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„Der Lohn des Sommers“

Ute Ochsenbauer verwirklicht ihre Idee vom Dorfkrimi
Von Iris Jaeger
Dreharbeiten zum Dorfkrimi „Keiner schöner Tod II“ Foto: Ochsenbauer

Eine Stunde und 38 min – so lang ist der neue Wohlder Dorfkrimi „Kein schöner Tod II“, in dem überwiegend Laiendarsteller aus dem Dorf und der Region Stapelholm mitspielen – in grandioser Kulisse des Dorfes und der Treene-Landschaft und mit vielen Tieren. Initiatorin, Drehbuchautorin, Produzentin, Regisseurin und Darstellerin Ute Ochsenbauer hat mit diesem Projekt nicht nur ihre Idee von einem weiteren Dorfkrimi verwirklicht, sie hat damit auch einen echten Mehrwert für das Dorfleben und die Gemeinschaft geschaffen, der bei den Besuchenden der Filmvorführungen richtig gut ankommt.

Alles begann mit einem Tatort-Dreh vor mehr als 50 Jahren in Wohlde. „Jagdrevier“ von 1973 legte quasi den Grundstein für die beiden folgenden Dorfkrimis. Getreu dem Motto „Das können wir auch“ initiierte vor 30 Jahren Karin Nissen den ersten Wohlder Dorfkrimi „Kein schöner Tod in dieser Zeit“, schrieb das Drehbuch und schaffte es, genügend Leute zum Mitmachen zu gewinnen – und das bei einem Null-Budget.

Andreas und Ute Ochsenbauer (li.), Cläre McDaniel mit Hund Dotti (r.) freuen sich über das gelungene Projekt und den Film-Erfolg. 
Foto: Iris Jaeger

„Diesen Film habe ich dann vor zwei Jahren zusammen mit Wohlder Neubürgern geschaut und gedacht, der ist irgendwie so cool, eigentlich müsste es noch einmal so ein Projekt geben“, erinnert sich Ute Ochsenbauer. Der Teamgeist, die Spielfreude der Laiendarsteller, das ehrenamtliche Engagement, der Zusammenhalt, die einzigartige Atmosphäre, das alles wollte sie wieder erleben im Dorf. Die Reaktion der Mitschauenden damals fiel eher verhalten aus. Statt totaler Begeisterung kam: „Ja, ja, Ute, träum mal weiter, das wird nie was, nie.“ Doch da hatte sich die Idee bei ihr schon längst im Kopf festgesetzt.

Ute Ochsenbauer suchte den Kontakt zu Karin Nissen, der Produzentin des ersten Wohlder Dorfkrimis. Die erklärte sich bereit, das Drehbuch für die Fortsetzung zu schreiben, stand aber aufgrund ihres hohen Alters für die Umsetzung nicht mehr zur Verfügung: „Die Regie musst du dann machen, Ute“, sagte sie. „,Klar, kein Problem‘, sagte ich da noch völlig ahnungslos“, erzählt Ute Ochsenbauer. Beide nahmen sich Zeit und schrieben das Drehbuch, überlegten erste Rollenbesetzungen. Es geht um eine ältere Dame, die auf einen Enkeltrick hereinfällt. Aus Angst vor dem Betrüger zieht sie in eine Senioren-WG. Deren Bewohner helfen ihr, ihr Geld zurückzuholen, und stellen den Betrüger. Sie sperren ihn in einen Container, doch als sie ihn am nächsten Tag befreien wollen, ist er tot. Die Geschichte nimmt ihren Lauf.

Bis zum ersten Drehtag am 31. Mai 2025 folgte eine Zeit von Auf und Ab, Krisen, emotionalen Achterbahnfahrten, die von totaler Euphorie bis hin zu Tränen der Verzweiflung reichten, aber Ute Ochsenbauers Begeisterung für das Projekt blieb in der Zeit unangefochten. Und diese Begeisterung war ansteckend. Einige der Darsteller aus dem ersten Krimi wollten wieder mitmachen, ebenso wie viele neue Darsteller, die sich zu einem ersten Treffen im Dorfkrug einfanden. „Die Stimmung war klasse, und da wurde uns klar, es kann wirklich losgehen“, so Ochsenbauer. Klar war da auch, dass es eine Förderung durch die Aktivregion Eider-Treene-Sorge GmbH geben würde, mit der unter anderem die Finanzierung eines professionellen Kamerateams möglich wurde. Es wurde der Verein Treenezauber gegründet, am Ende zählte das Projekt mehr als 100 Mitwirkende.

