhalt

Den Auftakt bildete das Dorf Osterby im Kreis Rendsburg-Eckernförde, das die Jury mit einer Mischung aus unternehmerischem Geist und starkem Gemeinschaftssinn empfing. Vorgestellt wurden unter anderem innovative Kleinbetriebe wie der Kaffeewagen und die Malerin, die das wirtschaftliche Leben im Ort mitgestalten.

Der Wettbewerb richtet sich an Gemeinden und Ortsteile mit bis zu 3.000 Einwohnern. Foto: Sören Schatt

Eine Planwagenfahrt führte durch das Dorf bis zum Dorfgemeinschaftshaus, wo die Arbeitsgruppen ihre aktuellen Projekte präsentierten. Der letzte Halt der Führung fand im Auetal statt, in dem die örtlichen Vereine ihre Aktivitäten und Angebote vorstellten – ein eindrucksvoller Beweis für den lebendigen Zusammenhalt im Dorf.

Weiter ging es mit dem Bus nach Erfde, Kreis Schleswig-Flensburg, wo der Tag mit einem Besuch der Klimafarm begann – ein Projekt, das Methoden zur nachhaltigen Bewirtschaftung von Moorböden entwickelt und erprobt. Anschließend erkundete die Jury auch hier das Dorf per Planwagen. Im Mittelpunkt standen Themen wie Wohnungsbau, Schul- und Kitaversorgung sowie das örtliche Schwimmbad.

Den Abschluss in Erfde bildete eine Bootsfahrt auf der nahe gelegenen Eider. Vom Wasser aus ließ sich nicht nur die landschaftliche Schönheit der Region genießen – es wurde auch deutlich, wie sehr die Gemeinde mit ihrer natürlichen Umgebung verbunden ist.

Bildung und Soziales

Dritte Station des Tages war das Dorf Lunden im Kreis Dithmarschen. Hier erfolgte die Erkundung zu Fuß. Der Rundgang begann auf dem traditionsreichen Geschlechterfriedhof, einer Begräbnisstätte alter Dithmarscher Bauerngeschlechter, dessen Bedeutung in der großen Zahl erhalten gebliebener Grabplatten und gemauerter Grabkeller liegt, die bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen. Nach der örtlichen Kirche besuchte die Jury das NaTour-Centrum, eine Einrichtung für Umweltbildung, die sich zu einem lokalen Leuchtturmprojekt entwickelt hat. Auch sportliche und soziale Aspekte kamen nicht zu kurz: Freibad und Tennisplätze zeugten von einem vielfältigen Freizeitangebot, das das Gemeindeleben bereichert.

Ein von Eigeninitiative, Herzblut und Kreativität geprägtes Bild des ländlichen Raumes bot sich der Jury. Foto: Sören Schatt

Den Abschluss des ersten Bereisungstages bildete die längste Etappe nach Klixbüll in Nordfriesland. Dort begann der Besuch auf dem Dörps­Campus, einem modernen Gemeindezentrum mit neuen Gebäuden für Kita, Schule und Sportangebote. Die Gemeinde setzte bei ihrer Präsentation auf ein breites Spektrum an Themen – von Bildung über Infrastruktur bis hin zur Energieversorgung. Während der anschließenden Busfahrt durch das Dorf wurden zahlreiche Projekte im Bereich Erneuerbare Energien vorgestellt. Besonders bemerkenswert: Das örtliche Freibad wird unter anderem mit Biogas beheizt – ein Beispiel für die innovative Nutzung lokaler Ressourcen.

Vielversprechender Auftakt

Nach einem intensiven und vielseitigen Tag kehrte die Jury mit zahlreichen Eindrücken zurück nach Flintbek. Sören Schatt zog ein positives Fazit: Die Dörfer hätten gezeigt, wie viel Potenzial im ländlichen Raum stecke – sowohl in Hinblick auf soziale Strukturen als auch auf Zukunftsthemen wie Energie, Bildung und Nachhaltigkeit.

