Auch in diesem Jahr können Pferdefreunde wieder für ihren Landkreis und ihr Bundesland Kilometer sammeln. Geführt, gefahren oder geritten, Hauptsache mit Pferd oder Esel, alles zählt. Los geht es am Sonnabend, 28. Februar. Bis Freitag, 26. Juni, können alle Kilometer dokumentiert werden. Im vergangenen Jahr beendeten Nordfriesland und Schleswig-Flensburg die Siegesserie der Segeberger. Eine große Hilfe war dabei Bianca Herwig, die auch den Sieg im Einzel holte.
„Ich hatte schon in den Jahren davor mitbekommen, dass es den Schleswig-Holstein Cup gibt und einige aus dem Stall mitmachen“, berichtet Bianca Herwig aus Esgrus, Kreis Schleswig-Flensburg. Doch erst als sie vor einem Jahr noch einmal persönlich angesprochen wurde, meldete sie sich an. Gemeinsam mit ihren Stallkolleginnen fuhr sie häufig mit dem Hänger in andere Gebiete und sammelte Kilometer. Dabei wurde klar, wie „bescheiden die Ausreitmöglichkeiten im Kreis“ sind. Trotzdem machte es der 34-jährigen Bäckerin viel Spaß, und nach den ersten Blicken auf das Ranking war ihr klar: „Da kann ich was erreichen.“
Schnell nahm sie die Sache ziemlich ernst. Mit ihren beiden Ponys, einem Haflinger und einem Norweger, machte sie die meiste Strecke. Doch das reichte ihr nicht. „Ich habe mir dann Pferde aus dem Stall geliehen, bin noch eine schnelle Runde ins Gelände oder habe einen Spaziergang gemacht“, erzählt Herwig. Gelegentlich holte sie mit dem Pony ihren Sohn aus dem Kindergarten ab. „Manchmal hat mich mein Mann auch mit dem Kleinen begleitet. Das war sehr schön“, erinnert sie sich, aber: „Da ging richtig viel Zeit rein.“
Gut in Form
Doch der Einsatz lohnte sich. Herwig kam auf mehr als 2.200 km und holte damit den Sieg im Einzelranking. Netter Nebeneffekt: Sie und ihre Ponys sahen noch nie so gut aus. „Die beiden stehen im Offenstall und haben 24 Stunden Heu zur Verfügung. Ich kämpfe immer mit ihrem Übergewicht. Jetzt sind sie zum ersten Mal schlank, und ich kann sie dieses Jahr mit gutem Gewissen auf die Koppel schicken.“
Denn es soll auf jeden Fall weitergehen. Herwig steht schon in den Startlöchern, hat weitere Stallkolleginnen angeworben und will in diesem Jahr unbedingt den Sieg für ihren Landkreis holen. Zwar hatte der Kreis Schleswig-Flensburg die meisten Gesamtkilometer, Nordfriesland erreichte jedoch im Schnitt die meisten Kilometer pro Teilnehmer und holte damit den Sieg. Der erste Rang im Einzel ist Herwig dabei gar nicht so wichtig.
Der Cup findet in diesem Jahr bereits zum fünften Mal statt. Die Organisatorinnen vom Verein Reit- und Fahrwege Schleswig-Holstein freuen sich über den großen Zuspruch: Im vergangenen Jahr machten 1.000 Menschen mit. Allerdings bereitete dieser Ansturm auch Probleme, da die Technik aufgrund der großen Datenmengen regelmäßig ausfiel. Das soll in diesem Jahr besser werden.
Immer mehr Teilnehmer
Den Wettkampf gibt es seit drei Jahren auch bundesweit. Im vergangenen Jahr nahmen vier Bundesländer teil. Schleswig-Holstein holte mit Abstand den Sieg bei den Gesamtkilometern, wobei in Hessen mehr Kilometer pro Teilnehmer eingereicht wurden. In diesem Jahr sind sogar acht Bundesländer dabei. Neben Schleswig-Holstein nehmen auch Hessen, Thüringen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Niedersachsen mit Bremen sowie Baden-Württemberg teil. Weitere Bundesländer befinden sich bereits in Warteposition. Auch eine Sparte für Kinder ist inzwischen eingerichtet.
Alle Touren werden getrackt und mit einem Beweis-Selfie werden die Kilometer anschließend eingereicht. Wöchentlich gibt es ein Ranking zwischen den Bundesländern und Landkreisen, und am Ende der Veranstaltung erhalten die Siegerlandkreise den Wanderpokal sowie ein beachtliches Preisgeld zur Investition in die Infrastruktur der Reit- und Fahrwege. Jeder Teilnehmer erhält ab zehn absolvierten Kilometern eine Schleife und eine Urkunde. Die Erstplatzierten der verschiedenen Sparten können zudem hochwertige Preise gewinnen.
„Der Cup der Bundesländer liefert verlässliche Zahlen, um den Bedarf an nutzbaren Reit- und Fahrwegen aufzuzeigen. Außerdem tut man mit seiner Teilnahmegebühr etwas Gutes, da der Überschuss dort landet, wo er hingehört: in unseren Reit- und Fahrwegen“, erklärt Stacy Bradtke vom Vereinsvorstand.
So wurden in Segeberg bereits ein Hängerparkplatz im Trappenkamper Forst sowie mehrere Aufstiegshilfen und Anbindebalken an verschiedenen Parkplätzen gebaut sowie viele neue Reitwegeschilder und Metallpfosten aufgestellt. Die Gesamtausgaben für Reitwege lagen bei 5.500 €. In Steinburg gab es einen Arbeitseinsatz im Holsteiner Wald sowie eine neue Beschilderung und Metallpfosten mit Gesamtausgaben von knapp 700 €.
„Viele weitere Projekte laufen bereits im Hintergrund, ein Reitweg ist jedoch nicht innerhalb von ein paar Wochen erstellt. Aufgrund von Bürokratie zieht sich so ein Projekt auch mal über Jahre, weshalb der Einsatz einiger Prämien erst später sichtbar wird“, so Bradtke weiter. Doch sie und ihre Kolleginnen vom Verein Reit- und Fahrwege Schleswig-Holstein wollen dranbleiben. „Unterstützung können wir allerdings immer gebrauchen“, sagt sie lachend, denn die ehrenamtliche Arbeit nimmt während der Cup-Phase viel Zeit in Anspruch.




