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Ein zartes Blatt mit Anspruch

Frischer Feldsalat aus Norddeutschland hat jetzt Saison
Von Dr. Laura Maxi Stange, Landwirtschaftskammer SH
Die Feldsalataussaat mit hochmodernen Maschinen. Fotos: Tietje Beckedorf

Feldsalat (Valerianella locusta) wird von Verbrauchern wegen seines Geschmacks und seines hohen Gehalts an Vitaminen und Mineralstoffen geschätzt. Mit dem Start der Aussaat im März beginnt auf norddeutschen Feldern die neue Feldsalat-Saison. Die zarten Pflanzen, auch als Rapunzelsalat bekannt, gelten als erste frische Vitaminquelle des Frühjahrs. Einer, der die feine Kultur bestens kennt, ist Tietje Beckedorf, Gemüsegärtner aus Reinbek im Süden Schleswig-Holsteins. Auf seinem Betrieb Beckedorf Frischgemüse wachsen rund 80 ha Feldsalat, das entspricht etwa 10 % der gesamten Anbaufläche.

Für den Feldsalatanbau sind leichte, gut befahrbare Böden entscheidend. Denn leichte Böden ermöglichen, dass täglich geerntet werden kann. Dies ist ein wichtiger Faktor, da Feldsalat in der Hauptsaison laufend geschnitten wird.

Geeignete Flächen und Sorten

Schwere oder staunasse Flächen sind ungeeignet, da sie die notwendige Schlagkraft in der Ernte behindern. Feldsalat wird auf einer Fläche nur alle zwei bis drei Jahre angebaut, um den Boden zu schonen und Pflanzenkrankheiten vorzubeugen. Auch die Sortenwahl spielt eine große Rolle. Beckedorf setzt je nach Jahreszeit auf abgestimmte Feldsalatsorten. Im Frühjahr wachsen die Pflanzen zügig und relativ problemlos, doch im Sommer besteht aufgrund starker Sonneneinstrahlung die Gefahr, dass die zarten Blätter verbrennen. „In den Sommermonaten ist Feldsalat nur mit hitzetoleranten Sorten möglich“, erklärt Beckedorf. Der Betrieb organisiert die Aussaat im engen Rhythmus: Von März bis Mitte September wird alle drei Tage gesät. Die Ernte erfolgt etwa 50 Tage nach der Aussaat. „Wir starten je nach Witterung im April und ernten dann bis Jahresende“, so Beckedorf. Bei Frost ist Vorsicht geboten, denn gefrorene Pflanzen dürfen nicht mechanisch bearbeitet werden, da sie leicht brechen. Die Ernte wird dann häufig um einige Stunden verschoben, bis der Bestand aufgetaut ist.

Spezialtechnik im Einsatz

Die Ernte von Feldsalat erfordert spezielles Know-how und Technik. Der Familienbetrieb hat hierfür eigens eine Spezialmaschine weiterentwickelt. „Unsere Maschine schneidet den Feldsalat 1 bis 2 mm unter der Erde, also direkt unterhalb der Keimblätter. So bleibt das Produkt sauber und intakt“, erläutert Beckedorf. Mit dem angepassten Verfahren kann zügig geerntet werden. Die Maschine wurde im eigenen Betrieb auf Basis praktischer Erfahrungen konzipiert und an die Bedingungen im Feldsalatanbau angepasst. Arbeitsintensiv ist der Feldsalatanbau dennoch: Tägliche Ernte und Pflege bedeuten einen hohen Aufwand, aber dank Automatisierung gelingt die Bergung vergleichsweise schnell. „Mit unserer Technik schaffen wir die Ernte mit sechs Personen. Das spart Zeit und schont die Ware“, erzählt der Landwirt. Direkt nach der Ernte wird der Salat gewaschen, gekühlt und verpackt. Die Ware geht möglichst tagesfrisch in den Handel.

Die Ernte von Feldsalat erfordert spezielles Know-how und ausgeklügelte Technik.

Pflanzen gezielt schützen

Trotz aller Sorgfalt im Anbau bleibt der Pflanzenschutz eine Herausforderung. Feldsalat ist anfällig für Pilzkrankheiten wie den Echten Mehltau; zugleich ist die Zahl zugelassener Pflanzenschutzmittel sehr begrenzt. Dadurch steigt das Risiko von Resistenzen, und im Bedarfsfall muss mit Notfallzulassungen gearbeitet werden. „Der Wirkstoffrahmen ist eng – da muss man vorbeugen und genau hinschauen“, sagt Beckedorf. Der Betrieb setzt daher verstärkt auf moderne, resistente Sorten und auf eine konsequente Fruchtfolge. Auch Witterungsextreme fordern die Produzenten: Anhaltende Nässe erschwert die Ernte auf dem Feld, Hitzeperioden im Sommer setzen dem zarten Salat zu. Mit Erfahrung, Technik und flexibler Planung versuchen die Gemüsegärtnerinnen und Gemüsegärtner, diese Risiken zu meistern.

Regional genießen

In Norddeutschland gehört Feldsalat inzwischen fest zum Sortiment regionaler Gemüsebaubetriebe. Die Nachfrage im Lebensmitteleinzelhandel sei vorhanden und relativ stabil, berichtet Beckedorf. Allerdings ist der Markt geprägt von festen Abnehmerstrukturen. „Der Feldsalatmarkt ist sehr aufgeteilt – neu anzufangen ist hierzulande kaum noch möglich, allenfalls im kleinen Stil für Wochenmärkte“, schätzt er die Perspektiven für Neueinsteiger ein. Für etablierte Betriebe hingegen bleibt die Kultur eine wirtschaftlich interessante Ergänzung im Anbauplan.

Für Verbraucherinnen und Verbraucher bietet Feldsalat eine willkommene Abwechslung im Frühjahr und Herbst – er ist regional erzeugt, frisch verfügbar und lässt sich vielseitig zubereiten. Ob als klassischer Salat, kurz gedünstet oder im Smoothie: Die zarten Blätter bringen nicht nur Farbe, sondern auch Vitamine auf den Teller.

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