Der erste Tag der Bereisung machte deutlich: Wer sich am Wettbewerb Unser Dorf hat Zukunft beteiligt, hat bereits gewonnen – durch die Selbstreflexion, den Austausch und die Sichtbarmachung der eigenen Stärken. Zwei weitere Bereisungstage stehen noch an. Auch an diesen wird Sören Schatt als Mitglied der Jury die teilnehmenden Dörfer besichtigen und deren Entwicklungen in den Blick nehmen.

Digital denken – ländlich handeln

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Großer Andrang beim Vortrag zur Künstlichen Intelligenz (KI): Der KreisLandFrauenverband Nordfriesland lud in Kooperation mit den Gleichstellungsbeauftragten des Kreises Nordfriesland und der evangelischen Frauenarbeit zu einem spannenden Vortrag über KI in die Koogshalle in Reußenköge ein.

Die Referentin des Abends: Prof. Dr. Doris Weßels, Wirtschaftsinformatikerin und Hochschulprofessorin. Mit großer Leichtigkeit, viel Fachwissen und einer ordentlichen Portion Humor führte sie durch den Abend. Zunächst gab es für die LandFrauen einen verständlichen Überblick über die Grundlagen der Künstlichen Intelligenz.

Digitaler Wandel

Bemerkenswert: Bereits 67 % der Deutschen nutzen heute gelegentlich KI-gestützte Anwendungen, Tendenz steigend. Die Werkzeuge werden immer leistungsfähiger und durchdringen nahezu alle Lebensbereiche. Ein wichtiger Punkt des Vortrags: KI-Systeme wie Chatbots wirken zwar oft empathisch, imitieren aber lediglich menschliches Verhalten. Sie verstehen nicht, was richtig oder falsch ist, sondern berechnen Wahrscheinlichkeiten. Deshalb gilt: Informationen aus KI-Quellen immer kritisch hinterfragen – zur Recherche sind sie nur bedingt geeignet. KI nutzt eine Vielzahl an Tools und Technologien. Prof. Weßels zeigte verschiedene Anwendungen, unter anderem mit Suno.com erstellte sie ein Lied über die LandFrauen. Auf dieser Plattform lassen sich in wenigen Minuten komplette Songs generieren – „Roland Kaiser würde vor Neid erblassen“, scherzte Weßels.

Wissen, was kommt

Die Anwendungsmöglichkeiten sind nahezu grenzenlos, doch der Fortschritt birgt auch Herausforderungen: Besonders in kreativen Berufen sind viele Arbeitsplätze bedroht. Und auch im Bildungswesen fehlen klare Richtlinien: Was dürfen Studierende mit KI machen – und was nicht? Ein eindrucksvoller Ausblick galt der nahen Zukunft: Mit KI-unterstützten Brillen sollen Informationen künftig direkt im Sichtfeld eingeblendet werden – Interaktionen mit digitalen Objekten könnten so Teil des Alltags werden. Humanoide Roboter übernehmen zunehmend körperlich anstrengende oder gefährliche Tätigkeiten – von der Pflege bis zur Industrie. Gleichzeitig warnte Prof. Weßels vor der Gefahr sozialer Isolation: „Introvertierte Menschen könnten sich zunehmend in KI-Welten zurückziehen – KI statt Tinder.“

Clever vernetzt

Interessant war auch der Blick auf die Nutzergruppen: Hauptsächlich sind es gebildete Männer im Alter von 35 bis 49 Jahren, die KI nutzen – häufig heimlich, um sich einen zeitlichen oder beruflichen Vorteil zu verschaffen. Denn eines steht fest: KI ist ein echter Effizienz-Booster. Zum Abschluss rief Prof. Weßels die Teilnehmerinnen auf, sich selbst mit KI auseinanderzusetzen: „Ausprobieren, wagen und eine eigene Meinung bilden!“

Geld im Griff – Verein im Plus

Das Kassenführerinnen-Seminar des Landesverbandes kommt an

LandFrauenpräsidentin Claudia Jürgensen bedankte sich bei Steuerberaterin Katrin Gaude (r.) für die wertvollen Informationen und Praxistipps „Rund ums Geld“.

