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Neues Gesamtkonzept konnte überzeugen

Fleischrinderauktion und Landesfärsenschau in Dätgen
Von Thore Kühl, Rinderzucht Schleswig-Holstein
Der Körsieger über alle Rassen wurde der typstarke und hervorragend bemuskelte Limousin-Bulle „Gucci vom Eiderland“ von der Rahn GbR aus ­Tielen. Fotos: Annelie Andersen

Mit einem neuen ­Gesamtkonzept präsentierte sich die Fleischrinderauktion 2026 im Vermarktungsstall der Rinderzucht Schleswig-Holstein (RSH) eG in Dätgen bei Neumünster. Erstmals wurde die Auktion mit einer Landesfärsenschau am Vorabend kombiniert. Zahlreiche Besucher aus den benachbarten Bundesländern ­sowie überregional angereiste Gäste nutzten diese Gelegenheit, sich ein umfassendes Bild von Qualität und Vielfalt der Fleischrinderzucht zu machen. Auch am Auktionstag herrschte sowohl vor Ort als auch online großes Interesse. Viele Zuschauer verfolgten die Hybrid­auktion erneut per Live-Übertragung direkt aus dem Ring.

Insgesamt kamen 30 Fleischrinderbullen sowie 21 weibliche Tiere aus sechs Rassen zur Versteigerung. Auch neue Rassen konnten im Auktionsring begrüßt werden und spiegelten die wachsende Bandbreite der Fleischrinderzucht wider. Der traditionelle Züchterabend bot bei Klönschnack, Getränken und Imbiss eine gute Gelegenheit zum fachlichen Austausch. Am Sonnabend eröffnete der Jungzüchterwettbewerb den Auktionstag und zog erneut großes Interesse auf sich. Anschließend stellte Thore Kühl die Bullen fachkundig vor, bevor Auktionator Karsten Winder die Versteigerung leitete.

Starker Wettbewerb: Die Sieger der Rassen Galloway, Angus, Limousin, Charolais, Blonde d‘ Aquitaine und Fleckvieh Simmental im Ring zur Siegerauswahl

Angus

Die Angus-Kollektion präsentierte sich ausgeglichen und mit moderner, leistungsstarker Genetik. Zum Sieger der Rasse wurde der 9-9-8 gekörte „Baron vom Hof Kamerun“ aus der Zucht von Willi Göttsche, Hennstedt, gekürt. Der Bulle überzeugte durch ein harmonisches Erscheinungsbild, viel Länge sowie eine gleichmäßige Bemuskelung und wurde für 4.000 € verkauft.

Topseller der Angus-Bullen war der lackschwarze, 8-8-8 gekörte „Rivaldo von Christelhoi“ aus der Zucht von Kurt Karsten Clausen, Mittelangeln. Der sehr typvolle Bulle mit einem Relativzuchtwert Fleischleistung (RZF) von 119 erzielte mit 5.100 € den höchsten Preis der Angus-Kollektion und wurde von einem Betrieb aus Mecklenburg-Vorpommern ersteigert.

Auch bei den weiblichen Angus-Rindern stand eine ansprechende Kollektion verschiedener Zuchtbetriebe zum Verkauf. Das teuerste Tier war „ML Winnie“ von der Ostermühlen GmbH & Co. KG aus Beringstedt, die bereits an der Landesfärsenschau teilgenommen hatte und für 3.400 € verkauft wurde. Auch die Jungrinder stießen auf reges Interesse, sodass die Zuchtstätten Tobias Ohlrogge, Schulendorf, und Hans-Werner Schröder, Tramm, Zuschlagspreise über 1.700 € erzielten.

Blonde d’Aquitaine

Die Rasse Blonde d’Aquitaine war mit dem Bullen „Haddeby vom Danewerk“ vertreten. Der von der WilMar Geestrind GbR gezüchtete Bulle überzeugte mit harmonischem Erscheinungsbild und einem imponierenden Seitenbild. Mit Typnote 9 gekört und als Sohn der amtierenden Miss Norla 2025, wurde er für 3.950 € verkauft.

Erst auf der Norla erfolgreich mit seiner Mutter, stand nun der herausragende Typbulle „Haddeby vom Danewerk“ selbst zum Verkauf.

Limousin

Die Limousin präsentierten sich erneut in hervorragender Qualität. Die Rahn GbR aus Tielen stellte mit dem 9-9-8 gekörten „Gucci vom Eiderland“ nicht nur den Sieger der Rasse, sondern zugleich den Körsieger über alle Rassen. Der „Grisu“-Sohn überzeugte als ausgeprägter Typbulle mit starker Bemuskelung, insbesondere in Rücken und Keule sowie einem RZF von 114. Der Ausnahmebulle wurde nach Rheinland-Pfalz verkauft.

Teuerster Limousin-Bulle war „Jorik vom Schauedamm“, ein homozygot hornloser „James“-Sohn aus dem Betrieb von Thomas Henningsen, Hürup. Mit einem RZF von 111 und starker Zuchtlinie erzielte er einen Zuschlagspreis von 5.200 €.

Bei den Limousin-Rindern wurden drei Tiere verkauft. Topseller war die „Bel-Orient“-Tochter „Herma“ aus der Zucht von Kirsten Hahn, Kiel-Moorsee, die für 3.400 € nach Nordrhein-Westfalen verkauft wurde.

Richterin Dr. Sabine Schmidt kürte schließlich das Limousin-Jungrind „Thea von Oster Langstedt“ von der Tams GbR zur Interbreed-Siegerin über alle Rassen.

