Der Klimawandel stellt Landwirte in der Grünlandbewirtschaftung vor neue Herausforderungen. Veränderungen in Temperatur und Niederschlag wirken sich auf die Vegetationsperioden und die Ertragsfähigkeit aus. Wie kann man auf diese veränderten Umweltbedingungen, vor allem auf zunehmende Trockenperioden, reagieren?
Aufgrund des Klimawandels steigt die durchschnittliche Jahrestemperatur exponentiell an, im Zusammenspiel mit häufiger vorkommenden Extremwetterereignissen und durchschnittlich milderen Wintermonaten. Änderungen pflanzenphänologischer Stadien im Frühjahr sind stark temperaturabhängig und stehen somit auch im direkten Zusammenhang mit der Witterung.
Dadurch ist eine Verlängerung der Vegetationsperiode zu verzeichnen, die, neben milderen Temperaturen im Herbst, hauptsächlich in einem verfrühten Vegetationsbeginn begründet ist. Im Grünland wird dieser mittels der korrigierten Temperatursumme (kT) beschrieben. Für deren Berechnung werden die positiven Tagesmittelwerte ab dem 1. Januar aufsummiert und dabei im Januar zur Hälfte, im Februar zu drei Vierteln und ab März voll eingerechnet. Nach einer sechsjährigen Untersuchung an der niedersächsischen Versuchsstation Infeld wurde so von Ernst und Loeper 1976 ein Vegetationsbeginn bei einer kT-Summe von 200 °C ermittelt.
Auswirkungen auf die Bewirtschaftung
Abbildung 1 zeigt den Trend des Erreichens der kT-Summe von 200 °C für die DWD-Wetterstationen Rosenheim (Bayern), Lindenberg (Brandenburg), Kiel-Holtenau (Schleswig-Holstein), Emden (Niedersachsen) und Kleve (Nordrhein-Westfalen) über die zurückliegenden 20 Jahre. Es wird deutlich, dass in allen Landesteilen der Vegetationsbeginn seit 2002 deutlich früher einsetzt – ein Trend, der in wissenschaftlichen Untersuchungen eindeutig belegt ist. Am Beispiel der Wetterstation in Kiel-Holtenau beträgt die Verfrühung zirka zwölf Tage in den zurückliegenden 20 Jahren.
Vor dem Hintergrund einer möglichst guten Ausnutzung der betriebseigenen Futterressourcen kann die Verlängerung der Vegetationsperiode eine Erhöhung der Schnittanzahl und eine Verlängerung der Weidesaison bedeuten. Jedoch kann aufgrund des Klimawandels durch zunehmende Winterniederschläge die Tragfähigkeit der Flächen abnehmen und eine frühe Bewirtschaftung erschwert werden. Weiterhin nimmt die Wahrscheinlichkeit länger anhaltender Trockenperioden durch ausbleibende Niederschläge im Frühjahr und Sommer zu, sodass in diesem Zeitraum vermehrt mit Ertragsdepressionen gerechnet werden muss. In diesem Zusammenhang sollte auf trockenheitsgefährdeten Standorten die Bodenfeuchte aus den Wintermonaten mit in die Zeit der höchsten Zuwachsraten der Frühjahresaufwüchse genommen werden, um das volle Potenzial aus dem ersten und zweiten Schnitt zu schöpfen.
Besonders auf zur Frühjahrstrockenheit neigenden Standorten kann es im intensiv genutzten Grünland somit sinnvoll sein, die Sortenwahl des Deutschen Weidelgrases auf früh bis mittelfrüh blühende Sorten zu legen. In Abhängigkeit von den Anforderungen der Tiere an das Grundfutter muss betriebsindividuell entschieden werden, ob ein früher erster Schnitt mit hohen Qualitäten und verhältnismäßig geringeren Erträgen angestrebt wird oder ein späterer erster Schnitt bei hohen Erträgen und noch akzeptablen Qualitäten. Im letzteren Fall ist jedoch aufgrund des späteren zweiten Schnitts dann die Wahrscheinlichkeit des Wassermangels auf trockenheitsgefährdeten Standorten größer.