Praxistipps, Klarheit und Sicherheit rund ums Finanzwesen im Ehrenamt gab es für 29 engagierte Frauen im Seminar „Rund ums Geld“ in Kiel-Kronshagen. Von erfahrenen Kassenführerinnen über Vorsitzende ohne aktive Kassenführung bis hin zu Neulingen, die unerwartet in das Amt gerutscht sind – eine bunte Mischung aus LandFrauen nahm an diesem praxisorientierten Seminartag teil.

Claudia Jürgensen eröffnete die Veranstaltung mit einer herzlichen Begrüßung und dankte den Teilnehmerinnen für ihre Bereitschaft, verantwortungsvolle Positionen in den Ortsvereinen zu übernehmen. Anschließend führte Katrin Gaude, Steuerberaterin und Partnerin der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Jander + Partner, in die Aufgaben, Funktionen und Verantwortlichkeiten von Kassenwartinnen ein. Anschaulich und verständlich erläuterte sie die Kunst der Buchführung und betonte die Bedeutung der Digitalisierung. Im zweiten Block widmete sie sich steuerrechtlichen Aspekten und behandelte Unterschiede zwischen gemeinnützigen und nicht gemeinnützigen Vereinen, Umsatzsteuerpflicht, Umgang mit Spenden, geldwerten Vorteilen und E-Rechnungen praxisnah.

Am Nachmittag zeigte Christiane Langholz aus der Geschäftsstelle des LandFrauenverbandes auf, wie die Zusammenarbeit mit dem Landesverband, beispielsweise bei Förderanträgen und Formularen, effizient gestaltet werden kann. IT-LandFrau Inke Studt-Jürs stellte den „Vereinsprofi“ vor, ein Programm zur ordnungsgemäßen Buchführung und Reduktion des Verwaltungsaufwands. Alles in allem erweiterten die Frauen durch praxisorientierte Inhalte und den Austausch untereinander ihr Wissen und gingen gestärkt in ihre ehrenamtliche Tätigkeit. Das Seminar verdeutlichte einmal mehr, wie wichtig Weiterbildung und Vernetzung für die erfolgreiche Arbeit in den LandFrauenvereinen sind.

Text und Foto: Judith Bühlmeier

Vertreterversammlungen von DMK und Arla stimmen Fusion zu

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Anfang April 2025 gaben die beiden Meiereiriesen Arla Foods und DMK Group bekannt, nach einer Fusion die größte Meiereigenossenschaft Europas beziehungsweise die neue Nummer vier der weltgrößten Meiereikonzerne bilden zu wollen. Der Zusammenschluss würde europaweit die Milchproduktion von mehr als 12.000 Landwirte vereinigen. Die dänisch-schwedische Meiereige­nossenschaft Arla Foods hat zuletzt mit einer Milchmenge von 13,7 Mrd. kg einen Umsatz von 13,8 Mrd. € erwirtschaftet. Die DMK Group brachte es als größte deutsche Meierei auf eine Milchmenge von 5,3 Mrd. kg und einen Umsatz von 5,1 Mrd. €. Ziel ist es, die gemeinsame Genossenschaft Arla zu bilden, deren Umsatz bei 19 Mrd. € liegen würde. Der Hauptsitz soll in Viba bei Aarhus/Dänemark bleiben.

Arla: Weltweit erfolgreich

Arla Foods ist schon stark in Deutschland vertreten, es wurden 2023 ein Umsatz von 1,7 Mrd. € erzielt und 1.663 Mrd. kg Milch verarbeitet. Seit 2011 wurde die Hansa-Milch Mecklenburg-Holstein in Upahl eingegliedert, 2012 die Milch-Union Hocheifel eG in Pronsdorf. Damit rangiert die Arla Foods GmbH in Deutschland auf dem fünften Platz. Auch sind etwa 1.500 deutsche Landwirte bereits genossenschaftliche Mitglieder von Arla Foods. Die Produkte von Arla werden in 146 Ländern vertrieben, wobei Dänemark, Schweden, Finnland, Großbritannien, Deutschland und die Niederlande als Kernmärkte des Unternehmens gelten.

