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Pflanzgut wird knapp

Nordwesteuropäische Kartoffelanbauer (NEPG) bestätigen trotz Nässe gute Ernte und warnen vor Engpässen
Von NEPG, age
Sobald die Flächen befahrbar sind, steht alles bereit in den Frühkartoffelanbauregionen. Foto: Landpixel

Die Kartoffelsaison 2023 fand unter schwierigen Witterungsbedingungen statt. Dennoch dürfte die Kartoffelernte in Nordwesteuropa trotz der nässebedingten Ertragseinbußen leicht überdurchschnittlich ausgefallen sein. Die Organisation Nordwesteuropäischer Kartoffelanbauer (NEPG) in Gembloux bezifferte das Aufkommen in Deutschland, Frankreich, Belgien und den Niederlanden mit Stand vom 26. Januar auf insgesamt 22,66 Mio. t ohne Pflanz- und Stärkekartoffeln; das wären 5,1 % mehr als im Vorjahr. Der Fünfjahresdurchschnitt liegt bei 22,12 Mio. t Kartoffeln.

Die nässebedingten Ertragseinbußen und Nachernteverluste waren in der vergangen Saison aufgrund der ungünstigen Witterungsbedingungen hoch und werden von Fachleuten auf mindestens 650.000 t Kartoffeln oder 2,8 % veranschlagt. Schätzungsweise 11.000 ha oder 2,1 % der gesamten Anbaufläche hätten nicht gerodet werden können, hieß es.

Schwache Erträge in den Niederlanden

Anders als im Rest des NEPG-Gebiets waren die Erträge, die Anbaufläche und damit die Gesamterzeugung in den Niederlanden im Jahr 2023 kleiner als 2022. Dort geht die NEPG – vor allem wegen schwächerer Erträge – von einem Rückgang des Aufkommens um 14,9 % auf nur 3,13 Mio. t aus. Damit zeigen sich die Fachleute in Gembloux deutlich pessimistischer als das niederländische Statistikamt (CBS), das die Konsumkartoffelernte im eigenen Land zuletzt vorläufig auf 3,38 Mio. t taxierte; das wären nach den Daten der Statistiker lediglich 5 % weniger als im Vorjahr.

In Belgien ist die Gesamterzeugung trotz der dramatischen Verluste, die viele Landwirte hinnehmen mussten, um 18 % gestiegen, was auf einen Anstieg der Anbaufläche um 7,9 % und insgesamt bessere Hektarerträge zurückzuführen ist. Die belgische Ernte wurde mit 4,54 Mio. t beziffert.

Auch die Landwirte in Frankreich holten deutlich mehr Knollen als 2022 aus dem Boden; ausgegangen wird von einer Steigerung der dortigen Produktion um 12,9 % auf fast 6,83 Mio. t, wobei der Durchschnittsertrag mit 43,3 t/ ha das Vorjahresniveau um 10,5 % übertroffen haben soll.

Das Kartoffelaufkommen in Deutschland sieht die NEPG bei 8,16 Mio. t, nach rund 8 Mio. t im Vorjahr. Damit wurde der langjährige Durchschnitt um 1,5 % übertroffen.

Knappe Versorgung mit Pflanzgut

Mit Blick auf den Anbauumfang zur Ernte 2024 zeigte sich die NEPG besorgt, dass nicht genügend Pflanzkartoffeln der gefragten Sorten zur Verfügung stehen könnten und dafür entsprechend hohe Preise verlangt werden dürften. Zudem werde die Verfügbarkeit des Pflanzguts wohl überwiegend an Anbaukontrakte gebunden sein.

Deshalb dürfte das Angebot an freier Konsumware 2024/25 wahrscheinlich eher klein ausfallen. Ferner erwarten die Fachleute einen ungewöhnlich hohen Anteil an vorgekeimter Ware, besonders bei den mittleren Größen zwischen 45 und 55 mm.

Unterdessen hätten die Verarbeiter großes Interesse, dass die Erzeugung gesteigert werde, heißt es weiter. Sie dürften aber Mühe haben, die dafür nötigen Anbauflächen in der kommenden Saison unter Vertrag zu bekommen, so die NEPG. Denn die Landwirte würden nach den zuletzt negativen Erfahrungen höhere Risikoprämien als bisher einfordern.

Höhere Produktionskosten, immer höhere Risiken

Viele Erzeuger erkennen, dass der Kartoffelanbau nicht nur ein kostspieliges, sondern auch ein riskantes Geschäft ist. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Wie viel Fläche sollte unter diesen Marktbedingungen angebaut werden? Bessere Vertragsbedingungen gleichen höhere Produktionskosten und immer größere Risiken nicht aus. Hinzu kommt, dass viele Felder durch den extrem nassen Herbst beschädigt und verdichtet wurden.

Festes Preisniveau bleibt

Die Kartoffelpreise werden nach Einschätzung der Union der Deutschen Kartoffelwirtschaft (Unika) angesichts der knappen Versorgung auch im Frühjahr sehr hoch bleiben. Es sei damit zu rechnen, dass Speisekartoffeln früher als im vergangenen Jahr sehr teuer würden, hieß es kürzlich beim internationalen Kartoffelabend der Branche in Berlin. Die Bruttoernte werde durch Mängel geschmälert. Die Versorgung mit Speisekartoffeln in Deutschland im Frühjahr werde zunächst prekärer als im Vorjahr ausfallen, so Unika. Seit dem Herbst seien bereits erhebliche Versorgungslücken im Süden und Südwesten mit Speiseware aus Niedersachsen gestopft worden. Der Bedarf sei viel größer als im Vorjahr. Zudem gebe es in Ost- und Südosteuropa sowie in Großbritannien ebenfalls Versorgungsprobleme. age

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