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Warum Stammzellspenden leben retten

Wenn Hoffnung eine zweite Chance bekommt
Von Birka Thöming, Landjugend Bennebek
Birka Thöming hat die Hoffnung, dass ein an Blutkrebs erkrankter junger Mann durch ihre Stammzellspende eine zweite Chance bekommt, wie sie sagt. Sie appelliert, sich bei der DKMS registrieren zu lassen. Foto: Birka Thöming

Es gibt Momente im Leben, die man nie vergisst. Für mich begann alles im Juli 2011. In unserem Dorf hatte die Feuerwehr gemeinsam mit der Organisation DKMS eine große Typisierungsaktion organisiert. Ein Grundschulfreund meines Bruders war an Blutkrebs erkrankt – plötzlich kam das Thema ganz nah. Damals ließ auch ich mich typisieren, ohne zu ahnen, welche Bedeutung dieser Schritt viele Jahre später haben würde.

Laut DKMS hat etwa jede/-r Hundertste der mehr als 13  Millionen potenziellen Lebensretter bereits gespendet oder wird irgendwann spenden. Dennoch ist nicht jeder Treffer garantiert: Es gibt Menschen, die zwölf „Matches“ haben, und es gibt leider auch welche, die kein passendes Match für ihre Gewebemerkmale finden. Was viele nicht wissen: Jede fünfte registrierte Spenderin oder jeder fünfte registrierte Spender fällt während der Vorbereitung auf die Spende aus – aus gesundheitlichen, beruflichen oder persönlichen Gründen. Damit die DKMS im Ernstfall keine wertvolle Zeit verliert, fragt sie alle zwei Jahre Gesundheits- und Kontaktdaten per Mail ab. Ein kleiner Aufwand, der im entscheidenden Moment Zeit spart.

In Gesprächen mit Freunden und Bekannten erfuhr ich immer wieder, dass sie schon einmal in der engeren Auswahl standen. Auch bei mir gab es 2016 eine erste Anfrage – danach hörte ich jedoch nichts mehr. Diesmal war es anders.

Ich stand gerade bei den Kälbern und tauschte das Wasser, als mein Handy klingelte. Ein Anruf der DKMS aus Tübingen: Ich sei sehr wahrscheinlich ein Match für eine an Blutkrebs erkrankte Person. Meine Emotionen überwältigten mich: Ich hatte Tränen in den Augen und bekam sofort eine Gänsehaut am ganzen Körper.

Die folgenden 47 Tage bis zur tatsächlichen Spende vergingen wie im Flug. Zuerst wurden meine Gewebemerkmale über Blutproben genauer bestimmt. Eine Woche später kam die Nachricht: Ich kam als Stammzellspenderin für die betroffene Person infrage. Ab da ging alles Schritt für Schritt, immer in Ruhe. Ein fester Ansprechpartner erklärte mir jeden Ablauf, beantwortete Fragen und nahm mir Unsicherheiten.

Voruntersuchung und Spende fanden in der Charité in Berlin statt. Bei der Voruntersuchung wurde ich gründlich durchgecheckt: Blut und Urin, Ultraschall, EKG – alles, um sicherzugehen, dass ich fit für die Spende war. Immer wieder dachte ich: „Bitte lass nichts dagegensprechen.“ Ich wollte diese Chance unbedingt wahrnehmen.

Die DKMS organisierte alles, inklusive Anreise und Unterkunft für meine Begleitperson. Auch mein Vater als mein Arbeitgeber erhielt den Verdienstausfall und die Kosten für eine Ersatzkraft vollständig erstattet.

Die Voruntersuchung und die eigentliche Stammzellspende fanden in der Berliner Charité statt. Foto: Birka Thöming

Das Immunsystem der Empfängerperson wurde bereits zwei Wochen vor der Spende komplett heruntergefahren und die eigenen Stammzellen vollständig abgetötet. Danach lebte die Person nur noch mit meinen Stammzellen und war folglich auf meine Spende angewiesen – ein beeindruckender Prozess. Mir durfte in dieser Zeit nichts passieren und ich durfte auf keinen Fall krank werden. Deshalb habe ich mich in den zwei Wochen vor der Spende privat vollständig unter Quarantäne gesetzt.

Vier Tage vor der Spende begann ich, mir zweimal täglich einen hormonähnlichen Wirkstoff zu spritzen, der die Produktion von Stammzellen anregte. Bekannte Nebenwirkungen sind Kopf- und Gliederschmerzen. Bei mir äußerte sich das vor allem durch ein Ziehen im Rücken, unangenehm, aber gut auszuhalten.

Angefragt war eine periphere Stammzellspende – das Verfahren, das bei etwa 90 % aller Spenden eingesetzt wird. Dabei werden die Stammzellen direkt aus dem Blut herausgefiltert, während das übrige Blut zurückfließt. Ein Blutverdünner wird hinzugefügt, bei mir jedoch nur in geringer Menge, da mein Körper ausreichend Stammzellen produziert hatte.

Der Spendentag selbst war überraschend entspannt. Morgens um 7.45 Uhr sollte ich da sein, kurz nach 8 Uhr war ich angeschlossen. Die Schwestern waren herzlich, aufmerksam und sorgten dafür, dass ich mich wohlfühlte. Gegen 13 Uhr war die Spende abgeschlossen, und am Nachmittag kam der erlösende Anruf: Es waren genügend Stammzellen gesammelt worden, ich musste nicht erneut erscheinen.

Zwei Tage später erfuhr ich, dass meine Spende in Deutschland geblieben ist. Ein erwachsener Mann über 30 Jahre erhielt meine Stammzellen. Mehr erfahre ich vorerst nicht, doch in zwei Jahren könnten wir mehr voneinander erfahren, wenn es von beiden Seiten gewünscht ist. In mir bleibt die tiefe Hoffnung, dass die Spende ihm die zweite Chance schenkt, die er dringend braucht.

Jetzt bin ich für zwei Jahre für die Spende gesperrt und werde danach wieder in den Topf aufgenommen. Doch die Erinnerung an diesen Moment und die Gewissheit, dass Hoffnung eine zweite Chance bekommt, begleiten mich immer.

Am Ende möchte ich sagen: Bitte lass dich registrieren. Die Anmeldung über die DKMS-Webseite ist unkompliziert und dauert nur wenige Minuten. Als Landjugendliche zeigen wir jeden Tag, dass wir Verantwortung übernehmen – für unsere Höfe, unsere Dörfer und füreinander. Vielleicht bist genau du das Match, das einem Menschen und seiner Familie Hoffnung und Leben zurückgibt. Manchmal braucht es nicht viel, um Großes zu bewirken – nur die Bereitschaft zu helfen.

Ein Set zur Typisierung kannst du dir unkompliziert unter dkms.de/registrieren zuschicken lassen.

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