DMK: Verlust von Milchmenge

Das Deutsche Milchkontor DMK entstand 2011 aus der Fusion der damals größten deutschen Milchverarbeiter Nordmilch AG und Humana Milchindustrie GmbH, die gemeinsam etwa 6,7 Mrd. kg Milch verarbeiteten. Heute sind etwa 4.600 Landwirte Genossenschaftsmitglieder. Beide Unternehmen hatten schon zuvor zahlreiche kleinere Meiereien integriert. Doch viele Landwirte haben diese Fusion nicht positiv in Erinnerung. Denn das DMK konnte, abgesehen von einzelnen Jahren, nicht mit überdurchschnittlichen Milchpreisen punkten. In den vergangenen Jahren kündigten dann auch langjährige Lieferanten, 2023 verlor das DMK 700 Mio. kg Milch, etwa 10 % der Milchmenge. Dies führte in den vergangenen Monaten zu Kapazitätsanpassungen: der Aufgabe von Dargun, der Stilllegung einer Produktionslinie in der größten Käserei in Edewecht sowie der Aufgabe der Sprühtrocknung in Hohen­westedt. Das DMK hat zwei Standorte in Schleswig-Holstein: Nordhackstedt, wo 60.000 t Käse (Mozzarella und Gouda-Typen) jährlich hergestellt werden, und ­Hohenwe­stedt, wo Hüttenkäse produziert wird. In Nordhackstedt produziert die ArNoCo (Joint Venture von Arla Foods und DMK) Laktosepulver für das globale Geschäft von Arla und Molkenproteinkonzentrat aus der Molke der DMK-Käserei.

Vertreter stimmen Fusion zu

Die Vertreterversammlungen von Arla und der DMK hätten am 18. Juni dem Zusammenschluss mit einer klaren Mehrheit zugestimmt, wie beide gemeinsam bekannt gaben. Vor dem für Anfang 2026 geplanten Abschluss der Fusion steht jetzt „nur“ noch die Zustimmung vom Kartellamt aus, die für Ende 2025 erwartet wird. Marktbeobachter meinen, dass es sich angesichts der jeweiligen Größenordnungen eher um eine Übernahme als um eine Fusion handele. Dies wird von Ingo Müller, dem Chef von DMK, anders gesehen, da „unsere Genossenschaften ideale Partner sind“. Er sagt auch: „Wir sind Partner in diesem Prozess, der eine Win-win-Situation für beide Seiten eröffnet.“

Arla Food ist ein bereits heute weltweit erfolgreich operierender Konzern. Angesichts der aktuellen instabilen weltpolitischen Situation und ihrer handelspolitischen Konsequenzen ist es sinnvoll und wohl auch nötig für das DMK, sich einem derartigen Akteur anzuschließen, der Erfahrung hat, weltweit neue Absatzmärkte und -kanäle zu erschließen.

Offener Dissens beim Mindestlohn

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100 Tage nach der Bundestagswahl gaben der SPD-Fraktionsvorsitzende Dr. Matthias Miersch und Steffen Bilger, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion, auf dem Deutschen Bauerntag in Berlin eine Standortbestimmung zur schwarz-roten Regierungskoalition.

Miersch betonte, dass die Ergebnisse der Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL) und der Borchert-Kommission weiterhin als Richtschnur dienen könnten. Mit Blick auf den Bürokratieabbau „müssen wir feststellen, wo wir überreguliert haben“. Klar sei für den SPD-Fraktionsvorsitzenden, dass ein landwirtschaftlicher Betrieb keine mehrfache Datenabgabe machen sollte, nur weil die öffentliche Hand nicht in der Lage sei, diese Daten vernünftig zu teilen. „Einmal Daten abgeben muss reichen“, so Miersch.

Verlässlich finanzieren

1,5 Mrd. € stehen jährlich für den Umbau der Tierhaltung im Haushalt zur Verfügung. „Ich glaube, wir sind auf einem guten Weg“, sagte Miersch. Verlässliche Finanzierungquellen seien wichtig, auch neben den 1,5 Mrd. €. Zur Ehrlichkeit gehöre aber auch, dass ein Parlament nur für vier Jahre gewählt werde und sich die Positionen in zukünftigen Konstellationen auch ändern könnten.

