Wie funktionieren die Kreisverbände der LandFrauen, was sind ihre Aufgaben, was bieten sie an und worin bestehen ihre Besonderheiten? Dazu startet das Bauernblatt eine Serie, für die der frühere Bauernblatt-Redakteur Tonio Keller alle zwölf Kreisverbände bereist. Zunächst aber erklärt Präsidentin Claudia Jürgensen im Rahmen einer Veranstaltung die Verbindung des Landesverbandes zur Kreis- und zur Ortsebene der LandFrauen.
„Je höher man auf den Ebenen des Verbandes agiert, desto mehr nimmt der politische Auftrag zu – und der Bildungsauftrag und die Geselligkeit nehmen ab“, ist die Erfahrung von Claudia Jürgensen, Präsidentin des LandFrauenverbandes Schleswig-Holstein (LFV SH). Weniger Geselligkeit und schon gar nicht weniger Bildung müssen die 17 LandFrauen aber befürchten, die zum Infotag für neue oder künftige Vorstandsmitglieder nach Rendsburg gekommen sind.
Klönschnack-Abende, Ausflugsfahrten, Infoveranstaltungen und einmal im Jahr die Jahreshauptversammlung – das Leben im Ortsverein bietet viele Gelegenheiten zum Kennenlernen und zum Austausch, aber auch zur Weiterbildung. Von der Landesebene kommen die meisten fachlichen Bildungsangebote. „Wir bereiten unsere Vorstandsdamen gut vor, etwa auf die Planung einer Jahreshauptversammlung“, betont Jürgensen. Ein passwortgeschützter interner Bereich für Vorstände auf www.landfrauen-sh.de bietet Informationen zu Themen wie Rechte und Pflichten, Finanzen, Datenschutz oder Öffentlichkeitsarbeit.
Bildung – Digitales bis Diabetes
„Digitalisierung – wir wollen sie alle, aber wir müssen auch alle dabei mitnehmen“, betont die Präsidentin. So können Interessierte qualifiziert werden als „Digitale Patinnen“ – ein Kurs in Kooperation mit dem Breitband-Kompetenzzentrum Schleswig-Holstein. Gesundheit – ein weites Feld, das die LandFrauen beackern mit Fachvorträgen von Diabetes bis Depression, von Sturzprävention bis Telemedizin, von Hörproblemen bis zu frauenspezifischen Themen. „Telemedizin war für mich vorher ein Fremdwort, wir haben alle gestaunt, was sie für Möglichkeiten eröffnet“, berichtet Jürgensen. Auch eine Schulung zur Büroagrar-Fachfrau (Baff) wird angeboten, ein Kurs in Kräuterkunde in Zusammenarbeit mit dem Bildungszentrum für Natur, Umwelt und ländliche Räume (BNUR) und – neu! – eine Weiterbildung zur Demokratie-Lotsin mit den Beratungsteams gegen Rechtsextremismus. Nur Rechtsberatung könne der Verband selbst nicht leisten, aber er frage dazu Anwälte an, wenn das Thema für viele Ortsvereine von Belang sei.
„Wir sind unparteiisch, aber nicht unpolitisch“, betont Präsidentin Jürgensen. Es gibt auf Landesebene drei Facharbeitskreise in den Bereichen Agrar und Umwelt, für Soziales, Frauen und Gesellschaft sowie für Hauswirtschaft und Verbraucherthemen. Der LFV wird eingeladen zu Anhörungen der Landesregierung, führt Gespräche mit Ministerien und findet laut Claudia Jürgensen dort auch Gehör. Zusätzlich gibt es den Arbeitskreis LandFrauenArchiv im Freilichtmuseum Molfsee und die Jungen LandFrauen – sie werden in der Serie als Unterorganisationen der Kreisverbände zu Gehör kommen.
Unparteiisch, aber nicht unpolitisch
„Wir sind unabhängig, da wir uns nur aus Mitgliedsbeiträgen finanzieren“, betont Jürgensen. Fördergelder seien immer projektbezogen. So konnte im vergangenen Jahr mit der Akademie für die ländlichen Räume verhindert werden, dass der Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ aus Spargründen gestrichen wurde. Aber auch in den Kreisverbänden werden gesellschaftliche Themen angegangen, etwa in Dithmarschen zur drohenden Schließung des Pränatalzentrums der Westküstenkliniken.
Der Vorstand des LFV, der für vier Jahre gewählt wird, besteht derzeit aus Präsidentin Claudia Jürgensen, Vizepräsidentin Sylke Messer-Radtke und den Präsidiumsmitgliedern Heidi Thamsen und Lena Haase. Laut Satzung gehören dem Vorstand auch die Geschäftsführerinnen Dr. Gaby Brüssow-Harfmann und Ninette Lüneberg an. Dazu kommen vier Beisitzerinnen. Diese werden im jährlich versetzten Zyklus ebenfalls für je vier Jahre von den Kreisverbänden gestellt, derzeit Frauke Krohn (Pinneberg), Marie-Theres Thede (Ostholstein) und Petra Heide (Schleswig). Für den vierten Posten, derzeit unbesetzt, hat Plön das Vorschlagsrecht. Unter anderem bereitet der Gesamtvorstand mit den Kreisvorsitzenden die jährliche Vertreterinnenversammlung vor – quasi die Jahreshauptversammlung des Verbandes. Dort nehmen außer den Genannten Delegierte der Ortsvereine teil. Außerdem gibt es im November eine Arbeitstagung.
Die Kreisverbände sind das Bindeglied zwischen den Ortsvereinen und dem Landesverband. Sie bündeln die Interessen, Belange und Meinungen vor Ort, und sie vermitteln die Bildungsangebote und die politischen Positionen aus dem Landesvorstand an die Basis. Dabei haben alle Kreise ihre eigene Struktur und ihr eigenes Gesicht. Das soll in der kommenden Serie sichtbar werden.
LandFrauenverband SH
Kreisverbände12
Ortsvereine150
Mitglieder26.000
Deutscher
LandFrauenverband
Landesverbände 22
Mitglieder400.000




