Wie alle Kostenstellen landwirtschaftlicher Produktionszweige sind auch die Futterkosten als Bestandteil der Milchproduktion von den teilweise extremen Kostensteigerungen betroffen. Die Höhe der Futterkosten ist neben der Milchleistung natürlich von der Qualität und dem Ertragsniveau der Grobfuttermittel abhängig. Je besser die Qualität der Grobfuttermittel, desto geringer ist der notwendige Zukauf von Konzentraten und Ergänzungsfutter. Der Erfolg in der Milchproduktion hinsichtlich Wirtschaftlichkeit, Gesundheit und Fruchtbarkeit steht in einem unmittelbaren Zusammenhang mit der Grobfutterproduktion.
In der Regel wird die Flächenbewirtschaftung von den Betrieben selbst organisiert. Je nach Flächenausstattung und Spezialisierung wird die Futterbergung mit Eigenmechanisierung oder mit Lohnunternehmen geregelt. Wichtig sind hierbei die Arbeitserledigungskosten insgesamt, die sich durch eigene Mechanisierung und Inanspruchnahme von Lohnunternehmen ergeben. Es gibt also unterschiedliche Strategien, die alle wirtschaftlich funktionieren können.
In Abhängigkeit von verschiedensten Einflussgrößen variierten die Futterkosten der DLG-Spitzenbetriebe zum Wirtschaftsjahr 2022/23 von unter 20 bis über 35 ct/kg energiekorrigierter Milch (ECM). Enorme Unterschiede sind in dieser Kostenstelle möglich, die über 50 % der gesamten Kosten ausmacht. Welche Ursachen diese Kostenunterschiede haben und wo tatsächlich die Grobfutter- beziehungsweise die Grassilagekosten liegen können, soll an beispielhaften Zahlen und Annahmen kalkuliert werden. Verschiedene Fragen leiten sich jedoch ab, die im Folgenden diskutiert und behandelt werden sollen:
• Wo liegen die Produktionskosten in der Milch aktuell?
• Wie setzen sich die Futterkosten zusammen?
• Wie teuer werden die Grassilagen?
• Grassilagen – intensiv oder extensiv – worauf kommt es an?
Produktionskosten in der Milch aktuell
Nachfolgend sind ausgewählte Ergebnisse der Betriebszweigauswertungen (BZA) der DLG-Spitzenbetriebe Milch dargestellt (Tabelle 1). Bei Betrachtung der Ergebnisse der vergangenen drei Jahre fällt schnell auf, dass die Ergebnisse zu Tierverlusten, Reproduktionsrate und Milchleistung auf einem insgesamt hohen Niveau liegen. Gleichermaßen wurden hinsichtlich der Futterverwertung auch weit überdurchschnittliche Ergebnisse bei hohen Marktleistungen von 10.700 kg ECM erzielt, Grundfutterleistungen von etwa 4.400 kg sowie ein Energiefuttereinsatz von etwa 320 g der Energiestufe III je Kilogramm ECM sind nicht nur überdurchschnittlich hoch, sondern können auch als allgemeiner Richtwert in der Milchproduktion genutzt werden. Durch die hohen Milchauszahlungspreise bis Ende 2022 konnten erfreulicherweise sehr gute wirtschaftliche Ergebnisse erzielt werden.
Anfang 2023 sind die Milchpreise wieder sehr schnell gefallen, die gleichermaßen gestiegenen Kosten blieben wie erwartet weitestgehend konstant. Durch verschiedene Ursachen sind die Produktionskosten innerhalb von zwei Wirtschaftsjahren auf aktuell 48,53 ct/kg ECM angestiegen und liegen nun 16,7 % über dem Niveau von 2021. Am stärksten schlagen die Kraftfutterkosten mit einem Mehr von 36 % zu Buche, die Grobfutterkosten lagen mit durchschnittlich 12,43 ct um 15,7 % über dem Niveau von 2021. Auch für die Personalkosten wurde ein Plus von 19,3 % verbucht. Als wesentlichste Ursachen sind der Ukraine-Krieg, die Energiekrise und die Mindestlohnerhöhung anzuführen. Auch wenn zu hoffen bleibt, dass die Kostenstruktur sich insbesondere bei den Futterkosten wieder etwas relativieren wird, so sind die absoluten durchschnittlichen Kostensteigerungen in nur zwei Jahren erschlagend. Um sie zu kompensieren, fehlen die Möglichkeiten in der Produktion. Der Milchmarkt muss sich auf ein langfristig deutlich höheres Niveau einstellen. Sicher ist, dass die gestiegenen Personalkosten, Energie- und Technikkosten nicht wieder fallen, sondern weiter ansteigen werden.