Dr. Matthias Miersch

Die Streichung der Agrardiesel-Rückvergütung durch die Ampel-Koalition hält Miersch nach wie vor für richtig. Aber die Rückabwicklung sei Ergebnis der Koalitionsverhandlungen. Dies sei ein Kompromiss, obwohl ihm Ökonomen sagten, dass pauschale Steuersenkungen nicht unbedingt zu mehr Investitionen führten. Miersch erklärte: „Der Investitionsbooster erscheint mir hier wirkungsvoller.“

Der SPD-Fraktionschef versprach, sich für mehr Planungssicherheit einzusetzen, nicht nur für landwirtschaftliche Unternehmen. Er stellte fest: „Wir haben teilweise einen Genehmigungsdschungel und brauchen bessere Abtimmungen mit den Kommunen und Bundesländern, um zusammen an Vereinfachungen zu arbeiten.“ Er gestand zu, dass der Koalitionsvertrag an vielen Stellen nicht über eine Absichtserklärung hinausgehe, aber er trage den Geist, dass sich wirklich etwas ändern solle, damit das Leben für alle einfacher werde. Er bat die Delegierten um Vertrauensvorschuss.

Bezüglich der Mindestlohn-Diskussion vertraut Miersch auf die Entscheidung der Mindestlohn-Kommission. Die SPD glaube, dass ein Mindestlohn in Höhe von 15 € möglich sei. „Eine Ausnahme wäre meines Erachtens aufgrund des Diskriminierungsverbots auch europarechtlich nicht möglich“, erklärte der Fraktionsvorsitzende. Er gehe davon aus, dass ein Großteil der Betriebe dazu in der Lage sei, die Empfehlung der Mindestlohnkommission umzusetzen, auch wenn es auf 15 € hinauslaufe.

Vertrauen und Strafen

Bilger bezeichnete es als erschütternd, wenn ihm Landwirte schrieben, dass sie bei einem Mindestlohn in Höhe von 15 € ihren Betrieb dichtmachen müssten. „Ich gehe mit meinen Kindern gern auf den Erdbeerhof“, so der Fraktions-Geschäftsführer. Die Zahl der Erbeerhöfe aber schrumpfe. Das sei auch Folge von Politik. Mit einem Selbstversorgungsgrad bei Obst und Gemüse von 20 % stehe Deutschland nicht besonders gut da. Bilger betonte: „Wir müssen daher die Rahmenbedingungen so gestalten, dass regionaler Anbau möglich ist.“ Die Union halte es für sinnvoll, eine Ausnahme vom Mindestlohn für Saisonarbeitskräfte zu machen, wie es Landwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) derzeit prüfe.

Steffen Bilger

Grundsätzlich stellte Bilger „zu viel Spaltung in unserem Land“ fest. Die Bauernproteste im vorvergangenen Winter seien ein Symptom dessen gewesen. Die Wegnahme der Agrardiesel-Rückvergütung habe damals nur das Fass zum Überlaufen gebracht. Um von Überbürokratisierung wegzukommen, könne es sinnvoll sein, den Bürgern und Unternehmen mehr Vertrauen zu schenken. Dafür könne es im Fall der Fälle harte Sanktionen geben, so Bilger.

Der Investitionsbooster sei nun ein erster guter Schritt für bessere Rahmenbedingungen. Die Union sehe laut Bilger auch gute Argumente für eine steuerfreie Risikoausgleichsrücklage. Er wolle sich für weitere Entlastungen einsetzen.

„In der Ampel-Koalition hatte ich den Eindruck, dass die Agrarpolitik aus dem Umweltministerium gesteuert wurde“, beschrieb der Geschäftsführer. Jetzt habe er das Gefühl, dass es besser passe. Umweltminister Carsten Schneider (SPD) bescheinigte er pragmatische Ansätze bei agrarpolitischen Themen.

