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Marktkommentar, Marktlage und Markttendenz KW 4022

Milchmenge steigt – Preise auch?
Von Karsten Hoeck, LK-Markt
Foto: Pixabay

Alles wird teurer – auch die Milch. Viele Betriebsleiter fragen sich, ob diese positive Entwicklung angesichts der steigenden Milchmenge weiter anhält. In den vergangenen drei Jahren ist die angelieferte Milchmenge in Deutschland kontinuierlich gefallen. Dieser Trend hat sich bis Mitte dieses Jahres weiter fortgesetzt. Seit dem Beginn der zweiten Jahreshälfte liegen die wöchentlichen Milchanlieferungsmengen jedoch wieder auf der Vorjahreslinie beziehungsweise übersteigen diese sogar. Bislang nimmt der Markt diese erhöhte Produktion auf. Die Erzeugerpreise sind in den vergangenen Monaten kontinuierlich gestiegen. Im letzten Auszahlungsmonat August haben viele Meiereien 60 ct/kg als Grundpreis ausgezahlt. In Schleswig-Holstein könnte dieser Preis für September im Mittel aller Meiereien erreicht werden. Der Kieler ife-Rohstoff erhöhte sich im September um 0,3 ct auf 59,7 ct/ kg Milch. Die deutlich erhöhten Kurse im Lebensmittelhandel für Milchprodukte konnten sich auch zuletzt noch durchsetzen. Angesichts der hohen Lebenshaltungskosten ist die Luft für weitersteigende Preise recht dünn.

Höheres Milchgeld ist möglich

Doch auch ohne weitere Preisaufschläge für Milchprodukte im Groß- und Einzelhandel sind weitersteigende Erzeugerpreise möglich. Seit dem Jahresbeginn hinken die Erzeugerpreise der Entwicklung der Produktmärkte hinterher. Nach Berechnung der AMI in Bonn lag die Verwertung aus Butter und Milchpulver bereits im April bei 67,50 ct/ kg Milch. Die Anpassung der Erzeugerpreise erfolgt jedoch immer zeitversetzt erst einige Monate später, vor allem aufgrund der längerfristigen Kontrakte besonders für Frischmilch- und Markenprodukte. Damit ist die Anpassung der Erzeugerpreise nach oben noch nicht abgeschlossen und könnte auch in den folgenden Monaten anhalten.

Seit dem Ende der Sommerferien dreht sich jedoch die Lage. Viele Abnehmer agieren zurückhaltend. Die Energiekrise sorgt für eine hohe Inflation. Dies belastet sowohl die Verbraucher als auch die Meiereien. Viele Vorprodukte sind knapp oder nicht verfügbar. Während die Auszahlungspreise noch steigen, geben viele Großhandels- und Terminmarktkurse wieder nach. Dies gilt vor allem für Milchpulver.

Spitzenpreise in SH

Im bundesweiten Vergleich der Milchpreise ist Schleswig-Holstein jetzt seit fast einem Jahr Tabellenführer. An zweiter Stelle liegt Niedersachsen vor Sachsen. Während die Meiereien in den südlichen Bundesländern eher auf Markenartikel setzen, ist im Norden die Produktion von Butter und Magermilchpulver preisbestimmend. Viele Meiereien kaufen zusätzliche Milchmengen am Spotmarkt. Hier haben sich die Kurse seit Jahresfrist fast verdoppelt, gaben jedoch auch hier zuletzt etwas nach. Der Absatz der Markenartikel ist in langfristigen Verträgen gebunden. Damit bleiben die süddeutschen Bundesländer vorerst noch am Tabellenende.

Auf dem Weltmarkt zeigen sich seit Monaten rückläufige Kurse auf der Global-Dairy-Auktion in Neuseeland. Dies wird vor allem mit der rückläufigen Nachfrage aus China begründet, wo immer wieder Corona-Lockdowns den Handel erschweren. Erst in den vergangenen Wochen sind wieder steigende Auktionspreise zu verzeichnen. Insgesamt war jedoch das Weltmarktangebot knapp. In der ersten Jahreshälfte 2022 lag die Milchproduktion der bedeutenden Exporteure unter dem Vorjahr, stieg anschließend jedoch etwas an. Dies war vor allem in den USA und in der EU der Fall. In Neuseeland und Australien bleibt die Anlieferung jedoch weiter hinter den Vorjahresmengen zurück.