Fleckvieh

Bei der Rasse Fleckvieh konnte sich „RZS Leo“ besonders in Szene setzen. Der homozygot hornlose „Hulk-Hogan“-Sohn aus der Zucht von Cord Jensen, Sörup, überzeugte mit soliden Zuchtwerten und einem harmonischen Gesamtbild. Der 8-8-8 gekörte Bulle wurde für 4.300 € verkauft.

Auch bei den Fleckvieh-Rindern zeigte sich eine gute Nachfrage. Beide Tiere waren bereits am Vorabend auf der Landesfärsenschau präsentiert worden. Den Höchstpreis erzielte die „Harley“-Tochter „Selina“ von Jens Behrens aus Beschendorf mit 3.500 €.

Charolais

Die Rasse Charolais war in Dätgen sowohl zahlenmäßig als auch qualitativ stark vertreten. Bei den Bullen stellte die Familie Albrecht aus Tetenhusen mit „Rocky“ den Körsieger der Rasse. Der 9-8-8 gekörte Bulle ist ein Halbbruder zu „Lovi PP“, der aktuell bei der Rinderzucht Schleswig-Holstein im Besamungseinsatz steht.

Teuerster Charolais-Bulle war „Rafael“, ein „Jacco“-Sohn aus dem Betrieb von Frank Albrecht, Tetenhusen, der für 4.600 € an einen Charolais-Kenner verkauft wurde.

Auch die weiblichen Charolais-Tiere überzeugten. Topseller der tragenden Färsen war „Aura“, eine harmonische „Sergio“-Tochter aus der Zucht von Antje Haase, Treia, mit einem Zuschlagspreis von 3.600 €. Der Topseller der Jungrinder war „Ava“ von Thorsten Jensen aus Högel, die für 2.500 € nach Hessen verkauft wurde.

Hereford

Erstmals wurden in Dätgen auch Tiere der Rasse Hereford präsentiert. Johanna Schneidereit aus Hennstedt stellte mit „Thilo“ einen interessanten Verkaufsbullen vor, dessen Pedigree von landes- und bundesschauprämierten Vorfahren geprägt war. Der 8-8-8 gekörte Bulle wurde für 3.300 € verkauft.

Zudem präsentierte Cornelia Brandt aus Eckstedt drei Hereford-Rinder. Die Tiere bildeten eine geschlossene Kollektion und wurden gemeinsam an einen Zuchtbetrieb in Niedersachsen verkauft. „Bambini“, „Sunny“ und „Beike vom Nord-Ostsee-Kanal“ erzielten jeweils einen Zuschlagspreis von 1.600 €.

Landesfärsenschau 2026

Die erstmals in das Auktionswochenende integrierte Landesfärsenschau entwickelte sich zu einem eindrucksvollen Schaufenster der weiblichen Fleischrindergenetik in Schleswig-Holstein. Richterin Dr. Sabine Schmidt bewertete zahlreiche hervorragend vorbereitete Färsen und Jungrinder in starken Klassen.

Bei den Angus-Färsen nahmen sechs Rinder am Wettbewerb teil. An die Spitze setzte sich die „REA-Babor“-Tochter „Umani“ aus der Zucht von Gesa Schneidereit, Hennstedt. „Vlieder vom Hof Kamerun“ aus der Zucht von Willi Göttsche wurde Reservesiegerin.

Bei den Blonde d’Aquitaine feierte der Betrieb von Döhren/Paradies aus Groß-Nordende mit drei Jungrindern eine gelungene Premiere. Den Klassensieg errang „­Agate vom Paradies“.

Viele neue Beschicker konnten in Dätgen begrüßt werden. Zu sehen ist die Zuchtgemeinschaft von Döhren/Paradies mit ihren Blonde d’Aquitaine.

Die Charolais-Färsen präsentierten sich in drei starken Klassen. Klassensiegerinnen waren „Solea“ von Thomas Rothkehl, „Elke vom Brandener Hof“ von Anke Jaspers sowie „Fantasia vom Dannewerk“ von der WilMar Geestrind GbR. In der Siegerauswahl setzte sich schließlich „Elke vom Bran­dener Hof“ durch.

Bei den Fleckvieh-Simmental überzeugte „Selina“ von Jens Behrens aus Beschendorf und setzte sich vor „Sinje“ durch. Die Limousin-Färsen boten ebenfalls einen hochklassigen Wettbewerb. Klassensiegerinnen waren „Susi PP vom Schauedamm“, „Treene vom Oster Langstedt“ sowie „Thea vom Oster Langstedt“ aus der Zucht der Tams GbR.

Auch White Galloway bereicherten das Schaugeschehen. Hier setzte sich „Xola vom Bebensee“ aus der Zucht von Mechthild Bening an die Spitze.

Im abschließenden Interbreed-Wettbewerb traten die jeweiligen Rassesieger nochmals gemeinsam im Ring an. Richterin Dr. Sabine Schmidt kürte schließlich die „MP Nice Eye“-Tochter „Thea von Oster Langstedt“ von der Tams GbR zur Interbreed-Siegerin über alle ­Rassen.

Fazit

Die Fleischrinderauktion 2026 in Dätgen bestätigte eindrucksvoll die hohe Qualität und Vielfalt der Fleischrinderzucht in Schleswig-Holstein. Das neue Gesamtkonzept aus Landesfärsenschau und Auktion wurde von Züchtern und Besuchern sehr positiv aufgenommen. Eine starke Nachfrage, zahlreiche Online-Gebote, viele überregionale Käufer, engagierte Jungzüchter sowie ein breites ­Rassespektrum sorgten für eine rundum gelungene Veranstaltung und machen Lust auf eine Fortsetzung dieses Formats.

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