Er zeigte sich froh, dass im Koalitionsvertrag festgeschrieben worden sei, dass EU-Vorgaben nur noch eins zu eins umzusetzen seien. „Die Realität in Deutschland sah zuletzt anders aus“, so Bilger. Aus seiner Sicht wehe auch in Brüssel „frischer Wind“. Explizit lobte er den neuen Agrarkommissar Christophe Hansen. Allerdings stehe das Budget der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) unter Druck. Bilger unterstrich: „Wir haben gute Erfahrungen mit der GAP gemacht. Diesen Topf sollten wir nicht für andere Politikbereiche anzapfen.“

„Wir werden dicke Bretter bohren“

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Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (li.) und Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CDU) beantworteten am Donnerstagmorgen beim sogenannten Doorstep am Rande des Deutschen Bauerntages Journalistenfragen zur aktuellen Agrarpolitik. Die Hauptthemen waren der Umbau der Tierhaltung, Mindestlohnregelungen für Saisonarbeitskräfte und der dringend erforderliche Bürokratieabbau

Rukwied betonte dabei die Notwendigkeit eines politischen Aufbruchs: „Wir brauchen frisches Geld für den Umbau der Tierhaltung, Sonderregelungen beim Mindestlohn und echte Vereinfachungen für die Betriebe. Die Bäuerinnen und Bauern müssen sich wieder auf das konzentrieren können, was sie am besten können – nämlich hochwertige Lebensmittel erzeugen.“ Minister Rainer erklärte, dass er zwar erst seit 51 Tagen im Amt sei und ihm die Dringlichkeit der Reformen durchaus bewusst sei. Deshalb seien bereits Reformschritte umgesetzt worden: „Wir haben erste Entlastungsschritte eingeleitet – etwa bei der Stoffstrombilanzverordnung. Die Agrardieselvergütung wird ab 2026 wiedereingeführt. Und wir haben eine Stabsstelle zur Reduktion bürokratischer Lasten eingerichtet.“

Zum Thema Mindestlohn kündigte der Minister eine rechtliche Prüfung möglicher Sonderregelungen für die Landwirtschaft an: „Ohne Anpassungen droht ein massiver Rückgang der inländischen Obst- und Gemüseproduktion.“ Mit Blick auf die Tierhaltung versprach Rainer konkrete Lösungsvorschläge: „Die vorige Bundesregierung hat es nicht geschafft. Wir werden liefern – für eine zukunftsfähige Tierhaltung in Deutschland.“ Den Bürokratieabbau bezeichnete Rainer als langfristiges Vorhaben und versprach: „Wir werden dicke Bretter bohren.“

Zeit für präzise Forderungen

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Klaus-Peter Lucht, Präsident des Schleswig-Holsteinischen Bauernverbandes, sprach sich in der an die Grundsatzrede von DBV-Präsident Rukwied anschließenden Diskussion dafür aus, Forderungen des Verbandes an die neue Bundesregierung zu präzisieren und auf den Weg zu bringen.

Warten und zögern gegenüber der Politik zahlt sich nach Meinung von BVSH-Präsident Klaus-Peter Lucht nicht aus. Konkret nannte er in der Diskussion beim Deutschen Bauerntag im Anschluss an die Grundsatzrede von BDV-Präsident Joachim Rukwied die steuerfreie Risikoausgleichsrücklage für die Landwirtschaft, um Betriebe vor unvorhergesehenen Risiken zu schützen.

Außerdem sprach er an, dass der Verband sich weiter für praxisnahe Lösungen bei der Düngung einsetzen solle, gerade unter den aktuellen geopolitischen Entwicklungen. Denn es komme hierzulande immer noch in großen Mengen russischer Dünger zum Einsatz. Er forderte eine stärkere Konzentration auf heimische Wirtschaftsdüger, deren gezielten Einsatz emissionsarme Ausbringungstechniken ermöglichten. Landwirte sollten den Düngebedarf auf Grünflächen in Zukunft wieder über Wirtschaftsdünger decken können durch die Anhebung der betrieblichen N-Obergrenze auf 230 kg N/ha. mbw

Mehr Politikwechsel wagen, Reden allein hilft nicht

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In einer engagierten Grundsatzrede zum Auftakt des Deutschen Bauerntages 2025 in Berlin bekräftigte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, die dringende Notwendigkeit eines echten Politikwechsels: Tiefgreifende Umbrüche, geopolitische Unsicherheiten sowie der fortschreitende Klimawandel forderten nicht nur Wirtschaft und Gesellschaft heraus – sie verlangten von der Politik ein Umdenken und zügiges Handeln.

