StartNachrichtenMarktRindfleisch – Aufwärtstrend bei Schlachtkühen vorerst gestoppt?

Rindfleisch – Aufwärtstrend bei Schlachtkühen vorerst gestoppt?

Marktkommentar
Von Björn Wiencken, LK-Markt
Foto: Imago

Die Preise für Schlachtkühe kennen seit Anfang des Jahres nur eine Richtung: Es geht von Woche zu Woche bergauf. Gründe dafür waren das knappe Angebot an weiblichen Schlachttieren und saisonbedingte Ausrichtungen der Fleisch verarbeitenden Unternehmen: Mit dem Beginn der Grillsaison wird eher Verarbeitungsware und somit preiswerteres Rindfleisch nachgefragt. Ebenfalls preisstützend wirkten sich die deutlich niedrigeren Rindfleischimporte aus. Im ersten Quartal dieses Jahres reduzierte sich die Importmenge um 15 %. Doch es mehren sich die Anzeichen dafür, dass die Spitze nun erreicht sein könnte. So lag der Preis für die O3-Schlachtkuh in Schleswig-Holstein in der KW 23 bei 4,15 €/ kg SG und notierte damit erstmals unverändert zur Vorwoche. Auch in der aktuellen Woche verharren die Kühe bei dieser Notierung. Ein Grund liegt in der Annäherung an den O3-Jungbullenpreis. Dieser lag in der vorigen Woche bei 4,45 €/kg SG und somit nur noch 0,30 € unter den Kuhpreisen dieser Handelsklasse. Bei einer weiteren Annäherung werden die Käufer irgendwann ausweichen.

EU-weit uneinheitliche Entwicklung

Die Preisnotierungen für Schlachtkühe bewegen sich innerhalb der EU stark unterschiedlich. Auf dem Niveau der Vorwoche verharrten nach Angaben der EU-Kommission in der Berichtswoche vom 20. bis 26. Mai die Preise in Belgien, Frankreich und Italien, während O3-Kühe in Irland um 0,2 % preiswerter gehandelt wurden. In Dänemark und Polen legten die Notierungen um 0,9 % und 0,3 % zu. In Österreich und Spanien gab es überdurchschnittliche Preisaufschläge von 2,7 % und 2,6 %. Preisstützend verhalten sich hier die deutlich gestiegenen EU-Rindfleischexporte, die im ersten Quartal dieses Jahres trotz sinkender Tierbestände um 9 % zugelegt haben.

Haltungsform-3-Aufschlag

Die Aufschläge für Schlachtkühe aus der Haltungsform 3 liegen zurzeit bei 0,15 €/kg SG und im Jungbullenbereich bei 0,25 €/ kg SG. Während im Milchviehbereich die Anforderungen dieser Haltungsstufe relativ einfach umzusetzen beziehungsweise auf vielen Betrieben diese Kriterien bereits Standard sind, sieht es im Jungbullenbereich gerade in Schleswig-Holstein anders aus. Hierzulande wird Bullenmast zu einem großen Anteil noch in Altgebäuden betrieben. So lässt sich zwar die Forderung nach einem erhöhten Platzbedarf durch Herausnahme einzelner Tiere noch relativ einfach umsetzten, doch bei den Anforderungen zum Außenklima durch einen Laufhof oder einen Offenfrontstall winken die meisten Bullenmäster ab. Hier würde dann nur ein Neubau infrage kommen. Da liegt der Ball dann wieder beim Lebensmitteleinzelhandel, der nicht nur laut nach mehr Tierwohl rufen sollte, sondern dies auch durch langfristig deutlich höhere Aufschläge planbar und finanzierbar machen muss. Momentan wird die Nachfrage auf der HF3-Schiene im Jungbullenbereich hierzulande nach übereinstimmenden Aussagen des Viehhandels kaum bedient.

Ausblick

Aktuell spricht einiges dafür, dass die Schlachtkuhpreise zwar nicht mehr anziehen werden, sich aber eine vorerst stabile Seitwärtsbewegung einstellen wird. Das Schlachtkuhangebot wird weiterhin knapp bleiben, da der Milchmarkt momentan freundliche Tendenzen aufweist und daher jede Milchkuh in den Betrieben gebraucht wird. Somit steht dem knappen Angebot eine saisonbedingt erhöhte Nachfrage gegenüber. Auf der anderen Seite steigt das Angebot an Jungbullen, was hier, ebenfalls saisonbedingt, auf eine niedrigere Nachfrage stößt. Dies engt den Spielraum für weitere Preisaufschläge bei den Schlachtkühen deutlich ein.

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