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N-min-Werte auf durchschnittlichem Niveau

Nitratmessdienst der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, Teil 1
Von Daniel Viain, Henning Schuch, Landwirtschaftskammer SH
Der Jahresstart war bisher durch regnerisches Wetter und mildere Temperaturen geprägt und Frost und Schnee der eher seltene und oftmals nur kurzfristige Anblick auf den Feldern. Foto: Henning Schuch

Die Ergebnisse der ersten Messung des Nitratmessdienstes in diesem Frühjahr liegen vor. Wie im vergangenen Jahr liegen die gemessenen Nmin-Werte auf einem durchschnittlichen Niveau. Die aktuellen Ergebnisse können genau wie betriebseigene Analyse­ergebnisse für die rechtskonforme N-Bedarfsermittlung nach Düngeverordnung herangezogen werden.

Jährlich werden in den verschiedenen Naturräumen Schleswig-Holsteins Ackerflächen für die Ermittlung der Nmin-Bodengehalte beprobt. Die Beprobungsflächen setzen sich aus Schlägen der Versuchsstationen der Landwirtschaftskammer und des Versuchsfeldes Lindenhof der Fachhochschule Kiel zusammen. Hinzu kommen Praxisflächen landwirtschaftlicher Betriebe, die zum größten Teil bereits langjährig durch zuverlässige Probennehmer untersucht werden. Die Landwirtschaftskammer bedankt sich ausdrücklich bei den teilnehmenden Praxisbetrieben, der Fachhochschule Kiel sowie den Probennehmern für die Zurverfügungstellung der Flächen und Anbaudaten sowie für die gute Zusammenarbeit.
Die Düngesaison kann grundsätzlich nach Ablauf der Sperrfrist ab dem 1. Februar beginnen. Trotz der milden Temperaturen liegen oftmals wassergesättigte Böden vor, sodass nach derzeitigen Prognosen keine präzisen Aussagen für den Vegetations- und Düngestart gemacht werden können. Daneben ist mit Einführung der Düngeverordnung (DÜV) 2020 ein generelles Düngeverbot für stickstoff-/phosphathaltige Düngemittel wie Mineraldünger, flüssige Wirtschaftsdünger, Festmist, Kompost, Bodenhilfsstoffe, Kultursubstrate, Pflanzenschutzmittel und weitere auf gefrorenem Boden zu beachten, was je nach Wetterlage den Düngestart nach hinten verlagern könnte. Um den N-Bedarf vor einer Düngemaßnahme korrekt zu ermitteln, müssen die Nmin-Werte des Bodens mit in die Berechnung einfließen. Anzuwenden sind in den Ackerkulturen die erhobenen Gehalte aus einer Bodentiefe von 0 bis 90 cm. Neben dem Bedarf an N muss dieser auch für Phosphat schriftlich dokumentiert zur Düngung vorliegen. Die hier veröffentlichten Werte können für die Düngebedarfsermittlung für Winterkulturen herangezogen werden, wenn keine eigenen Proben auf den Betrieben vorliegen. In den kommenden Wochen werden die Nmin-Werte für die Düngebedarfsermittlung von Sommerkulturen durch eine zweite Beprobung erhoben. Die Testflächen werden bei der Düngung ausgelassen, damit die Mineralisierung von N im Zeitverlauf dargestellt werden kann. Dafür werden diese Probefenster entweder mit Folien abgedeckt oder die Exakttechnik wird abgeschaltet. Die Proben werden von Flächen aus den Naturräumen Östliches Hügelland, ­Geest und Marsch gezogen und sollen dabei die standorttypischen Fruchtfolgekombinationen unter aktuell praxistypischen Bedingungen abbilden.

Witterung 2021: Oft nass und kalt

Bodentemperatur und Niederschlag haben einen erheblichen Einfluss auf den N-Kreislauf im Boden. Um einen Eindruck der Entwicklung dieser Parameter im Verlauf des vergangenen Jahres zu gewinnen, sind diese in Übersicht 1 dargestellt. Wie in den vergangenen Jahren bilden die sechs Wetterstationen in Elpersbüttel, Kiel, Leck, Lübeck, Quickborn und Schleswig hierfür die Datengrundlage. Die Mittelwerte für Niederschlag und Bodentemperatur im Jahresverlauf 2021 sowie die jeweiligen langjährigen Durchschnittswerte sind abgebildet. Der jeweils höchste und niedrigste Niederschlag der sechs Messpunkte ist dargestellt, um auch die Schwankungen der Niederschlagsmengen zwischen den Stationen aufzuzeigen.
Der Gesamtniederschlag liegt mit 789 mm nah dem langjährigen Mittel (820 mm) für Schleswig-Holstein. Vom Februar bis zum Ende des Aprils sorgten niedrige Niederschlagsmengen für ein trockenes Frühjahr. Der Mai zeigte insgesamt ungewöhnlich hohe Niederschlagswerte, verbunden mit unterdurchschnittlichen Bodentemperaturen. Die Sommermonate liegen etwa auf durchschnittlichem Niveau, die Wintermonate tendenziell etwas darunter, wodurch zum Teil auch noch regionale Wasserdefizite bestehen. Auffällig sind die großen Schwankungen zwischen den Messstationen besonders in der Jahresmitte, die zeigen, dass es regional in Abhängigkeit von der Verteilung von Stark- und Dauerregenereignissen zu sehr verschiedenen Verteilungen des Niederschlags gekommen ist. Die Messstation Itzehoe kommt zum Beispiel für den betrachteten Zeitraum auf annähernd 1.000 mm Niederschlag, Lübeck auf zirka 615 mm. Kiel und Elpersbüttel liegen mit 727 mm und 690 mm ebenfalls unter dem Schnitt, Quickborn (845 mm), Schleswig (825 mm) und Leck (830 mm) auf durchschnittlichem Niveau.