Das Motto des 93. Deutschen Bauerntages „Mehr Politikwechsel wagen“ griff DBV-Präsident Rukwied in seiner Grundsatzrede auf. Dabei zeichnete er ein ebenso kritisches wie kämpferisches Bild von der aktuellen Lage in der Landwirtschaft und betonte vor den über 500 Delegierten und Gästen die Rolle der Bäuerinnen und Bauern bei der Versorgungssicherheit und als Rückgrat des Landes. Rukwied machte deutlich, was er von den Vertretern der Politik erwartet: mehr Empathie, Zuhören und das Einbeziehen der Expertise aus der Praxis, um Entscheidungen umsetzbar und nachvollziehbar zu gestalten.

Bürokratieabbau für fairen Wettbewerb

Das Thema fairer Wettbewerb in der EU steht für Rukwied weit oben auf der Agenda als Voraussetzung für einen starken Wirtschaftsstandort Deutschland. Rukwied appellierte an die Bundesregierung für einen echten Abbau von Bürokratie sowie eine spürbare Entlastung der Betriebe. Aktuell lägen 190 Vorschläge im Bundeslandwirtschaftsministerium.

„Da muss jetzt drangegangen werden“, so Rukwied. An Landwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) gerichtet, sagte der Bauernpräsident: „Reden hilft nicht. Handeln ist wichtig.“ Die Flut an Vorschriften und Dokumentationspflichten lähme Innovationen und Investitionsbreitschaft.

Rukwied hatte auf der Mitgliederversammlung auch die EU-Agrarpolitik im Blick. So sprach er an, dass die geplante Umstrukturierung des Mehrjährigen Finanzrahmens (MFR) die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) nicht schwächen dürfe. Die GAP brauche ein starkes, zweckgebundenes und inflationsangepasstes Budget, forderte der Bauernverbandspräsident vor den Delegierten. Auch Gesetze wie die EU-Entwaldungsverordnung müssten überarbeitet werden, das Bodenüberwachungsgesetz dürfe gar nicht erst auf den Weg gebracht werden, so Rukwied.

Lösungen für planungssichere Tierhaltung

Die Unsicherheiten bei den Tierhalterinnen und Tierhaltern sind für Rukwied nach wie vor nicht beseitigt. „Wir stehen zur Weiterentwicklung der Tierhaltung – aber dafür braucht es Planungssicherheit und eine verlässliche Finanzierung, wenn der gesellschaftlich gewünschte Umbau der Tierhaltung tatsächlich stattfinden soll.“ Dafür forderte er praxistaugliche und förderfähige Vorschläge und ein Ende nationaler Alleingänge.

Scharfe Kritik übte der DBV-Präsident in seiner Grundsatzrede an der aktuellen Zulassungspraxis für Pflanzenschutzmittel. Es könne nicht sein, dass deutsche Landwirte mit deutlich strengeren Regeln arbeiten müssten, während in den übrigen EU-Ländern ein ganz anderes Wirkstoffspektrum zugelassen sei. Er forderte beim Pflanzenschutz ein Ende deutscher Sonderwege und eine deutliche Verbesserung der Zulassungsverfahren. In diesem Zusammenhang sprach er eine EU-einheitliche Zulassungspraxis an.

Zum Abschluss rief Rukwied zu Einigkeit und gemeinsamem Aufbruch auf. „Wir wollen nicht abwarten, wir wollen gestalten“, stellte er klar. Die Bauernfamilien seien bereit, Verantwortung zu tragen für Versorgung, Nachhaltigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt. „Wir bieten die Hand an und werden Angebote machen.“ Gleichfalls sei auch die Politik gefordert, faire Bedingungen zu schaffen durch kooperative Ansätze anstelle ordnungspolitischer Auflagen. mbw