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Freilandgänse werden exklusiver

Marktüberlick
Von Caroline Hertell, LK-Markt
Foto: Imago

Aufwendige Gerichte mit Ente oder Gans gehören in die kalte Jahreszeit. Der Martinstag am 11. November sowie Weihnachten sind die zentralen Eckdaten der Saison. Davor und danach besteht vonseiten der Verbraucher eher weniger Interesse am Fleisch dieser Tiere. Die Aufzucht und Mast konzentrieren sich daher von Frühjahr bis Herbst und werden häufig im Freiland durchgeführt. Letzteres ist zum einen ein schlagendes Verkaufsargument und zum anderen ein großes Problem. Die Vogelgrippe bereitete vielen Erzeugern mit Freilandhaltung schon im vorigen Jahr Sorgen, die sich in diesem Jahr noch einmal steigerten. Die hochansteckende Krankheit beeinträchtigt die gesamte Lieferkette, von den Brütereien bis hin zu den schlachtreifen Tieren. Dazu kommen gestiegene Futter- und Energiekosten für die Aufzucht und zuletzt auch das schmale Portemonnaie der Kunden für dieses Produkt, das eher in die Kategorie „nice to have“ fällt. Durch die Kostensteigerungen müssen Erzeuger ihre Verkaufspreise anheben, was den Absatz in Zeiten von hoher Inflation und Sparmaßnahmen nicht gerade fördert. Einige Betriebe haben in diesem Jahr die Tierzahlen reduziert, teilweise aufgrund von Bezugsproblemen bei Küken. Andere und häufig kleinere Betriebe haben sich gänzlich gegen die Einstallung entschieden. In vielen Küchen wird in diesem Jahr wohl keine Gans goldgebacken.

Dauerrisiko Vogelgrippe

Hühner, Enten, Gänse und Puten sind die Hausgeflügelarten, die im Tierseucheninformationssystem für die Aviäre Influenza beziehungsweise Vogelgrippe gelistet werden. Parallel werden Tausende an der Infektion gestorbene Wildvögel gefunden. Im Oktober kamen etliche Einträge in den norddeutschen Bundesländern hinzu, das Infektionsgeschehen hat Hochsaison. Gerade in den für den Vogelzug wichtigen Gebieten ist das Risiko groß und eine Nervenprobe für die Geflügelbetriebe. In Niedersachsen gerät der Eiermarkt durch Serien an Infektionen in Legebetrieben zunehmend aus den Fugen, bei verknapptem Angebot steigen die Preise auf Rekordhöhen. Hierzulande gab es über den Sommer ruhige Monate, jedoch wurden aus EU-Nachbarländern ununterbrochen Neuinfektionen bei Haus- und Wildvögeln gemeldet. So wurden zwischen September 2021 und Juni 2022 europaweit 2.300 Fälle gemeldet und über 44 Millionen Stück Geflügel gekeult. Seither sind viele hinzugekommen. Oftmals beziehen Betriebe Küken aus Brütereien in Frankreich, den Niederlanden oder Polen, von denen seit letztem Jahr viele schließen mussten. Vor allem Infektionen in Elterntierbeständen sind der Grund. Teurere Küken, das energieintensive Beheizen der Jungtierställe und schließlich das verteuerte Futter machen diese Saison besonders kostspielig. Zu 20 bis 40 % höheren Preisen werden Gänse und Enten deshalb angeboten.

Freilandhaltung unter Risiken

Die Freilandhaltung kann mit Sicherheit zu den Formen der Tierhaltung gezählt werden, die aus Verbrauchersicht am ehesten tiergerecht erscheinen. Besonders am Eiermarkt hat sich die Nachfrage in den letzten Jahren weg von der Bodenhaltung verlagert und zu einer enormen Verbreitung von Freilandhaltung und Freiland-Mobilställen geführt. Gerade diese Haltungsform ist jedoch von der Infektion bedroht. Nach fast drei Jahren Corona kann man dieses Risiko gut fassen und den Stress für die Betriebsleiter nachvollziehen. Kaum verwunderlich, dass so mancher Betrieb in diesem Jahr keine Lust darauf hatte. Die Haltungsform mit Auslauf oder gänzlich auf der Weide ist auch bei anderen Tierarten auf dem Vormarsch, etwa Schweinen. Und auch hier gibt es ein infektiöses Damoklesschwert, die Afrikanische Schweinepest. Im Fall der Infektion kommen auf den Betrieb Belastungen zu, die finanzieller und psychischer Art sind – das kann das Fass im ohnehin schwer bestlasteten Schweinesektor zum Überlaufen bringen. Am Zwiespalt der Freilandhaltung zeigt sich die große Lücke zwischen der Vision einer umgebauten Nutztierhaltung in Deutschland und den vorherrschenden Bedingungen sowie Herausforderungen. 

Marktlage für die Woche vom 7. bis 13.11.2022

Getreide: Die Entwicklung im Ukraine-Krieg hat die Weizenkurse zwischenzeitlich ansteigen lassen.

Raps: Die Rapskurse haben sich in der Vorwoche spürbar erhöht, da auch die Pflanzen- und Rohölpreise gestiegen sind.

Futtermittel: Die Kurse für viele Komponenten haben sich wieder erhöht. Die Kurse für Mischfutter geben nicht nach.

Kartoffeln: Nach Abschluss der Ernte kommt nur noch vereinzelt frische Ware vom Feld auf den Markt.

Schlachtrinder: Die Jungbullenkurse zogen in der Vorwoche nochmals leicht an. Die Schlachtkuhpreise blieben unverändert.

Schlachtschweine/-sauen: Nach einer unveränderten Notierung in der Vorwoche haben die Schlachter die Nachfrage verringert.

Ferkel: Wie die Schweinekurse blieben auch die Ferkelkurse in der Vorwoche unverändert. Dies gilt auch für die Importferkel.

Milch: Die Milchpreise haben noch Luft nach oben. Der Anstieg der Auszahlungspreise setzt sich vorerst weiter fort.

Schlachtlämmer/-schafe: Die Kurse bleiben vorerst unverändert. Das Angebot ist für die Jahreszeit ungewöhnlich hoch.

Markttendenz für die Woche vom 14. bis 20.11.2022

Getreide: Der schwache Eurokurs erleichtert die Exporte. Es gibt bereits viele Umsätze mit der kommenden Ernte.

Raps: Durch die hohen Schlaglöhne zeigen die hiesigen Ölmühlen eine rege Nachfrage.

Futtermittel: Der schwache Euro verteuert den Import von Sojaschrot. Die Nachfrage bleibt recht hoch.

Kartoffeln: Die Preisaufschläge für Lagerware konnten sich durchsetzen. Die Exportnachfrage bleibt ruhig.

Schlachtrinder: Entsprechend der Jahreszeit ziehen die Jungbullen- und Färsenpreise nochmals an.

Schlachtschweine/-sauen: Die Angebotsüberhänge nehmen wieder zu. Hauspreise sorgen für Preisdruck.

Ferkel: Die Erlöse bleiben auf einem nicht kostendeckenden Niveau. Man hofft auf eine stabile Entwicklung im Schweinehandel.

Milch: Erzeuger- und Verbraucherpreise bleiben vorerst auf Rekordniveau. In Süddeutschland gehen die Anlieferungen zurück.

Schlachtlämmer/-schafe: Günstige Importe sorgen für Preisdruck. Das kalte Frühjahr hat die Ablieferungen verschoben.

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