„Digitale Marktplätze können auch erklären“, betonte Carola Ketelhodt, Vorsitzende des Zentrums für innovative Ernährungs-, Land- und Forstwirtschaft (ZIEL), beim ZIEL-Innovationsabend am Montag (6. März) in Rendsburg. Das sei wichtig, weil digital vermarktete Produkte häufig erklärungsbedürftig seien. Ketelhodt zeigte sich erfreut, dass der Bauernverband Schleswig-Holstein (BVSH) ihren Verein ab sofort als erstes Fördermitglied unterstützt.
Für BVSH-Vertreter Jasper Metzger-Petersen ist der Erfahrungsaustausch für die Weiterentwicklung von Innovationen essentiell. Der Landwirt und Direktvermarkter aus Oster-Ohrstedt, Kreis Nordfriesland, sieht enormes Potenzial bei der digitalen Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte und ist gespannt „auf das, was noch kommen wird“. Von ihren aktuellen Geschäftsmodellen berichteten beim Innovationsabend die drei Unternehmen Crowdfarming, cropspot und EinStückLand.
Bäume adoptieren
Crowdfarming ist eine in Spanien gegründete Direktvermarktungsplattform. Neben dem klassischen Einkauf von Produkten gibt es hier auch die Möglichkeit, Patenschaften einzugehen. „Das können Kühe sein oder auch ein Apfelbaum“, erläuterte Crowdfarming-Mitarbeiterin Antonia Herm-Stapelberg.
Das Ziel des Patensystems sei es, langfristige Beziehungen zwischen Landwirten beziehungsweise den „adoptierten“ Tieren oder Pflanzen und den Verbrauchern aufzubauen. Wer zum Beispiel die Patenschaft für einen Orangenbaum übernehme, erhalte nach der Ernte die Orangen per Versand nach Hause geliefert. Laut Herm-Stapelberg verschickten 2022 insgesamt 245 Erzeuger rund 1,4 Millionen Pakete über Crowdfarming. Der durchschnittliche Umsatz pro Betrieb betrug 100.000 €.
Aktuell arbeitet die Plattform ausschließlich mit bio-zertifizierten Betrieben. Das gebe einen gewissen Vertrauensvorschuss der potenziellen Kunden. Die Preisbestimmung erfolge durch den Landwirt. Herm-Stapelberg beschrieb: „Wir verstehen und als Dienstleister und Logistiker.“ In Deutschland packten die Landwirte ihre Pakete selbst, bekämen aber Beratung in Sachen Verpackung. Die Pakete gingen nach Abholung ab Hof in den Direktversand. Die Zahlung werde bei Überweisung direkt aufgeteilt in den Produktpreis für den Landwirt und eine Gebühr an Crowdfarming.
Preise vergleichen
Laut Maximilian von Weichs, Co-Geschäftsführer der Getreidehandelsplattform cropspot, haben viele Landwirte das Gefühl, bei der Vermarktung benachteiligt zu werden. Seine These: Landwirte verlieren Geld durch fehlende Vermarktungsroutine. Diese Lücke in der Wertschöpfungskette wolle cropspot als digitaler Marktplatz schließen. Er schilderte: „Wir nehmen die Ware auf, platzieren sie und machen Preise vergleichbar. Aber wir wollen auch immer analog erreichbar sein.“
Von Weichs hob zum einen die Funktion des an den Matif-Preis gekoppelten Preistickers hervor, der den konkreten Preis ab Hof ermittle. Zum anderen biete cropspot ein Dashboard, das zeige, was der Kunde bisher gehandelt habe, was sein niedrigster beziehungsweise höchster Preis war sowie seinen Durchschnittspreis. „Wir verstehen uns als Zusatz zu den vorhandenen Geschäftspraktiken“, erklärte der Geschäftsführer. Die Abwicklung der Käufe laufe zwischen Anbieter und Käufer. Entfernungen würden in die Preiskalkulation einbezogen.
Cropspot wird am 1. April vier Jahre alt. Für den Einstieg in digitale Marktplätze sei es entscheidend, Gewohnheitsbarrieren zu überwinden, so von Weichs.
Fleisch aus der Nische
Hinrich Carstensen, Geschäftsführer von EinStückLand, sieht sich selbst in einer Nische. Er berichtete: „Wir wollen kleinere Fleischrinderhalter mit vielleicht 70 bis 80 Tieren bei der Vermarktung unterstützen.“ Die insgesamt 28 Erzeuger auf seiner Plattform kommen ausschließlich aus Schleswig-Holstein und betrieben zumeist extensive Weidehaltung. Vertrieben würden die Produkte deutschlandweit. Neben Rindfleisch biete EinStückLand mittlerweile auch Schweine- und Hähnchenfleisch.
„Wir übernehmen die Kommunikation mit den Schlachtern und kümmern uns um Bestellungen, Verpackungen, Design, Kühltransporte, Kundenservice, Social-Media und Presse“, schilderte Carstensen. Sein Fokus liege vor allem auf Tierwohl. Beim Preis für den Erzeuger werde nicht zwischen Bulle, Ochse oder Färse unterschieden. Die Rinder müssten zudem mindestens zwei Jahre alt sein. Zwischen Bio und klassisch macht Carstensen keinen Unterschied. Er schilderte: „Wir sind beim Verkauf vom Achtel-Rind auf 4-kg-Pakete gegangen. Das ist für die Vermarktung an Städter besser.“ Vom Grundsatz werde bei EinStückLand immer erst vermarktet und dann geschlachtet.
ZIEL-Geschäftsführer Jan Henrik Ferdinand unterstrich zum Abschluss der Veranstaltung die Bedeutung eines Innovationsnetzwerks für den ländlichen Raum. „Wir möchten Praktiker einladen, dazuzukommen, um Innovation weiter voranbringen“, so Ferdinand.



