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Exporteuren fehlt es an Rohstoff

Hohe Nachfrage am internationalen Milchmarkt
Von Robert Quakernack
Preisschwankungen im Milchsektor sind Resultat von Klima- und Wettereinflüssen, aber auch von Produktionsauflagen. Nachfrageseitig spielen Importschwankungen – insbesondere Chinas – eine Rolle. Foto: Agrar-Press

Bereits seit Monaten ist die Milchproduktion der wichtigen Anbieter am Weltmilchmarkt im Vorjahresvergleich rückläufig – und eine schnelle Änderung ist kaum in Sicht. Dies hat nicht nur die internationalen Preise für Milchprodukte in ungeahnte Höhen getrieben, sondern das amerikanische Landwirtschaftsministerium (USDA) nun auch dazu veranlasst, seine Produktionsschätzung für 2022 deutlich nach unten zu korrigieren.

In seiner aktuellen Halbjahresprognose erwartet das USDA für die insgesamt 18 betrachteten Länder, dass dort die Rohmilcherzeugung im laufenden Jahr bei 545,2 Mio. t liegen wird; das sind 4,2 Mio. t weniger, als noch im Dezember prognostiziert wurde. Erstmals seit vielen Jahren wird davon ausgegangen, dass die globale Milcherzeugung im Vorjahresvergleich abnimmt, wenn auch nur um einige Hunderttausend Tonnen.

Die Washingtoner Analysten stellen fest, dass seit Jahresbeginn insbesondere die großen Exportnationen weniger Rohmilch verarbeiten konnten. So sei das Aufkommen bis Mai in Neuseeland und Australien um jeweils rund 6 % gesunken, in der Europäischen Union und den USA um jeweils etwa 1 %. Lediglich in Argentinien sei aufgrund moderater Zunahmen im Kuhbestand ein Produktionszuwachs von 1 % verzeichnet worden.

Für den weiteren Verlauf erwarten die US-Experten in Ozeanien aufgrund der günstigeren Witterungsbedingungen und verbesserter Weidebedingungen eine Erholung der Milcherzeugung, die aber unter dem Strich in Neuseeland mit 21,88 Mio. t knapp und in Australien mit 8,73 Mio. t um 3 % unter dem Niveau von 2021 liegen soll.

Für die EU wurde die Prognose gegenüber Dezember nach unten korrigiert. Ein abnehmender Kuhbestand, immer mehr Umwelt- und Tierschutzauflagen sowie stark gestiegene Produktionskosten und eine regional schlechtere Futterversorgung durch Trockenheit stünden trotz der hohen Milcherzeugerpreise einer Ausdehnung der Produktion entgegen. Das USDA schätzt den Rückgang der EU-Rohmilcherzeugung 2022 gegenüber dem Vorjahr auf rund 2 %, für das eigene Land wird ein knapp stabiles Aufkommen erwartet. In den fünf führenden Exportnationen soll die Milcherzeugung insgesamt gegenüber 2021 um rund 1 % auf 287,5 Mio. t abnehmen.

Mehr Milch in China

Bedeutung für die globale Milch­erzeugung haben aber nicht nur die führenden Exportländer, sondern auch Produktionsschwergewichte wie Indien und China. Auf dem indischen Subkontinent wird sich nach Einschätzung des USDA der Aufbau der zur Milchgewinnung genutzten Rinderherde 2022 weiter fortsetzen; der Bestand soll gegenüber dem Vorjahr um etwa 1,8 Millionen Tiere oder 3 % auf 59,8 Millionen Stück wachsen, so viele wie in keinem anderen Land der Welt. Für die Rohmilcherzeugung wird ein Zuwachs von 2 % auf 98,0 Mio. t veranschlagt.

Weitaus kräftiger dürfte dieser nach Einschätzung der US-Analysten in China mit einem Plus von 4,5 % auf die neue Rekordmenge von 38,5 Mio. t ausfallen. Das Landwirtschaftsministerium in Peking hatte kürzlich berichtet, dass die Milchproduktion im ersten Halbjahr 2022 gegenüber der Vorjahresperiode sogar um gut 8 % gestiegen sei. Basis für diesen Zuwachs ist neben einer Professionalisierung der Erzeugung und höherer Milchleistung auch die Aufstockung der Milchkuhherden, deren Umfang im laufenden Jahr um 3,2 % auf 6,4 Millionen Stück zunehmen soll. Für die durch den Krieg gebeutelte Ukraine erwartet das USDA hingegen einen deutlichen Rückgang des Milchkuhbestandes um 10 % auf nur noch 1,55 Millionen Tiere; die Milcherzeugung könnte dort um rund 1 Mio. t oder gut 11 % auf 7,8 Mio. t einbrechen.

Für den internationalen Handel mit Milchprodukten ist die Nachfrageentwicklung des weltweit bedeutendsten Importeurs China von großer Bedeutung. Hier sieht das USDA Zeichen für eine Abschwächung. Der Absatz von Milchprodukten, insbesondere im Bereich Foodservice, hat in der Volksrepublik im ersten Halbjahr aufgrund der Corona-Lockdowns gelitten. Zusammen mit der höheren Eigenproduktion dürfte das den US-Analysten zufolge im Gesamtjahr zu geringeren Importen führen. Dies wird vor allem den Milchpulverbereich treffen, da während der Corona-Lockdowns mehr Milch getrocknet wurde und Lagerbestände aufgebaut wurden.

Bei den wichtigen Vollmilchpulvereinfuhren rechnet das US-Ministerium mit einem Rückgang um etwa 50.000 t oder rund 6 % auf 800.000 t gegenüber dem Rekordjahr 2021. Zudem soll laut Vorhersage Chinas Bezug von Magermilchpulver um 76.000 t oder 18 % sinken, der von Butter und Butteröl um 4 % auf 133.000 t sowie der von Käse um 9 % auf 160.000 t.

Das USDA rechnet jedoch global gesehen für 2022 nicht mit einem Einbruch der Im- und Exporte von Milchprodukten, da andere Länder, vor allem in Asien, größeren Importbedarf haben werden und Öl exportierende Länder durch den Energiepreisanstieg über genügend Kaufkraft für den internationalen Warenbezug verfügen.

Hohe Produktionskosten

Nicht nur das USDA, sondern auch die EU-Kommission hat im Juli eine Prognose zur kurzfristigen Entwicklung des Milchmarktes vorgelegt. Die Brüssler Analysten sehen die Kuhmilcherzeugung 2022 in der Gemeinschaft im Vorjahresvergleich ebenfalls abnehmen, allerdings nicht so stark wie das amerikanische Landwirtschaftsministerium. Laut Kommission sollen die Anlieferungen an die Meiereien um etwa 900.000 t oder 0,6 % auf 144,2 Mio. t sinken. Mitverantwortlich dafür wird das voraussichtlich geringere Rohstoffaufkommen in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden sein, während es in Polen und Österreich zunehmen dürfte. Hohe Produktionskosten und eine witterungsbedingt teilweise ungenügende Grundfuttergrundlage seien trotz hoher Erzeugerpreise Bremsen für eine Produktionssteigerung, so die Kommission. age

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