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Marktkommentar, Marktlage und Markttendenz KW 3922

Russlands Einfluss auf die Rohstoffmärkte
Von Caroline Hertell, LK-Markt
Foto: Imago

Die Spannungen im Ukraine-Krieg bewegen die globalen Agrarmärkte und verleihen den Terminkursen Auftrieb. Nachdem das Getreideausfuhrabkommen durch Moskau infrage gestellt wurde, könnte die zunehmende Eskalation die ukrainischen Exporte verringern. Man rechnet damit, dass der unter UN-Begleitung ausgehandelte sichere Korridor für Getreideausfuhren im Schwarzen Meer bald geschlossen werden könnte. Entsprechend sind in der 38. KW die Kurse für die wichtigsten Ausfuhrgüter angestiegen. Weizen erreicht an der Matif erstmals seit drei Monaten fast die Marke von 350 €/t, ähnlich erhöht notiert Mais. Dem Anstieg entgegen wirkt im Börsenhandel eine nochmals, auf nunmehr 100 Mio. t, erhöhte Ernteschätzung für russischen Weizen, über allem aber schwebt die dunkle Wolke der globalen Rezessionsängste.

Rohölkurs spiegelt Konjunktur

Die Leitzinserhöhung in den USA um 0,75 Prozentpunkte sorgt für Verunsicherung am Ölmarkt. Wie schon bei der Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank um den gleichen ungewöhnlich großen Schritt kam unter den Marktteilnehmern eine Nervosität auf, die Kurswirkung erzielte. Indikatoren wie der Rohölkurs spiegeln diese Sorgen um die Konjunktur wider. Der Kurs für die Sorte Brent ist seit September nicht nur unter die Marke von 100 US-$ gefallen, sondern auch unter 90 US-$.
Dieser Stand wurde zuletzt vor Beginn des Krieges in der Ukraine erreicht. Teilweise werden die Kursrückgänge als Wirkung westlicher Sanktionen gegen Russland gewertet. Mit der Mobilmachung von russischen Reservisten und den Referenden in besetzten ukrainischen Gebieten spitzt sich der Ukraine-Krieg weiter zu. Nach russischer Lesart würden sich Gebietsrückgewinne der ukrainischen Streitkräfte dann als Angriff auf russisches Territorium darstellen – unter Beihilfe aller Waffen liefernden Staaten. Das Thema Ölpreis steht auf der Maßnahmenliste für das anstehende achte Sanktionspaket der EU-Staaten gegen Russland. Denn sieben Monate nach Kriegsbeginn fließt weiter viel Geld für Öl nach Russland, nicht zuletzt auch aus Deutschland. Es hatten sich schon die G7-Staaten für einen Ölpreisdeckel ausgesprochen, viele Fachleute sehen darin ein wirksames Mittel, um dem russischen Staat das Kriegsbudget zu kürzen. Andere Experten schätzen dessen Wirkung als begrenzt ein, solange große drittländische Abnehmer wie China und Indien nicht mitziehen. Am Ölmarkt rechnet man in dem Fall auch mit inoffiziellen Preisrunden.