Steigerung der Kosten pro Kuh zwischen 2021 und 2023:
• Konzentratfutterkosten 385 €
• Grobfutterkosten 190 €
• Direktkosten 556 €
• Personalkosten 140 €
• Produktionskosten 784 €
Wie setzen sich die Futterkosten zusammen?
Im Durchschnitt aller ausgewerteten DLG-Spitzenbetriebe lagen die Futterkosten bei 26,08 ct/kg ECM beziehungsweise 2.790 € je Kuh, so hoch wie noch nie. Im Vergleich zu früheren Jahren ist das eine gewaltige Kostensteigerung. Umso wichtiger ist es, aktuell darauf zu achten, eine mögliche hohe Verwertung aus den selbst produzierten Grobfuttermitteln zu erzielen. Diese Futterkosten teilen sich weiter auf in 12,85 ct beziehungsweise 1.380 € je Kuh für Konzentrate und 12,43 ct/kg ECM beziehungsweise 1.324 € je Kuh für Grobfutter. Geringe Kostenanteile fallen auf Saftfutter wie Pressschnitzel, Melasse, Trester, die jedoch mit zunehmendem wirtschaftlichem Erfolg eher abnehmen. Den verfütterten Kuhrationen zufolge ist der Silomaisanteil mit 48 % die dominierende Komponente, gefolgt von der Grassilage mit 37 %, andere Grundfutter machen die restlichen 15 % aus. Insgesamt lag die Aufnahme je Kuh bei 47,6 dt TM aus Mais- und Grassilage. Dazu müssen natürlich noch die Silagemengen für die Jungrinderaufzucht berücksichtigt werden.
Wie teuer werden die Grassilagen?
Wie teuer betriebsindividuell die Grassilagen ausfallen, hängt von vielen, den Betrieben oftmals unbekannten Einflussfaktoren ab. Wenn nachfolgend die Produktionskosten für Grassilage kalkuliert werden sollen, so muss zunächst auf die Ursachen unterschiedlich hoher Kosten hingewiesen werden. Welche Qualitäten liegen dem Ausgangssubstrat zugrunde? Werden die notwendigen Maßnahmen zur Verbesserung und Pflege des Grünlandbestandes durchgeführt? Ist das Ernte- und Silierverfahren auf die zu erntenden Flächen abgestimmt? Werden die angestrebten Parameter für eine Qualitätssilage festgelegt? Welche Qualitätsparameter wie Trockenmassegehalt, Protein-, Rohfasergehalt und Energiegehalte sollen erreicht werden?
Die Arbeitserledigungskosten sind der entscheidende Kostenblock und setzen sich zusammen aus den Personalkosten, der Unterhaltung, der Abschreibung, den Treib- und Schmierstoffkosten der eigenen Maschinen und Versicherung sowie den Kosten für die Lohnarbeit und Maschinenmiete. Oftmals besteht die Situation einer doppelten Mechanisierung durch betriebseigene Maschinen und Hinzunahme von Lohnunternehmerleistungen. Hohe Arbeitserledigungskosten für Unterhaltung und Abschreibung sowie Kosten für Lohnunternehmer sind die Folge.
Mängel in der Lagerung, der Konservierung und Entnahme haben nun keinen Einfluss auf die Prozesskosten je Hektar oder Dezitonne, ihre Einflussnahme auf eine stabile Futterqualität und Minimierung der Verluste ist jedoch erheblich. Schlussendlich haben natürlich das absolute Milchleistungsniveau und die Ausgestaltung des gesamten Rinderbestandes (Milchkühe und Jungviehaufzucht) einen erheblichen Wirkungsgrad auf die Futterkosten in ct/kg ECM.
Je besser die Grobfutterqualitäten sind, desto größer sind die positiven Einflüsse auf die Milchproduktion. Mit maximierten Trockenmasseaufnahmen werden Stoffwechselstörungen weitestgehend vermieden, der Gesundheitsstatus (Laminitis, Ketose, Labmagen et cetera) deutlich verbessert. Durch ein geringeres Energiedefizit werden höhere Fruchtbarkeitsleistungen erzielt, die Grundfutterleistung ist höher, die Futterverwertung effektiver. Durch eine bessere Energieverwertung und leistungsgerechtere Fütterung werden über höhere Inhaltsstoffe nicht zuletzt höhere Auszahlungspreise erwirtschaftet.
