Seit vielen Jahren ist der Reitsport weiblich geprägt. Vor allem im Dressursport sind kaum Jungen zu finden. Doch es gibt sie, so zum Beispiel in Wesselburenerkoog, Kreis Dithmarschen. Dort lebt und trainiert Tjore Schmielau, und das sehr erfolgreich.
Katrin und Carsten Schmielau betreiben einen Reiterhof. Von ihren vier Söhnen reitet aber nur einer: Tjore. „Die beiden größeren sind auch eine Zeit lang geritten, aber nicht dabeigeblieben“, berichtet Carsten Schmielau. Nur der heute 16-jährige Tjore wollte schon als kleiner Junge immer aufs Pferd. Mit Kleiner Donner, einem Lewitzer Scheckpony, gewann er die ersten Führzügel- und Reiterwettbewerbe.
So richtig los ging es dann 2022, als er 13 Jahre alt war. Auf Tjores Konto gingen in dem Jahr mehrere Siege in Klasse L mit Bellentimes, einem damals zwölfjährigen Hannoveraner, in Klasse A mit den fünf- und siebenjährigen Deutschen Reitponys Genial und Coop, sowie diverse gute Platzierungen mit den drei Pferden. Er wurde Kreismeister und Landeschampion. Von da an sammelte der Schüler Erfolge: Sieg im Kuschel Cup, Nominierung für die Deutschen Jugendmeisterschaften, gute Platzierungen bei den Future Champions in Hagen und beim Preis der Besten sowie den Landesmeistertitel bei den Children 2023. Damals war auch Carsten Schmielau vor Ort. „Eigentlich fährt ja immer die Mutti mit“, erklärt der Vater. Zum Landesturnier ist er ebenfalls mitgekommen und war schwer beeindruckt: „So eine coole Socke, da auf dem Championat. Er hat die Ponys gewechselt, ist da hineingeritten und, bum, hat er gewonnen.“
Ein Jahr später wurde Tjore zum Ponyderby eingeladen. „Die Kulisse und die Atmosphäre im Stadion waren schon sehr beeindruckend“, erinnert sich Tjore. Ganz zufrieden war er mit seinem sechsten Platz nicht, aber er saß noch nicht lange im Sattel von Oceans Eleven.
Lehrgänge für Jungen in Warendorf
In dem Jahr war er auch erfolgreich im Sattel von Großpferden. Mit Bellentimes und Glen Carlou startete Tjore bis zur Klasse M. In Hohenlockstedt, Kreis Steinburg, belegte er die Plätze eins und zwei. „Das war eine meiner ersten Prüfungen mit Glen, und ich wollte eigentlich nur eine Platzierung erreichen, um meine Leistungsklasse zu behalten“, erzählt Tjore. Den zwölfjährigen Hannoveraner reitet er seit eineinhalb Jahren. Seine Besitzerin hat Zuchtstuten bei Familie Schmielau zu stehen und wollte Tjore fördern, indem sie ihm den Wallach zur Verfügung stellte. „Er ist eine liebe, treue und ruhige Seele und ein richtiger Lehrmeister für mich“, sagt Tjore.
Mit Glen Carlou holte er im vergangenen Jahr seine erste S-Platzierung. Am Morgen davor wusste er noch nicht einmal, dass er in der Prüfung reiten würde. „Ich war mit mehreren Pferden in Dingerdonn und die Veranstalter sprachen mich nach der M-Dressur darauf an, dass sie noch Plätze in Klasse S hätten“, erinnert sich der Gymnasiast. Schnell guckte er sich die Aufgabe an und kam gleich auf den vierten Platz.
Ein weiterer Erfolg war die Platzierung von SumSum Supergirl bei den Bundeschampionaten. „Wir sind haarscharf am großen Finale vorbeigeschrammt“, berichtet er. Mit der fünfjährigen Deutschen Reitponystute ergatterte Tjore außerdem die Silbermedaille beim Championat der Dressurponys in Schleswig-Holstein. Sie ist das letzte Pony, mit dem er unterwegs war. Eigentlich wollte er vorher schon aufhören, denn mit 1,80 m fühlte er sich zu groß. Doch als er gebeten wurde, die Stute noch vorzustellen, sagte er zu.
Zum vierten Mal wurde Tjore im vergangenen Dezember nach Warendorf zum bundesweiten Lehrgang „Jungs ins Viereck“ eingeladen. Initiiert von der Stiftung Deutscher Pferdesport und gefördert durch Wolfgang Schmitz-Heinen steht der Lehrgang ganz im Zeichen individueller Förderung und gemeinsamer Weiterentwicklung. „Ich bin seit Beginn immer bei diesem Lehrgang gewesen. Das war auch mein Start in die höheren Touren“, erklärt Tjore. „Nach einer Stunde beim Bundestrainer sagte er zu meiner Mutter, ich solle doch einmal die Sichtungen reiten. So fing das alles an.“
Nachwuchspferde stehen bereit
Im Mittelpunkt der Lehrgänge stehen Trainingseinheiten unter der Leitung der Bundestrainer Caroline Roost und Hans-Heinrich Meyer zu Strohen. Im jüngsten Durchgang absolvierten die Jungen zudem ein Aufgabenreiten, das von Klaus Ridder, ehemaliger Geschäftsführer des Pferdesportverbandes Westfalen und international erfahrener Dressurrichter, bewertet wurde. Anschließend erhielten sie eine ausführliche Kommentierung ihrer Ritte inklusive eines Videomitschnitts. „Das ist wirklich sehr hilfreich“, findet Tjore.
Die Lehrgänge empfindet er als Bereicherung für das Training zu Hause. Ein weiterer guter Effekt sei es, die anderen Jungen dort zu treffen. „Wir kommen von überall und sehen uns nicht so oft“, erklärt Tjore. Im Alltag trainiert er mit seiner Mutter, dazu je einmal die Woche bei Katrin Haase im Reitstall Laabs sowie bei Jochen Honold.
Nach Warendorf begleitete ihn wieder seine Mutter Katrin Schmielau. Sie war es auch, die die Pferde in die Familie brachte. Als gelernte Bereiterin ist sie selbst bis zur Klasse S erfolgreich. Gemeinsam mit ihrem Sohn bildet sie aber vor allem die Jungpferde aus der familieneigenen Zucht aus.
Tjore sattelt jeden Tag mindestens ein Pferd, manchmal zwei und in den Ferien auch einmal vier. In enger Absprache mit seiner Mutter werden die Pferde schonend ausgebildet. Neben Bellentimes und Glen Carlou sind da noch Van Grande, ein selbst gezogener Wallach von Vitalis, sowie Dante Grande, eine fünfjährige Stute von Dante Weltino, die unter Katrin Schmielau im vergangenen Jahr erste Platzierungen holte.
Tjore will jetzt weiter die Juniorentour reiten, würde sich gern bei der Landesmeisterschaft beweisen und die Nachzuchten gut auf Turnieren vorstellen. Außerdem möchte er sich mit Glen Carlou weiter auf S-Niveau festigen und Van Grande auf M-Niveau sicher machen. Die Ziele sind also gesteckt.



