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Strukturveränderungen in Schleswig-Holstein

Schweine aktuell: Kennzahlen aus dem Schweinereport 2025 aus Sicht der Mast
Von Dr. Ariane von Mallinckrodt, Landwirtschaftskammer SH
Ökonomisch erfolgreichere Betriebe profitieren von niedrigeren Verlusten und einer besseren Futterverwertung. Foto: Dr. Ariane von Mallinckrodt

Die wirtschaftliche Lage der Schweinemast in Schleswig-Holstein bleibt angespannt. Die Auswertungen des Schweinereports 2025 basieren auf 153 Mastbetrieben mit insgesamt 761.849 ausgewerteten Tieren und zeigen trotz punktueller Leistungsverbesserungen weiterhin eine strukturell defizitäre Situation bei Vollkostenbetrachtung.

Gegenüber dem Vorjahr erhöht sich die Zahl der ausgewerteten Betriebe von 141 auf 153. Die Zahl der ausgewerteten Mastschweine steigt um 79.512 Tiere. Diese Entwicklung ist nicht als Bestandsaufstockung zu interpretieren, sondern als statistischer Effekt durch die stärkere Beteiligung größerer Betriebe. Landesweit sinken die Anzahl der Mastbetriebe gleichzeitig um 7,0 %, der Mastschweinebestand um 1,2 % (Statistischer Bericht Kennziffer C III 1-hj 1/25 SH, September 2025).

Biologische Leistungen stabil

Die biologischen Kennzahlen zeigen keine grundlegenden Leistungssprünge, jedoch stabile bis leicht verbesserte Ergebnisse im Durchschnitt aller Betriebe:

Anfangsgewicht 31,1 kg

Endgewicht (LG) 127 kg

Mastdauer 100 Tage

Masttagszunahme 962 g

Verlustrate 2,59 %

Futterverwertung 1:2,75

Ökonomisch erfolgreichere Betriebe erreichen niedrigere Verluste (1,94 %) und bessere Futterverwertung (1:2,63), während weniger erfolgreiche Betriebe deutlich höhere Verluste (3,61 %) und schlechtere Futterverwertung (1:2,82) verzeichnen.

Zwischen Erlösdruck und Kostenlast

Die ökonomischen Kennzahlen verdeutlichen die fragile Rentabilität:

Erlös je Kilo Schlachtgewicht: 1,86 €

Ferkelpreis: 87,20 € je Tier

Futterpreis: 27,80 €/dt

Die Direktkosten je 100 kg Zuwachs liegen im Mittel bei 174 €, wovon die Ferkel- (92,10 €) und Futterkosten (76,30 €) den größten Anteil ausmachen. Einen besseren Vergleich zwischen den Haltungsformen bietet die Betrachtung der Direktkosten je Quadratmeter Stallfläche. Sie liegen im Mittel bei 503 € (davon 265 € Ferkelkosten und 220 € Futterkosten).

Ein zentraler Faktor bleibt die Herkunft der Ferkel. Mastbetriebe mit Ferkeln aus dem eigenen Betrieb oder festen Eins-zu-eins-Lieferbeziehungen erreichen im Mittel höhere tägliche Zunahmen (über 980 g) bei gleichzeitig stabileren Verlustquoten. Handelsferkel schneiden in den Kennzahlen schwächer ab, besonders bei den Behandlungskosten und der Homogenität der Gruppen. Für die Praxis bedeutet dies: Langfristige Lieferbeziehungen und Gesundheitsstatus-Transparenz zahlen sich biologisch und ökonomisch aus.

DKfL entscheidet über Erfolg

Die durchschnittliche Direktkostenfreie Leistung (DKfL) ohne Sonderzahlungen beträgt:

11,10 €/100 kg Zuwachs

30,10 € je Mastplatz

32,00 €/m² Stallfläche

Die ökonomisch erfolgreichsten 25 % der Betriebe erreichen eine DKfL ohne Sonderzahlungen von 22,90 €/100 kg Zuwachs (64,90 €/m2 Stallfläche), während die 25 % weniger erfolgreichen Betriebe faktisch kostendeckend bis leicht negativ wirtschaften (–0,11 €/100 kg beziehungsweise –0,31 €/m2 Stallfläche). Mit Sonderzahlungen aus der Initiative Tierwohl (durchschnittlich 4,93 €/100 kg Zuwachs) verbessert sich die DKfL zwar rechnerisch. Dies löst jedoch nicht die strukturelle Problematik.

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht liegt der durchschnittliche Deckungsbeitrag pro Mastschwein im Jahr 2025 im Bereich von rund 10 bis 11 € je Tier, mit einer sehr breiten Streuung zwischen den ökonomisch erfolgreicheren und weniger erfolgreicheren Betrieben.

Die Kostenstruktur wird unter anderem wesentlich durch Haltungsform und Management beeinflusst. Ein besonders deutlicher Effekt zeigt sich in der Stallbelegung. Kontinuierliche Belegungssysteme weisen höhere Krankheits- und Behandlungsraten auf als konsequente Rein-Raus-Verfahren. Betriebe mit Letzterem zeigen geringere Tierarzt- und Medikamentenkosten und stabilere Leistungen.

Vollkostenbetrachtung bei Neubauten

Nicht nur in der Sauenhaltung, auch in der Schweinemast stehen viele Betriebe vor der Frage, ob sich die Investition in einen Um- oder Neubau langfristig rentiert. Bei Berechnung der kalkulatorischen Fixkosten unter Neubaubedingungen zeigt sich die wirtschaftliche Realität klar und ungeschönt:

kalkulatorische Fixkosten je Mastplatz: 114 € (ohne Sonderzahlung)

DKfL je Mastplatz: 30,10 €

kalkulatorisches Betriebszweigergebnis: −83,70 € je Mastplatz

Ergebnis je 100 kg Zuwachs: −31,50 €

Damit wird deutlich, dass zum aktuellen Zeitpunkt die Schweinemast unter Neubaubedingungen selbst bei durchschnittlichen Leistungen deutlich unter der Kostendeckung liegt.

Fazit

Insgesamt bestätigen die Ergebnisse 2025, dass die Schweinemast wirtschaftlich nur dann stabil funktioniert, wenn biologische Leistung, Bestandsmanagement und Kostenkontrolle zusammengedacht werden. Betriebe, die ihre Kennzahlen konsequent auswerten und Schwachstellen systematisch angehen, können auch unter volatilen Marktbedingungen wettbewerbsfähig bleiben.

Der Schweinereport Schleswig-Holstein ist ein gemeinsames Projekt der Schweinespezialberatung und der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein. Der Report kann auf den Webseiten ssbsh.de und lksh.de kostenfrei eingesehen werden.

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