Mit dem NordLink wurde 2021 eine rund 623 km lange 525-kV-Hochspannungs-Gleichstromverbindung zwischen Deutschland und Norwegen in Betrieb genommen, um Erneuerbare Energien auszutauschen. Das überwiegend als Seekabel verlegte Kabelsystem erreicht bei Büsum das Land und verläuft bis zur Konverterstation in Wilster rund 54 km als Erdkabel, der Großteil durch landwirtschaftlich genutzte Böden. Nach Fertigstellung der Bauarbeiten im Jahr 2020 konnten viele Landwirte ihre Flächen bereits im darauffolgenden Jahr wieder bewirtschaften. Dennoch stellt sich die Frage nach langfristigen Auswirkungen auf Bodenstruktur und Ertrag.
Bedeutsam sind dabei besonders die mit der Bodenbewegung einhergehende Störung der Bodenstruktur und Veränderungen der Bodeneigenschaften. Um die bodenkundlichen und pflanzenbaulichen Auswirkungen zu untersuchen, führte die Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Kiel 2024 und 2025 ein Monitoring durch.
Monitoring der HAW Kiel
Im Rahmen des Monitorings wurden im Zeitraum 2024 bis 2025 von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Kiel im Fachbereich Agrarwirtschaft, Fachgebiet Bodenkunde und Pflanzenernährung, insgesamt zehn Flächen mit Silomais, drei Flächen mit Wintergerste und vier Flächen mit Winterweizen untersucht. Um jeweils die gesamte Fläche zu betrachten, wurden die Bestände mit einer Drohne überflogen und multispektrale Aufnahmen erstellt. Anschließend wurde ein Pflanzenindex (NDVI/NDRE/MSAVI) je Pixel berechnet, um die photosynthetisch aktive Biomasse zu quantifizieren. Die Entnahme von Ernteproben in unterschiedlichen Indexbereichen (niedrig, mittel und hoch) ermöglichte die Erstellung einer Korrelation zwischen Index und Ertrag. Im Anschluss wurden der Bereich der Trasse und ein flächenspezifischer Referenzbereich gegenübergestellt und verglichen (siehe Abbildung 1).
Ertragsdifferenzen zwischen −1 % und −12 %
Die Erträge (siehe Tabelle) im Bereich der Kabeltrasse lagen auf allen untersuchten Flächen unter dem Ertrag in der Referenz (unbeeinflusster Bereich). Insgesamt lagen die Ertragsdifferenzen zwischen minus 1 % und minus 12 %. Dabei ließ sich keine Kulturart mit besonders hohen oder mit besonders niedrigen Ertragsunterschieden erkennen. Die Unterschiede beim Silomais waren 2024 tendenziell höher. Dies ist wahrscheinlich auf Witterungsunterschiede während der Vegetationsperiode in den entsprechenden Jahren zurückzuführen. Bei etwas höheren Temperaturen und besser verteilten Niederschlägen im Sommer fielen die Ertragsunterschiede beim Silomais 2025 etwas geringer aus. Zu berücksichtigen ist, dass 2024 das vierte Erntejahr nach den Bauarbeiten war und im Jahr 2025 der Bau bereits fünf Jahre zurücklag.
Insgesamt lagen die ermittelten Erträge auf einem für die Region typischen Niveau. Bedeutsam ist, dass mit der angewendeten Methodik nicht unterschieden werden kann, inwieweit die verringerten Erträge auf den Einbau der Kabel (Bodenbewegung) oder den Betrieb des Erdkabels und die daraus resultierende Wärmeabgabe zurückzuführen sind.