Weidemanagement anpassen
Auch im Weidemanagement ist es wichtig, den optimalen Zeitpunkt des Wachstumsbeginns im Frühjahr abzupassen. Sofern es die Trittfestigkeit des Bodens zulässt, sollten die Tiere, auch bei geringem Futterangebot, zu diesem Zeitpunkt auf die Weide gelassen werden. Dies führt zu kurzen Weidegrasbeständen, in denen durch eine tiefere Lichteindringung in den Bestand die Triebknospen und somit die Seitentriebbildung angeregt werden. Dadurch werden die Narbendichte und die Trittfestigkeit erhöht und der Grasbestand wird für die kommende Saison optimal konditioniert.
Im Zusammenspiel mit der klimawandelbedingten Verlängerung der Vegetationsperiode durch mildere Herbstmonate kann so die Weidesaison verlängert und das hohe Ertragspotenzial der Weiden besser ausgenutzt werden.
Wahl der richtigen Ansaatmischung
Für die Wahl von bewirtschaftungs- und standortangepassten Gräserarten, -sorten und -mischungen gibt es regelmäßig aktualisierte Empfehlungen der Landwirtschaftskammer. Die Wichtigkeit der richtigen Mischungswahl beschreiben Ergebnisse eines Feldversuchs auf einem sandigen und trockenheitsgefährdeten Standort in Schleswig-Holstein, in dem schnittspezifische Erträge von 17 Ansaatmischungen miteinander verglichen wurden. In dem Versuch konnte ein signifikant positiver Zusammenhang zwischen Artenanzahl und Trockenmasseertrag gefunden werden, wobei dieser vorrangig in den trockenen Sommermonaten (dritter und vierter Schnitt) ermittelt wurde. Je nach Hinzugabe einer Art in der Mischung konnte der Ertrag je Schnitt um 18,4 bis 26,8 dt TM/ha gesteigert werden.
Hierbei ist jedoch nicht die Erhöhung der Artenanzahl per se entscheidend, sondern vor allem die Auswahl der richtigen Grasarten. So zeigen Ansaatmischungen mit Anteilen an tief wurzelnden und trockenheitstoleranten Arten wie Knaulgras und Wiesenschweidel (siehe Mischung 6, 11 und 17 in der Tabelle) in den Sommerschnitten deutlich höhere Trockenmasseerträge als reine Deutsch-Weidelgras-Bestände (Mischung 7), deren Ertrag in dem Versuch unterdurchschnittlich ausfiel (Abbildung 2).
Zukünftig werden trockenheitstolerante Grasarten auf zu Dürre neigenden Standorten an Bedeutung zunehmen müssen, um den Folgen der klimawandelbedingten Trockenheitsperioden entgegenzuwirken. Auch tief wurzelnde Kräuter mit hohem Futterwert, wie Spitzwegerich und Zichorie, können hier eine wichtige Rolle spielen.
Um etwaige späte Schnitte in ihrer geringen Qualität zu kompensieren und eine höhere Nutzungselastizität zu gewährleisten, ist ebenfalls die Integration von Klee essenziell. Es wird empfohlen, sich frühzeitig an die veränderten Umweltbedingungen anzupassen und die Mischungsauswahl neben dem Futterwert an der Standorteignung und Trockenheitstoleranz festzumachen.
Fazit
Durch den Klimawandel verfrüht sich der Graswachstumsbeginn, verlängert sich die Vegetationsperiode und nehmen die Ertragsdepressionen durch Trockenheit in den Sommermonaten zu. Zukünftig sollte die Bewirtschaftung an diese veränderten Bedingungen angepasst werden, um das hohe Ertragspotenzial optimal auszunutzen. Bei der Auswahl der Gräserarten, -sorten und -mischungen im Handel dienen die Qualitätsstandardmischungen der Landwirtschaftskammer als Orientierung.




