Im Herbst 2024 startete das Projekt „Nützlingszelte“, das die Blattlausbesiedlung im Feld durch den frühen Einsatz eines Nützlingszeltes effektiv reduzieren sollte.
In diesem kleinen, vliesbedeckten Zelt (siehe Foto) wurde blattlausbesetzter Ampfer gepflanzt. Die Blattlausart auf dem Ampfer war Aphis rumicis, die nur diese Wirtspflanze hat und in ihrer Neigung zur Massenvermehrung sowohl als Futter als auch eventuell als Lockmittel für Nützlinge fungieren kann. Blühpflanzen, die ebenfalls unter das Zelt gepflanzt wurden, sollten Nützlingen als weitere Nahrungsquelle dienen. Die Vliesabdeckung hebt die gegebene Temperatur im Frühjahr so weit, dass die Aktivitätsuntergrenze der Nützlinge überschritten wird und sie so schon im Feld aktiv sind, wenn die Besiedlung der Kultur durch Blattläuse erfolgt.
Versuchsaufbau im Feld
Nun liegen erste Ergebnisse aus den Testkulturen Salat, Dill und Ackerbohne in biologischer Produktion sowie Ackerbohnen und Erbsen mit chemischem Pflanzenschutz vor. Aus der Fülle der Daten soll hier insbesondere auf den Biobetrieb Rabberg in Rügge eingegangen werden.
Zum Auflauf der Kultur, Vicia fabae, wurde das Nützlingszelt in der Mitte des etwa 7 ha großen Feldes aufgestellt. Mitte Mai wurde das Vlies vom Zelt entfernt, sodass Nützlinge, die sich dort entwickelt hatten, in das Feld abwandern konnten. Die Kontrollfläche ohne Zelt war etwa 1,5 ha groß und lag abseits der Versuchsfläche.
Bonitur und Methodik
Auf zwei Diagonalen, die sich in der Mitte bei dem Zelt kreuzten, wurde auf jeweils einer Fläche von 0,2 m² im Frühjahr wöchentlich und im Sommer 14-täglich bonitiert. In Abbildung 1 sind gelb die Bonitierpunkte zu sehen. Es wurden Blattläuse nach Größe der Kolonie in sieben Gruppen eingeteilt und als Größengruppe notiert. Blattlausgegenspieler wurden ausgezählt. Immer wurde auch geschaut, ob die Ampferpflanzen noch blattlausbesetzt waren und welche Nützlinge sich dort einfanden. Zur Auswertung wurden die Mediane der Blattlausgruppen herangezogen, um eine Vorstellung von der tatsächlichen Blattlausdichte zu bekommen.
Blattlausentwicklung
Wie auch in den anderen Betrieben, in denen eine Kontrolle realisiert werden konnte, zeigte sich der Anstieg der Blattlauspopulation in der Kontrollfläche aggressiver, während in der Versuchsfläche die Zahlen der Blattläuse geringer ausfielen (Abbildung 2). Wichtig erschien auch die Information, wie lange sich die Ampferblattläuse auf dem Ampfer hielten, bevor auch sie von Nützlingen vernichtet wurden. Sie konnten sich bis Mitte Juni halten (schwarzer Balken in oberer Grafik in Abbildung 2).
Nützlingsspektrum
Das Spektrum der Nützlinge war sehr artenreich. Von den eingesetzten Schwebfliegen wurden später allerdings keine wiedergefunden. Auch in anderen Betrieben konnte kein unmittelbarer Zusammenhang zwischen ausgebrachten und wiedergefundenen Nützlingen gesehen werden. Allerdings war im Falle der Rabberg-Versuchsfläche die Lockwirkung der Ampferblattläuse, die die Gegenspieler in die Mitte des Feldes führten, deutlich.
Ökonomische Bewertung
Das Aufstellen des Zeltes und begleitende Maßnahmen führten nicht zur Anbaubehinderung. Ein ökonomischer Unterschied zwischen Versuch und Kontrolle in Form der Hülsenzahl pro Meter konnte nicht nachgewiesen werden. Das im Rahmen der Europäischen Innovationspartnerschaft (EIP-Agri) Schleswig-Holstein geförderte Projekt läuft noch bis Ende 2027 und wird von dem Ökoring ökologischer Landbau GmbH und BorbyControl, Spezialberatung Nützlingseinsatz, geleitet.