In Tabelle 2 werden beispielhaft die Vollkosten zur Grassilageproduktion bei unterschiedlichen Ertragsniveaus kalkuliert. Den Besonderheiten der Dauergrünlandflächen in den neuen Bundesländern entsprechend wurden Ertragsniveaus gewählt, die mit drei Schnitten zwischen 200 und 320 dt OS/ha liegen. Schwierigere Niedermoorstandorte und die oftmals nicht genügende Intensität der Dauergrünlandbewirtschaftung begründen diese Ertragsniveaus. Unterstellte Direktkosten in praxisüblicher Form wurden ertragsabhängig kalkuliert und führen zu Direktkosten zwischen 265 und 321 €/ha.
Die schwer zu taxierenden Arbeitserledigungskosten wurden auf der Grundlage berechnet, dass das komplette Verfahren der Grassilageproduktion an Lohnunternehmer ausgelagert wird. Auch hierbei wurden ertragsabhängige Verfahrenskosten von 330 bis 375 €/ha und Schnitt zugrunde gelegt. Neben geringfügigen Kosten für Siloanlagen und Gebäude, einer Pauschale für sonstige Gemeinkosten von 50 €/ha sind die Flächenkosten mit zu berücksichtigen, die sich aus den Pachten/Pachtansatz, den Kosten für Boden- und Wasserverband, den Grundsteuern und anderen Kosten zusammensetzen. Hierbei ist die tatsächliche Variation von Flächenkosten sicher deutlich größer in Abhängigkeit von Bonität und Region als die hier dargestellte Bandbreite von 200 bis 300 €/ha.
Festzuhalten ist jedoch, dass die realen Kosten der Grassilagebereitung in den meisten Fällen über den betriebsindividuell festgelegten Wertansätzen liegen und dass die Kosten deutlich angestiegen sind. Ein großer Vorteil des Futteranbaus ist die Nutzung vorhandener wirtschaftseigener Dünger, eine noch bessere Verteilung und Berücksichtigung dieser sehr wertvollen Düngerquellen ist wichtig. Gegenüber dem Ackerfutterbau wie Silomais, Ackergras, Luzerne, et cetera müssen bei der Grassilageproduktion die entgangenen Nutzungskosten nicht berücksichtigt werden. In der Planung des betriebsindividuellen Futteranbaus sind die entgangenen Nutzungskosten der verdrängten durchschnittlichen Fruchtfolge mit zu berücksichtigen. Im Durchschnitt unserer BZA Marktfruchtergebnisse liegen die mehrjährigen Nutzungskosten bei 329 €/ha, die zu allen Kosten des Ackerfutterbaus noch hinzugerechnet werden müssen. Beispielsweise würde der Silomais durch Berücksichtigung dieser Nutzungskosten um 7 €/t teurer.
Intensive oder extensive Grassilagen
Bedauerlicherweise ist das Bewusstsein im Futterbau für Messen, Wiegen, Auswertung von Kosten jedoch längst nicht so ausgeprägt wie im Marktfruchtbau. Das ist sehr schade, könnte doch mit diesen Informationen sehr viel genauer entschieden und gehandelt werden. Klar muss auch sein, dass bei aller Notwendigkeit, Futterreserven vorzuhalten, die für die Milchproduktion notwendigen Futterflächen möglichst intensiv zu führen sind. Mit einer möglichst geringen Hauptfutterfläche auszukommen, ist ein wichtiger Erfolgsgarant. Denn je geringer die Hauptfutterfläche je Kuh, desto geringer sind die anteiligen Arbeitserledigungskosten des Futterbaus je Kuh und Kilogramm energiekorrigierter Milch.
Nicht weiter überraschend ist es, wenn in der Tabelle 3 die Kosten je Dezitonne, je 10 MJ NEL und je Dezitonne TM für Grassilage tendenziell am teuersten sind. Deshalb kann eigentlich nur immer wieder an die Devise erinnert werden, die für die Milchproduktion notwendigen Dauergrünlandflächen möglichst intensiv zu führen, damit die Kosten sich auf einen möglichst hohen Ertrag verteilen und die Qualitäten möglichst stark mit zu Toprationen im Hochleistungsbereich beitragen. Sofern Dauergrünland in ausreichendem Umfang zur Verfügung steht, sollten nicht alle Flächen gleichermaßen intensiv genutzt werden, sondern es sollte bewusst differenziert werden zwischen Flächen, die sich als hochwertige Standorte eignen, und jenen, die extensiv anderen Verwertungsformen zugeordnet werden können.
Fazit
Folgende Einflussgrößen auf die Grassilagekosten lassen sich zusammenfassend nochmals darstellen:
• betriebsindividuell angepasste Flächennutzung und -verwertung
• betriebsindividuelle Futterproduktion
• Dauergrünlandbewirtschaftung
• angepasste Arbeitserledigungskosten
• Futtermittelauswahl
• intensive Jungrinderaufzucht
• verlustreduzierte Lagerung
• kostenseitig ausgewogene Fütterung



