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Grundfutterqualität in der Pferdefütterung

Von der Weide über Ernte und Konservierung bis zur fundierten Rationsgestaltung
Von Hannah Straky, Landwirtschaftskammer SH
Die Qualität des Grundfutters ist entscheidend für eine pferdegerechte Fütterung. Foto: Pixabay

Eine bedarfsgerechte Pferdefütterung steht und fällt mit der Qualität des Grundfutters. Heu und Heulage bilden den mengenmäßig größten Bestandteil der Ration und beeinflussen Verdauung, Stoffwechsel und Leistungsfähigkeit unmittelbar. Wer die Versorgung nachhaltig sichern will, muss die gesamte Prozesskette betrachten: vom Pflanzenbestand auf der Weide über den optimalen Erntezeitpunkt und die Konservierung bis hin zur Laboranalyse, deren Interpretation sowie der darauf aufbauenden Rationsgestaltung.

Bereits die Weide selbst erfüllt mehrere Funktionen gleichzeitig. Sie dient der Bewegung, ist Futterquelle und zugleich Fläche für die Nährstoffrückführung über die Ausscheidungen der Tiere. Je nach Nutzung – extensive Standweide, Portionsweide oder kombinierte Nutzung mit Schnitt – unterscheiden sich die Anforderungen an den Pflanzenbestand erheblich. In der Praxis zeigt sich jedoch häufig, dass Weideflächen zwar als Auslauf geeignet erscheinen, aber hinsichtlich ihrer Futterqualität Defizite aufweisen. Eine unausgewogene Artenzusammensetzung oder ungeeignetes Weidemanagement kann die Qualität des gewonnenen Grundfutters maßgeblich beeinflussen – auch mit möglichen Folgen für den Stoffwechsel der Pferde. Ein allgemeingültiges „Idealgras“ gibt es nicht. Vielmehr ist jede Grünlandnarbe das Ergebnis eines Kompromisses zwischen Standortbedingungen, Nutzungsintensität und den ernährungsphysiologischen Anforderungen des Pferdes. Über gezielte Pflege, Nachsaat und eine angepasste Düngung lässt sich der Pflanzenbestand jedoch aktiv steuern und weiterentwickeln.

Ein zentraler Einflussfaktor für die spätere Futterqualität ist der Erntezeitpunkt. Wird zu früh gemäht, sind Energie- und Zuckergehalte oftmals hoch, während die Strukturwirkung geringer ausfällt. Erfolgt der Schnitt zu spät, nimmt der Rohfaseranteil stark zu, die Verdaulichkeit sinkt, und die hygienische Stabilität kann leiden. Für Pferdeheu und -heulage ist daher ein mittlerer Reifegrad anzustreben, bei dem ausreichend Struktur vorhanden ist, ohne dass wertvolle Inhaltsstoffe in übermäßiger Weise verloren gehen.

Heu oder Heulage richtig bewerten

Bei der Konservierung stehen im Wesentlichen zwei Verfahren im Vordergrund: Heu und Heulage. Heu gilt als besonders strukturwirksames Grundfutter und entspricht in seiner Futterform den natürlichen Fressgewohnheiten des Pferdes. Damit Heu lagerstabil bleibt, muss der Wassergehalt deutlich abgesenkt werden; eine Trockenmasse von mindestens 85 % ist erforderlich, um mikrobielle Aktivität weitgehend zu unterbinden. In Regionen mit wechselhafter Witterung stellt dies eine Herausforderung dar. Mehrere Tage stabiler Schönwetterphasen sind notwendig, um das Futter ausreichend zu trocknen. Intensive Bearbeitung auf dem Feld beschleunigt zwar das Welken, kann jedoch Blattverluste verursachen. Wird der Zielwert nicht erreicht, kann eine technische Nachtrocknung unter Dach Abhilfe schaffen – verbunden mit entsprechendem Energie- und Kostenaufwand.

Die Heulage bietet eine größere Erntesicherheit, da sie mit höheren Restfeuchten eingebracht werden kann. Angestrebt werden Trockenmassegehalte zwischen 45 und 60 %. Die Haltbarkeit beruht auf einem Zusammenspiel aus reduziertem Wassergehalt, milder Gärung und luftdichtem Abschluss in der Folienhülle. Entscheidend sind eine ausreichende Verdichtung der Ballen sowie eine sorgfältige Folierung, damit kein Sauerstoff eindringen kann. Gute Heulage für Pferde zeichnet sich durch eine stabile Gärqualität aus. Sensorisch sollte sie frisch riechen, eine grünliche Farbe aufweisen und eine blattreiche Struktur erkennen lassen.

Qualität und Hygiene sichern

Das Ausgangsmaterial beeinflusst den Konservierungserfolg maßgeblich. Sehr spätes, stark verholztes Futter ist schwieriger zu verdichten und erhöht das Risiko von Luftresten im Ballen. Auch hygienische Kennzahlen sind von Bedeutung: Die Belastung mit Verderbpilzen sollte niedrig sein (unter 1.000 Keime je Gramm ­Frischmasse), Hefen möglichst unter 10.000 Keime je Gramm. Zudem sollte das Futter nach dem Öffnen mehrere Tage stabil bleiben; eine aerobe Stabilität von mehr als vier Tagen gilt als günstig. Erwärmte oder sichtbar beeinträchtigte Partien sind konsequent auszusortieren.

Diese fachlichen Zusammenhänge stehen im Mittelpunkt des Bau- und Energielehrschautages „Grundfutter unter der Lupe“ am 12. März. Die Referentinnen beleuchten praxisnah Qualitätsanforderungen, Stoffwechselzusammenhänge, die Interpretation der Laboranalyse, die Rationsgestaltung und im Praxisteil die korrekte Probennahme. 


Bau- und Energielehrschautag: Grundfutter unter der Lupe

Donnerstag, 12. März,
9 bis 15 Uhr

ab 10 Uhr:

„Qualitätsanforderungen an Heu und Heulage für die Pferdefütterung“,
Dr. Susanne Ohl, LKSH

„Grundfutterqualität und deren Auswirkung auf die Erkrankung am Equinen Metabolischen Syndrom“,
Dr. Meike Eklund, LTZ Augustenberg

„Wie geht es nach der Futteranalyse weiter? – Ein Blick auf die Rationsgestaltung“,
Anna Röwekamp, Equovis GmbH

12.15 Uhr: Mittagsimbiss

13 Uhr: Praxisteil: „Probennahme und Interpretation der Analyse – Wie geht’s richtig?“,
Dr. Susanne Ohl, LKSH,

danach Besuch der Bau- und Energielehrschau

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, die Teilnahme ist kostenfrei.

Ansprechpartnerin:
Hannah Straky,
Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp,
hstraky@lksh.de,
Tel.: 0 43 81-90 09-47


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