Neue Herausforderungen

In der Corona-Pandemie hatte der Biomarkt deutliche Zuwächse. Durch die aktuelle Entwicklung sind eher wieder preisgünstige Produkte gefragt. Mit dem jüngsten Preisanstieg für konventionelle Milch werden fast die Auszahlungspreise für Biomilch erreicht. Der fehlende Preisabstand sorgt aktuell für einen Nachteil der Ökobetriebe, mittelfristig sollte sich jedoch der Preisabstand wieder einstellen.

Nach Ansicht vieler Marktbeobachter bleiben Kriterien wie Nachhaltigkeit, Haltungsbedingungen und Regionalität sehr wichtig. Egal wie Milch produziert oder verarbeitet wird, in allen Bereich zwingen die hohen Energiepreise zu Anpassungen. 

Marktlage für die Woche vom 3. bis 9.10.2022

Getreide: Widersprüchliche US-Ernteschätzungen verunsichern die Märkte. Die Kurse schwanken auf einem erhöhten Niveau.

Raps: Auch die Rapskurse sind in der Vorwoche spürbar gestiegen. Die Unterstützung durch den Sojamarkt lässt jedoch nach.

Futtermittel: Die US-Sojakurse sind zuletzt weitergefallen und befinden sich auf dem Stand vom Jahresbeginn.

Kartoffeln: Die jüngsten Niederschläge haben die Ernte vorübergehend gebremst. Die Erträge bleiben unterdurchschnittlich.

Schlachtrinder: Die Schlachtzahlen bleiben weiter unter den Vorjahreszahlen. Die Kurse für Schlachtkühe sind reduziert worden.

Schlachtschweine/-sauen: Das Schweineangebot übersteigt die Nachfrage. Der Vereinigungspreis ist in der Vorwoche deutlich reduziert worden.

Ferkel: Die reduzierten Schweinepreise verringern auch die Nachfrage. Die Ferkelkurse wurden zurückgesetzt.

Milch: Die wöchentlichen Anlieferungsmengen liegen wieder über den Vorjahreszahlen. Die Produktnotierungen blieben stabil.

Schlachtlämmer/-schafe: Die hohen Ablieferungen halten an. Die Auszahlungspreise konnten sich jedoch behaupten.

Markttendez für die Woche vom 10. bis 16.10.2022

Getreide: Weltweit hohe Ernten stehen einer steigenden Nachfrage gegenüber. Der Markt reagiert sehr nervös auf neue Nachrichten.

Raps: Die wieder steigenden Spritpreise stützen dagegen die Rapskurse. Der schwache Euro verteuert Rapsimporte.

Futtermittel: Ob sich die sehr hohen Forderungen für Raps- und Sojaschrot weiter behaupten, ist unsicher. Futtergetreide ist wieder recht teuer.

Kartoffeln: Die Angebotsmengen passen zur Nachfrage. Die Preise sind stabil. Sonderangebote beleben den Absatz.

Schlachtrinder: Die Kurse für Jungbullen konnten sich behaupten. Hier sehen die Abnehmer vorerst wenig Spielraum nach oben.

Schlachtschweine/-sauen: Durch die Öffnung der ASP-Gebiete steigt das Angebot kurzfristig deutlich an.

Ferkel: Das Angebot an frei gehandelten Ferkeln ist wieder deutlich gestiegen. Zu dieser Jahreszeit ist die Nachfrage gering.

Milch: Durch die hohen Erlöse im Frühjahr werden wegen der Kontraktlaufzeiten vorerst feste Auszahlungspreise erwartet.

Schlachtlämmer/-schafe: Vorerst sollten sich die Notierungen behaupten. Die Schlachter haben jedoch Preisabschläge angekündigt.

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