Nmin in der Bedarfsermittlung

Werden keine betriebseigenen Nmin-Analysen auf den Betrieben gezogen, können die Ergebnisse des Nitratmessdienstes genutzt werden. Hierzu sind aus den Übersichten der passende Naturraum und die passende Fruchtfolgekombination für die Ermittlung des N-Bedarfes der auf dem Betrieb angebauten Kultur zu wählen. Bei deutlich abweichender Bodenart können im Einzelfall zudem Ersatzwerte aus angrenzenden Naturräumen verwendet werden. Die Angaben zur organischen Düngung im Vorjahr dienen einer besseren Einordnung der Testflächen, um passende Repräsentativwerte heranzuziehen. In den Übersichten 2 bis 6 sind die Ergebnisse nach den für Schleswig-Holstein typischen Naturräumen aufgeteilt dargestellt, wobei der Landschaftsraum Östliches Hügelland zusätzlich in den nördlichen, mittleren und südlichen Landesteil unterteilt wurde. Die Ergebnisdarstellung für die Naturräume erfolgt in kg Nmin/ha (Summe aus Nitrat und Ammonium) für die einzelnen Bodenschichten und in Summe (0 bis 90 cm). Neben der Datengrundlage des Nitratmessdienstes können auch Nmin-Analyseergebnisse der zuständigen Wasserschutzgebietsberatung sowie der vor Ort tätigen Grundwasserschutzberatung zur Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie herangezogen werden.

Unterschiede in den Naturräumen

Betrachtet man die Übersichten 2 bis 6, wird deutlich, dass die einzelnen Flächen und Fruchtartkombinationen Schwankungen in der Höhe des Nmin-Wertes zeigen. Eindeutige Aussagen in Abhängigkeit von organischer Düngung lassen sich nicht direkt ableiten. Tendenziell scheinen bei Vorfrucht Winterraps und Leguminosen in einigen Naturräumen vereinzelt höhere Nmin-Werte vorzuliegen. Im Mittel wurden im Östlichen Hügelland in diesem Jahr 35 kg Nmin/ ha ermittelt, wobei die Werte in jedem Teil standortspezifischer Schwankungen ausgesetzt gewesen sind. Auf der ­Geest liegen die Werte im Mittel bei 18 kg Nmin/ha und in der Marsch bei 55 kg Nmin/ha (Übersicht 7). Dabei macht der Ammoniumgehalt am Nmin-Wert nur einen geringen Anteil aus. Die Ammoniumgehalte liegen im Mittel aller Flächen und Naturräume bei 7 kg NH4-N/ha in 0 bis 90 cm Bodentiefe. Vorläufige N-Bedarfsermittlungen, welche mit den langjährigen Nmin-Mittelwerten geplant wurden, sind durch die aktuellen Werte zu aktualisieren, sofern der gemessene Wert mindestens um +/– 10 kg Nmin abweicht. Betrachtet man Übersicht 7, wird deutlich, dass diese Anpassung vermehrt in den Naturräumen Marsch und Östliches Hügelland vorgenommen werden könnte.

Smin-Werte durchschnittlich

Im Rahmen der Bodenanalysen wurden in der ersten Messung neben den düngeverordnungsrelevanten Nmin-Werten auch die Schwefelgehalte in Form von Sulfat (SO42-) des Bodens in den unterschiedlichen Naturräumen ermittelt. In Übersicht 8 sind die Durchschnittswerte vergleichend zu den Vorjahren aufgeführt. Prinzipiell unterliegt Schwefel ähnlichen Mineralisations- und Verlustprozessen über das Sickerwasser wie Nitrat. Ähnlich wie die Nmin-Werte liegen auch die Smin-Werte in allen Naturräumen auf einem moderaten Niveau. Aufgrund der Lokalisation des Schwefels erst in tieferen Bodenschichten sollte im Rahmen der Andüngung neben N auch besonderes Augenmerk auf S gegeben werden! Es empfehlen sich 20 bis 30 kg S/ha zu Getreide und 30 bis 50 kg S/ ha zu Winterraps. Um nicht in eine durch Schwefelmangel induzierte N-Sperre zu geraten, sollte die Schwefeldüngung vornehmlich in der ersten Gabe platziert werden, um die Pflanzen bis zur Erschließung der tieferen Bodenschichten gesichert mit Schwefel versorgen zu können. Konkrete Empfehlungen zur Andüngung der Getreidebestände finden sich in einem weiteren Artikel zur Düngung von Wintergetreide. Die Ergebnisse der zweiten Nmin-Messung folgen im März, die im Wesentlichen für die N-Andüngung der Sommerungen genutzt werden können.

Fazit

In einer düngeverordnungskonformen N-Bedarfsermittlung müssen Nmin-Werte verpflichtend als Abschlag angesetzt werden. Sollte der N-Bedarf noch nicht ermittelt worden sein, muss dies auf alle Fälle aufgrund der CC-Relevanz vor der Düngung durchgeführt werden. Die diesjährigen Nmin-Ergebnisse liegen auf einem mittleren Niveau.

Vor allem in diesem Jahr ist es wichtig in besonderen Kulturkombinationen, wie zum Beispiel Wintergerste nach Ackerbohnen, Düngefenster während der Vegetation zu beobachten, um die N-Lieferung besser einzuschätzen. Foto: Henning Schuch
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