Szene aus dem neuen Dorfkrimi
Foto: Ochsenbauer

Anfang Mai begannen dann die Dreharbeiten, Ende Oktober fiel die letzte Klappe. Die Drehmonate dazwischen waren geprägt von viel Engagement und Spielfreude, von Improvisation, der einen oder anderen Panne, von unerwarteten Wendungen und Überraschungen, geänderten Szenen, von weiteren Menschen, die mitspielen wollten. „Wir waren da sehr flexibel, es gestaltete sich alles sehr dynamisch, und irgendwie haben wir noch jeden mit untergebracht“, berichtet die Produzentin von ihren Erfahrungen. Ihr Learning sei gewesen, dass einige der Laiendarstellenden sich so in ihre Rolle eingefunden und diese ausgefüllt hätten, dass dadurch alles noch einmal lebendiger wurde: „Selbst wenn sie nur einen Satz zu sprechen hatten, haben sie sich eine ganze Geschichte dazu ausgedacht.“

Für viele waren es die ersten Dreharbeiten. Vor laufender Kamera und mit der Tonangel über dem Kopf sich aus der Komfortzone zu bewegen und zu sprechen, war sicherlich nicht leicht. „Das hat aber auch nur deshalb so gut funktioniert, weil Ute so offen und herzlich war, sie hat alle mitgenommen und dadurch ein Vertrauen geschaffen, das die Leute dazu bewegt hat, Hemmungen abzubauen und ihre Rolle mitunter auch frei Schnauze zu spielen“, sagt Cläre McDaniel, die die Hamburger Kommissarin in dem Krimi spielt und mit an der Organisation beteiligt war.

Einige schnacken auf Plattdeutsch und so wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Künstlerische Freiheit – das mache den Film so lebendig. Dabei ging es nie um den perfekt inszenierten Krimi, sondern darum, das Landleben auf eine ganz eigene Art und Weise und so vielfältig wie möglich abzubilden, mit Dorfbewohnern, Landwirtschaft, Treckern, Gaststätten, kleinen Läden und ganz viel Landschaft. „Wir wollten das Dorf zeigen, wie es ist, mit allen heute dazugehörenden Facetten“, so Ochsenbauer. Das sei auch durch das Mitwirken vieler Vereine und weiterer Engagierter gelungen. Dorfbewohner und Einrichtungen wie der Dorfkrug öffneten ihre Türen, halfen bei Requisiten und der Verpflegung, stellten Fahrzeuge und Räumlichkeiten zur Verfügung. Und in dem Film spielen viele Tiere mit, darunter auch die mit 22 Jahren älteste Kuh von Wohlde. Es wurde zusammen gegessen und zusammen gelebt, so wie es früher einmal auf den Dörfern war. „Wie schön so eine Gemeinschaft sein kann, wenn man miteinander an einem Strang zieht und auf ein Ziel hinarbeitet!“, schwärmt Ute Ochsenbauer. Das Projekt habe die Menschen zusammengebracht, es seien Freundschaften entstanden, und das Miteinander bestehe noch immer. Das Schneiden des Filmmaterials sei dann noch einmal eine ganz andere Herausforderung gewesen.

Seit November laufen die Filmvorführungen, unter anderem war der Krimi in Husum zu sehen und in zahlreichen Dörfern. Die mehr als positive Resonanz der Zuschauer sei überwältigend: „Ich bin jedes mal wieder berührt. Und zu sehen, wie die Leute sich freuen, wenn sie den Film sehen, ist für mich der Lohn des Sommers“, so Ochsenbauer. Weitere Vorführtermine bis März sowie einen Blog zum Filmdreh und mehr Infos gibt es unter www.treenezauber.de

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