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StartNachrichtenAgrarpolitikUnsichere Effekte auf Nitrat im Sickerwasser

Unsichere Effekte auf Nitrat im Sickerwasser

Studie der Universität zu Kiel zu Auswirkungen der Düngeverordnung
Von Dr. Robert Quakernack
Die Effekte der N-Düngerreduktion bei Ackerkulturen in Roten Gebieten auf Nitratgehalte im Grundwasser sind gering. Foto: Landpixel

Die Verhältnismäßigkeit der Düngerestriktionen in Roten Gebieten wird durch eine Studie der Universität zu Kiel (CAU) infrage gestellt. Laut Studienleiter Prof. Henning Kage ist die zu erreichende Reduktion der Nitrat­auswaschung ins Grundwasser gering.

Die Analyse zeigt, dass für Winterweizen und Winterraps die Bedarfswerte der Düngeverordnung (DÜV) bereits unter dem ökonomischen Optimum liegen und damit zu einer Verminderung der N-Bilanzreste gegenüber einer rein am ökonomischen Optimum orientierten Düngung führen, wobei die ökonomischen Einbußen bei Winterweizen gering und bei Winterraps moderat sind. Eine weitere pauschale Absenkung der Bedarfswerte um 20 %, wie in den Roten Gebieten vorgeschrieben, reduziert zudem die stickstoffkostenfreie Leistung (NKfL) bei beiden Früchten. Die N-Bilanzüberschüsse werden dadurch weiter verringert.

Allerdings ist laut den Studienautoren fraglich, ob diese Verringerung auch zu einem weiteren Rückgang der Nitratbelastung im Sickerwasser gegenüber einer Düngung nach den Vorgaben der „Normalwerte“ der DÜV führt, da insbesondere nach Raps auch bei unterlassener N-Düngung und damit bei deutlich negativer N-Bilanz die Nitratauswaschung auf einem höheren Niveau liegt als zum Beispiel nach optimal gedüngtem Getreide. Kages Schlussfolgerung: Es erscheint fraglich, ob für die beiden geprüften Früchte sich die Düngerestriktion von minus 20 % in Roten Gebieten noch im Rahmen der Verhältnismäßigkeit bewegt. Maßnahmen wie der Anbau von Zwischenfrüchten, Anpassung der Bodenbearbeitung im Herbst oder die Umstellung der Fruchtfolge könnten die Nitratauswaschung wesentlich effizienter und kostengünstiger mindern als eine pauschale Reduktion der Stickstoffdüngung.

Nach Kages Einschätzung sollte eine bundesweit einheitliche und verbindliche Regelung zur Düngungshöhe generell mit großer Sorgfalt, nachvollziehbar und auf wissenschaftlich-statistisch fundierter Grundlage ermittelt werden. Selbst geringe Abweichungen von einem bestmöglichen Schätzer der Düngungshöhe können bedeutende ökologische und ökonomische Effekte haben. Aus einem naturwissenschaftlichen Verständnis heraus sollte dies auf einer möglichst umfassenden sowie transparenten Analyse von Feldversuchsdaten geschehen. Hierbei sollten neben ökonomischen Faktoren auch die durch die Düngung verursachten Emissionen als externe Kosten, aber auch Leakage-Effekte durch Produktionsverlagerung berücksichtigt werden.

Die Stickstoffbedarfswerte der Düngeverordnung lägen für Winterraps und Winterweizen deutlich unterhalb der ökonomisch optimalen Stickstoffdüngung und genügten daher tendenziell bereits dem Anspruch der Berücksichtigung externer Kosten, so Kage.

Zum Zusammenhang der N-Düngehöhe bei verschiedenen Feldfrüchten und der Auswaschungsgefährdung sowie zu globalen Klimaeffekten der Stickstoffdüngung und der damit verbundenen optimalen Produktionsintensität und Produktionstechnik attestiert Kage „noch umfangreichen Forschungsbedarf“. Er empfiehlt, dass die Ableitung von Düngebedarfswerten in Zukunft in noch engerer Kooperation der Länderdienststellen gemeinsam mit der Wissenschaft erfolgen sollte. Im Sinne der Nachvollziehbarkeit und Transparenz sollten die zugrunde liegenden Daten und Auswertemethoden zudem öffentlich verfügbar gemacht werden. 

Info

Die Höhe der Stickstoffdüngung bestimmt maßgeblich Leistungsparameter und Umweltwirkungen im Ackerbau. Durch die Novellierungen der Düngeverordnung 2017 und 2020 sind bundeseinheitlich verbindliche Regelungen zur Stickstoffdüngung in Kraft getreten. In der Studie der CAU wird eine systematische Evaluierung der Effekte der Düngeverordnung auf Leistungsparameter und die Stickstoffbilanz vorgestellt. Grundlage ist eine umfangreiche Datensammlung von bundesweit durchgeführten Stickstoffsteigerungsversuchen zu Winterraps und Winterweizen.

Die Studie ist in der Zeitschrift „Berichte über die Landwirtschaft“ des Bundeslandwirtschaftsministeriums erschienen und HIER verfügbar.

Prof. Henning Kage. Foto: CAU
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