Folgen der Sanktionen

Inwiefern die bisherigen und das anstehende Sanktionspaket Russland treffen, ist schwer zu sagen. Der Kreml gibt sich unverwundbar und klagt doch über Hindernisse. Die Ausfuhr von Düngemitteln und Getreide ist faktisch nicht von den Sanktionen betroffen, es wird aber eine abschreckende Wirkung bemängelt, etwa bei Zahlungs- und Transportfragen. Zum einen hatte es in den vergangenen Wochen häufiger Getreidedeals an den üblichen Ausschreibungsverfahren vorbei gegeben, etwa das Geschäft zwischen Saudi-Arabien und Russland über mehr als 0,5 Mio. t Weizen. Zum anderen wird von einer fehlenden Nachfrage nach russischem Getreide berichtet und von Gründen wie einer schlechten Erntequalität, aber auch den Folgen der Sanktionen und einem teuren Rubel. Die russischen Ausfuhren gingen im Juli und August um knapp 30 % zurück. Mittlerweile ist der russische Exportpreis unter die EU- und US-Notierungen gefallen, das Blatt dürfte sich wenden. Trotzdem sind die Exporte für Russland wichtig, man sucht das Gleichgewicht zwischen ausreichenden Ausfuhren und angenehmem Preisniveau. Die Lieferungen in Richtung Afrika sind auch ein Kommunikationsmedium mit Entwicklungsländern. Wissenschaftliche Studien zeigen einen besonders hohen russischen Einfluss in Ländern mit Machtvakuum, wie im Sudan. Der Nutzen liegt dort häufig unter der Erde, im Sudan zum Beispiel in Goldvorkommen. Zuletzt hatte der russische Präsident angeboten, die auf in Europa festgesetzten Schiffen lagernden Düngerlieferungen an Entwicklungsländer zu spenden. Um die Welternährungskrise geht es ihm dabei sicher nicht, aber das interessiert bei der Getreidepreisbildung wenig.

Marktlage für die Woche vom 26.9. bis 2.10.2022

Getreide: Die Börsennotierungen schwanken weiterhin, zu Wochenbeginn gibt der Weizenkurs nach. Handelsgeschäfte werden im geringeren Umfang abgeschlossen.

Raps: Es wird von einer guten Versorgungslage der Ölmühlen für das nächste Quartal berichtet. Neue Abschlüsse werden selten getätigt.

Futtermittel: Handelsunternehmen decken sich mit Rapsschrot ein, um der unsicheren Versorgungslage entgegenzuwirken.

Kartoffeln: Bundesweit liegt die Kartoffelernte knapp 10 % unter dem Vorjahr. Derzeit entwickelt sich der Preis stabil.

Schlachtrinder: Ein kleines Angebot führt weiterhin zu Schlachtzahlen, die unter dem Vorjahr liegen. Der Handel mit Rindfleisch läuft schleppend.

Schlachtschweine/-sauen: Freie Schlachtschweine finden eher einen zögernden Absatz zu höchstens stabilen Preisen.

Ferkel: Die Nachfrage nach freien Ferkel kann durch das Angebot gedeckt werden. Das Preisniveau ist unverändert.

Milch: Höhere Forderungen für Butter wurden zuletzt nicht akzeptiert. Bei geringem Verkaufsdruck laufen die Verhandlungsgespräche weiter.

Schlachtlämmer/-schafe: Ein großes Angebot trifft auf eine sehr kleine Nachfrage. Der Preis der Vorwoche wird fortgeschrieben.

Markttendenz für die Woche vom 3. bis 9.10.2022

Getreide: Der IGC erwartet für Russland eine Rekordernte, in der Summe prognostizieren die Experten jedoch den Abbau weltweiter Getreidelagerbestände.

Raps: Die Niederschläge führen zum Anstieg der Pegelstände und damit einer Normalisierung im Rhein, sodass auch wieder voll beladene Schiffe fahren können.

Futtermittel: Steigende Raps- und auch Sojaschrotpreise könnten die Folge dessen sein, dass der Ukraine-Krieg sich wieder verschärft.

Kartoffeln: Verkaufsaktionen mit großen Abgabemengen zur Einkellerung könnten den Absatz ankurbeln.

Schlachtrinder: Die zuletzt stabilen Schlachtrinderkurse kommen unter Druck. Seitens der Schlachtunternehmen werden Preisabschläge gefordert.

Schlachtschweine/-sauen: Preisdruck bei Schweinefleisch könnte auch auf den Lebendhandel übergreifen.

Ferkel: Auch in den Nachbarländern wird von einem ausgeglichenen Markt mit stabilen Preisen berichtet.

Milch: Hohe Energiekosten und eine begrenzte Milchmenge führen weiterhin zu Unsicherheiten, beispielsweise am Markt für Butter.

Schlachtlämmer/-schafe: Der Angebotsdruck lässt etwas nach, da die Grünlandbestände mit den Niederschlagsmengen noch einmal wachsen.

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