Erhöhte Bodentemperatur in den Kabelgräben
Neben den Ertragserhebungen wurden Bodenuntersuchungen und -temperaturmessungen durchgeführt. Auf drei Flächen wurden Temperatursensoren installiert, die Bodentemperatur und Bodenwassergehalt in 10 cm, 30 cm und 45 cm Tiefe erfassen. Dabei ließen sich auf allen drei Feldern höhere Temperaturen im Kabelgraben feststellen. Diese lagen auf einer der Flächen im Zeitraum vom 15. November 2025 bis zum 15. Februar 2026 in 45 cm Tiefe bei im Mittel plus 1,25 K. In 10 cm Tiefe ließ sich noch eine Erhöhung der Temperatur um plus 0,69 K feststellen (vergleiche Abbildung 2). In 1 m Entfernung zum Kabelgraben konnten keine signifikanten Erhöhungen der Bodentemperatur mehr festgestellt werden. Auf den anderen Flächen lagen die Werte in einem ähnlichen Bereich. Während der Sommermonate ließen sich im Kabelgraben tendenziell geringere und über die niederschlagsreichen Herbstmonate höhere Bodenwassergehalte feststellen.
Veränderte Bodeneigenschaften
Um den Einfluss auf weitere relevante Bodenparameter zu erfassen, wurden auf zwei Flächen Bodenproben (Stechzylinder und Bohrstock) im Kabelgraben und außerhalb (Referenz) entnommen. Offensichtlich hat das Befüllen des Kabelgrabens dazu geführt, dass ab einer Tiefe von zirka 30 cm höhere Sand- und entsprechend geringere Schluff- und Tongehalte vorzufinden waren. Auch das Porensystem ist durch die Baumaßnahme nachhaltig verändert worden: Während sich auf den Referenzen die Wasserleitfähigkeit zwischen Ober- und Unterboden nicht unterschied, konnte im Bereich der Kabelgräben unterhalb des Bearbeitungshorizontes eine geringere Wasserleitfähigkeit festgestellt werden. Dies deutet daraufhin, dass die Porenkontinuität, die Ober- und Unterboden funktional miteinander verbindet, durch Regenerationsprozesse auch nach fünf Jahren noch nicht vollständig wiederhergestellt ist.
Fortführung im Jahr 2026
Für das Erntejahr 2026 ist eine Fortführung des Monitorings auf weiteren Flächen vorgesehen. Dabei kann voraussichtlich auch die 2025 entstandene Erdkabeltrasse BorWin 6 auf Ertragsunterschiede untersucht werden, um die Auswirkungen im ersten Jahr nach dem Einbau des Kabelsystems zu quantifizieren. Zudem sind durch die Auswertung weiterer Bodenparameter zusätzliche Erkenntnisse hinsichtlich des Regenerationsverhaltens der Böden in Dithmarschen zu erwarten.
An dieser Stelle muss bedacht werden, dass die Auswirkungen von Erdkabeltrassen von zahlreichen Faktoren wie der Bodenart, der Auslastung des Kabels, der Qualität der Bauarbeiten sowie den Witterungsbedingungen abhängen. Auch die Folgebewirtschaftung kann die Auswirkungen beeinflussen. So können der Anbau intensiv bewirtschafteter Kulturarten wie Kartoffeln oder wendende Bodenbearbeitung die Regeneration des Bodens verzögern, während Ertragsdepressionen mit dem Anbau strukturfördernder Arten minimiert werden können.
Fazit
Die NordLink-Trasse führte in den Erntejahren 2024 und 2025 auf den 17 untersuchten Flächen zu geringeren Erträgen im Bereich der Trasse zwischen 1 % und 12 %. Somit ließen sich auch vier beziehungsweise fünf Jahre nach dem Einbau noch Ertragsdepressionen im überwiegend jedoch einstelligen Bereich feststellen. Diese Ergebnisse decken sich mit Ergebnissen aus Testfeldern im Bereich des SüdLinks und der Literatur. Weitere Untersuchungen in der kommenden Vegetationsperiode versprechen zusätzliche Erkenntnisse besonders hinsichtlich des Regenerationsverhaltens der Marschen in Dithmarschen. Insgesamt sind die dargestellten Ergebnisse als vorläufig zu interpretieren.




